Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Dienstag, 12. März 2013

Konklave-Blog Tag 2: Schwarzer Rauch


Der gestrige erste Wahlgang hat ja noch kein Ergebnis gebracht…

Ja, aber das war auch keine Überraschung. Ein bisschen überrascht war ich über das Ausmaß des schwarzen Rauches, der da aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle quoll. Ich denke, die Kardinäle überlassen diesmal nichts dem Zufall und arbeiten mit Rauchkartuschen, damit das Ergebnis eindeutig und für jeden nachvollziehbar ist. Ich hoffe, dass auch der weiße Rauch so eindeutig sein wird, wie es gestern der schwarze war. Aber nochmal zum ersten Wahlgang: Wenn man schon im ersten Wahlgang zu einem Ergebnis gekommen wäre, dann hätte schon etwas ganz besonders Ungewöhnliches passieren müssen. Das Einzige, was ich mir hätte vorstellen können, was zu so einem Ergebnis hätte führen können, wäre eine Wiederwahl Benedikts gewesen. Du merkst an der Zahl der Konjunktive im letzten Satz, dass das an der Grenze des Wahrscheinlichen gelegen hätte.

Die Frage, die sich jeder stellt, ist: Wie lange wird das Konklave dauern?

Andreas Englisch, der Papstbiograph und langjährige Vatikankorrespondent, hat in einem Interview gesagt: Am Donnerstag werden wir einen neuen Papst haben. Ich habe vorgestern gesagt: Spätestens am Freitag werden wir Klarheit haben. Ich will aber nicht ausschließen, dass es schneller gehen kann.

Also heute?

Ich will nichts beschreien! Aber es gab in der Vergangenheit Papstwahlen, die eine merkwürdige Eigendynamik entwickeln. Das erste Konklave des Jahres 1978 war ein solches. Ich bin mir zwar nicht sicher, wie weit man den Aufzeichnungen von David A. Yallop trauen kann, der in seinem Buch „Im Namen Gottes?“ eine Chronik des Konklaves aufzeigt, in dem Albino Luciani zum Papst Johannes Paul I. gewählt wurde. Aber einige Punkte darin scheinen mir plausibel zu sein. Erstmal ist es wichtig, dass ein Kandidat mit einer Startrampe von zwanzig bis dreißig Stimmen ins Konklave geht. Wenn das im ersten Wahlgang eines Konklaves der Fall ist, dann kommt es darauf an, diese Basis im Laufe der Abstimmungen weiter auszubauen. Im Konklave wird ja solange gewählt, bis es passt. Bis eine Zweidrittel-Mehrheit erreicht ist. Dann darf man nicht vergessen, dass die Teilnehmer des Konklaves ja auch gemeinsam zum Abend- und Mittagessen gehen oder fahren. Da tauscht man sich aus, da werden Koalitionen geschmiedet. Da kann es aber auch sein, dass sich die Fronten bilden: Nein, den nicht – den müssen wir verhindern. Bei Luciani war es offenbar so, dass er auf relativ breite Unterstützung der italienischen Kardinäle zählen konnte, die den konservativen Giuseppe Siri nicht wollten. Und dann bekam das Ganze eine Eigendynamik, eine regelrechte Sogwirkung. Luciani wollte sicher nicht Papst werden, er galt auch nicht als einer der Papabili der ersten Reihe. Aber einige der italienischen und europäischen Kardinäle müssen dann, als es in die letzten Abstimmungen ging, ebenso unauffällig wie effektiv für ihn geworben haben. Luciani wusste nicht, wie ihm geschah. Wenn man den Berichten Glauben schenken mag, soll er gestammelt haben „Möge der Herr euch verzeihen, was ihr mir angetan habt“, bevor er die Wahl annahm. Benedikt XVI. ist es ganz ähnlich ergangen, das Ergebnis kam so schnell und eindeutig, dass er sich nicht wehren konnte.

Es gibt ja den Wunsch nach einem Papst aus der Dritten Welt. Wie wahrscheinlich ist das?  

Schwer zu sagen. 2005 hat es auch deshalb nicht geklappt, weil es zu schnell ging, weil es mit 
Ratzinger einen eindeutigen Favoriten gab und weil die Kardinäle aus der sogenannten Dritten Welt sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. Diesmal ist zwar das Konklave nach dem Rücktritt Benedikts schneller zusammengetreten als 2005 nach dem Tod Johannes Pauls, aber die Übergangszeit war länger, da Benedikt seine Abdankung bereits am 11. Februar bekanntgegeben hatte. Das heißt, die Kardinäle aus der Dritten Welt hätten länger Zeit gehabt, sich auf die Situation einzustellen. Ich bin mir relativ sicher, dass unter den Wahlberechtigten aus Lateinamerika die Drähte einigermaßen heiß gelaufen sind. Vorausgesetzt, sie finden einen gemeinsamen Kandidaten. Das ist ja die Crux der Sache. Ich würde mal sagen: Je länger das Konklave geht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Papst aus der Dritten Welt sehen werden. Das muss aber nicht heißen, dass es nicht schon heute klappen könnte.     

Was sagt dein Gefühl?

Ganz schwierig. Ich denke, es ist irgendwie logisch, das irgendwann ein Papst aus der sogenannten Dritten Welt kommen muss, weil dort die Kirche wächst, während sie hier stagniert und schrumpft. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, sind die Wünsche und Erwartungen, die hierzulande mit einem Papst aus Lateinamerika, Afrika oder Lateinamerika verknüpft sind. Es gibt ja in Deutschland bei diesem Konklave ganz offensichtlich den Wunsch nach einer Art Neustart. Offen gestanden, sehe ich das nicht. Man muss bedenken: Die Kardinäle, die hier abstimmen, sind allesamt von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in ihre Positionen berufen worden. Da ist kein Dissident darunter, der eine völlig neue Richtung einschlagen würde. Zumindest sehe ich keinen. Und gerade die Vertreter aus Lateinamerika, Afrika und Asien sind in Bezug auf die Morallehre tendenziell eher noch konservativer als die europäischen Kardinäle. Gerade in Lateinamerika ist Opus Dei sehr stark. Ich kann mir vorstellen, dass ein Papst aus der sogenannten Dritten Welt für interessante Impulse sorgen wird. Ob es aber die sind, die sich die reformhungrigen Christen in Deutschland wünschen – zum Beispiel Priesterehe, Frauenordination – darauf würde ich nicht wetten.   

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