Ich und die Meinen

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Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Dienstag, 30. Juni 2015

Kanada-Reisen: Erfahrungen und Tipps



Blick auf das Bergpanorama in Whistler (British Columbia).

Hallo, Onkelchen! Ich freue mich, dass ihr beide wieder gesund und wohlbehalten in Deutschland gelandet seid. Ich nehme mal an, dass Dich der Jetlag noch ein bisschen in den Klauen hat. Aber das legt sich ja erfahrungsgemäß. Aber trotzdem möchte ich die Frage loswerden: Das war ja jetzt eure fünfte gemeinsame Reise nach Kanada. Was macht Kanada immer wieder aufs Neue so faszinierend?

Ich glaube, dass da viele Dinge zusammenkommen. Da ist zum einen die großartige Natur, da ist das Zusammenspiel von Landschaft und Weite, das sind aber auch sehr freundliche und offene Menschen. Gerade im Westen Kanadas ist die Einstellung zu den Dingen des Lebens doch etwas gelassener als bei uns, und das färbt ab. Hoffe ich zumindest.

War es denn schön?

Ich denke, es war die schönste Kanada-Reise, die wir beide miteinander unternommen haben. Die anderen waren auch sehr schön, keine Frage. Aber die drei Wochen im Juni 2015 haben alles getoppt, nicht zuletzt wegen des fast durchgehend sonnigen Wetters, das wir hatten.

Ihr wart bisher eher im Spätsommer und im frühen Herbst in Kanada unterwegs. Jetzt wart ihr im Juni dort. War das eine gute Entscheidung?

Ja, ohne Frage. Der Juni ist eine gute Reisezeit, vor allem, weil die touristischen Zentren noch nicht überlaufen sind. Die Kanadier selbst brechen eher im Juli in den Urlaub auf. Mich hat überrascht, dass es im Juni dieses Jahr zum Teil schon ziemlich heiß war. Wir hatten eher frühlingshafte Temperaturen erwartet und uns sogar auf den einen oder anderen Frost eingestellt. Die dicken Jacken konnten somit im Koffer bleiben. Die Kanadier sagten uns, dass dieser Juni ungewöhnlich warm und sonnig gewesen sei. Das hat auch negative Folgen: die Waldbrandgefahr ist sehr hoch, und der ausbleibende Regen ist natürlich für die Landwirtschaft dort ein großes Problem.

Was muss man denn beachten, wenn man nach Kanada reist?

Vor allem sollte man Zeit mitbringen. Und man muss sich auf die Weite des Raumes einlassen. Ich geb Dir mal ein Beispiel: In den drei Wochen, in denen wir in Kanada waren, sind wir mit dem Auto ungefähr 3.300 Kilometer weit gefahren. Wenn Du in Deutschland 3.300 Kilometer fährst, hast Du mit hoher Wahrscheinlichkeit die komplette Bundesrepublik bereist und Berlin, Hamburg, Köln, München und noch einige weitere bedeutende Städte besucht. Wir dagegen haben uns eigentlich „nur“ im südlichen Drittel der westlichsten Provinz British Columbia bewegt. Das gibt so ein bisschen einen Eindruck von der Fläche, denke ich.

Was würdest du jemandem raten, der zum ersten Mal nach Kanada reist?

Wie gesagt: Zeit mitbringen. Das hat nicht nur mit den Entfernungen zu tun. Sondern auch damit, dass man auf den kanadischen Straßen nicht so schnell vorwärts kommt wie auf einer deutschen Autobahn. Ein kanadischer Highway ist keine Autobahn. Die Highways sind oft nur zweispurig ausgebaut, dann sind 90 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit das Maximum. Sie verlaufen gerade in British Columbia oft auch kurviger, so dass man an einigen engen Stellen bis auf 30 oder gar 20 Stundenkilometer herunter bremsen muss. Wenn man also eine Route plant – und der Reiz einer Kanada-Reise ist ja gerade das Unterwegs-Sein – dann muss man eine gute Vorstellung davon haben, wie viel Zeit diese Route in Anspruch nimmt. 

Mein Rat ist daher, sich vor der Reise die größte Straßenkarte zu kaufen, die man finden kann, und sobald man im Land ist, sollte man sich noch eine größere Karte kaufen. Einfach um ein Gefühl für die Entfernungen zu bekommen und zu sehen, welche Tagesetappen realistisch sind. Das ist nicht zuletzt dann wichtig, wenn man mit Familie reist. Man sollte die Touren schon so planen, dass man Zeitreserven hat, dass man Pausen für ein Picknick oder auch ein interessantes Zwischenziel hat. Auch wenn das Autofahren in Kanada wegen der geringeren Geschwindigkeiten auf den Straßen entspannter ist als in Deutschland: Wenn man nur Kilometer herunterreißt, weil man eine Etappe zu sportlich geplant hat, geht der Erholungseffekt leider flöten.    

Ihr wart zuletzt 2005 in Kanada, also vor zehn Jahren. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Zum Glück nicht viel (lacht). Die großartige Landschaft und die Natur sind natürlich immer noch vorhanden. Aber einige Details sind uns schon aufgefallen. Als wir vor zehn Jahren in Kanada waren, sind wir ab und an in ein Internet-Café gegangen, um Grüße nach Hause zu schicken. Mittlerweile ist ein in der Regel kostenfreier WiFi-Zugang in den allermeisten Hotels, Motels und auch in zahlreichen B&Bs Standard - und das sogar in relativ kleinen Ortschaften. Auch die Mobilfunkversorgung hat sich seit zehn Jahren wahnsinnig verbessert. Vor zehn Jahren konnte man mit Geräten nach europäischem Standard fast nur in den großen Städten Calgary, Edmonton und Vancouver beziehungsweise entlang des Korridors Calgary-Banff telefonieren. Heute ist das Netz dagegen viel besser ausgebaut. Natürlich - je weiter man in dünn besiedelte Gebiete vorstößt, desto geringer sind die Chancen. Aber in den Städten und den einschlägigen Touristengebieten hatten wir mit unseren europäischen Smartphones eigentlich immer die Möglichkeit zu telefonieren. Zudem hatten wir heuer oft sogar die Wahl zwischen diversen Roaming-Anbietern, nämlich Bell, Telus und Rogers Telecom. Vor zehn, zwölf Jahren war man auf einen einzigen Mobilfunkanbieter namens Microcell angewiesen, wenn man mit GSM-Geräten nach europäischem Standard telefonieren wollte. Damals haben wir uns meistens mit sogenannten Prepaid-Calling-Cards beholfen, die man am Flughafen und in den Supermärkten kaufen konnte. Man ging an ein öffentliches Telefon und musste die ellenlange Nummernkombination wählen, die auf der Karte aufgedruckt war. Das war zunächst die Netzeinwahlnummer, dann die Kartennummer und dann die PIN, die man freirubbeln musste. Und schließlich noch die Nummer, die man eigentlich wählen wollte.

Das ist ja schon eine recht lange Liste! Fallen dir noch irgendwelche Unterschiede gegenüber früher ein?

Ja, allerdings! Wir haben festgestellt, dass die Bed & Breakfasts (kurz B&Bs, also quasi Frühstückspensionen) inzwischen sehr viel professioneller geworden sind als damals. Früher konnte man sagen: Hotels sind teurer, B&Bs sind dagegen preiswerter, aber persönlicher. Die B&Bs waren nicht zuletzt deswegen preiswerter, weil man in der Regel den Übernachtungspreis pro Zimmer bezahlte, und dann war es eigentlich egal, ob man in dem Zimmer allein oder zu zweit übernachtete. Bei Hotels wurde der Preis pro Person berechnet. Zudem waren die B&Bs persönlicher, weil man die Betreiberfamilie ein bisschen kennenlernen konnte - das waren oft Ruheständler, die sich mit dem B&B ein bisschen ihre Rente aufbesserten und sich damit andererseits auch die Welt in ihre gute Stube holten.

Heute haben sich die Preise für Hotels und B&Bs praktisch aneinander angeglichen. Zudem kann man viele B&Bs in Kanada inzwischen auch über die einschlägigen Buchungsportale buchen. Das ist ganz hilfreich, weil man ohne Zeitverlust erfahren kann, ob das Zimmer in dem gewünschten Zeitraum auch verfügbar ist. Zudem kann man seine Reservierung ganz einfach durch Eingabe der Kreditkartennummer fixieren. Früher musste man die B&B-Betreiber erst per Mail anschreiben und dann abwarten, ob und wann sie dann antworteten.

Das ist heute - zumindest bei den Top-B&Bs - sehr viel angenehmer und einfacher. Auch beim Service sind viele B&Bs sehr professionell geworden, dabei ist allerdings manchmal das Persönliche ein wenig auf der Strecke geblieben. Bei einem B&B zum Beispiel haben wir unsere Vermieter nie getroffen, wir bekamen nur angegeben, wo wir den Schlüssel abholen und die Rechnung bezahlen sollten. Das geschah bei einer Firma, die Kanu-Exkursionen organisierte und nebenbei noch die allfällige Verwaltung für das B&B erledigte. Bei einem anderen B&B waren die Hauseltern sogar so profimäßig drauf, dass uns so ein bisschen das Persönliche abging. Es war einfach alles ein bisschen zu geleckt!

Hättest Du noch einen Tipp?

Einen? Viele! (lacht) Aber ich denke, wenn man unterwegs ist, sollte man unbedingt in der Tourist Information des jeweiligen Ortes vorbeischauen und sich erkundigen, welche interessanten Dinge es in der Umgebung zu sehen und zu erleben gibt. Selbst der beste Reiseführer kann nicht so aktuell und informativ sein wie die Infos, die man sich dort holen kann. Auch B&B-Betreiber wissen häufig sehr gut über ihren Ort und ihre Umgebung Bescheid, so dass man sich gute Tipps holen kann. Unsere Gastgeber in Port Alberni gaben uns zum Beispiel den Tipp, nach Errington zu fahren. Das ist nur ein paar Autominuten von dem berühmt-berüchtigten Coombs entfernt, wo Ziegen auf dem Dach eines merkwürdigen New-Age-Supermarkts weiden (ich lüge nicht!) In Errington gibt es das North Island Wildlife Recovery Centre, in dem verletzte Tiere wie zum Beispiel Weißkopfseeadler so weit gesund gepflegt werden, dass sie wieder ausgesetzt werden können. Das sollte man schon gesehen haben. Nur die Spinnensammlung im Eingangsbereich sollte man sich nicht zu genau ansehen...


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