Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Samstag, 31. August 2013

Bilder aus Nordirland

Als Onkelchen und Tante Dilein in Irland unterwegs waren, besuchten sie auch Nordirland, also gerade die Region, in der sich die Katholiken und Protestanten lange Jahre heftig bekriegten - so stand das zumindest immer in den Zeitungen zu lesen oder wurde das dem Fernsehzuschauer während der Nachrichten aufs Abendbrot geschmiert. Wie Reiseleiter Kurt D. allerdings in wohltuender Klarheit darlegte, hat der Nordirlandkonflikt zunächst einmal gar nichts mit den verschiedenen Konfessionen zu tun (jawoll, liebe Journalisten und Pressetanten!). Man ist ja nicht mehr im Mittelalter.

Der Konflikt in Nordirland bricht nämlich dann immer auf, wenn die Arbeitslosigkeit in der Region überhand nimmt und die Menschen Zuflucht zu scheinbar einfachen ideologischen Lösungen suchen. So ist es zum Beispiel kein Zufall, dass die sogenannten Troubles in den siebziger und achtziger Jahren in Belfast auf einen traurigen Höhepunkt zusteuerten, justament als die Großwerft Harland & Wolff (die seinerzeit auch die Titanic erbaut hatte) als größter Arbeitgeber der Region in die Krise geriet und viele Arbeiter entlassen musste. Die Leute hatten mit einem Mal wenig Geld, aber viel Zeit, redeten sich in den Pubs die Köpfe heiß, und dazu kam noch britisches Militär, das in der Region die Ordnung aufrecht erhalten sollte und dabei jämmerlich versagte. So kam es 1972 in Londonderry (die republikanischen Iren sagen Derry) zum sogenannten Blutsonntag, bei dem britische Soldaten wahllos auf Demonstranten schossen und 13 Menschen töteten. Damit war die Lunte in Brand gesteckt, das Pulverfass explodierte und zweieinhalb Jahrzehnte lang kam die Region nicht zur Ruhe.

Die Bruchlinien des Konflikts gehen dabei weit zurück: Schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts verlangte Irland, das damals unter britischer Herrschaft stand, nach Unabhängigkeit und Selbstverwaltung. Während die überwiegende Mehrheit der Iren (die katholisch waren) sich im Lauf der Zeit für diese Idee der sogenannten "Home Rule" begeisterten, blieb man im Norden der Insel (wo sich im Zuge der Industrialisierung viele Briten und auch Schotten angesiedelt hatten, weil dort nicht zuletzt mit Harland & Wolff Industriearbeitsplätze entstanden waren) dem britischen Königshaus treu. Es bildeten sich also Bruchlinien zwischen Republikanern (die ein freies Irland wollten) und Unionisten (die die Union zwischen Irland und Großbritannien/England beibehalten wollten).

Wir überspringen jetzt mal den Osteraufstand von 1916 (der an sich ein Desaster war, aber indirekt die Begeisterung der Iren für die Unabhängigkeit wieder anfachte, weil die Briten die Rädelsführer des Aufstandes brutal hinrichteten). Als schließlich 1921/22 Irland im anglo-irischen Vertrag zumindest eine gewisse Unabhängigkeit von London erreichte, bekamen die nordirischen, mehrheitlich königstreuen und zufällig auch protestantischen Provinzen das Recht, sich für den Verbleib bei Großbritannien zu entscheiden. Natürlich passte das der republikanischen Minderheit, die es in Nordirland eben auch gab, gar nicht. Aber das gerade unabhängig gewordene Irland verzehrte sich in einem mörderischen Bürgerkrieg, bei dem irische Republikaner gegenseitig um den "richtigen" Weg kämpften.

Spulen wir wieder vor in der Zeit: In Nordirland gab und gibt es eine haardünne Mehrheit, die sich für den Verbleib bei Großbritannien ausspricht und eine Minderheit, die die Vereinigung mit der Republik Irland anstrebt. Die erstere Gruppe ist zufällig protestantisch und die letztere zufällig katholisch. Dazu kommt allerdings, dass die Katholiken in Irland unter britischer Herrschaft im 19. Jahrhundert die Unterklasse bildeten, keinen Zugang zu höherer Bildung hatten und nicht selten in bitterer Armut leben mussten. Der Konflikt wird so noch durch die Ressentiments der Iren geschürt, die durch die Benachteiligung unter britischer Herrschaft gewachsen sind. Und diese Ressentiments befeuerte natürlich auch den Konflikt in Nordirland.

Bei einer Stadtrundfahrt durch Belfast konnte man viele Wandbilder sehen, an denen man klar erkennen kann, welcher politischen Richtung sich ein Viertel zugehörig fühlt. Dieses Bild aus einem republikanisch-katholischen Viertel zeigt Bobby Sands, einen Aktivisten der Irisch-Republikanischen Armee, der 1981 im Gefängnis an den Folgen eines Hungerstreiks starb und damit zum Märtyrer der irischen Nationalisten wurde:


Dieses Bild verlangt Freiheit für Marian Price, ebenfalls eine IRA-Aktivistin. Price war ebenfalls in den achtziger Jahren im Gefängnis in den Hungerstreik getreten, überlebte aber, weil sie gewaltsam zwangsernährt wurde. Sie widersetzte sich dem sogenannten Karfreitagsabkommen von 1998, das die Region befrieden sollte und wurde deshalb immer wieder verhaftet.


Das rechte Bild (ging leider nicht ganz drauf) feiert die IRA-Häftlinge als Märtyrer, die in den achtziger Jahren in den Hungerstreik traten und starben. Das linke (kurios und ein bisschen makaber) wirbt für Taxi-Rundfahrten, die zu den bedeutendsten Brandherden des Nordirland-Konflikts führen.


Dieses Bild feiert wiederum Bobby Sands und seine Mithäftlinge, die ebenfalls aufgrund ihres Hungerstreiks starben, als Märtyrer:


Und dieses Bild fordert das Ende der Internierung aller irischen republikanischen Aktivisten:



Bleibt zu hoffen, dass sich der Konflikt trotz seiner langen und blutigen Geschichte langfristig und nachhaltig und vor allem friedlich lösen lässt.

(Alle Bilder hat Tante Dilein übrigens aus dem Bus heraus aufgenommen. An ihr ist eine echte Fotoreporterin verlorengegangen, findet euer Kurt!)

PS: Natürlich kann dieser Beitrag den Nordirland-Konflikt nicht vollständig nachzeichnen. Wer mehr wissen will, findet unter Wikipedia und ähnlichen Quellen noch viel mehr Informationen. 
 

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