Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Montag, 27. Juni 2011

Frauen-WM: Onkelchen gibt den Netzer!

So kann es nicht weitergehen. Das deutsche Team kann von Glück reden, dass es im Eröffnungsspiel gegen Kanada nicht noch tiefer in Not geraten ist. Da fehlte die Laufbereitschaft, die Aggressivität in den Zweikämpfen. In der zweiten Hälfte wurden zu viele Chancen vergeben, man hat sich zu sehr auf lange Bälle fokussiert. Ich verstehe aber die Spielerinnen nicht, dass sie die Stärke von Kanada zu ihrer Verteidigung anführen - was die angeblich alles besser können und gemacht haben. Das darf kein Kriterium sein! Wir sind immerhin Weltmeister! Das ärgert mich ein wenig.

Onkelchen?

Hm?

Bist du gerade auf dem Netzer-Trip?

Oh, war ich das? Aber irgendeiner muss es ja tun, irgendeiner muss ja die Finger in die Wunde legen, sonst gibt es schon beim nächsten Gruppenspiel gegen Nigeria ein böses Erwachen.

Du musst es ja wissen. Du bist der Experte. Die Betonung liegt auf Ex. Oder wie war das mit den Freistößen? Dass Frauen keine langen Bälle und keine scharfen Freistöße spielen können? Hast du in deinem letzten Blog-Eintrag gesagt. Das Eröffnungsspiel hat dich da eindeutig widerlegt!

(lacht) Ja, das ist richtig. Das muss ich mir durchaus ins Stammbuch schreiben lassen. Ich werde das mit den Freistößen und den langen Bällen in Zukunft auch nie wieder behaupten. Ich muss aber dazusagen, dass diese Behauptung auf einer Beobachtung basiert, die ich beim Viertelfinale der letztjährigen U20-WM zwischen den USA und Nigeria gemacht habe. Damals hat es gerade den Schüssen aus der vielzitierten zweiten Reihe ordentlich an Bums gefehlt. Aber war möglicherweise nur ein Einzelfall, eine Einzelbeobachtung.

Woran lag es denn nun wirklich, dass die deutschen Frauen gegen Kanada am Ende noch in Bedrängnis kommen konnten?

Ich will mal vorausschicken, dass ich das Spiel etwas anders gesehen habe als die meisten übrigen Kommentatoren. Deutschland und Kanada waren, was die Spielanteile betraf, nahezu gleichwertig. Das wurde oft übersehen. Beide hatten in etwa gleich viel Ballbesitz, Kanada laut der FIFA-Statistik sogar einen Tick mehr, 51 zu 49 Prozent zugunsten der Kanadierinnen. Die Kanadierinnen konnten sich allerdings längst nicht so viele Chancen erarbeiten wie die Titelverteidigerinnen, über lange Strecken hatten die deutschen Frauen das gut im Griff. Vor allem in der zweiten Hälfte.
Dann aber haben die deutschen ihre hochkarätigen Chancen nicht genutzt, Kerstin Garefrekes, Alexandra Popp - Kerstin Garefrekes einnerte bei ihrer vergebenen Hundertprozentigen sogar sehr an Mario Gomez, schon von der Körpersprache her!
Und dann wurde in der 71. Minute Melanie Behringer gegen Fatmire Bajmaraj ausgewechselt.

Von der du ja kein Fan bist...

Sie ist sicher eine tolle Fußballspielerin! Aber in den Wochen vor dem Turnier war zu viel von ihrem Aussehen die Rede. Das hat ihr nicht gutgetan, sie stand auf dem Platz etwas neben sich. Und das ist meines Erachtens typisch für die Oberflächlichkeit, mit der einerseits über Fußball insgesamt, andererseits aber auch ganz besonders über Frauenfußball gesprochen und geschrieben wird. Es geht beim Frauenfußball genau wie bei den Männern darum, dass Tore geschossen werden. Da sind Technik, Taktik, Tore entscheidend. Wie einer oder eine aussieht, ist völlig egal!
Das ist so ein Indiz für die Beckhamisierung des Fußballs. Was meine ich damit: Fußballerisch konnte ein David Beckham einem Paul Gascoigne nie das Wasser reichen. Nie! Aber weil der David ganz nett aussah - und Gascoigne mental sehr instabil war, das darf man nicht vergessen - ist Beckham der populärere und weitaus reichere Fußballer geworden. Aber Beckham war ja nur der Prototyp. Wenn man sich vorstellt, dass die Chefreporterin der "Welt" den Bundestrainer Jogi Löw eine ganze Stunde lang interviewt, um mit ihm über praktisch nichts anderes als Kosmetikprodukte zu sprechen, dann sieht man, wohin wir gekommen sind. Zu meiner Zeit hieß es: "Ein Trainer darf aussehen wie Frankenstein, nur Weltmeister muss er werden." Und ich stehe dazu! Weshalb ich davon überzeugt bin, dass unsere Männer-Nationalmannschaft mit Peter Neururer größere Chancen auf einen Titel hätte als mit Jogi Löw. Denn Weltmeister ist der Jogi bis jetzt nicht geworden, und die Prognose wage ich: Auch bei der EM 2012 wird es mit einem Titel nicht klappen.

Das hat jetzt aber nichts mehr mit der Frauen-WM zu tun.

Doch! Denn als Lira Bajramaj eingewechselt wurde, musste Melanie Behringer runter vom Feld. Und sie war für meine Begriffe bis dahin die unbesungene Heldin dieses Spiels. Was sie geackert und gekämpft hat, ist wirklich aller Ehren wert. Sie war die Antreiberin des Spiels, sie hat die Bälle erkämpft, sie hatte die Übersicht. Und als sie rausging, fiel halt alles ein bisschen in sich zusammen und die Kanadierinnen konnten wieder besser ins Spiel finden, nachdem sie eigentlich in der zweiten Hälfte über weite Strecken klinisch tot waren.
Und die Melanie Behringer sieht halt leider ein bisschen wie eine westfälische Jungbäuerin aus, die täglich mit Milchkannen hantiert. Nicht böse gemeint, sie ist halt kein Model. Aber sie war über weite Strecken das Herz und der Kopf des deutschen Spiels! Über sie lief so viel. Das ist oft übersehen worden.

OK: Deine Prognose für das Gruppenspiel gegen Nigeria am Donnerstag?

Klarer Sieg mit zwei Toren Unterschied. Ich denke, die Frauen sind jetzt aufgewacht.

Keine Kommentare: