Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Freitag, 25. Februar 2011

Nieder mit dem Zwischenspiel!

Das Logo von Spiel ohne Grenzen, englisch Its a knockout
Letzte Woche (ich war während des traurigen Fußballspiels Stuttgart-Benfica Lissabon eingeschlafen und wachte erst wieder bei Kerner auf) sah ich zum ersten Mal bewusst die als Dschungelzicke berühmt gewordene Sarah Knappik (heißt die so? Na egal, ich werde jetzt keinen Finger rühren, um nach der richtigen Schreibweise zu googeln). Im Ganzen ist Sarah ein trauriges Beispiel für unsere komische Zeit, in der die Verpackung einer Sache eindeutig wichtiger geworden ist als der Inhalt (und zwar in jeder Hinsicht). Diese Dame hat eindeutig nichts zu sagen, aber dennoch sitzt sie bei Kerner und beschwert sich darüber, dass sie im Fernsehen oder durch das Fernsehen oder ihr Bild durch das Fernsehen - egal, irgendwie sei ihrer Meinung nach manipuliert worden und ihr sei ganz, ganz schlecht und übel mitgespielt worden. Das kann weder Mensch noch Elefant ertragen, und dann schalteten wir eben um auf das ZDF, einen vermeintlich seriösen Kanal. Und da saß dann ihre Dschungelkameradin Indira bei Markus Lanz und plauderte über Extremerfahrungen und ihre zwei Jahre bei orthodoxen Juden und dass sie hebräisch kann. Und daneben saß Sarrazin.

Das sollte uns nachdenklich machen. Es gab eine Zeit, in der man im TV zum größten Teil kluge Menschen sah, Menschen, die aufgrund ihrer Lebensleistung und -erfahrung etwas Erhellendes zu brennenden Fragen der Zeit beitragen konnten, oder aber Menschen, die die Gabe besaßen, den ganz normalen Leuten durch Schauspiel- oder Gesangskunst eine kleine oder größere Freude zu bereiten. Peter Alexander war so einer, Caterina Valente natürlich, Milva, Kuli, Loriot, auch Peter Frankenfeld oder Harald Juhnke, bevor er unrettbar in den Suff-Strudel geriet. Auch kluge Frauen gaben ihre Meinung in Diskussionsshows zum Besten, Alice Schwarzer etwa. Leute also, die mehr zu bieten hatten als nur (operierte?) Möpse und gehobelte Nasen und die nicht ständig darüber quasseln mussten, mit wem und warum und wie auch immer. Diese Leute hatten was zu bieten.

War das Fernsehen damals langweiliger? Das wird ja oft gesagt. Ich weiß es nicht. Am heutigen TV wird ja unter anderem kritisiert, dass immer wieder die niedrigsten Instinkte und die Schadenfreude angesprochen werden. Die Zahl der Sendungen mit versteckter Kamera ist Legion (sowohl "Big Brother" als auch das Dschungelcamp stehen ja durchaus in der Tradition der Späße von Kurt Felix). Den Schadenfreude-Effekt gab es aber auch schon vorher, und deswegen möchte ich die Aufmerksamkeit auf eine Sendung lenken, die es schon lange nicht mehr gibt, die mir aber in diesem Zusammenhang einfiel und die ich ehrlich gesagt heute sehr vermisse, mehr jedenfalls als in den letzten 20 Jahren.

Man stelle sich also vor (ich muss vor allem die Leser der jüngeren Generation vorsichtig und behutsam ans Thema heranführen, sonst glauben die mir nicht), es gäbe eine Spielsendung, in der es im wesentlichen darum geht, dass sich verschiedene Teams aus unterschiedlichen Städten in einer Art sportlichem Wettkampf darin messen, dass die Mitspieler
a) auf einer mit Schmierseife bestrichenen schiefen Ebene
b) in absurden Kostümen und mit noch absurderer Fußbekleidung (meist eine Variante von Taucherflossen)
c) versuchten, eine gefärbte Flüssigkeit, die sich in einem dafür ungeeigneten Behälter befand, nach oben zu bugsieren,
d) woran sie das gegnerische Team zu hindern suchte,
e) um dann den verbliebenen kläglichen Rest der gefärbten Flüssigkeit am oberen Ende der schiefen Ebene in eine Plexiglastonne zu kippen,
f) wobei der Füllstand der Flüssigkeit in der Tonne den Ausschlag über die dem Team zugemessenen Punkte gab und
g) die Teams einen Joker setzen konnten, der Extrapunkte gab.

Wer sich so etwas Absurdes nicht vorstellen kann, hat nie "Spiel ohne Grenzen" gesehen. Ich glaube, mit den vorab genannten Punkten die wesentlichen Ingredienzien eines typischen "Spiel ohne Grenzen"-Wettkampfs erschöpfend beschrieben zu haben. "Spiel ohne Grenzen" war ein internationaler, von der Eurovision ausgetragener Wettkampf (sozusagen der kleine alberne Bruder des Eurovision Song Contest), bei dem sich im Frühjahr in einer nationalen Ausscheidung die Städteteams für die internationale Runde qualifizieren konnten. Die nationale Runde wurde von Erhard Keller, einem ehrwürdigen Eisschnellauf-Olympiasieger, und später von Manfred Erdenberger moderiert (bekannt unter anderem als langjähriger Kommentator des Düsseldorfer Rosenmontagszuges) und war lustiger als die internationale, weil sie nachmittags ausgetragen wurde (die internationalen Runden fanden im Abendprogramm statt) und wir auf unserem damals noch schwarzweißen Fernseher besser erkennen konnten, was vor sich ging und weil man die Moderatoren kannte. Sie war auch kurzweiliger: In der nationalen Runde spielten nur jeweils zwei Städteteams pro Sendung gegeneinander, während bei den internationalen Spielen sechs bis acht Teams aus allen teilnehmenden Ländern antraten.

Die internationalen Spiele waren auch irgendwie abgedrehter (ich erinnere mich mit Schaudern an ein sogenanntes Zwischenspiel, das im italienischen Chioggia ausgetragen wurde und in dem sich irgendwelche überdimensionalen Gabeln hin und her bewegten. Ich war vor ein paar Jahren in Chioggia, fand aber keinen Überlebenden, den ich dazu befragen konnte, worum es bei diesem Zwischenspiel eigentlich ging). Das Zwischenspiel war das richtig große Mysterium der internationalen Runde, so ungefähr wie der Länderpunkt bei "Tutti Frutti", aber ich weiß noch, dass die Teams dabei viele Punkte abgreifen konnten. Es war auch langweilig, weil jeweils nach einer Runde, in der die Teams gegeneinander antraten, sich ein Team jeweils diesem Zwischenspiel stellen musste. Es kam also in einer Sendung die erste Spielrunde, dann Team 1 mit dem Zwischenspiel, dann wieder eine andere Runde, dann Team 2 mit dem Zwischenspiel, und so weiter. Deswegen "Zwischenspiel"! Mit dem Wort "Zwischenspiel" konnte man mich hinfort jagen und erschrecken, es war fast wie wenn die Heulboje Andrea Jürgens im Fernsehen auftrat. Wenn irgendjemand "Zwischenspiel" rief, musste ich raus. Ich hatte immer das Bild dieser wogenden Gabeln im Kopf. Erschreckend.

Fazit: Ich plädiere für eine Rückkehr von "Spiel ohne Grenzen" ins Samstag-Abendprogramm, aber bitte ohne Zwischenspiel. Dann noch lieber Sarah Knappik und Indira.

Eräuterung zum Foto: Das Bild zeigt den internationalen Titel der Sendung, in England lief "Spiel ohne Grenzen" unter dem Titel "It's a knockout".

Freitag, 18. Februar 2011

Lena singt "Taken by a stranger" in Düsseldorf...


... und irgendwie haben Onkelchen und ich es gewusst. Siehe hier.

Onkelchen wird zum Schlockmeister!

Es liegt vermutlich daran, dass Onkelchen in einem Fachbuchverlag arbeitet und dort merkwürdige Bücher redigiert. Dergleichen scheint nach einem Kontrastprogramm zu verlangen. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass er eine Herzschmerzgeschichte mit viel Schmalz bei einem Online-Verlag eingereicht hat (und zwar unter meinem Namen!!!), und zwar eine, an der er mit Unterbrechungen seit seinem 17. Lebensjahr schreibt. Eine regelrechte Schlock Opera, um die Dinge beim Namen zu nennen. Und deshalb verleihe ich ihm hiermit den Titel "Schlockmeister". Ich hoffe, er freut sich drüber.

Das abstruse Werk fasse ich hier mal zusammen, den Kitsch wird sich ja wahrscheinlich keiner freiwillig antun. (Wer nach der Zusammenfassung noch Lust auf des Werk hat, findet unten einen Link!)

In der Geschichte geht es um eine Prinzessin. Sie regiert ein kleines, hübsches, ein bisschen verwunschenes Land mit ziemlich glücklichen Leuten. Doch, wirklich glücklich. Mit Krieg hat das Mädel nix am Hut. Kleine Streitereien - von denen es nicht viele gibt - schlichtet sie persönlich, und zwar so, dass am Ende alle Parteien zufrieden sind. Manchmal redet sie mit Vögeln und anderen Tieren, und das Mädel ist auch sonst ein bisschen magisch begabt. Diejenigen, die außerhalb ihres kleinen Landes leben, wissen deshalb nicht genau, was sie von ihr halten sollen. Einige fürchten sich sogar vor ihr, weil sie die Prinzessin für eine Hexe halten. Trotzdem kommen immer wieder junge Adlige in ihr Schloss, die um ihre Hand anhalten. Aber vergebens - das Mädel verteilt reihenweise Körbe, weil sie die Typen immer durchschaut. Sie wartet auf den Richtigen, wie es so schön heißt.

Eines Tages kommt ein junger Ritter vorbei. Er will nix von der Prinzessin, nur mal kurz eine Familienangelegenheit erledigen. Er möchte dem Mädel am liebsten aus dem Weg gehen, weil er ein bisschen Schiss vor ihr hat. Sind ja genügend Gerüchte über sie im Umlauf. Aber in der Familiengruft des Schlosses passiert's. Dort ertappt sie ihn, wie er am Grab ihres Großvaters ein paar Blümchen hinlegt. Sie entdeckt (per Magie!), dass er ganz OK ist, keine versteckten Absichten hat und sogar hin und wieder den Abwasch erledigen würde. Zudem sieht er ganz gut aus. Sie übrigens auch. In etwa so:



Ganz ansprechend, nicht wahr? Da ändert man schon mal seine Lebensplanung! Der Anjfang ist etwas schwierig, klar, denn unser junger Ritter hat einen guten Teil seiner Jugend im Kloster verbracht. Das bedeutet, dass ihm die Prinzessin so einiges beibringen muss, was er so noch nicht kennt... Auch glaubenstechnisch gibt es noch die eine oder andere Meinungsverschiedenheit. Der junge Bub ist nämlich das, was man unter "gut katholisch" verstehen würde. Das Mädel fühlt sich dagegen eher einem fröhlichen Naturgottheiten-Kult mit leicht keltischem Einschlag verpflichtet. Aber sie raufen sich zusammen. Golddurchwirkte Gewänder, dahingehauchte Liebesschwüre und Herz-Schmerz-Lyrik mit Pennälerreimen bestimmen diesen Teil der Story.

Leider gibt es in dieser Geschichte eine böse Kaiserin. Sie würde sich das hübsche kleine Land gerne unter den Nagel reißen. Kaum haben sich nun die Prinzessin und ihr Ritter kennengelernt, kündigt die Alte ihren Besuch an. Natürlich will sie auf den Busch klopfen - bliebe die Prinzessin ohne Gatten und Nachkommen, würde der Kaiserin das kleine Land zufallen. Als sie ankommt, stellt die Prinzessin ihr den Ritter als Verlobten vor. Die Alte kocht! Zuerst versucht sie den Jungen mit einem Giftanschlag aus dem Weg zu räumen. Doch das schlägt fehl. Dann entschließt sie sich zur Gewalt: Ihre Armee soll das Ländchen besetzen.

Doch die Prinzessin weiß Rat: Mit Hilfe eines Elbenkönigs, der um die Ecke wohnt (und zufällig ihr Vater ist), gelingt es, die Kaiserin und ihre Soldaten zu täuschen. Die Elben legen einen Schleier über das Land, so dass es den kaiserlichen Soldaten öde und verlassen vorkommt.

In ihrer Wut befiehlt die Alte, das Schloss der Prinzessin einzunehmen. Nun kommt für unseren Ritter die Gelegenheit, sich auszuzeichnen, nachdem er bis jetzt praktisch nur dumm in die Gegend geguckt hat - wenn er nicht gerade mit dem Mädel knutschen durfte. Er schlägt sich trefflich und haut so manchem fiesen Wullewatz den Schädel entzwei. Damit will er der Prinzessin die Flucht ermöglichen. Aber wie Teenager nun mal sind: Irgendwie ist sie mit dem Kofferpacken nicht rechtzeitig fertig geworden. Als das Schlachten seinen Höhepunkt erreicht, liefert sie sich den fiesen kaiserlichen Soldaten aus. Unser Ritter ist leider kurz vorher k.o. gegangen, allerdings durch Tiefschlag. Unfair, aber effektiv. Die Kaiserin erlaubt der Prinzessin, seine Wunden zu heilen. Nützt aber nicht mehr viel - das Mädel, ihr Ritter und der ganze Hofstaat, soweit noch lebend, werden an den Hof der Kaiserin verschleppt. Ihr Volk ist aber gerettet, weil durch den Elbenzauber verborgen.

Nun geht es in großen Schritten aufs Finale zu. Die Kaiserin schnallt, dass sie gelinkt worden ist, weiß aber nicht, wie. Sie foltert den Ritter und lässt das Mädel dabei zusehen, um das Geheimnis des Zaubers aus ihr herauszukriegen. Aber keiner verrät ein Sterbenswörtchen. Nun ändert die Alte ihre Taktik. Sie ist immerhin noch ganz gut konserviert und versucht den Ritter anzubaggern, damit er sein Mädel verrät. Der mag aber nicht. Verständlich, da die Alte im Ruf steht, ihre abgelegten Typen umzubringen. Der Junge mag also nicht, außerdem hat er ein gutes Gedächtnis: Von jemandem, der vor ein paar Tagen noch auf Domina gemacht hat, lässt er sich nicht becircen.

Der Schluss: Große Oper. Die Kaiserin versucht ein letztes Mal, den Ritter zu betören. Wieder bleibt er standhaft. Dann platzt der Alten der Kragen. Sie drückt ihm einen Dolch in die Hand und sagt ihm, er soll sein Mädel damit kalt machen. Tut er's nicht, wird er kalt gemacht - und zwar, nachdem er dabei zugesehen hat, wie die Alte sein Mädel eigenhändig umbringt. Macht er sein Mädel aber selber kalt, wird er freigelassen und darf gehen.

Ziemlich niedergeschlagen geht er zu seinem Mädel. Diese wird von der Kaiserin nicht in einem finsteren Kerker gefangen gehalten, sondern in einer Art Hausarrest. Dafür hat die Alte ihr bescheidenes Kinderzimmer frei geräumt, ein Raum von der Größe des Versailler Spiegelsaals. Die Prinzessin freut sich, ihren Kerl wiederzusehen, merkt aber, dass was nicht stimmt. Der junge Ritter schildert ihr die missliche Lage. Heulerei allerorten. Vor Schmerz und aus lauter Verzweiflung poppen sie noch mal miteinander. Dann nimmt Prinzeß den Dolch und öffnet ihrem Jungen damit die Pulsadern. Dasselbe tut sie mit ihrem alabasterfarbenen Handgelenk. Beide schweben in andere Gefilde. Sarah Brightman singt das Abspannlied. Zur Not tut's auch Celine Dion. Weibliche Zuschauer wanken heulend aus dem Theater.

Die Langfassung (zumindest ein Auszug daraus) ist hier zu finden.

Samstag, 5. Februar 2011

Alle lieben Sheldon!


In den neunziger Jahren war Onkelchen erklärter Fan der Sitcom "Eine schrecklich nette Familie" (im Original "Married... with Children"), in der es um die dysfunktionale Familie des Schuhverkäufers Al Bundy ging. Aber wie es halt oft so geht: Der Humor der Serie verlor sich, die Sendeplätze wechselten, und Onkelchen guckte irgendwann nicht mehr hin. Er setzte sich neue Horizonte, und Al Bundy & Co. waren nur noch Erinnerungen. Seitdem ist Onkelchen eigentlich ein Sitcom-Abstinenzler geworden, was damit zu tun hat, dass die Folgen meistens zu unmöglichen Zeiten ausgestrahlt werden, in denen anständige Onkelchens in der Arbeit sind. Letzte Woche aber entdeckte Onkelchen ein echtes Juwel, das man durchaus als den Heiligen Gral der derzeitigen Sitcoms bezeichnen darf. Nein, es sind nicht die vielfach überschätzten Serien "How I met your mother" oder "Two and a half men". Es ist die (von Spiegel Online und anderen Mainstream-Medien bis dato komplett ignorierte) Serie "The Big Bang Theory".
Endlich, endlich gibt es eine Serie über Nerds, in der die Nerds nicht von vornherein als lebensuntüchtige Trottel dargestellt werden, sondern als (zwar reichlich überspannte, aber dennoch) liebenswerte Typen. Da Onkelchen (obwohl verheiratet) zweifellos in vielerlei Hinsicht etwas Nerdiges an sich hat, kennt er dieses Biotop und seine Bewohner und war vom ersten Augenblick an begeistert.

Zur Situation: Leonard (Hofstadter) und Sheldon (Cooper) leben in einer WG. Der bebrillte, schüchterne Leonard ist ein experimenteller Physiker, arbeitet am Caltech und beschäftigt sich hauptsächlich mit Lasern und damit, den Beweis dafür anzutreten, dass die dunkle Materie nicht existiert. Sein Mitbewohner Sheldon Cooper, brillant gespielt von Jim Parsons (Foto) arbeitet ebenfalls am Caltech, ist theoretischer Physiker, beschäftigt sich hauptsächlich mit der Stringtheorie (was auch immer das ist), verfügt über einen überragenden Intellekt, hat allerdings auch eine Unzahl von Ticks und Macken. Kurz gesagt, er ist eine Kreuzung aus Mister Spock und Adrian Monk.

Ein großer Teil der Komik speist sich aus der Tatsache, dass Leonard so seine Schwierigkeiten hat, bei Frauen zu landen, insbesondere bei der hübsche Nachbarin Penny, die gern Schauspielerin wäre, bisher aber noch keine Rollen abbekommen hat und deshalb als Kellnerin in einem Restaurant jobbt. Sheldon ist dagegen komplett asexuell und lebt wie ein Mönch, in mancherlei Hinsicht ist er sogar naiv wie ein Kind (in der Folge "The Dead Hooker Juxtaposition" zieht eine attraktive Blondine über der Wohnung von Sheldon und Leonard ein, und irgendwann hören Sheldon und Leonard, wie die Matratze in der Wohnung über ihnen zu quietschen beginnt. Sheldon ruft daraufhin empört aus: "Unglaublich - jetzt hüpft sie sogar auf der Matratze herum!"). Nachdem den Intellektuellen in den USA ja leider immer größere Skepsis entgegengebracht wird, ist es ein sehr ermutigendes Zeichen, dass es eine populäre Serie gibt, in der Intellektuelle mit all ihren Macken positiv dargestellt werden. Und den Zuschauern gefällt's auch: Sheldon-Darsteller Jim Parsons wurde vergangenes Jahr mit dem Emmy und dieses Jahr mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Wenn das nichts ist!

Anbei ein paar Gags:

Leonard und Sheldon sind in Pennys zugegebenermaßen sehr unaufgeräumten Zimmer:
LEONARD: So Penny is a little messy.
SHELDON: A little messy? The man who brought up the concept of complex numbers is a little messy. This is chaos. This is a swirling vortex of entropy!

Leonard und Sheldon sind auf einem Kostümball. Leonard hat sich als Frodo verkleidet, Sheldon trägt ein merkwürdiges Kostüm aus schwarz-weißen Längsstreifen.
Eine Frau fragt Sheldon, was sein Kostüm darstellen soll.
SHELDON: I'll give you a hint: Mmmmmm- mmmmmm (imitiert ein vorbeifahrendes Auto).
Die Dame hat keine Ahnung, was sie damit anfangen soll.
LEONARD: Why don't you just tell the people you're a zebra?
SHELDON: Why don't you just tell people you're one of the seven dwarfs?
LEONARD: Because I'm Frodo.
SHELDON: Yes. Well, I'm the Doppler effect.

Hier der Titelsong der Serie:

Titelverteidiger haben's schwer...


... das weiß jeder Sportfan. Die Saison nach dem großen Erfolg ist immer die schwierigste, weil das Team, das gerade noch Jäger war, nun plötzlich zum Gejagten mutiert - eine Rolle, die nicht jedem liegt. Außerdem schläft die Konkurrenz nicht, sie schaut sich genau an, wo die Stärken des Titelverteidigers liegen - und welche Schwächen man noch besser ausnutzen kann. Der eben noch gefeierte Fußballweltmeister Spanien kassierte bei seinen letzten beiden Freundschaftsspielen krachende Niederlagen – einmal ein 1:4 gegen Argentinien und einmal ein 0:4 gegen Portugal.

Dieses Schicksal erfährt nun auch Lenchen Meyer-Landrut (eigentlich sollte dieser Blog hinfort Lena-freie Zone sein, aber aus aktuellem Anlass kann Onkelchen als anerkannter Grand-Prix-Experte nicht stille schweigen), die momentan von manchen Medien auf den absteigenden Ast geschrieben wird. In dem nach bester Tradition der Kulturabteilung der Süddeutschen Zeitung vor Ignoranz triefenden Artikel "Ein Lied kann eine Krücke sein" zeigt sich, dass es weder Lena noch ihr Förderer Stefan Raab all jenen Recht machen können, die mit dem Grand Prix, Verzeihung: ESC, noch nie etwas anfangen konnten. Da wird zum einen die Garderobe des Mädels madig gemacht (von "schlammfarbener Abendrobe" ist da die Rede, die FAZ bezeichnet die Farbe dagegen erheblich freundlicher als Altrosa) und zum anderen heißt es da "vielleicht lag es einfach auch an ihrer [Lenas] kaum vorhandenen Singstimme, dass die Lieder trotz der von der Jury so gepriesen[en, sic!] stilistischen Vielfalt doch alle recht ähnlich klangen".

Hrrumm. Die Show (wir sprechen von der ersten Auswahlshow für das Lied, das Lena beim ESC im Mai in Düsseldorf präsentieren wird) hatte zweifellos konzeptionelle Schwächen. Die sogenannte Jury mit Stefan Raab, der "Silbermond"-Frontfrau und dem Grafen von "Unheilig" war unnötig wie ein Kropf, da hätte man einfach sofort das Publikum entscheiden lassen können. Und wenn Raab über seine eigenen Lieder räsoniert, meldet sich bei mir sofort die alte Weisheit "Eigenlob stinkt!" Die Show war insgesamt zu lang, das Moderatorenduo mit dem ohnehin schwer erträglichen Matthias Opdenhövel überflüssig - lasst bitte nächstes Mal Hape Kerkeling ran.

Über Lenas gesangliches Talent darf und kann man streiten. Ich kann mich täuschen, bilde mir aber immer ein, sie bewegt sich bei ihren Liedern immer mehr oder weniger in derselben Tonlage. Deshalb würde ich mal gerne ein Lied von ihr hören, das einen echten Melodiebogen hat, wo sie mit der Stimme rauf und runter muss. So was à la Céline Dions Titanic-Song oder "It's all coming back to me now", ebenfalls zu Gehör gebracht von der kanadischen Diseuse. Bis zum Beweis des Gegenteils würde ich also sagen: Lena ist gesanglich limitiert. Das trifft aber auch auf andere Sängerinnen zu, die derzeit en vogue sind. So urteilte zum Beispiel die "Stuttgarter Zeitung" über Amy McDonald nach einem Konzert in der Schwabenmetropole:
"Manch ein Ton geht daneben, ihre Singstimme ist oft nicht auf dem Punkt." (hier nachzulesen)

Unfair ist es aber, wenn insinuiert wird, alle dargebotenen Songs seien mehr oder weniger doch dieselbe Soße gewesen. Und das ausgerechnet von der "Süddeutschen"! Kritikerpapst Joachim Kaiser würde seinen Kollegen was husten, wenn sie – ich lehne mich mit meinem Vergleich bewusst sehr weit aus dem Fenster – behaupteten, Bach und Händel seien doch ohnehin ein und derselbe Brei. Und Mozart und Beethoven sowieso. Hier führte mal wieder die für heutige Journalisten oft typische kenntnislose Bissigkeit die Feder der Kritikerin.

Tatsächlich waren die Songs stilistisch durchaus unterschiedlich, sowohl vom Tempo als auch von der Stimmung her. Die FAZ zumindest merkte wohlwollend an, die Bandbreite des Dargebotenen sei "überraschend" gewesen. Manches klang nach Barfly-Geklimper, manches war belanglos (wie zum Beispiel das Lied "Maybe", das es tatsächlich ins Finale schaffte). Das Elektronikstück "Taken by a stranger" war ein echter Höhepunkt, ich (und Onkelchen!) hatte bei diesem Lied am ehesten das Gefühl, dass er zu Lena passt, mal schauen, ob sie den Song noch besser in den Griff kriegt, ob sie da noch mehr rausholen kann. "Taken by a stranger" ist zwar nicht unbedingt eine Song-Contest-Hymne, aber das Stück hat was.

Insofern darf man auf die zweite Runde der Lieder-Vorauswahl ruhig gespannt sein. Spannend ist auch folgende Sache, die ich dem FAZ-Artikel entnommen habe: Sollte Lena tatsächlich mit einem Lied von Stefan Raab zur Titelverteidigung antreten, so darf Raab nicht wie vorgesehen die Moderation des Contests übernehmen (eine Regel, die selbst Onkelchen als eingefleischter Song-Contest-Veteran nicht kannte). In diesem Fall muss die Lösung lauten: Hape, übernehmen Sie!