Diese Woche schaffte es eine gewisse Mina in die Endrunde, schwarzes Haar und schön wie eine Katakombenheilige, wie es Onkelchen ausdrückt.
Womit wir beim Thema wären.
Sie erinnern sich vielleicht an die Ermittlungen zum ungeklärten Tod der heiligen Santa Vittoria, die in einem Glassarg in der römischen Kirche Santa Maria della Vittoria ... ausgestellt ist. Sehr viel spricht dafür, dass es sich bei der ansprechend auf- und zurechtgemachten Heiligen um eine Katakombenheilige handelt. Diese Katakombenheiligen sind Ausdruck einer etwas ... nun ja, morbiden Strömung innerhalb der katholischen Kirche, die Ende des 16. Jahrhunderts entstand. Damals wurden nämlich die römischen Katakomben, die alten Friedhöfe aus der römischen Kaiserzeit, wiederentdeckt. Nach dem damaligen Verständnis waren alle, die in den Katakomben begraben wurden, Märtyrer, die für ihren christlichen Glauben mit dem Leben eingetreten waren und damit automatisch Heilige.
Diese armen toten Menschen begann man dann systematisch zu exhumieren und als Ausstellungsstücke in die verschiedensten Kirchen zu exportieren - unter anderem nach Deutschland, aber auch in nicht geringem Maße nach Italien. Die Katakombenheiligen waren ein wichtiges propagandistisches Werkzeug der Gegenreformation, weswegen gerade viele Barockkirchen einen oder mehrere solcher Heiliger besitzen, die hinter Glas aufgebahrt sind. Während in Deutschland diese Heiligen meistens als mit Juwelen verzierte Skelette ausgestellt wurden (nicht zuletzt, um den Menschen als stets präsentes memento mori wohlige fromme Schauer einzuflößen), ging man in Italien einen anderen Weg. Die Knochen der toten Heiligen wurden in Wachspuppen gepackt und diese wurden dann ausgestellt. So kommt es, dass sich die Katakombenheiligen in Italien als besonders schöne Leichen darbieten, während der Gläubige in Deutschland in die leeren Augenhöhlen eines Gerippes blickt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war dies auch das Schicksal der Santa Vittoria in Santa Maria della Vittoria. Da die Katakombenheiligen in Italien also besonders nett zurechtgemacht sind, ergibt die Redewendung "schön wie eine Katakombenheilige", die Onkelchen gerne benutzt, auch Sinn.
Wer's mag, kann sich hier mal eine Reihe von Bildern von Katakombenheiligen reinziehen. Ich mag nicht (zumindest jetzt nicht, sonst kommt mir mein Mittagessen hoch). Stattdessen sollten wir uns ein Bild betrachten, das Onkelchen im Gästebuch der Ara Pacis Augusti in Rom gefunden hat. Eine der beiden Figuren sieht meinem Sohn Janni verdächtig ähnlich...
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