Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Freitag, 7. März 2014

Zwei Euros fürs Phrasenschwein! Die Nationalmannschaft in der Krise? Onkelchen klärt auf!

Hi, Palfi. Wieder zurück aus Moskau?

Grmbl. Hör bloß auf. Wladimir hat mich abgeschoben, weil er meinte, ich würde ihm die Haare vom Kopf fressen. Dabei hat er kaum noch Haare. Also, was beschwert er sich? 

Das müsstest du ihn selbst fragen. Aber schön, dass du wieder da bist.

Fein. Onkelchen, wir haben uns lange nicht mehr über Fußball unterhalten. Wie kommt es eigentlich, dass du immer unkst, Deutschland würde bei der WM die Vorrunde nicht überstehen? Du bist doch eigentlich ein Anhänger der Nationalelf.

Oh. Ich glaube, das ist hauptsächlich Selbstschutz. Ich will mir das Undenkbare eigentlich nicht vorstellen. Aber wenn es dann doch passiert, will ich wenigstens sagen können: Siehste, ich hab's doch schon von Anfang an gewusst.

Das ist aber kein sehr feiner Zug.

Journalisten neigen zu so was. Das ist wie bei der letzten Papstwahl. Die Journos, egal ob sie Insider sind oder nicht, werfen so viele Namen möglicher Kandidaten in den Raum, damit sie hinterher sagen können, siehste, den Kardinal XY hatte ich auf dem Zettel. Nur mit Bergoglio hatte nun wirklich fast keiner gerechnet.

Ah ja, Wieder wurde ein Mysterium der deutschen Medienlandschaft entschleiert. Aber was muss die deutsche Nationalmannschaft denn tun, um in Brasilien endlich den Titel zu holen?

Genau das, was ich mache, wenn ich bei Pro Evolution Soccer 2014 mache, wenn ich in einem Turnier nicht weiterkomme: Den Spielstand vorher abspeichern und den Schwierigkeitsgrad von "Profi" auf "Fortgeschrittener" heruntersetzen.

Das dürfte in der brasilianischen Hitze wenig hilfreich sein...

Ja, es ist wirklich schwierig. Aber mal ernsthaft, bisher haben deutsche Teams nie richtig gut abgeschnitten, wenn sie in Südamerika ein Turnier bestreiten mussten. 1962 war für die Nationalmannschaft in Chile im Viertelfinale Schluss und 1978 endete das Turnier in Argentinien mit dem berühmt-berüchtigten 2:3 von Cordoba in der 2. Finalrunde, die damals im Gruppenmodus ausgespielt wurde. Beide Male kamen die Deutschen nicht unter die letzten Vier. Ich würde deshalb meinen Optimismus etwas dämpfen und nicht zu viel Geld für Schland-Fanartikel ausgeben.

Das ist ja furchtbar bedenklich. Das letzte Spiel gegen Chile lässt auch nicht viel Hoffnung aufkeimen.

Naja, immerhin hat man gewonnen. Neuer hat tadellos gehalten, und der Siegtreffer von Götze, den Özil kongenial vorbereitet hat, war auch richtig schön. Ich mag den Götze, weil er immer Lust zum Spielen hat. Aber das Spiel hat ein Problem aufgezeigt, das sich unter Bundestrainer Löw schön öfter gestellt hat: Was macht das Team, wenn der Gegner wirklich beherzt aufspielt? Wenn die "Feinfüße" - ich musste über den Ausdruck in der Süddeutschen Zeitung schmunzeln - eng gedeckt und dicht angegangen werden? Die FAZ glaubte ja, bei den Chilenen so etwas wie Manndeckung mit Libero entdeckt zu haben, und so sah es für mich teilweise auch aus. Was passiert, wenn der Gegner so spielt, wie es Fußball-Feingeist Löw nicht erwartet? Dann kann die Freude schnell vorbei sein.

Aber eigentlich hätte man ja denken können: Fünf bis sechs Bayern-Spieler in der Mannschaft, dazu noch einige von Borussia Dortmund, das sind die beiden besten Vereinsmannschaften der letzten Saison gewesen, die müssten doch das Spiel kontrollieren können.

Weißt du was? Genau das hatte ich eigentlich vor dem Spiel auch gedacht. Die deutschen Nationalspieler sind zum allergrößten Teil in europäischen Topmannschaften tätig und arbeiten mit den absoluten Toptrainern. Die Bayern unter Guardiola, die Dortmunder unter Klopp, die Arsenal-Kolonie unter Arsène Wenger, Schürrle arbeitet in Chelsea mit Mourinho. Bessere Voraussetzungen kann ein Nationaltrainer eigentlich nicht haben. Gut, es sind noch viele verletzt, von denen ich hoffe, dass noch einige zurückkommen, bis es in Brasilien losgeht. Man hätte eigentlich davon ausgehen dürfen, dass Löw gegen Chile trotz aller Verletzungssorgen eine schlagkräftige Mannschaft zur Verfügung hat. Aber es kam anders. Und das schafft Stoff zum Nachdenken.

Meinst du, die ungewohnten Trikots waren daran schuld? Tante Dilein hat ja schon gesagt, dass du dir diese rot-schwarz quergestreiften Leibchen nicht zulegen solltest, weil sie deine Wampe zu sehr betonen...

Nein, das glaube ich nicht. Dass die Trikots schuld waren, meine ich. Es gab in der ersten Halbzeit eine erhellende Szene, Schweinsteiger spielt raus auf den linken Flügel, aber keiner war da, um den Pass aufzunehmen. Das kann ich mir nur so erklären: Er meinte wohl, jetzt würde links gleich Ribéry starten, um einen Konter rauszufahren. Aber Ribéry stand halt nicht auf dem Platz. Zumindest nicht bei der deutschen Mannschaft. Man darf sich also von den Erfolgen der Bayern nicht täuschen lassen, denn gerade Ribéry und Mandzukic spielen bei denen eine ganz zentrale Rolle, und auf die kann Löw eben nicht zurückgreifen. Außerdem glaube ich, dass die Nationalmannschaft den Philipp Lahm eher auf der rechten Außenbahn braucht als im defensiven Mittelfeld. Einfach um rechts Dampf zu machen. Auf der Sechser-Position würden, wenn beide fit sind, ja ohnehin eher Schweinsteiger und Khedira spielen. Lahm auf der Sechs sehe ich in der Nationalmannschaft eher als eine Notmaßnahme, falls Khedira tatsächlich nicht mehr fit werden sollte.

Also, Lahm auf rechts. Das haben wir jetzt gelernt. Und weiter?

Die Erwartungen sind einfach wahnsinnig hoch. Ich will Löw jetzt nicht in Schutz nehmen, aber dieses Jahr wird der Weltmeistertitel von der Nationalmannschaft ja geradezu gefordert. 2006 war man mit der Halbfinalteilnahme noch zufrieden. Jetzt nicht mehr. Vergleichbar ist quasi nur noch die Situation vor der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland, als der Titel ja genauso bedingungslos gefordert wurde. Helmut Schön hatte zuvor 1966 den zweiten, 1970 den dritten Platz geholt. 1972 wurde die Europameisterschaft gewonnen, aber die hatte damals noch nicht denselben Stellenwert wie heute. Und dieser Druck führte dazu, dass die Mannschaft in den ersten Spielen der WM 74 verkrampfte. Der Gipfel war dann dieses unrühmliche und für den DFB peinsame 0:1 gegen die DDR.

Das war damals quasi der Schuss vor den Bug zur rechten Zeit.

Richtig. Ich glaube auch, dass man das Chile-Spiel alles in allem nicht so hoch bewerten sollte. Es ist schon richtig: Das war ein Test gegen einen spielstarken Gegner. Aber für die Spieler steht momentan einfach auch der Verein im Vordergrund. Vielleicht will man sich auch nicht verletzten, wenn es in Richtung Saisonhöhepunkt geht, die Bayern und die Dortmunder sind ja auch noch in der Champions League aktiv und erhoffen sich einiges. Die Aussagekraft dieses Tests ist deshalb vielleicht gar nicht so groß, schließlich gibt es ja noch ein gemeinsames Trainingslager und noch drei weitere Testspiele für die Feinabstimmung.

Jetzt klingst du richtig optimistisch.

Na ja, jede WM ist eine Wundertüte. Man weiß nie was rauskommt. (Klonk!)

Was war dieses Klonk?

Das waren die zwei Euro, die ich ins Phrasenschwein geschmissen habe.

Bleibt die Frage: Wird Onkelchen noch seinen Frieden mit Jogi Löw machen? Das ist vermutlich spannender als die Frage, wer Weltmeister wird.

(lacht) Wir lassen das mal offen.