Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Dienstag, 31. Dezember 2013

Biete Rostlaube, suche DeLorean: Ist Onkelchens Auto ein Fall für Panagiota?

Gegen Ende des alten Jahres häuften sich die Horrormeldungen: Erst wurde Onkelchen krank, dann kam Weihnachten, dann wurde Tante Dilein krank (der Arzt steht vor einem Rätsel, Onkelchen vermutet einen sehr ernsten Fall von Lungengicht, einer bisher eher selten beobachteten Krankheit) und zuletzt verlor Onkelchens Auto das ungleiche Duell gegen einen Kleintransporter. Das Ergebnis dieses Zusammenstoßes kann man oben bewundern. Hinterrücks wurde das brave Auto von neidigem Stahle durchbohrt. Über 10 Jahre hat es Onkelchen treu gedient, und jetzt das. (Immerhin fährt es noch!)

Die bange Frage lautet nun: Neues Jahr - neues Auto? Wobei "neu" natürlich als relativer Begriff zu werten ist. Angesichts von Onkelchens ständig knapper Kasse sind die Optionen dürftig. Aber halt, da gibt es eine gute Fee, die auch in den übelsten automobilen Notlagen zu helfen weiß. Auch die übelsten Schrottmobile wandeln sich wundersam in alltagstaugliche Karossen, wenn Panagiota ihren Zauberstab schwingt. Nun, einen Zauberstab hat die erwähnte gute Fee zwar nicht zu bieten, sondern eher toughes Verhandlungsgeschick, gepaart mit Kulleraugen. Aber wer die VOX-Sendung "Biete Rostlaube, suche Traumauto" kennt, der weiß, dass die Allheilige - so lautet nämlich die wörtliche Übersetzung ihres griechischen Namens - fast immer helfen kann, wenn es darum geht, rechtschaffene Bürger wieder flott zu machen, wenn deren fahrbarer Untersatz das Zeitliche zu segnen droht.

Allerdings wünscht sich Onkelchen im Tausch für seine besternte Rostlaube einen DeLorean, komplett natürlich mit Flux-Kompensator. Diese Nuss dürfte selbst für Panagiota und ihre Hellas-Connection zu hart sein. Aber hey - neues Jahr, neue Chance, nicht wahr?
In diesem Sinne: Frohes Neujahr!

Montag, 23. Dezember 2013

Wie Haydns "Schöpfung" fast zum Weltuntergang geführt hätte

Vor ein paar Wochen hatte Onkelchen ein Konzert mit diesem Chor, zu dem ihn Tante Dilein immer einmal pro Monat hinschleppt. Gegeben wurde die "Schöpfung" von Joseph Haydn, ein monsterartiges Werk, für das neben einem gut gestimmten Chor drei Solisten und ein großes Orchester gebraucht werden. Die "Schöpfung" ist voller grusliger Textstellen, in denen das einmal Gesungene zigmal wiederholt werden muss, damit das Publikum die Chance hat, wenigstens einmal zu verstehen, worum es denn eigentlich geht. Hier ein Ausschnitt:

"...den Morgen grüßt der Lerche frohes Lied,
den Morgen grüßt der Lerche frohes Lied,
und Liebe, und Liebe girrt das zarte Taubenpaar,
girrt das zarte Taubenpaar,
und Liebe, und Liebe
girrt das zarte Taubenpaar, girrt das zarte Taubenpaar.
Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz.
Den Morgen grüßt der Lerche frohes Lied,
und Liebe, und Liebe girrt das zarte Taubenpaar,
girrt das zarte Taubenpaar, und Liebe und Liebe
girrt das zarte Taubenpaar, girrt das zarte Taubenpaar,
das zarte Taubenpaar."

Dass dies alles von einer ebenfalls zarten Sopranistin mit glockenheller Stimme dargeboten wird, macht das Ganze nicht besser, denn die Handlung kommt nicht voran. Irgendwann hat man nun doch das Gefühl, über den Beziehungsstatus des zarten Taubenpaares ausreichend unterrichtet zu sein. Und dennoch girrt es weiter. Der Chor hat in dieser Zeit gar nichts zu tun, steht sich nur die Beine in den Bauch und langweilt sich beziehungsweise hat die Möglichkeit, über die wichtigen Fragen des Lebens nachzudenken, wie zum Beispiel "Was tu ich eigentlich hier? Ich könnte zuhause drei alte Navy-CIS-Folgen auf Kabel 1 gucken, damit wäre meine Zeit besser genutzt." Oder man träumt davon, die girrende und trillernde Sopranistin zu entführen und in ein Baumhaus zu sperren, damit sie dort zirpen und trillern kann. Ganz in der Nähe der Kirche, in der das Konzert stattfand, hatte Onkelchen sogar ein geeignetes Baumhaus entdeckt. Vielleicht kackt das Taubenpaar der Solistin ja dann auch mal auf das Auftrittskleid aus schwarzer Spitze, dann sieht sie mal, wozu so ein verliebtes Taubenpaar fähig ist.

Onkelchen indessen schaffte es, das Konzert zu vergeigen, obwohl er nie in seinem Leben eine Violine angefasst hat. Er erwies sich wieder mal als wahrer Meister im Verpassen von Einsätzen sowie im Über- und Unterschneiden von Tönen. Die Musik, eine ebenso launische wie herzlose Geliebte, hatte mein Onkelchen mal wieder verstoßen. Resultierend daraus nahm er sich resigniert vor, den Gesang an den Nagel zu hängen. Er ist ja ohnehin mehr ein Mann des geschriebenen Wortes. Und so kam ihm nämlich eine Idee für den zweiten Band seiner auf drei Romane angelegten "Alienseeker"-Trilogie. Der Tenorsolist, extra von der Opernbühne eingeflogen, war nämlich ein junger Mann von stattlichem Format.

Onkelchen, über dessen Körpermaße ich mich hier schon mehrmals ausgelassen habe, war im Vergleich dazu richtig schlank! Da Onkelchen und der Tenorsolist beim abschließenden Abendessen in einer griechischen Kneipe Rücken an Rücken saßen, bestand die ernstliche Gefahr einer Krümmung des Raum-Zeit-Kontinuums. Denn so viel Masse, wie sie Onkelchen und der Tenorsolist gemeinsam aufwiesen, kommt eigentlich nur in supermassiven Schwarzen Löchern vor. Der Tenorsolist hatte zwar mehr Masse, Onkelchen dagegen wahrscheinlich sehr viel mehr dunkle Energie.

Und so stand die Welt tatsächlich kurz vor dem Abgrund. Es knirschte merklich im Gebälk des Universums (oder waren es nur die altersschwachen Dielen der Kneipe?), Onkelchen war in Gefahr, von der Masse des Tenorsolisten aufgesaugt zu werden, und das daraus resultierende supermassive Schwarze Loch hätte die Welt mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne mit der Wimper zu zucken verschluckt.

Glücklicherweise pennte Onkelchen nach dem Verdauungs-Ouzo ein und kippte dadurch nach vorne, so dass die fatale Vereinigung doch nicht zustande kam. Sonst wäre der gesamte Chor einschließlich Tante Dileins und einschließlich der zarten Sopranistin in einem Schwarzen Loch gefangen gewesen, und Don Anderson, der Held wider Willen aus Onkelchens Alienseeker-Trilogie, hätte heraneilen und den galaktischen Mist wieder aufräumen müssen - und das kurz nachdem er im ersten Band einen über Jahrtausende schwelenden Konflikt zweier Alien-Völker geschlichtet hatte.

So entging die Welt ganz knapp dem durch die "Schöpfung" induzierten Weltuntergang.
Gerade noch mal Glück gehabt.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Auf der Insel des Nepps


Tja, liebe Freunde, es ist einige Zeit vergangen, seit wir uns das letzte Mal gemeldet haben. Onkelchen hatte zuletzt sehr viel zu tun und konnte leider nicht zum Tippen abkommandiert werden. Tante Dilein leider auch nicht. Auf diesem Grunde lag dieser Blog zunächst einmal für einige Zeit still. Jetzt aber hat Onkelchen wieder einmal Zeit, da er sich fürchterlich langweilt. Und das kam so:

Da Tante Dilein vor einer beruflichen Veränderung steht (na gut, sie zieht in ein neues Büro), hatte sie sich ausbedungen, vor Weihnachten noch einmal Urlaub zu machen. Eine richtig erholsame Reise sollte es werden, mit Sonne, Meer, gutem Essen und allem, was dazu gehört. Und da hatte Tante Dilein eben vorgeschlagen, in das Hotel "Roca Nivaria" nach Teneriffa zu gehen, einem der schönsten und edelsten Häuser der Insel. Onkelchen hatte darauf eingentlich keine Lust, er salbaderte, dass er viel lieber eine Pilgerfahrt nach Lourdes machen wollte, mit Rosenkranz beten und Lichterprozessionen und solchen Sachen. Tante Dilein wollte das wiederum nicht, und auf dem Kompromissvorschlag, nach Rom zu gehen, ließ sie sich nicht ein. Man kennt Onkelchen ja: Ständig ist er da in den Ruinenfeldern unterwegs, und das Ganze wird dann nur noch durch einen Besuch bei dem wackeren Papste Franziskus gekrönt, von dem Onkelchen ein großer Fan ist.

Onkelchen weiß natürlich, wann er sich Tante Dilein geschlagen geben muß. Und so ist er also am Samstag mit Todesverachtung in ein Flugzeug einer dubiosen Never-Come-Back-Airline gestiegen, die ihn und weitere knapp 200 Leute nach Teneriffa bringen sollte. Jenes Eiland, dessen Beitrag zur Weltgeschichte unter anderem in dem größten Flugzeugunglück aller Zeiten bestand, als nämlich auf dem neblichten Flughafen Teneriffa-Nord zwei Jumbo-Jets ineinander krachten im Jahre 1977. 583 Menschen kamen dabei ums Leben. Onkelchen vergisst so etwas natürlich nicht. Und so hatte er schon beim Start ein ungutes Gefühl, und über dem französischen Zentralmassiv geriet der Flieger natürlich in Turbulenzen. Will sagen, es schüttelte zunächst nur ein bißchen. Onkelchen aber geriet wieder in Panik und lehnte Tante Dileins Angebot, ihn mit ein paar Glückspillen ruhigzustellen, brüsk ab. Stattdessen begann er damit, für alle Passagiere vernehmlich den schmerzhaften Rosenkranz zu beten. Tante Dilein konnte dies natürlich nicht zulassen - es hätte zu einer Massenpanik geführt, wenn Onkelchen da weiter psalmodiert hätte. Schließlich rumpelte es aber so sehr an Bord, dass die Kabinencrew kurzfristig den Service einstellen musste. Onkelchen war nun kurz davor, in Rufe der Art "Wir stürzen ab! Wir werden alle sterben!" auszubrechen. Da beruhigte sich die Luft aber wieder auf wundersame Weise, und ich komme nicht umhin, dieses Wunder Tante Dilein zuzuschreiben.

Teneriffa ist leider eine üble Nepp-Insel. Obwohl beide "All Inclusive" gebucht hatten, gibt es verdächtig viele Schlupflöcher. Ein simpler Eistee ist zum Beispiel nicht im "All Inclusive" enthalten und muss extra bezahlt werden. Der Besuch im Spa-Bereich des Hotels ist zwar kostenlos, alles weitere muss dort aber extra gelöhnt werden, und sei es nur ein Extra-Handtuch. Und dauernd hämmert es irgendwo, ständig sind irgendwelche Hilti-Bohrer zugange, um irgendwelche Löcher zu bohren. Es ist ein Graus. Nun könnte man auf die Idee kommen, warum man denn immer im Hotel bleiben soll, eine Tour rund um die Insel wäre doch bestimmt interessant? Nun, da wird man halt leider in überfüllten Bussen von einem Eck der Insel in ein anderes gekarrt, das dauert schon mal ewig, und dann hat man gerade zwei Stunden, um einen komischen Zoo anzugucken, in dem fast nur kreischende Papageien zu sehen sind. Verzichte dankend. Bei einem früheren Aufenthalt haben Onkelchen und Tante Dilein sogar gegen Aufpreis eine "Backstage-Tour" in diesem Papageien-Zoo gebucht und dabei lauter Wasseraufbereitungsanlagen zu sehen bekommen. Das hätten sie zuhause bei der örtlichen Kläranlage wahrscheinlich billiger haben können. Die einzige spannende Frage, die während der Backstage-Tour aufkam, war, ob die Dame, die die Gruppe durch die Katakomben des Zoos führte, Ende der neunziger Jahre in der zu Recht vergessenen SAT.1-Daily-Soap "Geliebte Schwestern" mitgespielt hatte. Leider ließ sich dies nicht klären.

Onkelchen hat inzwischen schon einige Versuche gestartet, sich auf einem Frachtschiff anheuern zu lassen, um von der Infel herunterzukommen. Bloß weg, und fliegen will er ja nicht mehr. Aber da war doch, da war doch gestern im Hotel ein wunderbares Konzert von zwei einheimischen Musikern, Francisco Presa und Nathaly Tamargo, die das Hotel mit schwermütigen Weifen unterhielten. Eine sehr hübsche Frau übrigens! Und eine wunderbare Stimme hat sie! Ganz das Richtige für Vaters Sohn!
(Nachtrag: Onkelchen scheint jetzt endgültig den Insel-Koller bekommen zu haben. An einer früheren Stelle haben wir ja bereits die drei Stufen des Teneriffa-Blues behandelt. Onkelchen scheint bereits an Stufe zwei angelangt zu fein, denn er heult schon die ganze Zeit rum: "Ich geh nich mehr ins Wasser!"

Na dann.)  

Sonntag, 10. November 2013

Asterix ist heute wertvoller denn je!

Es ist jetzt doch eine gewisse Zeit vergangen, seitdem wir uns zum letzten Mal gemeldet haben. Manche unserer Freunde haben wahrscheinlich schon geglaubt, Onkelchen sei von seiner letzten Reise nach Taiwan nicht zurückgekehrt. Eine lustige Mutmaßung lautete, Onkelchen hätte sich eine kleine Asiatin genommen und mit ihr in Taipei ein Export-Import-Büro gegründet. Aber dank der gewohnt zuverlässigen Fluglinie Cathay Pacific ist Onkelchen schon vor einiger Zeit wieder in Deutschland gelandet. Er hatte ja auch einen guten Grund dafür: Er wollte das neue Asterix-Heft um keinen Preis verpasssen.

Obwohl Onkelchen auch andere Comics (wie zum Beispiel "Green Lantern") durchaus schätzt, geht für ihn nichts über Asterix. Manche Leute, die ihn sehr gut kennen, glauben, das läge daran, dass seine Figur der von Obelix nicht ganz unähnlich sei. Zudem kann er, wenn er Wut hat, durchaus ganz ähnliche Kräfte freisetzen wie der etwas stämmige, aber keinesfalls dicke Gallier, der schon als kleines Kind in den Zaubertrank gefallen ist.Tatsache ist jedenfalls, dass Onkelchen ohne Asterix sicherlich nicht auf den Römer-Trip gekommen wäre. Wer dieses Jahr das Pech hatte, sich von ihm über das Forum Romanum führen zu lassen, weiß, wovon ich rede. Und wenn alle zwei Jahre in Aalen die Römertage stattfinden und lauter Leute als Römer kostümiert auf und ab marschieren, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass der fröhliche Ruf "Römer! Ganz frische! Lasst sie mir!" über das Gelände schallt. Spätestens dann weiß jeder: Aha, Onkelchen ist auch da.

In den letzten Jahren hatte sich ja in der Asterix-Fangemeinde so etwas wie Mehltau breitgemacht. Der geniale Texter und Erzähler René Goscinny war ja bereits 1977 (!) verstorben. Zwar machte der Zeichner Albert Uderzo von da an alleine weiter, aber die Spritzigkeit der besten Bände, die Goscinny und Uderzo gemeinsam gestaltet hatten, erreichte das Soloprojekt des Zeichners nicht mehr. Fans wie Onkelchen können blind aus den Höhepunkten wie "Asterix als Legionär", "Asterix und der Arvernerschild", "Asterix bei den Olympischen Spielen", "Die Trabantenstadt" oder "Asterix bei den Briten" zitieren. Und jedesmal, wenn Onkelchen sein Lieblingsspiel "Total War: Rome II" spielt und die Truppen aufstellt, murmelt er folgendes Mantra aus "Asterix bei den Belgiern" (Goscinnys letztem Werk):

"Triarii und Principes in Caligae aus Leder
Und Hastati frisch aus Rom und Legionär ein jeder
Die Herren Sagitarii mit Federhelm und Clipei
Die sammeln sich und binden fest sich Schienen an die Knie.
Nicht zuletzt die Velites! All denen geht's in Belgien bös."

Gerade deshalb wurde ja der neueste Band "Asterix bei den Pikten" mit besonderer Spannung erwartet, da erstmals ein neues Team (Jean-Yves Ferri für den Text und Didier Conrad für die Zeichnungen) den Staffelstab von Uderzo übernommen hatte. Und das Ergebnis ist durchaus ansehnlich, wenn auch noch ausbaufähig. Onkelchen hatte glücklicherweise genug Zeit, um den Band zu lesen (im Regionalexpress von Würzburg ins Schwäbische) und hatte doch einige Male was zu lachen.

Schlimm ist allerdings, wie sehr Asterix offenbar bei der jungen Generation schon in Vergessenheit geraten ist. Der Bayerische Rundfunk brachte am Erscheinungstag eine Umfrage bei jungen Leuten, was sie denn von Asterix halten. Und die meisten antworteten in dem gelangweilt-arroganten Hipster-Tonfall, den man heutzutage offenbar für cool hält: Naja, Asterix sei doch eigentlich nur was für Kinder und dieser Obelix, der sei eigentlich doch nur ein Klotz am Bein von Asterix, also nee, das geht ja gar nicht.

Das zeigte Onkelchen, dass diese Kids absolut nicht verstanden haben, worum es bei Asterix und Obelix eigentlich geht. Asterix und Obelix sind ja gewissermaßen eine Parodie auf die gängigen Superhelden-Klischees. Weder Asterix noch Obelix sind gebaut wie Superman, Batman oder Green Lantern (diese Referenz durfte jetzt keineswegs fehlen). Der eine klein und unscheinbar, der andere ähhh... stämmig und gemütlich. In gewisser Weise ist zudem keiner ohne den jeweils anderen denkbar, da sie sich so gut ergänzen. Zudem ist es einfach nicht wahr, dass Obelix blöde und für Asterix ein Klotz am Bein ist: Er ist nur langsam. Obelix ist durchaus in der Lage, komplexe Überlegungen anzustellen (wer's nicht glaubt, sollte mal "Die große Überfahrt" lesen), wenn ihm Asterix nicht - wie so oft - das Denken abnimmt.    

Insgesamt sind Asterix und Obelix heute sogar so wertvoll wie noch nie zuvor. Denn in der Geschichten über das kleine gallische Dorf, das sich den römischen Invasoren widersetzt, steckt so viel Globalisierungskritik, dass es eine wahre Freude ist. Es ist nämlich nicht abwegig, in der Romanisierung der damals bekannten Welt zwischen dem ersten vorchristlichen und dem vierten nachchristlichen Jahrhundert so etwas wie eine erste Globalisierungswelle zu sehen. Latein wurde Weltsprache, alles orientierte sich an der römischen Kultur. Asterix zeigt, dass es gut und manchmal auch notwendig ist, gegenüber allen Globalisierungsbestrebungen so etwas wie eine eigene Identität zu bewahren. Auch wenn die mitunter darin besteht, dass man sich die nicht mehr ganz so frischen Fische von Verleihnix auf dem Marktplatz gegenseitig um die Ohren haut. Vielfalt statt Einfalt! In diesem Sinne hoffen wir alle, dass dem Dorf der Verrückten, wie es die Römer nennen, unter der Regie der Herren Ferri und Conrad eine lange und glückliche Zukunft beschieden sein mag.
 

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Was kann man nach einer besch...eidenen Nacht tun? Eine ganze Menge!

Es war eine grausame Nacht für Onkelchen. Daran war er allerdings in erster Linie selbst schuld. Denn jeder weiß: Wer abends Coca-Cola Zero trinkt, steht nachts im Bett. Dabei wollte Onkelchen ja nur bis Mitternacht taiwanischer Ortszeit aufbleiben, um mit Tante Dilein skypen zu können. Aber leider lässt sich die Wirkung von Coca-Cola Zero nicht so genau timen. Onkelchen drehte sich also im Bett von A nach B und zurück, um wenigstens irgendeine Position zu finden, in der ihn der Schlaf ereilen konnte. Aber der ließ sich lange bitten.
Dazu kam - und da hätte Onkelchen neben dem Cola Zero auch diverse Espressi trinken können - dass auf der Baustelle, die sich direkt neben seinem Hotel befand, auch nachts durchgearbeitet wurde. Denn auf der Baustelle wird derzeit die Baugrube für den Taipei Dome ausgehoben, eine Mehrzweckarena, in der 2017 die Universiade stattfinden soll. Vielleicht waren die Taiwaner gegenüber dem Bauplan schon im Verzug. Denn anders lässt es sich nicht erklären, dass (ausgerechnet in der Nacht zum taiwanischen Nationalfeiertag) der Bagger durchgehend am Rattern war und ebenfalls keineswegs geräuschgedämmte Laster mit Erdaushub belud.
Erst gegen vier Uhr früh fand Onkelchen dann Ruhe - viel zu wenig, wenn man um 8.30 abgeholt wird und zur Taitronics-Messe muss. Wie gerädert kämpfte er sich dann gegen sieben aus dem Bett. Immerhin war es ein sonniger Tag, von den teilweise sintflutartigen Regenfällen des Vortags war nichts übriggeblieben. Onkelchen kämpfte sich am Vormittag tapfer durch seine Termine und als ihn mittags dann der Hunger beschlich, ging er in das Messebistro. Dieses "Messebistro" heißt tatsächlich so. Es ist ein Selbstbedienungslokal, das auch überall in Deutschland stehen könnte - allerdings ist es um Längen sauberer als die allermeisten Selbstbedienungslokale, die man in Deutschland finden kann. Und es gibt dort unter anderem deutsches Bier.
Onkelchen wollte zwar kein Bier trinken, aber auf das Essen war er neugierig. Als er so die Theke begutachtete, tat sein Schwabenherz einen Freudensprung: Spätzle in Rahmsoße! Dass die Rahmsoße noch ein paar Hühnerteile enthielt und mit Gemüse besprenkelt war, nahm er natürlich gelassen hin. Er orderte das Gericht, das allerdings nach taiwanischen Verhältnissen mit 380 New Taiwan Dollars (was fast zehn Euro entspricht) unverschämt teuer war.
Sein taiwanischer Begleiter Allen orderte todesmutig Bratwurst mit Sauerkraut und Pommes, eine recht ungewöhnliche Kombination, die Allen auch bald sauer bereuen sollte. Die Wurst und die Pommes aß er zwar tapfer auf, aber das Sauerkraut ließ er stehen. Zu sauer, befand er. Onkelchen tröstete ihn: die Kombination von Pommes und Sauerkraut sei auch in Deutschland eher ungewöhnlich, meinte er. Und obwohl die Deutschen von den Engländern stets despektierlich als "Krauts" bezeichnet werden, sei Sauerkraut in Deutschland nicht so weit verbreitet, wie man immer meine. Klugerweise unterließ es Onkelchen, Allen von den bis zum Horizont reichenden Sauerkraut-Feldern auf den Fildern vorzuschwärmen. Allen, der Onkelchen über den ganzen Tag mit einer stoischen Gemütsruhe begleitete, wäre ihm dann nämlich vielleicht doch ganz leicht an die Gurgel gegangen.
Nach dem an heimatliche Genüsse gemahnenden Festmahl ging es weiter mit dem Pflichtprogramm, das nun wieder Onkelchen klaglos absolvierte. Zwischen halb drei und vier ergab sich sogar die Möglichkeit, ein bisschen auszuruhen, da ein eigentlich für den Nachmittag geplanter Gesprächstermin vorgezogen werden konnte. So dösten Onkelchen und Allen im Angesicht der Nachmittagssonne in den bequemen Sesseln des klimatisierten Pressezentrums vor sich hin.
Nach dem letzten Termin stromerten beide noch ein bisschen in der Messehalle herum. Onkelchen suchte noch ein paar interessante Fotomotive und stieß unter anderem auf ein technisch hochinteressantes Stechmückentötgerät im formschönen Design einer Tischlampe. Die Mücken werden vom Licht angelockt und dann durch elektrische Entladungen gemeuchelt. Formschön war auch die Dame, die Onkelchen den Gebrauch der Mückentötleuchte erklärte. Aus irgeneinem Grund hat Onkelchen nämlich die Dame und nicht die Leuchte fotografiert:
Egal. Landestypische Blumen soll man bewundern, aber nicht pflücken, so Onkelchens Motto auf Auslandsreisen. Auf landestypische Ess-Spezialitäten trifft dieser Grundsatz glücklicherweise nicht zu. Allen schlug Onkelchen nach dem Sauerkraut-Debakel vor, in eine Garküche einzufallen, in der hervorragende Dumplings serviert würden - was man grob mit gefüllten Teigtaschen übersetzen könnte. Onkelchen war sofort Feuer und Flamme und ließ sich per Taxi zu der geheimisvollen Lokalität bringen. Als sie dort angekommen waren, fragte Onkelchen nach dem Namen des von Einheimischen gut frequentierten Lokals. "BeiDaoHong" lautete die Antwort. Also ließen sich Onkelchen und Allen in der Lokalität nieder.
Tante Dilein hätte um das Lokal bestimmt einen großen Bogen gemacht. Aber Onkelchen ist in kulinarischer Hinsicht, zumindest was asiatisches Essen betrifft, etwas experimentierfreudiger als sein Ehegespons. Und was im Nahen Osten gilt - wo viele Einheimische essen, da lass dich ruhig nieder - das war, so hoffte er, auch im Fernen Osten anwendbar. Bald schon standen die Dumplings nebst einem umfangreichen Beilagenteller und Muschelsuppe als Vorspeise auf dem Tisch. Allen erzählte, dass 10 Dumplings zusammen etwa 80 taiwanische Dollar kosten, was ungefähr 2 Euro entspricht. Damit wären die beiden im "Messebistro" nicht weit gekommen. Frohgemut ließ sich Onkelchen die gefüllten Teigtaschen schmecken - auch eingedenk des berühmten Zitates "So they steamed your Dumplings. Get over it!" aus der berühmten Episode "The Dead Hooker Juxtaposition" der Serie "The Big Bang theory".
Eine technische Frage war allerdings noch zu klären: Wie isst man die Dumplings richtig? Man kann sie zwar zwischen die Stäbchen klemmen und dann davon abbeißen, aber dann die nötige Balance für den verbleibenden Dumpling-Rest zu behalten, dürfte kitzlig werden. Allen gab Onkelchen den richtigen Tipp: mit den Stäbchen aufspießen. Und das funktionierte tatsächlich. Solchermaßen ging der Tag nach einer besch...eidenen Nacht doch noch versöhnlich zu Ende.
  
      
   

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Taiwan ist furchtbar gefährlich!

Als Onkelchen nach Taiwan aufbrach, machte ich mir eigentlich keine weiteren Sorgen um ihn. Er ist alt genug und kann auf sich selbst aufpassen. Dachte ich.
Ich wusste allerdings nicht, dass auf dem kleinen Inselchen, das dem chinesischen Festland vorgelagert ist, solch gefährliche Kreaturen hausen, wie sie das nebenstehende Bild zeigt. Das Foto wurde in einer viel frequentierten Kneipe der Hauptstadt Taipei aufgenommen und nicht etwa in einem Heizungskeller im tropischen Hinterland.
Das Bild ist nicht sehr scharf, die farbige Zeichnung der gezeigten Riesenspinne lässt allerdings an eine regionale Varietät der sonst nur in Mittelamerika heimischen Brachypelma smithi denken. Vielleicht kam das Biest auf einem Bananendampfer über den Pazifik. Vielleicht hat aber auch ein arachnophiler Taiwaner eine Brachypelma mit den hier heimischen Riesenkrabbenspinnen (Gattung Heteropoda) gekreuzt. Mir würde jedenfalls - Elefant hin oder her - das Blut gefrieren, wenn ich so ein Vieh im realen Leben erblicken würde.
Auch die Teilnahme am Straßenverkehr ist hier nichts für schwache Nerven. Der Verkehr ist hier vor allem in den Morgen- und Abendstunden wegen der allgegenwärtigen Motorroller so dicht, dass es ein Abenteuer ist, die Straßen an Stellen zu überqueren, die nicht dafür vorgesehen sind. Onkelchens treuer taiwanischer Begleiter hatte heute abend nach der Spinnenbegegnung in der Kneipe ein Taxi angehalten, allerdings an einer Stelle, an der es weit und breit keinen Fußgängerübergang gab. Das Taxi hielt auf der anderen Straßenseite, und Onkelchen musste rüber und dabei den Rittern des Zweitaktmotors trotzen.   
Einer weiteren möglicherweise schicksalhaften Begegnung ist Onkelchen gerade noch entronnen. Bei der Eröffnung der Messe Taitronics, an der er gestern als Reporter teilnahm, gab sich auch der Staatspräsident der kleinen Insel die Ehre. Herr Ma (so heißt der Präsident) erinnert vom Aussehen her ein bisschen an den jungen Silvio Berlusconi, freilich mit asiatischem Einschlag. Bei der Messeeröffnung lächelte er huldvoll ins Publikum und durchschnitt das Band. Als Onkelchen seinem taiwanischen Begleiter davon erzählte, fragte dieser, ob Herr Ma dem Onkelchen denn auch die Hand gegeben habe. Onkelchen verneinte dies. "Glück gehabt", meinte sein taiwanischer Gefährte. Denn offenbar liegt ein Fluch auf dem Handschlag des Präsidenten. Denn, so erzählte Onkelchens Begleiter, ein in Taiwan bekannter Basketballspieler habe nämlich einen schweren Autounfall gehabt, kurt nachdem ihm der Präsident die Hand geschüttelt hatte.
Gerade noch davongekommen, meint Euer Palfi.       
 

Montag, 7. Oktober 2013

Das Geheimnis der Mangopyramide

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser dieses Blogs ja noch an ein Modegetränk, das vor ein oder zwei Jahren vor allem unter Teenagern richtig hip war: Nämlich der sogenannte Bubble-Tea. Dabei handelte es sich um ein nur entfernt mit richtigem Tee verwandtes Getränk, das in allen Neonfarben erhältlich war und das geleeartige Kugeln ("Bubbles") enthielt, die man über ein überbreites Röhrchen ansaugen konnte und die nochmal für eine Geschmackssensation im Mund sorgen sollten.

Vor diesem Getränk wurde ja seinerzeit allenthalben gewarnt: Zuviele Kalorien seien darin enthalten und außerdem sei es noch schlecht für die Zähne. Die Kids ließen sich davon nicht abschrecken, irgendwann aber legte sich die Welle mit dem Modegetränk und nachdem Bubble Tea zwischenzeitlich sogar bei McDonald erhältlich war, kräht heute kaum ein Hahn mehr danach.

Warum ich das erzähle? Nun, Onkelchen hat mal wieder eine Expedition in das Herkunftsland des Bubble Teas unternommen und ist nach Taiwan gefahren. Wichtigster Gegenstand seiner Untersuchungen ist zwar der Zustand der dortigen Elektronikindustrie, aber da er heute nach der Ankunft in Taipei noch Zeit hatte, ließ er sich von einem ortsansässigen Taiwaner in einige geografische und kulinarische Besonderheiten einweihen.

Im Schatten des alles überragenden Wolkenkratzers Taipei 101 liegt nämlich ein hübscher Park, der erst vor ein paar Jahren angelegt wurde. Früher befand sich dort eine Zigarettenfabrik. Diese stand einige Jahre leer und verlassen herum, bis man sich entschloss, aus dem Gelände einen Kunst- und Kulturpark zu machen.

Der Effekt ist durchaus interessant: Obwohl mitten in der Großstadt gelegen, nimmt man den Verkehrslärm auf dem Parkgelände gar nicht mehr wahr. In den noch stehenden Gebäuden wurden Ausstellungsflächen für zeitgenössische taiwanische Künstler eingerichtet, darüber hinaus gibt es Cafés. Ironisch ist, dass heute auf dem ganzen Parkgelände Rauchen streng verboten ist, obwohl dort früher Zigaretten hergestellt wurden. So ändern sich die Zeiten.

In einem Einkaufszentrum am Rande des Gerländes ist vor allem Kunsthandwerkliches zu erstehen, so zum Beispiel handgeschöpftes Papier, handgemachte Seifen, Geschnitztes - und dort gibt es auch ein Lokal, in dem man den echten Bubble Tea erleben kann.

Der ist ziemlich anders, als man ihn aus Deutschland so kennt. Zum einen stehen viel mehr Geschmacksrichtungen zur Wahl uind zum anderen sind die Bubbles, die man in den Tee einrührt, wesentlich kleiner. Haben sie in Deutschland ungefähr die Größe einer Murmel, so erinnern die in Taiwan erhältlichen Bubbles von der Größe her eher an Froschlaich. Ist beim ersten Anblick etwas gewöhnungsbedürftig. Außerdem wird der Tee mit viel zerstoßenem Eis serviert.

Onkelchen empfand diese kulinarische Erfahrung zwar als interessant, allerdings nun nicht unbedingt als Erleuchtung. Als er dann mit dem taiwanischen Geschäftspartner in ein anderes Lokal ging und dort die taiwanische Variante des Fondues kennenlernte, war das schon eher eindrucksvoll. Da wird ein Kessel Suppe auf den Tisch gestellt, in den eine Heizplatte eingebaut ist. Sobald die Suppe, die es in mehreren Schärfegraden gibt, kocht, schmeißt man alle möglichen Sachen rein - Fleisch, Weißkohlblätter, Salatblätter, Wurststückchen, Pilze, Mark- und Eierklößchen sowie Nudeln - und fischt die dann wieder raus, um sie zu verzehern. Nachdem sich Onkelchen vor ein paar Jahren bei einem Partyfondue an Silvester ganz übel den Magen verdorben und den ganzen Neujahrstag aufm Klosett verbracht hatte, war natürlich Vorsicht angesagt. Aber bisher ist alles drinnengeblieben, Toi, toi, toi!

Als Nachtisch gab es dort noch eine Mangopyramide, eine auf Pyramidenform zugeschnittene Portion Mangosorbet. Das war ebenfalls sehr gut, Onkelchen versuchte sogar, einen Geheimgang in die Pyramide zu graben, um zu gucken, ob da nicht auch ein Mangopharao bestattet sei. Leider krachte die Pyramide dann irgendwann zusammen. Auf unserem Bild könnt ihr sie aber noch in ganzer Schönheit sehen. Das kleine Schnapsglas daneben enthält übrigens keinen Eierlikör, sondern die dazu passende Sahnesoße.   

Sonntag, 22. September 2013

Schafft die Zweitstimme ab!

Gerade eben sind Onkelchen und Tante Dilein vom Gang ins Wahllokal zurückgekehrt. Onkelchen war etwas enttäuscht, dass es dort nix zu essen und auch nichts zu trinken gab - das Wort "Lokal" impliziert ja nun mal, dass man dort nicht einfach nur einen Zettel zum Ankreuzen in die Hand gedrückt bekommt. Außerdem hatte die Bild-Zeitung tags zuvor in ihrer kostenlos an alle Haushalte verteilten Wahl-Sonderausgabe noch getitelt: Prost Wahlzeit - Ab ins (Wahl)Lokal! Da kann man ja schon auf den Gedanken kommen, dass es möglicherweise nicht nur einen trockenen Wahlschein, sondern auch noch etwas Flüssiges geben könnte. Als Onkelchen 1987 mit seiner Abiturklasse nach Rom fuhr, wurde in Italien ebenfalls gewählt. Und als der Zug mit Onkelchen und seinen Kameraden in Rom auf einem Vorstadtbahnhof ankam, wurden sie dort von einer Abordnung der Kommunistischen Partei Italiens begrüßt und - noch wichtiger - mit Freigetränken versorgt.

Onkelchen hatte heute richtigen Durst - schließlich hatte er heute im Kirchenchor beim abschließenden "Großer Gott, wir loben dich" mit der Orgel um die Wette gesungen, sich nur ganz knapp geschlagen gegeben und einen entsprechenden Brand mitgebracht. Zudem war heute sogenanntes Patrozinium - das heißt, es war das Fest des Heiligen Mauritius, dem die Kirche geweiht ist. Und da ist es der Brauch, dass der Kirchenchor nach Abschluss des Gottesdienstes noch ein paar freundliche Weisen auf dem Kirchplatz singt. Das Wetter war wunderbar, sonnig, aber nicht zu heiß, doch je mehr man singt, desto trockener wird die Kehle.

Und so wackelten Onkelchen und Tante Dilein gemeinsam ins Wahllokal. In dem kleinen schwäbischen Dörflein, in dem Onkelchen registriert ist, ist es üblich, zur Wahl im besten Sonntagsstaat zu erscheinen. Tante Dilein hatte sich einen schicken schwarz-grünen Hosenanzug übergeworfen, über den Onkelchen lästerte, Tante Dilein habe sich schon mal vorsorglich als schwarzgrüne Koalition verkleidet. Onkelchen selbst ging als blaue Partei.



Blau, das heißt blau gedruckt, ist ja auch die sogenannte Zweitstimme auf dem Wahlzettel. Diese Zweitstimme bei der Bundestagswahl bringt Onkelchen regelmäßig in Rage. Die Zweitstimme ist nämlich ein Etikettenschwindel erster Güte. Obwohl sie "Zweitstimme" heißt - aber das braucht man dem politisch gebildeten Publikum ja kaum zu sagen - ist es das eigentlich entscheidende Votum. Von dieser Zweitstimme hängt nämlich die Sitzverteilung der Parteien im Bundestag ab.

Deswegen kommt es ja auch immer zu solchen Zweitstimmenkampagnen, für die ja gerade die FDP immer berühmt und berüchtigt ist. Mit dem Unterton "naja, gib uns doch wenigstens deine Zweitstimme, du hast ja eh eine über" wird regelmäßig um dieses eigentlich maßgebliche Votum gebettelt. Und schwupps, landen die Liberalen wieder im Parlament. Ob es heute auch klappt, werden wir sehen.

Diesem Etikettenschwindel würde Onkelchen gerne ein Ende machen. Er wünscht sich ein simples Mehrheitswahlrecht, bei dem einfach der jeweilige Wahlkreiskandidat mit den meisten Stimmen gewählt ist. Auf diese Weise könnte man das Parlament auch elegant halbieren. Und da die kleinen Parteien da eh unter den Tisch fallen, braucht man auch keine wochenlangen Verhandlungen über Koalitionen zu führen.

Natürlich gibt es immer wieder Leute, die dann sagen, dadurch würde der Wählerwille doch sehr verzerrt. Mag sein, aber das ist beim augenblicklichen Wahlrecht mit seiner Fünfprozentklausel ja leider auch der Fall. Es kann heuer durchaus passieren, dass gleich drei Parteien knapp unter fünf Prozent bleiben und damit dann nicht in den Bundestag kommen. Dann würden knappe fünfzehn Prozent der Wählerstimmen bei der Sitzverteilung im Bundestag auch nicht berücksichtigt, Onkelchens favorisiertes System sorgt da wenigstens für klare Verhältnisse.

Samstag, 21. September 2013

Warum Onkelchen "BüSo" wählt (genau weiß ich's aber nicht)

Wahltage sollten eigentlich Feiertage sein. Sagt Onkelchen. Gut, bei uns legt man ja Wahlen in der Regel auf einen Sonntag, also muss man zumindest - anders als in Großbritannien oder den USA - nicht extra freinehmen, wenn man von seinem demokratischen Recht Gebrauch machen will. Aber er meint, dass Demokratie und freie und gleiche Wahlen so hohe Güter und Errungenschaften sind, dass man das schon mal mit einer Parade vor dem Brandenburger Tor feiern könnte. "Ich will Fahnen sehn!" meinte ja auch seinerzeit Harald Schmidt, als das Kanzleramt eingeweiht wurde. Und Onkelchen hätte das bestimmt auch unterschrieben.

Nein, Wahltage sind zu Recht Feiertage. Es sind die Tage, an denen der eigentliche Souverän der Bundesrepublik, also das Volk, sozusagen über seine Repräsentanten zu Gericht sitzt. Dürfen sie weitermachen wie bisher? Oder ist eine Korrektur angebracht? Darum geht es auch bei der morgigen Bundestagswahl. Das ist etwas Erhebendes, und genauso sollte es auch begangen werden, meint Onkelchen.

Nun hört man aber auch immer wieder diejenigen, die jammern: "Ach, die da oben machen eh, was sie wollen." Oder: "Wenn Wahlen wirklich was ändern würden, dann würde man sie verbieten." Natürlich sind auch Onkelchen solche Gefühle nicht fremd. Aber bis jetzt hat er sich immer aufgerafft und ist wählen gegangen. Manchmal, das gibt er selber zu, hat er auch schräge Sachen gewählt. Aber die Tatsache, dass er wählen kann und dabei noch zwischen mehreren Parteien die Wahl hat (worin ja der eigentliche Charakter einer Wahl besteht), das hat er immer als Privileg empfunden.

Allerdings - und Onkelchen wird nie müde, das zu betonen - haben Wahlen auch ein dreckiges kleines Geheimnis. Wahlen sind immer ein Deal zwischen dem Wähler und dem Kandidaten. Es ist so etwas wie ein impliziter Vertrag. Der Kandidat möchte in ein öffentliches Amt gewählt werden und sagt quasi: "Wenn du mich wählst, dann tu ich was für dich". Und der Wähler sagt: "Hör zu, ich wähle dich, aber dann musst du auch was für mich tun."Und wenn der Kandidat, so er einmal gewählt wurde,  seinen Teil des Deals nicht einhält, dann wählt man ihn einfach nicht mehr. So einfach ist das.

Es war schon im alten Rom nicht anders. Ein ehrgeiziger Jungpolitiker, der sich zu Höherem berufen fühlte, musste zwar nicht wie heute Klinken putzen (wir warten schon, ob nicht die nette SPD-Kandidatin bei uns hereinschneit), aber er musste seine Klienten vor Gericht vertreten, ihnen Geld leihen, bei Geschäften beratend zur Seite stehen und so weiter. Und er musste die potenziellen Wähler mit Namen ansprechen können. Reiche Patrizier hatten dafür sogar eigens abgestellte Sklaven, sogenannte nomenclatores, die ihnen die Namen ihrer Klienten einflüsterten.  Das waren lebende Datenbanken, die nicht nur die Namen der Einwohner in einem bestimmten Stadtviertel kannten, sondern auch ihre Lebensumstände - wer mit wem, warum und unter welchen Begleitumständen.

Und solchermaßen konnte der Politiker dann ganz handfest die Interessen seiner Klientel vertreten. Tat er es nicht, probierte man halt einen anderen Kandidaten aus. Angeblich soll Julius Caesar, der zu Beginn seiner politischen Karriere stets hochverschuldet und klamm war, auf einen solchen nomenclator verzichtet haben, da solche Sklaven horrend teuer waren. Er besaß dagegen ein glänzendes Gedächtnis, mit dem er seine Klienten und Bittsteller beeindruckte. Nicht zuletzt deshalb ist Caesar, obwohl er aus einer hochadeligen (wenn auch verarmten) Familie stammte, gerade beim römischen Volk so beliebt geworden (und wegen der aufwendigen Gladiatorenspiele, die er veranstaltete, was ihn fast in den finanziellen Ruin  trieb).

Wahltage sind demzufolge eine wunderbare Gelegenheit, um klarzumachen: Der Staat, das sind wir. Und ihr in Berlin seid unsere Vertreter. Macht was draus!

Tja, und was will Onkelchen denn wählen? Mir hat er es bis zuletzt nicht gesagt. Tendenziell war er ja eigentlich immer dem linken Lager zuzuordnen. Unter anderem war er in den neunziger Jahren Mitbegründer der Juso-Hochschulgruppe an der einzigen katholischen Universität Deutschlands.  Den Jusos wurde er allerdings später untreu, weil er seine Mitgenossen des Revisionismus und des Abweichlertums bezichtigte. Eine künstleröse Genossin wollte beispielsweise eine Initiative zur Rettung der historischen Innenstadt von Halberstadt starten. Was für ein profanes Ansinnen! Onkelchen ging es dagegen immer ums große Ganze: Er wollte nichts Geringeres, als die damals (1990!) etwas aus der Mode geratene Lehre von Karl Marx zu modernisieren. Deshalb bastelte er an einem bahnbrechenden ideologischen Theoriegebäude, das Marx und den damals unter Linken unglaublich populären Politologen Johan Galtung unter einen Hut bringen sollte. Das Ziel wäre der ÖOGS (Ökologisch orientierte Global-Sozialismus nach Marx und Galtung) gewesen. Diesen ideologisch-politischen Geniestreich vermochten die Juso-Genossen leider nie angemessen zu würdigen. Außerdem rauchten sie für Onkelchens Geschmack zu viel.

Daran kann man sehen: Onkelchen hat ein Herz für schräge Politikansätze. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass er diesmal der "Bürgerrechtsbewegung Solidarität" (BüSo) seine Stimme gibt. Die BüSo nimmt immerhin für sich in Anspruch, die große Finanzkrise schon seit etwa 2001 vorausgesehen zu haben. Schneidet die BüSo also deshalb so miserabel bei Wahlen ab, weil sie einfach ihrer Zeit voraus ist? Heute zeichnet sie sich beispielsweise dadurch aus, dass sie die These von der Klimaerwärmung ablehnt und neue Kernkraftwerke fordert. So ganz unplausibel ist das nicht, denn auch der Physiknobelpreisträger Robert Laughlin (USA) äußert in seinem Buch Der Letzte macht das Licht aus sinngemäß die Meinung, dass die Kernenergie spätestens dann ein Comeback erleben wird, wenn sich all die erneuerbaren Energieformen als zu unzuverlässig und zu teuer erwiesen haben werden.

Heute wäre Onkelchen übrigens bei der von ihm seinerzeit mitbegründeten Juso-Hochschulgruppe gar nicht mehr willkommen - denn bei manchen Veranstaltungen der GenossInnen heißt es ganz eindeutig: Männer müssen draußen bleiben. Hier der Beweis:


Das machte Onkelchen tatsächlich ein bisschen traurig. Denn als damals die Juso-Hochschulgruppe gebildet wurde, wollte man wirklich ein Forum für alle bieten. So schrieb man's damals auch in den Zeitungsartikel, mit dem seinerzeit die Gründung der  Hochschulgruppe angezeigt wurde. Und heute wird man als Mann ausgesperrt, wenn ein Diskussionsabend über Sexismus angesetzt wird. Das, findet Onkelchen, ist irgendwie auch eine Form von Sexismus.

Sonntag, 1. September 2013

Nur noch eineinhalb Stunden bis zum Kanzlerduell!

Ach so, vor lauter Irland haben wir ganz vergessen, dass wir bald Bundestagswahl haben. In weniger als zwei Stunden werden sich die Kanzlerin und ihr wichtigster Herausforderer (wie hieß der nochmal?) im TV gegenüber stehen und sich den Fragen von Stefan Raab und noch drein weiteren Fernsehpersönlichkeiten stellen. Onkelchen und Tante Dilein werden einer alten Familientradition folgend die Diskussion nicht verfolgen, sondern eine DVD einlegen (dem Vernehmen nach könnte "Jagd auf Roter Oktober" ein ganz heißer Kandidat für die Kanzlerduell-Vermeidungs-DVD sein).

Kritisiert wird ja das Dahindümpeln dies Wahlkampfes. Is' ja nix los, klagen die Journalisten. Alles soo langweilig! Ja meine Güte! Wollen die Szenen wie im Parlament von Taiwan sehen?



Angemerkt wird auch, dass die Wahlkampf-Slogans der Parteien heuer so beliebig sind. Das zumindest ist wahr. Die  CDU setzt auf "Gemeinsam erfolgreich" und bedient sich dabei beim Würzburger Vogel-Verlag, der sich schon seit einiger Zeit das Motto "Miteinander erfolgreich" auf die Fahnen geschrieben hat. Die SPD hofft auf den Wahlspruch "Das Wir entscheidet", was sehr nach dem Slogan "Das Wir gewinnt" der Aktion Mensch klingt.

Zumindest im Hinblick auf die CDU kann man Abhilfe schaffen und bei der Zeitschrift "Titanic"  Slogans für CDU-Wahlplakate generieren. Onkelchen hat das gemacht und dabei ist folgendes Plakat herausgekommen. Irgendwie erinnert mich der Slogan aber an irgendwas, ich weiß bloß nicht an was...

Samstag, 31. August 2013

Bilder aus Nordirland

Als Onkelchen und Tante Dilein in Irland unterwegs waren, besuchten sie auch Nordirland, also gerade die Region, in der sich die Katholiken und Protestanten lange Jahre heftig bekriegten - so stand das zumindest immer in den Zeitungen zu lesen oder wurde das dem Fernsehzuschauer während der Nachrichten aufs Abendbrot geschmiert. Wie Reiseleiter Kurt D. allerdings in wohltuender Klarheit darlegte, hat der Nordirlandkonflikt zunächst einmal gar nichts mit den verschiedenen Konfessionen zu tun (jawoll, liebe Journalisten und Pressetanten!). Man ist ja nicht mehr im Mittelalter.

Der Konflikt in Nordirland bricht nämlich dann immer auf, wenn die Arbeitslosigkeit in der Region überhand nimmt und die Menschen Zuflucht zu scheinbar einfachen ideologischen Lösungen suchen. So ist es zum Beispiel kein Zufall, dass die sogenannten Troubles in den siebziger und achtziger Jahren in Belfast auf einen traurigen Höhepunkt zusteuerten, justament als die Großwerft Harland & Wolff (die seinerzeit auch die Titanic erbaut hatte) als größter Arbeitgeber der Region in die Krise geriet und viele Arbeiter entlassen musste. Die Leute hatten mit einem Mal wenig Geld, aber viel Zeit, redeten sich in den Pubs die Köpfe heiß, und dazu kam noch britisches Militär, das in der Region die Ordnung aufrecht erhalten sollte und dabei jämmerlich versagte. So kam es 1972 in Londonderry (die republikanischen Iren sagen Derry) zum sogenannten Blutsonntag, bei dem britische Soldaten wahllos auf Demonstranten schossen und 13 Menschen töteten. Damit war die Lunte in Brand gesteckt, das Pulverfass explodierte und zweieinhalb Jahrzehnte lang kam die Region nicht zur Ruhe.

Die Bruchlinien des Konflikts gehen dabei weit zurück: Schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts verlangte Irland, das damals unter britischer Herrschaft stand, nach Unabhängigkeit und Selbstverwaltung. Während die überwiegende Mehrheit der Iren (die katholisch waren) sich im Lauf der Zeit für diese Idee der sogenannten "Home Rule" begeisterten, blieb man im Norden der Insel (wo sich im Zuge der Industrialisierung viele Briten und auch Schotten angesiedelt hatten, weil dort nicht zuletzt mit Harland & Wolff Industriearbeitsplätze entstanden waren) dem britischen Königshaus treu. Es bildeten sich also Bruchlinien zwischen Republikanern (die ein freies Irland wollten) und Unionisten (die die Union zwischen Irland und Großbritannien/England beibehalten wollten).

Wir überspringen jetzt mal den Osteraufstand von 1916 (der an sich ein Desaster war, aber indirekt die Begeisterung der Iren für die Unabhängigkeit wieder anfachte, weil die Briten die Rädelsführer des Aufstandes brutal hinrichteten). Als schließlich 1921/22 Irland im anglo-irischen Vertrag zumindest eine gewisse Unabhängigkeit von London erreichte, bekamen die nordirischen, mehrheitlich königstreuen und zufällig auch protestantischen Provinzen das Recht, sich für den Verbleib bei Großbritannien zu entscheiden. Natürlich passte das der republikanischen Minderheit, die es in Nordirland eben auch gab, gar nicht. Aber das gerade unabhängig gewordene Irland verzehrte sich in einem mörderischen Bürgerkrieg, bei dem irische Republikaner gegenseitig um den "richtigen" Weg kämpften.

Spulen wir wieder vor in der Zeit: In Nordirland gab und gibt es eine haardünne Mehrheit, die sich für den Verbleib bei Großbritannien ausspricht und eine Minderheit, die die Vereinigung mit der Republik Irland anstrebt. Die erstere Gruppe ist zufällig protestantisch und die letztere zufällig katholisch. Dazu kommt allerdings, dass die Katholiken in Irland unter britischer Herrschaft im 19. Jahrhundert die Unterklasse bildeten, keinen Zugang zu höherer Bildung hatten und nicht selten in bitterer Armut leben mussten. Der Konflikt wird so noch durch die Ressentiments der Iren geschürt, die durch die Benachteiligung unter britischer Herrschaft gewachsen sind. Und diese Ressentiments befeuerte natürlich auch den Konflikt in Nordirland.

Bei einer Stadtrundfahrt durch Belfast konnte man viele Wandbilder sehen, an denen man klar erkennen kann, welcher politischen Richtung sich ein Viertel zugehörig fühlt. Dieses Bild aus einem republikanisch-katholischen Viertel zeigt Bobby Sands, einen Aktivisten der Irisch-Republikanischen Armee, der 1981 im Gefängnis an den Folgen eines Hungerstreiks starb und damit zum Märtyrer der irischen Nationalisten wurde:


Dieses Bild verlangt Freiheit für Marian Price, ebenfalls eine IRA-Aktivistin. Price war ebenfalls in den achtziger Jahren im Gefängnis in den Hungerstreik getreten, überlebte aber, weil sie gewaltsam zwangsernährt wurde. Sie widersetzte sich dem sogenannten Karfreitagsabkommen von 1998, das die Region befrieden sollte und wurde deshalb immer wieder verhaftet.


Das rechte Bild (ging leider nicht ganz drauf) feiert die IRA-Häftlinge als Märtyrer, die in den achtziger Jahren in den Hungerstreik traten und starben. Das linke (kurios und ein bisschen makaber) wirbt für Taxi-Rundfahrten, die zu den bedeutendsten Brandherden des Nordirland-Konflikts führen.


Dieses Bild feiert wiederum Bobby Sands und seine Mithäftlinge, die ebenfalls aufgrund ihres Hungerstreiks starben, als Märtyrer:


Und dieses Bild fordert das Ende der Internierung aller irischen republikanischen Aktivisten:



Bleibt zu hoffen, dass sich der Konflikt trotz seiner langen und blutigen Geschichte langfristig und nachhaltig und vor allem friedlich lösen lässt.

(Alle Bilder hat Tante Dilein übrigens aus dem Bus heraus aufgenommen. An ihr ist eine echte Fotoreporterin verlorengegangen, findet euer Kurt!)

PS: Natürlich kann dieser Beitrag den Nordirland-Konflikt nicht vollständig nachzeichnen. Wer mehr wissen will, findet unter Wikipedia und ähnlichen Quellen noch viel mehr Informationen. 
 

Mittwoch, 28. August 2013

Paige aus Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch und noch ein paar andere Sachen



Hallo, Onkelchen. Es ist mal wieder Zeit für ein Interview.

Ach du meine Güte. Was willst du denn diesmal wissen?

Ach, da gibt es so einiges. Zum Beispiel, was die Irland-Reise von Dir und Tante Dilein betrifft. Da gibt es noch ein paar ungeklärte Fragen.


Welche denn?

Naja, lass uns mal mit deinem ersten Eintrag in dein Reisetagebuch beginnen. Dort heißt es: „In der Cafeteria des James Pringle Weaver Shops von Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch arbeitet ein hübsches junges Mädchen namens Paige.“


Na und? Ich dachte, das könnte ein guter Romananfang sein.

Dieser Satz ergibt keinen Sinn. Warst du high?


Ganz und gar nicht. Es ist alles so, wie es da steht. In Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch (das ist ein Ort in Wales, den es wirklich gibt, siehe hier - wir haben auf dem Weg nach Irland dort Station gemacht) gibt es einen James Pringle Weavers Shop. Das ist so eine Touristenfalle, wie es sie an manchen touristisch interessanten Punkten Großbritanniens gibt. Man kann dort vor allem Wollklamotten, Strickpullover und Socken kaufen, aber auch alle möglichen Arten von Reiseandenken. Sogar Golfausrüstungen. Und dieser Shop hat eine Cafeteria, wo man zum Beispiel ganz leckere Scones erstehen und Tee trinken kann. Und dort sah ich ein hübsches Mädel, auf deren Namensschild der Name „Paige“ eingraviert war. Sie räumte gerade die Tische ab und hatte ein nettes Lächeln.



Ooooh. Blond oder dunkel?


Dunkel. Ich nehme aber an, dass es eine Schülerin oder Studentin war, die sich mit dem Job über die Ferienzeit ein bisschen Geld hinzuverdiente. Deswegen kann es sein, dass du sie nicht triffst, wenn du zufällig in Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch vorbeischauen solltest.

Aha. Abgesehen davon war deine Irland-Reise also nicht sehr erfreulich?


Warum das denn?

Weil das der einzige Eintrag in dein Reisetagebuch war.


Wahrscheinlich war ich nur zu faul, weitere Einträge zu machen. Kennst mich doch.

In der Tat. Du hast mir relativ eindeutige Sachen über andere Unannehmlichkeiten in Irland erzählt. Hohe Preise, mangelnder Service – und wie war das mit dem Auftritt, den du da in Irland hattest? Tante Dilein hatte sich darüber ausgelassen.


Oh, jetzt wird’s kompliziert.

Ich höre.


Zunächst mal glaube ich, dass diese Art der Reise – eine Gruppenreise im Bus – vielleicht doch nicht ganz das Richtige für uns beide war: Wenn man eigentlich Land und Leute kennenlernen will, ist es vielleicht nicht ganz das Richtige, in Gegenden rumzukurven, in denen lauter Busse unterwegs sind, die ebenfalls voller Deutscher sind. In so einer Gruppe muss man sich leider auch anpassen. Und das ist für einen Menschen nicht ganz einfach, der einen 7,5 Tonnen schweren asiatischen Elefantenbullen zum Freund hat. Aber einige Sachen stimmen tatsächlich: An einigen touristischen Orten sind die Preise für ein Bier oder für ein ganz simples Essen in einem ganz ordinären Pub wirklich absurd hoch. Und irgendwann siehst du nur noch grün, als hätte man Dir einen Grünfilter vors Gesicht geschoben. Last but not least stellt sich dann der Effekt ein, dass im Reiseführer lauter Orte beschrieben sind, die um Längen interessanter sind als das, was der Reiseleiter gerade erklärt. Die gesamte Reise litt an einem Zuviel an grüner Landschaft und einem Zuwenig an interessanten Bauwerken und archäologischen Stätten. Irland verhält sich in dieser Beziehung also genau umgekehrt proportional zu Rom. Zumindest was unsere Reiseoute betraf.

Aha. Aber da gab es auch noch diesen Auftritt…


Ich rede nicht so gern darüber.

Ach bitte!


Na gut. Unser Reiseleiter Kurt D. hat mir da einen Streich gespielt. Es war am dritten Tag nach unserer Ankunft in Irland, wir hatten gerade den Giant’s Causeway hinter uns gebracht und zockelten an der nordirischen Küste entlang in Richtung Londonderry. Der Reiseleiter hatte eine CD mit irischen Folkballaden eingelegt. Das dritte Lied erkannte ich sofort, es war „Fields of Athenry“. Und ich sang mit. Genauso wie ich im Auto immer singe.

Ja, ich weiß. Da zerspringt immer dein Autofenster.


Korrekt. Kurz darauf machten wir einen Toilettenstop, und der Reiseleiter fragte mich, ob ich nicht vorher schon mal in Irland gewesen sei. Was ich verneinte.

Ach was!


Auf jeden Fall fuhren wir dann nach Londonderry und dann weiter nach Stranorlar in der Grafschaft Donegal, wo unser Hotel war. Ein wirklich tolles Hotel namens „Kee’s“ übrigens. Die Zimmer waren zwar klein, aber das Haus hatte Atmosphäre und die Leute dort waren wirklich nett. Nach dem Abendessen hatte ich schon ein Bier intus und wir wackelten rüber an die Hotelbar, wo für den Abend Irish Folk and Dance angekündigt war. Wir waren gespannt. Da waren junge Mädels, die im Stil von Riverdance tanzten und ein Folk-Barde, der auf der Gitarre irische Weisen sang. Alles wirklich ganz nett. Dann aber unterbrach der besagte Folk-Barde seinen Vortrag und sagte sinngemäß, im Raum befinde sich ein junger Freund aus Deutschland, der den Anwesenden doch sicherlich das schöne Lied „Fields of Athenry“ vortragen würde. 
Und dabei zeigte er auf mich.

Ach du … ! Woher wusste er das denn?


Wie gesagt, der Reiseleiter hat mir da einen Streich gespielt. Er hatte es dem Hotelbesitzer gesteckt. Ich weiß gar nicht mehr genau, was ich in diesem Moment dachte. Ich muss total rot angelaufen sein. Und natürlich kam ich aus dieser Nummer nicht mehr raus. Ich schlich also rüber, dorthin, wo der weißhaarige Barde sein Mikro und seine Anlage aufgebaut hatte. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich überhaupt eine Liedzeile rauskriegen würde. Aber irgendwie hielt ich mich am Mikrofon fest, der Barde begleitete mich auf der Klampfe, und meine Knie zitterten.

Faszinierend.


Du darfst nicht vergessen, dass es für mich das erste Mal war, dass ich überhaupt solo vor Publikum in ein Mikro sang. Bei der ersten Strophe musste ich textlich noch ein bisschen schummeln, beim Refrain war ich mir dagegen schon sicherer, da sangen schon alle mit! Und die zweite und dritte Strophe kamen dann einfach Zeile für Zeile. Und am Ende muss es wohl ziemlich gut gewesen sein. Die Dame an der Bar brachte mir hinterher sogar einen sehr gut eingeschenkten Whisky von Leo (dem Hotelbesitzer) und sagte, es sei „very good“ gewesen. Der Hotelbesitzer fragte mich am folgenden Abend, ob ich nicht nochmal singen wollte.

Und hast du?


Nein. Weil – irgendwie war es schon toll, aber es wäre nicht dasselbe gewesen.

Dir scheint aber dieser Irish Folk irgendwann mal etwas über geworden zu sein.


Ja, das hat auch ein bisschen damit zu tun, dass man an fast allen Touristenorten damit beschallt wird. Und auch wenn man Irish Folk generell mag, gibt es halt Lieder, die einem besser und solche, die einem weniger gut gefallen. Das ist bei jeder Art von Musik so.   

Klar. Aber du bist mit Tante Dilein am letzten Abend in eine Musikkneipe gezogen.


Ja, das war toll. Wir waren am letzten Tag noch einmal in Dublin und obwohl wir wussten, dass wir am nächsten Morgen früh raus müssen, sind Tante Dilein und ich mit dem Doppeldeckerbus in die Stadt gefahren. Das Hotel lag ziemlich außerhalb, und da mussten wir erst mal nachfragen, wo wir eine Bushaltestelle finden. Wir haben also das Abendessen ausgelassen und sind reingefahren. Wir landeten im Temple Bar-Bezirk, dem Künstlerviertel von Dublin, und Tante Dilein schleppte mich dann in eine Kneipe, aus der Musik kam, die ihr gefiel. Es war ausgerechnet die Temple Bar, also der Laden, der dem ganzen Viertel den Namen gegeben hatte. Und da waren also drei Jungs zugange, die so klassische Popsongs drauf hatten. American Pie, Country Roads und solche Sachen. Alles aber ein bisschen roh, mit zwei Gitarren und einer Geige. Und in den Liedern, in denen keine Geige vorgesehen war, kümmerte sich der Geigenmann um die Percussion, indem er auf die Kiste klopfte, auf der er saß!



Die Bude war voll, wir schoben uns Stückchen für Stückchen weiter rein, ich holte mir ein Kilkenny, Dilein trank ein Cider Shanty (auf Deutsch würde man wohl Apfelmost-Schorle sagen). Später orderten wir noch exzellente Thunfisch-Sandwiches. Als die Jungs aufgehört hatten zu spielen, gingen wir dann. Wir holten uns aber noch ein paar gefüllte Brötchen bei einem Argentinier, bevor wir zum Bus gingen und wieder zum Hotel rausfuhren.



Woher wusstest du, dass der Typ Argentinier war?


(grinst) Ich hab ihn gefragt. Ich hatte aber auch einen Anhaltspunkt: Über seinen Kühlschrank hing unübersehbar eine argentinische Flagge. Und auf der Flagge klebte ein Bild von „D10s“ Maradona. Das war also nicht schwer zu raten.

Warum habe ich nur das Gefühl, dass es bei Dir immer um Fußball geht?

Ja, warum nur?       

Sonntag, 25. August 2013

Die Rose von Tralalalee

Unser letzter Blogbeitrag hat für viel Aufregung gesorgt. Unsere Telefonleitung ist beinahe zusammengebrochen, weil sich diverse hochrangige Vertreter des irischen Touristikbüros über den Text beschwert hatten. Der Tenor war: Das kann ja nun doch nicht alles so gewesen sein, wie Sie das schreiben. Das mit den hohen Preisen, nun ja, das uns auch bekannt, darauf haben wir natürlich keinen Einfluss, verstehen Sie, aber das ist doch nun unfair, wenn Sie das so sagen. Weitere Leser wollten wissen, mit welchem slowakischen Supermodel wir unterwegs gewesen seien und ob wir eine Telefonnummer wüssten. Auf die letzte Antwort können wir leider nur mit Nein antworten, da wir die Privatsphäre aller Mitreisenden selbstverständlich wahren. Und Eva Herzigova ist Tschechin! Allein deshalb kann sie es nicht gewesen sein.

Aber die Schlagzeile "Ireland: Overpriced, overcrowded, overrated" ist nun einmal in der Welt, und obwohl wir davon nichts zurücknehmen, wollen wir hier nun versuchen, ein wenig gnädiger mit der in letzter Zeit doch etwas gebeutelten grünen Insel umzugehen. Den unvermeidlichen enthusiastischen Studentinnen, die nach nur einem folk-geschwängerten Abend in der Dubliner Temple Bar für immer und ewig in Irland bleiben wollen, würden wir aber trotzdem raten, sich einmal mit dem profunden Landeskenner Kurt D. zusammenzusetzen und sich von ihm zum Beispiel das eine oder andere über das Gesundheitssystem der Insel verklickern zu lassen. Vielleicht ebbt der Enthusiasmus der erwähnten Studentinnen ja dann auch ein bisschen ab.

Tja, wo fangen wir an mit der Ehrenrettung der Kerrygold-Nation? Ein Problem der Reise, von der Onkelchen und Tante Dilein wieder glücklich nach Hause zurückgekehrt sind, war sicherlich, dass die Inhalte nicht sehr günstig gegeneinander abgewogen waren. Es gab kurz gesagt ein Zuviel an Naturschönheiten und Gartenanlagen, aber ein bisschen wenig alte Burgen und Archäologisches zu bestaunen. Besonders Onkelchen begann da schwer zu murren. Aus seiner Sicht wurde ein ganzer Vormittag an den - sicherlich eindrucksvollen - Cliffs of Moher verdaddelt, während man an einer Reihe interessanter Burgen und verfallener Abteien mehr oder weniger kommentarlos vorbeifuhr. Bei den Cliffs of Moher hätte es Onkelchen definitiv gereicht, aus dem Busfenster zu gucken. Dann hätte er gesagt: "Oh, Klippen!", und damit wäre er zufrieden gewesen. Zwei Stunden Aufenthalt an der windumtosten Steilküste waren aber für ihn der totale Overkill. Als Reiseleiter Kurt D. ein paar Tage zuvor aus Zeitmangel den angekündigten Besuch bei einem keltischen Ringfort einfach cancelte, war Onkelchen ganz nah dran, eine Revolution anzuzetteln, zusammen mit einem älteren Mitreisenden, der ein wenig dem Next-Generation-Enterprise-Kapitän Jean-Luc Picard ähnelte. Star-Trek-Fans scheinen also auch abgesehen vom Weltraum gemeinsame Interessen zu haben. Onkelchen stichelte aber noch nach Tagen wegen des abgesagten Besuchs bei dem Ringfort.

Darüber hinaus wurden dreimal irgendwelche Herrenhäuser besucht, die englische Magnaten im 19. Jahrhundert angelegt hatten und die vor allem wegen ihrer Gartenanlagen berühmt sind. Onkelchen hatte es schon seit jeher nicht so sehr mit der Botanik. Die einzige Pflanzensorte, die er zweifelsfrei identifizieren kann, sind Brennesseln, und das auch nur, wenn er sie angefasst hat. Ich als Pflanzenfresser sehe solche Gärten natürlich mit anderen Augen, aber ich wurde das eine oder andere Mal auch aus Parks entfernt, weil ich die Pflänzchen halt gelegentlich schon mal anknabbere. Da kann ich halt nicht aus meiner Elefantenhaut. Fazit: Ein solches Herrenhaus mit Garten hätte absolut gereicht. Drei waren auch hier der totale Overkill.

Und dann noch das irische Fernsehen! Irgendwie macht es sich heute noch bemerkbar, dass die Iren siebenmal den Eurovision Song Contest gewonnen haben und die Fernsehanstalt RTE darob sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Interessante Filme oder Dokus waren Fehlanzeige: Während der ganzen Zeit, in der Onkelchen und Tante Dilein auf der Insel waren, gab es nur ein Thema, und zwar die Wahl der Rose von Tralee. Onkelchen machte daraus natürlich gleich "Tralalalee", und so falsch war das gar nicht. Denn Tralee ist ein nettes Städtchen im Südwesten von Irland, das unter anderem durch ein Lied - eben über die Rose von Tralee - bekannt geworden ist.

Seit mehreren Jahrzehnten wird dort die "Rose von Tralee" gewählt. Das wäre in Deutschland im weitesten Sinne mit der Wahl einer Weinkönigin vergleichbar. Mit dem Unterschied, dass sich Frauen aus ganz Irland und auch Damen irischer Herkunft aus dem Ausland um den Titel bewerben können und sich dann nach einer Vorauswahl in Tralee zur Finalrunde einfinden. Mit dem Effekt, dass alle Hotelzimmer im Südwesten Irlands um diese Zeit ratzeputz ausgebucht sind und Onkelchen in einem Hotel in Killarney einem Bett schlafen musste, an dessen Matratze ganz offenbar noch Spuren eines Mordes zu finden waren. Forensikerin Abby Sciuto aus NCIS hätte sicher ihre helle Freude an den Spuren gehabt.  


Auch beim Aufhängen der Vorhänge im Zimmer von Onkelchen und Tante Dilein in Killarney ließ man offensichtlich jedes Augenmaß vermissen. Und auch die Spuren auf dem Teppichboden weisen auf eine greuliche Beziehungstat hin, die in diesem Hotelzimmer stattgefunden haben muss.


Aber es gibt doch nichts, was sich nicht durch ein schönes Glas Whiskey vergessen machen lässt. In diesem Sinne: Sláinte! (zu Deutsch: Nastrowje!)




    

Irland: Überteuert, überlaufen, überschätzt

Die Iren (oder sind es nicht doch die Schotten?) haben ein Sprichwort: "Realität ist die Illusion, die durch den Mangel an Whisky zustande kommt." Egal, ob es nun die Kiltträger oder doch die Iren waren, die diese Weisheit an den Tag gebracht haben, so gilt doch eines: Wenn man nach 9 Tagen auf der Kerrygold-Insel den Whiskey (jawohl, in Irland schreibt man das Destillat mit "e") und das Guinness abzieht und die allgegenwärtige Beschallung mit klebrig-getragener pseudokeltischer Musik ausblendet, so bleibt die nüchterne Wahrheit übrig: Irland ist überteuert, überlaufen und grenzenlos überschätzt.

So ist es Onkelchen in den verhangenen Tagen auf der Grünen Insel an keinem Ort gelungen, eine Pinte Bier (knapp 600 ml) für unter 6 Euro zu bekommen.Onkelchen ist sogar vielerorts auf eine außerhalb Irlands nur wenig bekannte Biersorte namens "Smithwicks" ausgewichen, um die Erosion seines Geldbeutels in Grenzen zu halten. Verglichen damit ist der Bierpreis auf der Wiesn in München geradezu ein Schnäppchen: Eine Maß (!) kostet auf dem Oktoberfest 2013 maximal 9,85 Euro im Armbrustschützenzelt.Wahrscheinlich gibt es deshalb in der "Temple Bar" im Herz von Dublin inzwischen auch Paulaner-Bier zu trinken. 


Damit nicht genug: Wer in einem belanglosen Kaff namens Westport zerkochte Spaghetti Bolognese mit zweifellos aus der Dose stammender Soße genießen will, bezahlt dort 11,90 Euro pro Person und muss darauf noch eine knappe halbe Stunde warten. Ein paar Nudeln werden da zum Luxus pur.

Darüber hinaus ist Irland dermaßen von Touristen (hauptsächlich aus den USA und Deutschland) überlaufen, dass sich die Touristenbusse vor den Hauptattraktionen und Sehenswürdigkeiten geradezu gegenseitig auf den Reifen stehen (das Bild ist zwar schief, aber ich hoffe, es kommt rüber, was gemeint ist). Am Ring of Kerry, einer von Touristen sehr geschätzten Rundstrecke, musste Onkelchens Reiseleiter, ein in Norwegen gebürtiger Haudegen namens Kurt D., alle Kunstgriffe aufwenden, um für den Bus eine einigermaßen geeignete Stelle zum Parken zu finden. Immer schwang die Angst mit, einen der - angeblich - tollen Landschaftsausblicke zu verpassen, weil der Bus der Reisegesellschaft aus dem Schwarzwald, die gleichzeitig unterwegs war, die letzte verfügbare Parkbucht blockiert haben könnte. (Um es kurz zu machen: Kurt blieb Sieger!) Aber die Frage, ob man einen Busparkplatz finen würde, war letztlich interessanter als das, was man zu sehen bekam. Meistens war das, was man sah, irgendwie grün. Zum Beispiel das:

   
Oder das:


Oder das:


You know the place. Inzwischen habt ihr sicher ein Gefühl dafür bekommen, dass in Irland irgendwie alles immer grün ist. Fast so, als trüge man eine Brille mit grünen Gläsern. Das bekommt man irgendwann auch über.

Von der angeblich sprichwörtlichen irischen Gastfreundlichkeit haben Onkelchen und Tante Dilein auch nicht besonders viel mitbekommen. Als Onkelchen bei der Besichtigung einer Whiskey-Distille und nachfolgendem Umtrunk bemerkte, das "sine metu", also ohne Furcht (vor Besteuerung?) gefertigte Destillat würde ein Schotte mit hoher Wahrscheinlichkeit als "Ladies' Whisky" bezeichnen, zeigte ihm die Führerin, eine flammend rothaarige Elfe namens Ellen, ohne Umschweife die Tür. Onkelchen ging, trank das Glas aber noch schnell leer. Da er auch das Glas eines ebenfalls mitgereisten slowakischen Supermodels leer trank, das ihren Ladies' Whisky zur Verfügung gestellt hatte, konnte Onkelchen die Distille in dem guten Gefühl verlassen, doch noch auf seine Prozente gekommen zu sein. Das folgende Bild zeigt die flammend rothaarige Elfe in der Bildmitte (leider nicht das slowakische Supermodel!).


Ach ja, und der ganze Keltenkram! Überall kann man CDs kaufen, die von irgendwelchen "celtic women" eingesungen wurden und auf denen der immergleiche klebrige Balladen-Schmus drauf ist. Manche dieser Sangesdamen quälen dabei noch unschuldige Instrumente wie die Harfe oder eine billige Blechflöte (die man, nur damit es marketingmäßig besser klingt, als "Tin Whistle" verscheuert). Und bei keiner der einschlägigen Touristenfallen darf sogenannter keltischer Silberschmuck fehlen, der irgendwelche angeblich keltischen Symbole und verschlungene Bänder zeigt. Diese keltische Dame  Heulboje singt sogar bei Wind und Wetter draußen im Freien ihre klagenden Balladen. Und natürlich gibt es unweit davon auch keltischen Silberschmuck zu kaufen...