Alles kommt zu dem, der warten kann. Das ist die
Philosophie, die Onkelchen zur Kunstform erhoben hat. Er verfügt über eine
beneidenswerte Geduld.Onkelchen war insoweit sehr geduldig, als er 25 Jahre wartete, bis er ein Konzert der Band besuchen konnte. Und dann fand dieses Konzert noch quasi vor seiner Haustür statt. Eine tolle Sache, besser hätte man es kaum erfinden können. Und an dem lauen Sommerabend letzte Woche fanden sich etwa 2000 Fans – meist reifere Jugend – im bröckligen Gemäuer der ehrwürdigen Kapfenburg ein, um Mike und seinen Mechanikern zu lauschen.
Dass Onkelchen dabei sein T-Shirt und seine Schuhe mit einer Ladung Senf beschoss, möchte ich hier unerwähnt lassen (Ups, jetzt hab‘ ich’s doch erwähnt!). Nach einer eher nervigen Anheizband (Siegfried Schwäbli hätte besser gefallen) und einer viel zu langen Umbaupause kamen dann die Mechaniker. Und sie spielten alle wichtigen Lieder, zudem noch zwei von Genesis (wir erinnern uns, dass Mike Rutherford ein Genesis-Veteran war? Gut!). Es wird ja des öfteren über die Musik der 80er im allgemeinen sowie Genesis und deren damaligen Frontmann Phil Collins gelästert. Trotzdem sangen alle, die des Textes mächtig waren, kräftig mit. „Follow you, follow me“ ist ja nicht so schwierig, „I can’t dance“ war dagegen schon anspruchsvoller, aber Onkelchen kannte das Lied aus dem Effeff, da er ja einer der begnadetsten Phil-Collins-Imitatoren der westlichen Hemisphäre ist. Außerdem kann Onkelchen wirklich nicht tanzen.
So manchen Konzerbesucher mag diese Totalbeschallung etwas zuviel geworden sein. Der Mann, der vor Onkelchen stand, drehte sich immer wieder um, vor allem bei „Living Years“, weil er von vorne den Gesang der Mechaniker und von hinten den von Onkelchen bekam, der den Mechanikern an Inbrunst in nichts nachstand. Das Problem war aber, dass der Sänger der Mechaniker, Andrew Roachford, der Nummer „Living Years“ eine eher soulige Note mitgab, während Onkelchen sich strikt an die Albumversion von 1988 hielt. Das ging nicht sooo gut zusammen.
