Ich und die Meinen

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Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Montag, 8. Juni 2015

Rollator-Rock in Nanaimo!

Die "Oak Ridge Boys" haben nichts mit Atomforschung zu tun -
wohl aber mit guter Country-Musik!

Es war eine unruhige Nacht, die Onkelchen und Tante Dilein in Vancouvers asiatischer Enklave verbrachten. Immerhin war es schon Tag, als beide wieder erwachten. Und so machten sie sich frohen Mutes auf, ihre nächste Etappe im Rahmen des "Missionswerks Schwäbischer Frohsinn" anzugehen.

Diese sollte die beiden nach Nanaimo auf der Insel Vancouver Island führen. Der Fahrt ging ein kleiner Disput voraus, welchen Fährhafen man denn anzusteuern gedenke, um auf die Insel überzusetzen. Onkelchen sprach sich für Horseshoe Bay im Norden von Vancouver aus, nachdem er gecheckt hatte, dass dort am Vormittag noch Plätze auf dem Schiff frei wahren. Tante Dilein hielt Onkels Planung dagegen für waghalsig und unrealistisch, denn um nach Horseshoe Bay zu kommen, muss man direkt durch Vancouver durchfahren - und das zur Hauptverkehrszeit. Tante Dilein hielt deshalb Tsawwassen im Süden der Stadt für die bessere Lösung, weil näher. Dort aber wäre eine Überfahrt erst am frühen Nachmittag möglich gewesen.

Da sich Onkelchen ans Lenkrad setzte, war der Disput schnell entschieden. Horseshoe Bay sollte es also sein. Da sein auf dem Handy installiertes Navigationssystem Sperenzchen machte, verzichtete er darauf, es zu benutzen und entschloss sich, nach den Verkehrsschildern zu fahren. Onkelchen hält sich für einen der letzten Autofahrer in Mitteleuropa, der diese Kunst noch beherrscht. Tante Dilein fügte sich ins Unvermeidliche, und es ging los.

Wider Erwarten kamen unsere Frohsinns-Missionare gut voran und bald erhoben sich die Glastürme von Vancouver vor den beiden. Krönender Abschluss war die Fahrt über die Lions Gate Bridge, Vancouvers Pendant zur Golden Gate Bridge in San Francisco. "Die Lions Gate Bridge ist halt grün, die Golden Gate Bridge rot. Das ist der einzige Unterschied", dozierte Onkelchen, und dann ging es in halsbrecherischem Tempo über den False Creek.

Für die Überfahrt nach Nanaimo hatten beide einen wunderbaren Tag erwischt: Sonne satt mit viel Wind. In der Ferne tauchte der mächtige Mount Rainier auf, ein mächtiger, über 4000 Meter hoher schneebedeckter schlafender Vulkan, der sich bereits auf dem Territorium der USA befindet. Leider bekamen sie nicht mit, wie einem anderen Fährpassagier der Klappstuhl von Bord geweht wurde. Diese Episode sollte später noch wichtig werden.

In Nanaimo angekommen - Nanaimo ist ein hübsches Städtchen, in dessen Hafenbecken sich Seeotter, Fischerboote und Wasserflugzeuge tummeln - fuhren sie eine Zeitlang hinter einem Bus mit der auffälligen Aufschrift "Oak Ridge Boys" hinterher. Onkelchen dachte natürlich gleich an Atomforschung, schließlich war Oak Ridge eines der Laboratorien, in denen die Amis während des Zweiten Weltkrieges an der Atombombe gebastelt hatten. Dafür war aber der Schriftzug auf dem Bus zu verschnörkelt. Tante Dileins Vermutung, dass es sich um den Tourbus einer Band handeln müsse, klang da noch am plausibelsten.

Schließlich stellte sich heraus, dass es sich bei den Oak Ridge Boys um eine Country-Band handelte, die schon seit rund 40 Jahren im Geschäft ist und zwar nicht mehr die ganz großen Hallen füllt, aber für die amerikanische und kanadische Provinz reicht es immer noch. Derart neugierig gemacht und weil es der einzige Spaß in der Stadt war, kauften sich beide die Karten.

Das stellte sich als die richtige Entscheidung heraus. Die Herren waren zwar keine Boys im strengen Sinne mehr, sie boten aber im Vorprogramm immerhin ein Country-Gewächs direkt aus Nanaimo auf, was ihnen die Sympathien der lokalen Besucherschar einbrachte. Die Herren waren gut drauf - besonders ein Sänger stach ins Auge, der dank seines schlohweißen Haupthaares und Bartes so aussah, als hätte sich Gandalf ein paar ausgebleichte Jeans, einen Stetsonhut und eine Sonnenbrille geschnappt. Ein anderer der vier Country-Rocker, die von einer gut aufgelegten Band begleitet wurden, hatte sich seine Frisur ganz offenbar von Rumpelstilzchen Robert Carlyle aus der ABC-Serie "Once upon a Time" ausgeborgt. Sein sonorer Baß drang zudem in Tiefen vor, die man kaum beschreiben kann. Man muss es hören.

Was soll man sagen? Die vier boten nicht nur Country-Folk, sondern vor allem gegen Ende des Programms Rollator-Rock vom Feinsten. Auch der Keyboarder hielt kräftig mit, obwohl es sein heißgeliebter Klappstuhl gewesen war, den der Wind am Vormittag von der Fähre ins Meer gefegt hatte. "Wahrscheinlich sitzt jetzt ein Wal drauf", witzelte der Frontmann. "Wisst ihr, was die Fährbetriebe von BC Ferries für die Überfahrt mit unserem Bus verlangt hatten?" Er verriet es nicht, aber das Missgeschick mit dem Klappstuhl wurde an jenem Abend noch ein paarmal eifrig aufgewärmt.

Das Fazit? Es kommt einfach darauf an, zur rechten Zeit zum richtigen Fährhafen zu kommen. Dann fährt man hinter dem richtigen Tourbus hinterher, hat einen tollen Abend, pennt hoffentlich gut und hat sich dann an den hiesigen Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnt. Wir wollen es zumindest hoffen...

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