Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Freitag, 2. Oktober 2015

Im Schatten des Oettinger-Lastzugs

Es ist Onkelchens Schicksal, dass er immer wieder auf die Nase fällt. Das hat dazu geführt, dass er sich in seiner eigenen, ganz privaten Sitcom mit der Rolle des sympathischen Losers von nebenan besetzt hat. So ein bisschen wie Homer Simpson oder der Typ aus Family Guy oder der Typ mit den wenigen Haaren in Seinfeld. Mister Ochmonek, der Nachbar der Familie Tanner in Alf. Ihr wisst, was ich für einen Typ meine. Aus diesem Grund hat er ein gesundes Misstrauen entwickelt. Wenn es irgendwann mal wider Erwarten eine Zeitlang gut laufen sollte, vermutet er, dass das Schicksal hinter der nächsten Kurve des Lebensweges eine Betonwand bereit hält, auf die man frontal draufkracht.

Als er letztes Jahr seinen geliebten abgeschrammelten Siebziger-Jahre-Daimler, den er elf Jahre gefahren hatte, nach über 250.000 Kilometern (Benziner!) beim TÜV lassen musste (ausgerechnet bei der Hauptuntersuchung war die Bremsleitung hinten gerissen), überkam ihn aber aus irgendeiner Ecke seines Ichs, die sich noch nicht hundertprozentig mit dem Loser-Dasein abgefunden hatte, dass er nun doch mal angreifen wollte. Er wollte auf der Autobahn auch mal die Überholspur belegen, anstatt immer dem Lastzug von Oettinger-Bier hinterher schleichen zu müssen. Und nach welcher Automarke drängt es die Aufsteiger, all jene jungdynamischen Berater und Vertreter, die die Welt aus den Angeln heben wollen und die die linke Spur für sich gepachtet haben?

Ich will jetzt einen Namen mit vier Buchstaben hören. (Hat da jemand "Opel" gesagt?) Und richtig, Onkelchen wollte auch eines dieser monströsen Autos mit den vier Ringen haben. Das Schicksal schien ihn diesmal allerdings vor einer Dummheit bewahren zu wollen, denn als er mit Tante Dilein bei einem offiziellen Audi-Händler vorbeischaute, wurde er nur ausgelacht. Na ja, reinsetzen durfte er sich schon mal in ein Fahrzeug, aber das war das Äußerste, was ihm der Verkäufer zugestand. Als Onkelchen schüchtern versuchte, bei der Preisdiskussion seine eigenen Vorstellungen anzudeuten, brach der Verkäufer in schallendes Gelächter aus, von dem er sich bis zum Abend nicht mehr erholt haben dürfte.

Trotzig entschloss sich Onkelchen, seinen aus dem automobilen Neolithikum stammenden Daimler, dessen Bremsleitung mittlerweile notdürftig geflickt war, bis ans Ende seiner Tage weiterzufahren. Doch ach, dieser Beschluss war nicht von Dauer, denn ein Autoschieber vom Balkan bot ihm einen gebrauchten A4 mit einem mächtigen TDI-Dieselmotor an. Der Levantiner hob zu einer veritablen Litanei an: "Junger Gebrauchter! Turbo-Direkteinspritzung! Automatik mit Multitronik! Bluetooth!"

Beim Wort "Bluetooth" wurde Onkelchen schwach, denn er wusste ja aus der "Big Bang Theory": Alles ist besser mit Bluetooth. Da ihm der Autoschieber sogar einen günstigen Preis machte, ließ sich Onkelchen auf den Deal ein, sagte seinem Schwabenpfeil Lebewohl und wurde zu einem Herrn der Ringe.

Endlich wähnte sich Onkelchen auf der Sonnenseite des Lebens. Selbst die Bemerkungen seines Papas (86 Jahre, aber geistig noch sehr rege) nach dem Motto, wer einen Mercedes - und sei er noch so alt - gegen einen Audi eintausche, dem sei nicht mehr zu helfen, konnten ihn nicht beeindrucken. Endlich mal konnte er an dem Oettinger-Bierlaster vorbeiziehen und an einigen anderen Lastern auch. Er hatte Spaß.

Dann kam der VW-Abgasskandal.

Eine Internetsuche brachte Onkelchen die Gewissheit, dass sein Audi zu den Modellen gehörte, die den Prüfern mit getrickster Software einen niedrigeren Abgaswert vorgaukelten. Und noch schlimmer: Seinem Turbo droht die Kastration durch ein Update der Schummel-Software, denn die seriöse Tageszeitung "Die Welt" schrieb am 28.9.: "Wer seinen VW nicht drosselt, gefährdet Zulassung". Damit sind natürlich auch die betroffenen Audis gemeint. Im Artikel heißt es: "Denn mit einer Software, die den Schadstoffausstoß begrenzt, verliert das Auto auch an Power. Die Besitzer der Fahrzeuge können sich auf den Standpunkt stellen, einen Pkw mit einer dann geringeren Motorenleistung nicht haben zu wollen."

Jetzt wusste Onkelchen, warum der Autoschieber vom Balkan ihm ein so gutes Angebot gemacht hatte. Der Levantiner musste gewusst haben, dass was im Busch war. Statt Gas geben zu können, würde Onkelchen wieder zu einem Dasein im Schatten des Oettinger-Lasters verdammt sein. Gut, ein absolutes First-World-Problem, aber trotzdem doof. Und sehr enttäuschend, denn zum Schleichen auf der Autobahn kauft man sich alles Mögliche, aber sicher keinen Audi.

Jetzt kann Onkelchen nur noch hoffen, dass die gute Fee Panagiota ihm als Ersatz für seinen Audi eine Reisschüssel aus Japan anschleppt. In seinen feuchten Träumen stellt er es sich schon vor: "Schau mal, das ist dein Traumauto. Honda Civic, Baujahr 2003. Nur 186.000 Kilometer. Ist doch besser als deine alte Rostlaube. Garantiert ohne Schummel-Software." Und Onkelchen würde Panagiota um den Hals fallen und sich einmal im Leben als echter Sieger fühlen.

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