Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Sonntag, 26. September 2010

Römer! Ganz frische! Lasst sie mir!

Eindrücke von den Römertagen 2010 in Aalen:



Viel zu lasch, die Profis heutzutage!



Meine Bonasterose, schlimmer als ich dachte!



Onkelchen verbrüdert sich mit den Römern!

Sonntag, 29. August 2010

München ist Mist! Eine Polemik gegen Deutschlands überschätzteste Stadt

Aufgrund der beruflichen Situation von Onkelchen sitzt unsere Elefanten-WG derzeit in München fest. Doch keine deutsche Stadt hat in den letzten Jahren so sehr den Anschluss an den Zeitgeist verloren wie die früher so stolze "heimliche Hauptstadt Deutschlands". Ein Krisenbericht von Onkelchen.

Zugegeben, es gibt noch einige Dinge, die in München richtig gut laufen. Der FC Bayern zum Beispiel. Ich bin zwar kein Bayern-Fan, aber man muss doch zugeben, dass der FC Bayern, nicht zuletzt in der abgelaufenen Saison, mehr denn je das Herz des deutschan Fußballs bildet. Auch wenn die Bayern am Freitag gegen Lautern verloren haben, wird ihnen wahrscheinlich der Meistertitel in dieser Saison nicht zu nehmen sein.
Auch von den öffentlichen Verkehrsmitteln in München können sich viele deutsche Städte eine Scheibe abschneiden. OK, ab und an fällt mal eine S-Bahn aus, aber verglichen mit den Zuständen in Berlin funktioniert der öffentliche Nahverkehr in Bayerns Metropole prächtig.

Auf fast allen anderen Gebieten sackt München aber ab, nur will es keiner so recht merken. Das beginnt mit dem eingangs genannten Gerede von Deutschlands heimlicher Hauptstadt: Es stimmt einfach nicht mehr. In der alten Bundesrepublik war Bonn lediglich das Verwaltungszentrum, die wichtigen Trends in Kultur, Mode und Medien wurden aber woanders kreiert, und da spielte vor allem München eine wichtige Rolle. Zudem wurde in den Kohl-Jahren, nicht zuletzt in der Ära des Franz Josef Strauß, ein guter Teil der Bundespolitik in München ausgeheckt. Beides gehört aber immer mehr zur glorifizierten Vergangenheit: Berlin ist auch kulturell die Kapitale der Republik, jeden Tag ein Stückchen mehr. Und die CSU verblasst zu einem kuriosen Regionalverband einer schwächelnden Volkspartei. Willkommen in der Normalität!

Natürlich weist München immer noch die höchsten Mieten und Lebenshaltungskosten in Deutschland auf, aber der Gegenwert dafür nimmt ab. Wirtschaftlich mögen die Münchner zwar immer noch gut dastehen, aber das Image, die Hightech- und Medienmetropole des Landes zu sein, blättert zusehends ab. Die Losung von "Laptop und Lederhose" ist schon 15 Jahre alt, und das Schlimmste: Man merkt es. Viele der einstmals stolzen Bürobauten, die Hightech-Startups mit klingenden Namen beherbergten, stehen leer. Es gibt zwar immer noch Siemens und Microsoft und Oracle, und das mag vieles übertünchen. Doch die Entwicklungsarbeit, die eigentliche Innovation, findet schon längst woanders statt, in Osteuropa, in China, in Indien. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann diese Entwicklung München mit voller Wucht treffen wird.

Zudem befindet sich die Medienstadt München seit einigen Jahren in einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale. Beispielhaft dafür steht der "Focus", einst als Gegenmodell zum "Spiegel" gegründet. Die Auflage und die Werbeumsätze befinden sich im Sinkflug. Die Redaktion wird ausgedünnt, und der eine oder andere einst üppig entlohnte Journalist merkt nun, wie es ist, im Arbeitsamt in der Schlange zu stehen. Vielleicht hätte der oder die eine oder andere nicht so leichten Herzens das Hohe Lied des Wirtschaftsliberalismus gesungen, wenn er/sie geahnt hätte, wie schnell einen auch die Schattenseiten des Laissez-Faire-Kapitalismus einholen können. Und auch insgesamt weist die in den Neunzigern blühende Medienlandschaft immer mehr hässliche Brandlöcher auf: Die einst stolze "Süddeutsche Zeitung" ist ein Schatten ihrer selbst und bietet außerhalb des Politik- und Sportteils nur mehr das Niveau einer (nicht sehr guten) Schülerzeitung; was die Berichterstattung aus den Stadtteilen betrifft, sind zum Teil die am Wochenende kostenlos im Briefkasten liegenden Anzeigenblätter besser. Die einst stolze IT-Fachpresse befindet sich im freien Fall. Und die Privatradios, die ihre beste Zeit schon lange hinter sich haben, senden nur noch Brei, eine Entwicklung, der sich der Bayerische Rundfunk freudig anschließt.

Kulturell fliegt München seit dem Tod von August Everding, dem einstmals so umtriebigen General-Impresario des Münchner Staatstheaters, auf Autopilot. So wie es aussieht, wird man Kent Nagano, den Generalmusikdirektor der Münchner Oper, nicht mehr allzu lange halten können bzw. wollen. Schade, denn der Amerikaner mit japanischen Wurzeln verhinderte in den letzten Jahren mit einigem Erfolg, dass die Münchner Klassizszene zu sehr im eigenen Saft schmorte und ins Provinzielle abrutschte. Aber dem Münchner Opernpublikum reicht es ja, wenn die Netrebko zweimal im Jahr in der Stadt ist, um Schuhe zu kaufen.

Man muss auch konstatieren, dass München die Rolle von Deutschland wichtigster und einflussreichster Filmstadt an Berlin verloren hat. Mit der Berlinale findet das meistbeachtete Filfestival der Nation, wie der Name schon sagt, in Berlin statt, und auch die interessanteren Produktionen finden immer häufiger den Weg an die Spree. München lebt da immer noch vom schalen Glanz der Achtziger und davon, dass irgendwann mal die "Unendliche Geschichte" in der Bavaria gedreht wurde. Der Glücksdrache Fuchur, einstmals das Highlight jeder Bavaria-Tour, staubt immer mehr ein, und als ich vor kurzem beim Zappen gewahrte, dass die "Unendliche Geschichte" mal wieder im TV wiederholt wurde, fragte ich mich, warum dieser Mist (ich rede vom Film, nicht vom Buch) damals so hochgejubelt wurde. Man muss leider konstatieren, dass der damals teuerste deutsche Film heute einfach alt aussieht (Der innovativste deutsche Regisseur, Roland Emmerich, wurde ja bekanntermaßen an der Münchner Filmhochscule verkannt und dreht heute in den USA Blockbuster um Blockbuster!).

München galt auch mal als die sicherste deutsche Großstadt. Rein statistisch gesehen mag das heute noch stimmen. Nur muss sich die Stadt spätestens seit dem Fall Dominik Brunner eingestehen, dass auch sie ein Gewaltproblem gibt. Ein böser Kratzer im Lack der angeblich so hohen Münchner Lebensqualität. Auch das Aushängeschild der hochgelobten Münchner Gemütlichkeit, das Oktoberfest, baut immer mehr ab. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Gemütlich ist woanders. Familienfreundlich ist es wegen der hohen Preise schon lange nicht mehr. Die Gewaltbereitschaft der alkoholisierten Festbesucher steigt von Jahr zu Jahr (wer's nicht glaubt, frage einen der Münchner Taxifahrer), und außerdem ist die Wies'n seit Jahren nur noch ein Treffpunkt für Touristen und Zugereiste (die sich dafür aber in teuren Trachtenklamotten verkleiden und sich am Tag nach dem Wies'n-Besuch fragen, wie man bloß die Kotze wieder abkriegt).

Nicht zuletzt gibt es das typische Münchner Lokalkolorit nicht mehr - es ist wohl spätestens mit dem Mosi-Mord gestorben. Ralph Siegel ist todkrank und wird keinen Grand-Prix-Siegertitel mehr schreiben. Sedlmayr ist schon lange tot. und das Pumuckl sucht vergeblich nach seinem Meister Eder. Alles und alle, was München vor Jahren noch hip, cool, gemütlich, lebens- und vielleicht liebenswert gemacht hat, ist entweder gestorben oder hat seine Zelte abgebrochen. Das Schlimme ist, dass München das alles (hip, cool, gemütlich, lebensa- und liebenswert) nach wie vor sein will, aber eben nicht mehr ist. Und es ist diese Diskrepanz zwischen selbstgestelltem Anspruch und Wirklichkeit, die München besonders unsympathisch macht.

Fassen wir zusammen: München ist die Wiedervereinigungs-Verliererin unter den deutschen Großstädten. Nur ein Flächenbombardement kann daran etwas ändern.

Samstag, 17. Juli 2010

In memoriam: Kater Maunz


Heute muss ich leider eine traurige Mitteilung machen. Kater Maunz, der kleine Liebling von Onkelchen und Tante Dilein, musste eingeschläfert werden. Maunz war so ein lieber und hübscher Kater, hatte aber wohl von Geburt an die tückische FIV-Krankheit, landläufig auch als "Katzen-Aids" bekannt.

Dadurch nahmen die Abwehrkräfte unseres kleinen Katers immer mehr ab, zuletzt war jeder Atemzug eine Qual.

Lieber Maunz, ich hoffe, dass Du jetzt an einem besseren Ort bist!

Wir werden Dich vermissen!

Die Elefanten-WG Kurt Palfi, Gianni Dona und Paco Alvalade.

Freitag, 16. Juli 2010

28 Jahre hat Onkelchen danach gesucht...

... die englisch-jiddische Version von "Codo!"
Einmal hat er es auf (damals) SDR 3 gehört, seitdem nie wieder. Und hier ist sie! Youtube sei Dank!!

Sonntag, 11. Juli 2010

WM-Blog: Das verflixte Spiel Nr. 63

Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag schon gestern vormittag schreiben, aber da war es mir zu heiß! Heute ist es leider noch heißer als gestern, aber da ich - wie die deutsche Nationalmannschaft - das Bedürfnis habe, diesen WM-Blog zu einem versöhnlichen Ende zu bringen, muss eben geschrieben werden.

Schon klar: Das Spiel um den dritten Platz ist ein Fremdkörper im WM-Spielplan. Bei der Europameisterschaft gibt es dieses Platzierungspiel seit 1984 nicht mehr, und niemand vermisst es. In anderen Sportarten haben solche Spiele durchaus eine gewisse Bedeutung, zum Beispiel im Handball, weil man sich mit dem dritten oder fünften Platz eventuell die Direktqualifikation für das nächste Turnier oder die Olympischen Spiele sichern kann. Bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften war dies jedoch nie der Fall, es ging von vornherein immer nur darum, wer die Bronzemedaillen kriegt und wer mit einem feuchten Händedruck vom Platz geht.

Interessanterweise war Deutschland im Jahr 1934 der erste WM-Dritte (bei der Premiere im Jahr 1930 gab es kein Spiel um Platz drei), und mit vier dritten Plätzen (1934, 1970, 2006, 2010) ist Deutschland bei insgesamt fünf Teilnahmen die erfolgreichste Nation im kleinen Finale. Lediglich 1958 ging Deutschland gegen Frankreich im kleinen Finale mit 3-6 unter, ansonsten waren die Männer mit dem Adler in der ungeliebten Platzierungspartie immer siegreich. Es gibt also durchaus eine gewisse Beziehung zwischen Deutschland und diesem seltsamen Spiel, das zur WM dazugehört, aber auch irgendwie nicht, denn es findet gewissermaßen außerhalb des Wettbewerbes statt. Beide Teilnehmer sind aus dem Rennen um den Cup ausgeschieden, müssen aber trotzdem noch mal ran. Ein bisschen erinnert das Ganze an Apollo 13: Das ganz große Ziel ist in weite Ferne gerückt, aber bevor man nach Hause kommen kann, muss man noch mal eine Ehrenrunde um den Mond drehen. Und hinterher verkauft man das Ganze dem staunenden Publikum als Erfolg.

Überraschenderweise ist diese Partie eigentlich spätestens seit 1982 ein Garant für unterhaltsame Spiele. Zuvor gab es eine Reihe von müden 1-0-Kicks, bei denen die beteiligten Spieler jeweils nach dem Führungstreffer fast alle Aktionen einstellten. Mitunter waren die Spiele um Platz drei sogar besser als die eigentlichen Endspiele, so etwa 1994 (ein 4-0 von Schweden gegen Bulgarien, während die Italiener und die Brasilianer sich im Finale neutralisierten und das Elfmeterschießen entscheiden musste) und 2006 (als die deutsche Ersatzelf die Portugiesen um Cristiano Ronaldo und Figo mit 3-1 besiegten, während Italiener und Franzosen im Finale lediglich ein 1-1 zustande brachten und auch hier die Strafstöße entschieden). Denn das Paradoxon des Spiels um Platz drei ist: Es geht eigentlich um nichts mehr, deshalb legen die beteiligten Mannschaften häufig die taktischen Zwänge ab. Die Defensive steht nicht mehr so sehr im Vordergrund, deswegen fallen im kleinen Finale oft mehr Tore als im eigentlichen Endspiel.

Das schönste "Spiel 63" der Geschichte lieferten sich aber 2002 die Türkei und Südkorea. Die Türkei gewann 3-2, aber nach wie vor unvergessen sind die Bilder nach dem Spiel, als sich beide Teams miteinander verbrüderten und sich Arm in Arm auf dem Rasen bei ihren Fans bedankten (im folgenden Video ab 6:48).



In diese ehrenvolle Ahnenreihe hat sich auch gestern die Partie zwischen Deutschland und Uruguay eingereiht. Natürlich war vor allem den Deutschen die Enttäuschung über das verpasste Finale sehr stark anzumerken. Aber: Sie zogen sich glänzend aus der Affäre und gewannen 3-2. Und wer war der Sieger? Der Fußball.

Freitag, 9. Juli 2010

WM-Blog: Manndeckung gegen Spanien!

Die deutsche Nationalmannschaft konnte es nicht - nun steht Holland vor der schwierigen Aufgabe, die momentan wieder scheinbar unbezwingbaren Iberer zu besiegen. Das Kraken-Orakel ist sich zwar sicher, dass Deutschland den dritten Platz holt und Spanien den Cup erringt. (Sogar die spanische Presse nimmt davon Notiz! In Spanien wurde das Endspiel-Orakel sogar live übertragen und die spanischen Beobachter sangen "Campeones, Campeones", als sei das Finale schon gespielt!)

Damit scheint alles geklärt. Aber soll man wirklich einem glitschigen Kopffüßer die Entscheidung darüber überlassen, wer die Weltmeisterschaft gewinnt? Auch wenn der Oberhauser Krake während der WM 2010 mit seinen Tipps immer richtig lag - wenn man die ganze Sache mit dem Kraken-Orakel zu ernst nimmt, braucht man zum Spiel gar nicht mehr anzutreten. Das würde zunächst einmal sehr viel Geld sparen. Man braucht keine Stadien mehr, auch keine Verkehrsinfrastruktur: Es reicht einfach, sich alle vier Jahre vor dem Aquarium des Oberhauser Kraken zu versammeln - auch wenn es in vier Jahren nicht mehr Paul sein wird, denn Kraken haben nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von drei Jahren.

Vielleicht hat ja das deutsche Team vor zwei Tagen die Vorhersage des Kopffüßers zu ernst genommen, denn manche Prophezeiungen tendieren einfach dazu, sich selbst zu erfüllen. Gerade wenn das Selbstbewusstsein vor einem Duell mit einem Gegner, der keine offensichtlichen Schwächen aufzeigt, nicht allzu ausgeprägt ist, wischt manch einer die "Vorhersage" nicht einfach beiseite, sondern das Omen frisst sich im Hinterkopf möglicherweise fest und nagt. Ich hoffe, dass es den Holländern übermorgen am Sonntag nicht so ergeht!

Aber wie soll man die Spanier knacken? Der Schlüssel zum Erfolg der Spanier ist neben der guten Balltechnik vor allem das herausragende Positionsspiel. Es macht die Räume für den Gegner eng und schafft Anspielstationen für Pässe. Das als Tiki-Taka gelobte Kurzpassspiel halte ich persönlich eher für faulen Zauber, weil es eigentlich kaum Raumgewinn schafft.
Es hat allerdings den Zweck, den Gegner zu ermüden und den Ballbesitz zu erhalten. Ist der Gegner erst einmal müde gespielt, erwachsen für die Spanier schließlich Chancen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, dieser Taktik entgegenzutreten: Die eine lautet, einen Bus vor das Tor zu stellen. Das heißt: Alle Mann verteidigen, wenn es sein muss, alle auf der Torlinie. Das hat mehr oder weniger die Schweiz getan.

Die zweite Option wäre aus meiner Sicht die konsequente Manndeckung im Mittelfeld. Dass die Spanier dort gut besetzt sind, muss gar nicht mehr erwähnt werden. Das ist Allgemeingut. Aber diese Variante ist offenbar nicht mehr salonfähig. Das deutsche Team, das die Manndeckung länger als jede andere Mannschaft praktizierte (vielleicht mit Ausnahme der Griechen), griff gegen Spanien jedenfalls nicht zu diesem Mittel. Warum eigentlich?

Die Manndeckung ist eines von mehreren Werkzeugen, die sich im taktischen Instrumentarium von Fußballtrainern befinden. Sie wird von Spitzenmannschaften vor allem deswegen kaum mehr praktiziert, weil die Manndeckung das Umschalten von Abwehr auf Angriff erschwert. Nehmen wir an, ein rechter Verteidiger wird einem bestimmten Stürmer zugeordnet, der normalerweise auf dem linken Flügel seiner Mannschaft agiert. Um seinem direkten Gegenspieler zu entgehen, weicht der genannte Flügelstürmer in die Mitte oder auf seinen rechten Flügel aus (unser rechter Verteidiger wird somit gezwungen, seinem Gegenspieler zu folgen und ist nun auf "seinem" linken Flügel zu finden). Erobert nun die bisher verteidigende Mannschaft den Ball, dann findet der ballführende Spieler seinen Kameraden nicht mehr dort, wo er ihn erwartet, denn er ist ja seinem Gegenüber auf jenen Flügel gefolgt, auf den er gar nicht hingehört.

Dieser Nachteil der Manndeckung ist leicht einzusehen. Wenn es aber darum geht (und das muss gegen eine Mannschaft wie Spanien absolute Priorität haben), sie nicht zu ihrem Kurzpassspiel kommen zu lassen, dann gibt es kaum eine Alternative, als jedem spanischen Spieler auf den Füßen zu stehen. Auf diese Weise entfallen für die ballführenden Spieler der Spanier die möglichen Anspielstationen, sie müssen weitere Wege gehen und die Ordnung im Mittelfeld könnte dadurch aufgebrochen werden. In das Spiel kommt mehr Bewegung. Verfügt man vielleicht noch über schnelle Flügelspieler, dann sind durchaus auch Torchancen möglich.

Ich weiß nicht, ob diese Vorgehensweise jemals in der Praxis erwogen wurde. Fußball-Feingeister wie die Autoren der "Süddeutschen Zeitung" werden sich hier vermutlich schütteln, aber die verurteilen ja jede Aktion sofort als mittelalterlich oder als Gerumpel, wenn es um die Defensive geht. Da heißt es dann schon mal, Podolski habe "als mittelalterlicher Libero" gegen Ramos gerettet. Soll er es denn gar nicht tun, soll er lieber das Gegentor zulassen? Die Manndeckung hat gerade dann ihre Berechtigung, wenn man gegen ein Team antritt, das spielerisch-technisch als überlegen gilt. Auf dieses Werkzeug von vornherein zu verzichten, ja, es komplett aus dem taktischen Werkzeugkasten zu verbannen, ist ein bisschen arrogant. Wenn man eine absolute Dominanz der Spanier verhindern will, könnte sie durchaus ein wertvolles Mittel zum Zweck sein.

Mal sehen, ob die Holländer da weniger dogmatisch sind als Jogi Löw. Sie bezeichnen ihren Stil laut Nigel de Jong ja inzwischen als "deutscher als die Deutschen". Das kann zu Hoffnung Anlass geben...

Nachtrag: Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Siehe diesen Spiegel-Forenbeitrag: Guckst du!

WM-Blog: Hoffen auf Holland

Holland ist - noch vor England - der Lieblingsfeind deutscher Fußballfans. Ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht. 2002 sangen deutsche Fans schadenfroh "Ohne Holland fahr'n wir zur WM", als die niederländische Elftal in der Qualifikation scheiterte. Und die Holländer sind die ersten, die fröhlich das alte Lied "Schade Deutschland, alles ist vorbei" anstimmen, wenn die Deutschen vorzeitig ausscheiden. Interessant ist dabei, dass beide Spottlieder auf dieselbe Melodie gesungen werden. Es gibt also neben der herzlichen Abneigung wohl auch viele Gemeinsamkeiten.

Wahr ist ja, dass es zwischen beiden Ländern viele hochemotionale Fußballschlachten gab - allen voran das WM-Endspiel 1974, in dem die Krönung des "Totalen Fußballs" niederländischer Prägung stattfinden sollte und das schließlich die Deutschen - nicht zuletzt wegen des Heimvorteils und wegen Gerd Müller - gewannen. Dem stand das Hamburger EM-Halbfinale 1988 in nichts nach, in dem die holländischen Fans in der Überzahl waren. Unvergessen die Szene, in der sich Ronald Koeman mit dem Trikot von Olaf Thon den Hintern abwischte. Dann kamen die engen Duelle in der WM-Qualifikation 1990 und schließlich das Haß-Spiel im Achtelfinale der WM 1990, in dem es für Frank Rijkaard und Rudi Völler die rote Karte gab und in dem Jürgen Klinsmann das Spiel seines Lebens machte. 1992 trafen beide Teams in der Gruppenphase der EM wieder aufeinander, Holland gewann 3-1, aber da beide Mannschaften weiterkamen, fiel die deutsche Niederlage nicht so sehr ins Gewicht. 2004 gab es in Portugal bei der EM ein 1-1, aber die Rivalität war zum diesen Zeitpunkt schon ziemlich abgekühlt.

Holland trug den Deutschen einerseits das verlorene WM-Halbfinale von 1974 nach, andererseits überlagerte die Erinnerung an die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkrieges lange die Duelle mit dem Nachbarn. Man war froh, wenn es gelang, dem scheinbar übermächtigen Nachbarn auf dem grünen Rasen ein Bein zu stellen.

Dazu kam - und das ist nicht zu vernachlässigen -, dass mit Holland und Deutschland auch zwei unterschiedliche Fußball-Philosophien aufeinandertrafen, nämlich auf der einen Seite der häufig nüchtern-ergebnisorientierte Zweckfußball deutscher Prägung und auf der anderen Seite der angriffsorientierte "Totale Fußball" von Johan Cruyff und seinen Epigonen - mit einer gewissen Neigung, in Schönheit zu sterben. Holland gewann dadurch die Fans für sich, Deutschland viele Titel.

Bei dieser WM 2010 hat sich das Bild in gewisser Weise gewendet: Deutschland hat gegen Australien, England und Argentinien herzerfrischenden Angriffsfußball gezeigt, Holland dagegen eher nüchtern und zweckgebunden gespielt. Verkehrte Welt! Die deutsche Truppe präsentiert sich als multikulturelles, fußballtechnisch fein ziseliertes Team, während Holland Fußball arbeitet - wenngleich sie mit Sneijder und Robben auch einige exquisite Künstler in ihren Reihen haben. Es ist kein Zufall, dass mit van Bommel, Robben, Mathijsen und Bouhlarouz vier zentrale Akteure der Niederländer in der Bundesliga spielen, Trainer Bert van Marwijk Bundesliga-Erfahrung hat und auch Bayern-Coach van Gaal aus Holland kommt. Die beiden Erzrivalen befruchten sich momentan gegenseitig mehr, als man es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hatte. Deutschland lernt von den Holländern Spielwitz, die Niederländer übernehmen die deutsche Disziplin. Und nicht zuletzt: Es ist einfach schön zu sehen, dass sich Leute wie van Bommel und Robben und viele andere holländische Profis in Deutschland wohl fühlen, so dass man die leidige Vergangenheit vielleicht doch irgendwann einmal ad acta legen kann.

Insofern halte ich im Finale zu den Niederländern (seit dem Halbfinal-Aus der Deutschen trage ich konsequent orange T-Shirts) und hoffe, dass sie eine Lücke bei den Spaniern sehen, die Jogi Löw und seine Mannen nicht gefunden haben. Ich war ja schon 2006 in Nürnberg bei der "Schlacht von Nürnberg" zwischen Holland und Portugal dabei und hielt damals zum ersten Mal in meinem Leben zu den Niederländern, denn die Portugiesen spielten damals einfach dreckig. Schwalbenkönig Cristiano Ronaldo tauchte so oft weg, dass man meinen konnte, er sei mit einem Schnorchel auf den grünen Rasen unterwegs.

In diesem Sinne: Hup, Holland, hup! Diesmal seid ihr die besseren Deutschen!
Haut die Spanier weg!