Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Donnerstag, 30. Mai 2013

Töröööö!

Ganz herzliche Grüße von einem römischen Artgenossen. Onkelchens bester Freund in Rom!


Sonntag, 19. Mai 2013

Herzliche Glückwünsche nach Dänemark! Und ... Deutschland steht wieder am ESC-Abgrund!

Lasst uns niedersitzen zu Trauermären von der Kön'ge Tod - das könnte man ja nun als Quintessenz aus dem gerade zu Ende gegangenen Eurovision Song Contest ziehen, den Onkelchen immer noch viel lieber als Grand Prix Eurovision bezeichnet. Tjaja, alte Gewohnheiten sterben nicht aus. Wir haben uns zwar in letzter Zeit etwas rar gemacht, aber in Zeiten höchster nationaler Not ist natürlich auf Euren Kurt Palfi und sein Onkelchen Verlass. Wir analysieren die neuerliche deutsche Grand-Prix- oder ESC-Pleite messerscharf!

Man hatte ja geglaubt, mit Lenas Sieg 2010 sei so etwas wie ein neues Zeitalter für Deutschland im ESC angebrochen. Keine trostlosen Platzierungen mehr im hinteren Drittel des Plateaus, stattdessen hoffnungsvolle Beiträge, vorgetragen von strahlenden deutschen Stimmen. Man hoffte, den Stein der Weisen gefunden zu haben. Und nun regiert wieder Tristesse. Was war los? Eine berechtigte Frage, finden wir!

Das Krisenteam aus dem ESC-Experten Onkelchen (der vor genau 20 Jahren in der deutschen ESC-Jury für den Bewerb von 1993 in Millstreet/Irland saß) und mir hat nun natürlich die Köpfe zusammengesteckt und einige Gründe für die total katastrophale Platzierung des deutschen Beitrages gefunden. Der 21. Platz nagt natürlich am deutschen Selbstbewusstsein, und da ist es nur ein schwacher Trost, wenn sich kommenden Samstag am Borsigplatz in Dortmund oder auf der Münchner Ludwigstraße ein paar verstreute Fußballfans über den Henkelpott freuen. Denn der ESC ist zumindest nach unserer Auffassung unendlich viel wichtiger. Aber hier die Gründe für das schwache deutsche Abschneiden:

1. Was in einem ESC-Jahr erfolgreich ist, zieht im nächsten überhaupt nicht mehr. Das ist eine der ältesten ESC-Regeln. In einem Jahr sind z.B. Balladen gefragt, im nächsten hängen sie allen zum Halse raus. Cascadas Lied "Glorious" mit seinem hymnischen Refrain ist oft stilistisch mit dem Vorjahres-Siegerlied von Loreen verglichen worden. Nach der deutschen Vorausscheidung gab es ungewöhnlich scharfe Plagiatsvorwürfe,  die ARD beauftragte unseres Wissens sogar ein Gutachten, das ausschließen sollte, dass es sich um ein Plagiat handelte. "Glorious" hätte also entweder im letzten oder im nächsten Jahr antreten müssen. Dieses Jahr gab es mit diesem speziellen hymnischen Stil nichts zu erben.  

2. Deutschlands Beliebtheit in Europa ist wieder mal auf einem Tiefpunkt angelangt. In gewisser Weise hat also Angela Merkel und ihr stures Beharren auf der Austeritätspolitik dem deutschen Beitrag die Chancen auf höhere Weihen verbaut. Deutschland hätte dieses Jahr nicht mal Chancen gehabt, wenn wir den auferstandenen Elvis auf die Bühne gekarrt hätten, der sich von John Lennon ein Lied hätte auf den Leib schreiben lassen.

Angela hat das ja selbst erkannt und deshalb gestern nachmittag noch den Papst besucht. Wahrscheinlich ging es bei dieser Audienz auch um höheren Beistand für den deutschen ESC-Beitrag. Papst Franziskus konnte aber wohl so kurz vor Torschluss hier nichts mehr ausrichten. Wahrscheinlich grollte er ja noch, dass Barcelona mit dem argentinischen Fußball-Messias Messi gegen Bayern München in der Champions League ausgeschieden ist.

Insofern, liebe ESC-Freunde: Grämt euch nicht, das ist nichts Persönliches, das war eben schlechtes Timing und außerdem ist es nicht schlecht, wenn man Angela alles in die Schuhe schieben kann. Nächste Woche singen wir dann halt alle "Rubbeldiekatz am Borsigplatz!" Das Lied zieht immer!


Sonntag, 24. März 2013

Palfi liebt Magalie Vaé!


Tolle Stimme, tolle Figur - und sie ist Französin! Gerüchteweise fährt Onkelchen nächste Woche nach Paris. Vielleicht trifft er sie ja!

Mittwoch, 13. März 2013

Konklave-Blog Tag 2: Schwarzer Rauch


Der gestrige erste Wahlgang hat ja noch kein Ergebnis gebracht…

Ja, aber das war auch keine Überraschung. Ein bisschen überrascht war ich über das Ausmaß des schwarzen Rauches, der da aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle quoll. Ich denke, die Kardinäle überlassen diesmal nichts dem Zufall und arbeiten mit Rauchkartuschen, damit das Ergebnis eindeutig und für jeden nachvollziehbar ist. Ich hoffe, dass auch der weiße Rauch so eindeutig sein wird, wie es gestern der schwarze war. Aber nochmal zum ersten Wahlgang: Wenn man schon im ersten Wahlgang zu einem Ergebnis gekommen wäre, dann hätte schon etwas ganz besonders Ungewöhnliches passieren müssen. Das Einzige, was ich mir hätte vorstellen können, was zu so einem Ergebnis hätte führen können, wäre eine Wiederwahl Benedikts gewesen. Du merkst an der Zahl der Konjunktive im letzten Satz, dass das an der Grenze des Wahrscheinlichen gelegen hätte.

Die Frage, die sich jeder stellt, ist: Wie lange wird das Konklave dauern?

Andreas Englisch, der Papstbiograph und langjährige Vatikankorrespondent, hat in einem Interview gesagt: Am Donnerstag werden wir einen neuen Papst haben. Ich habe vorgestern gesagt: Spätestens am Freitag werden wir Klarheit haben. Ich will aber nicht ausschließen, dass es schneller gehen kann.

Also heute?

Ich will nichts beschreien! Aber es gab in der Vergangenheit Papstwahlen, die eine merkwürdige Eigendynamik entwickeln. Das erste Konklave des Jahres 1978 war ein solches. Ich bin mir zwar nicht sicher, wie weit man den Aufzeichnungen von David A. Yallop trauen kann, der in seinem Buch „Im Namen Gottes?“ eine Chronik des Konklaves aufzeigt, in dem Albino Luciani zum Papst Johannes Paul I. gewählt wurde. Aber einige Punkte darin scheinen mir plausibel zu sein. Erstmal ist es wichtig, dass ein Kandidat mit einer Startrampe von zwanzig bis dreißig Stimmen ins Konklave geht. Wenn das im ersten Wahlgang eines Konklaves der Fall ist, dann kommt es darauf an, diese Basis im Laufe der Abstimmungen weiter auszubauen. Im Konklave wird ja solange gewählt, bis es passt. Bis eine Zweidrittel-Mehrheit erreicht ist. Dann darf man nicht vergessen, dass die Teilnehmer des Konklaves ja auch gemeinsam zum Abend- und Mittagessen gehen oder fahren. Da tauscht man sich aus, da werden Koalitionen geschmiedet. Da kann es aber auch sein, dass sich die Fronten bilden: Nein, den nicht – den müssen wir verhindern. Bei Luciani war es offenbar so, dass er auf relativ breite Unterstützung der italienischen Kardinäle zählen konnte, die den konservativen Giuseppe Siri nicht wollten. Und dann bekam das Ganze eine Eigendynamik, eine regelrechte Sogwirkung. Luciani wollte sicher nicht Papst werden, er galt auch nicht als einer der Papabili der ersten Reihe. Aber einige der italienischen und europäischen Kardinäle müssen dann, als es in die letzten Abstimmungen ging, ebenso unauffällig wie effektiv für ihn geworben haben. Luciani wusste nicht, wie ihm geschah. Wenn man den Berichten Glauben schenken mag, soll er gestammelt haben „Möge der Herr euch verzeihen, was ihr mir angetan habt“, bevor er die Wahl annahm. Benedikt XVI. ist es ganz ähnlich ergangen, das Ergebnis kam so schnell und eindeutig, dass er sich nicht wehren konnte.

Es gibt ja den Wunsch nach einem Papst aus der Dritten Welt. Wie wahrscheinlich ist das?  

Schwer zu sagen. 2005 hat es auch deshalb nicht geklappt, weil es zu schnell ging, weil es mit 
Ratzinger einen eindeutigen Favoriten gab und weil die Kardinäle aus der sogenannten Dritten Welt sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. Diesmal ist zwar das Konklave nach dem Rücktritt Benedikts schneller zusammengetreten als 2005 nach dem Tod Johannes Pauls, aber die Übergangszeit war länger, da Benedikt seine Abdankung bereits am 11. Februar bekanntgegeben hatte. Das heißt, die Kardinäle aus der Dritten Welt hätten länger Zeit gehabt, sich auf die Situation einzustellen. Ich bin mir relativ sicher, dass unter den Wahlberechtigten aus Lateinamerika die Drähte einigermaßen heiß gelaufen sind. Vorausgesetzt, sie finden einen gemeinsamen Kandidaten. Das ist ja die Crux der Sache. Ich würde mal sagen: Je länger das Konklave geht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen Papst aus der Dritten Welt sehen werden. Das muss aber nicht heißen, dass es nicht schon heute klappen könnte.     

Was sagt dein Gefühl?

Ganz schwierig. Ich denke, es ist irgendwie logisch, das irgendwann ein Papst aus der sogenannten Dritten Welt kommen muss, weil dort die Kirche wächst, während sie hier stagniert und schrumpft. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, sind die Wünsche und Erwartungen, die hierzulande mit einem Papst aus Lateinamerika, Afrika oder Lateinamerika verknüpft sind. Es gibt ja in Deutschland bei diesem Konklave ganz offensichtlich den Wunsch nach einer Art Neustart. Offen gestanden, sehe ich das nicht. Man muss bedenken: Die Kardinäle, die hier abstimmen, sind allesamt von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in ihre Positionen berufen worden. Da ist kein Dissident darunter, der eine völlig neue Richtung einschlagen würde. Zumindest sehe ich keinen. Und gerade die Vertreter aus Lateinamerika, Afrika und Asien sind in Bezug auf die Morallehre tendenziell eher noch konservativer als die europäischen Kardinäle. Gerade in Lateinamerika ist Opus Dei sehr stark. Ich kann mir vorstellen, dass ein Papst aus der sogenannten Dritten Welt für interessante Impulse sorgen wird. Ob es aber die sind, die sich die reformhungrigen Christen in Deutschland wünschen – zum Beispiel Priesterehe, Frauenordination – darauf würde ich nicht wetten.   

Montag, 11. März 2013

Konklave-Blog Tag 0: Extra omnes!



Hallo Onkelchen. Morgen geht es also los mit dem Konklave. Bist du schon sehr gespannt?

Wie ein Flitzbogen. Es geht jedesmal eine unglaubliche Spannung von diesem ernsten und erhabenen Ritual aus, in dem der Oberhirte der katholischen Kirche bestimmt wird. Es ist ein wohltuender Anachronismus, dass die wahlberechtigten Kardinäle sich für ein paar Tage in vollständige Isolation zurückziehen, um in Kontemplation den nächsten Papst zu wählen.

Wer wird es denn nun?

Das kann niemand sagen. Es gibt zwar Namen, die immer wieder gehandelt werden – Erzbischof Angelo Scola aus Mailand, der brasilianische Kardinal Odilo Scherer, der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet, daneben auch Peter Turkson aus Ghana, dessen Aktien aber in den letzten Tagen laut Presse wieder etwas nachgelassen haben sollen. Aber es ist nicht gesagt, dass es einer von diesen vieren werden wird. Es kann auch ein Kardinal zum Papst gewählt werden, an den jetzt noch keiner denkt.

Wie lange wird das Konklave denn dauern?

Ich lehne mich mal ganz frech aus dem Fenster und sage: Bis spätestens Freitag ist die Sache entschieden.

Ehrlich? Es ist doch immer wieder davon die Rede, dass es ein ganz besonders schwieriges Konklave sein wird, weil die Kirche doch vor so vielen Problemen steht.

Das bestreite ich auch gar nicht. Aber es hat auf der anderen Seite nie ein Konklave gegeben, das wirklich einfach gewesen wäre. Nehmen wir das zweite Konklave von 1978: Zwei etwa gleich starke Lager, auf der einen Seite die eher reformorientierten, die Kardinal Benelli unterstützten, auf der anderen die Traditionalisten, die Kardinal Siri aus Genua favorisieren. Nach dem ersten Tag stellt sich heraus, dass keiner der beiden aus dem jeweils anderen Lager genug Stimmen ernten kann, damit es für die nötige Zweidrittelmehrheit reicht. Ein langes Konklave droht. Dann beginnt eine Gruppe von Kardinälen unter Führung des Wiener Erzbischofs Franz König am Abend damit, sich für einen Kompromisskandidaten stark zu machen. Die Gruppe um König nimmt Kontakt zu dem Warschauer Erzbischof Wyszynski auf. Der lehnt ab, aber die Gruppe um König hat einen anderen Kandidaten im Visier, einen für vatikanische Verhältnisse jungen Kardinal namens Karol Wojtyla. Beim nächsten Wahlgang zeigt sich, dass es König gelungen ist, eine ansehnliche Anzahl von Stimmen für Wojtyla zu sammeln. Noch reicht es zwar nicht, aber von diesem Augenblick an gewinnt das Konklave eine Eigendynamik, die dazu führt, dass die zuvor festgefahrenen Fronten bröckeln und immer mehr Kardinäle für Wojtyla stimmen. Der Rest ist Geschichte.

So könnte es zumindest gewesen sein…

Ja, genau. Genaues weiß man natürlich nicht, da die Kardinäle bei Strafe der Exkommunikation zu absolutem Stillschweigen vergattert sind. Aber es gibt viele Quellen, die dafür sprechen, dass sich die Ereignisse, die zu Wojtylas Wahl führten, sich so oder ähnlich zugetragen hatten.

Als könnte man sagen: Je länger das Konklave dauert, desto besser sind die Chancen für einen Außenseiterkandidaten?

Jein. Albino Luciani wurde im ersten Konklave 1978 im vierten Wahlgang, also noch am ersten Tag, gewählt, obwohl ihn kaum einer der sogenannten Vatikan-Experten auf der Rechnung hatte.

Wie war das möglich?

Im ersten Konklave 1978 ging man ja noch wie selbstverständlich davon aus, dass auf jeden Fall ein Italiener Papst werden würde. Luciani war derjenige, der am wenigsten Ballast mitbrachte, der keinem der beiden Lager eindeutig zuzurechnen war und deshalb auch für die meisten Nicht-Italiener tragbar war. Die wollten in der Mehrheit keinen ausgewiesenen Traditionalisten wie Siri, gleichzeitig war Luciani aber auch für einige der konservativen Kardinäle akzeptabel.

Wie läuft denn ein Konklave ab?

Nun ja, zunächst einmal hinter verschlossenen Türen, deshalb heißt es auch Konklave, zu Deutsch: Mit den Schlüsseln. Denn die Kardinäle werden quasi eingeschlossen und dürfen ihr Exil erst verlassen, wenn der neue Papst bestimmt ist. Wenn wir beide vor Ort wären, würden wir bald vor Langeweile gähnen. Denn jeder der bis zu vier Wahlgänge, die an einem Tag stattfinden, folgt demselben Schema: Die Kardinäle schreiben mit verstellter Handschrift den Namen des von ihnen bevorzugten Kandidaten auf einen Wahlzettel, auf dem  vorgedruckt steht: ELIGO in SUMMUM PONTIFICEM (ich wähle zum höchsten Brückenbauer). Dann wird einer nach dem anderen aufgerufen, jeder schwört, wenn er vortritt, dass er denjenigen gewählt hat, der nach seiner Meinung am besten geeignet ist, der neue Papst zu werden. Das ist eine langwierige Prozedur, und viele Kardinäle, die ihre Stimme bereits abgegeben haben oder noch darauf Warten, verbringen diese Übergangszeit im Gebet. Wenn alle ihre Stimmzettel abgegeben haben, wird gezählt, und zwar so, dass drei anwesende Kardinäle bei der Zählung zum selben Ergebnis kommen müssen. Bei der Auszählung wird der Name jedes Kandidaten, der auf den Wahlzetteln steht, laut ausgerufen. Die Kardinäle können somit, wenn sie mögen, Strichlisten führen, um den Gang der Abstimmung zu verfolgen, müssen aber diese Unterlagen nach der Wahl vernichten. Steht eine Zweidrittelmehrheit fest, dann wird der siegreiche Kandidat gefragt, ob er die Wahl annimmt. Ist dem so, dann werden die Wahlzettel in einem Ofen verbrannt, und den Wahlzetteln wird eine Chemikalie beigefügt, die den Rauch weiß werden lässt. Wurde keine Mehrheit erzielt, dann werden die Wahlzettel entweder einfach so verbrannt oder es wird noch etwas Ruß beigemischt, damit der Rauch auch schwarz erscheint. Und wenn der weiße Rauch aufsteigt, ertönen auch die Glocken des Petersdomes.

Wow.

Oft ist es so, dass das Konklave nach den ersten Wahlgängen so etwas wie eine Eigendynamik entwickelt. Dann kann es passieren, dass ein Kardinal, der zunächst nur bei etwa zwanzig Stimmen lag, dann plötzlich 45 oder 50 bekommt und im darauffolgenden Wahlgang dann die Entscheidung fällt. Der entsprechende Kandidat hat dann allerding sehr oft nur sehr wenig Zeit, sich auf diese Situation einzustellen. Da kann es sein, dass man am frühen Morgen noch ganz gelöst ind Konklave geht und am Nachmittag ist man schließlich Papst!

Ich denke, du wolltest sicher noch etwas sagen…

Jawohl: Extra omnes! Mit diesen Worten werden die Türen hinter den Kardinälen geschlossen, und damit ist das Konklave dann eröffnet.        

Sonntag, 24. Februar 2013

Pfarrerin Florentine und die Sedisvakantisten (oder sind es Sedisprivationisten?)

Onkelchen bezeichnet sich manchmal als Sedisvakantist. Das ist ein sehr kompliziertes Wort, das damit zu tun hat, dass ein Stuhl leer oder verwaist ist. Sedisvakantisten glauben also, dass ein bestimmter Stuhl leer ist. Das wäre an sich noch nicht schlimm, allerdings handelt es sich bei diesem leeren Stuhl um den Heiligen Stuhl, also den Papstthron in Rom. Und hier wird's leider Gottes kompliziert.

Sedisvakantismus ist eine für Außenstehende abstruse Glaubenseinstellung katholischer Ultras. Sie besagt (in Kurzfassung), dass Pius XII. der letzte legitim gewählte Papst gewesen sei. Johannes XXIII., der 1958 auf ihn folgte, sei dagegen ein unberechtigter Usurpator und von vornherein nicht wählbar gewesen, weil Johannes XXIII. heimlich Freimaurer gewesen sei. Da Freimaurer nach katholischer Lehre zu exkommunizieren sind, kann ein Freimaurer logischerweise kein Papst werden. Und weil ein Freimaurer kein Papst sein kann, ist alles, was dieser Papst beschließt, null und nichtig: Das Zweite Vatikanische Konzil: Gildet nicht, Annäherung der katholischen Kirche zu den Protestanten: Hat es nie gegeben. Bischofs- und Kardinalsernennungen, die dieser Papst vornimmt: Sämtlich ungültig. Liturgiereform: Pffft.

Das Blöde ist halt leider, dass Paul VI. von Johannes XXIII. zum Kardinal erhoben wurde (Ungültig!) und deswegen seinerseits ungültig gewählt wurde und Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. allesamt ungültig gewählt wurden, weil sie ihrerseits von dem ungültig gewählten Paul VI. zu Kardinälen erhoben wurden. Und wahrscheinlich gildet die Wahl des nächsten Papstes dann auch nicht.

Eine noch abstrusere Spielart des Sedisvakantismus ist der Sedisprivationismus. Der geht davon aus, dass beim Konklave von 1958 der ultrakonservative Kardinal Giuseppe Siri aus Genua gültig zum Papst gewählt wurde, allerdings auf Druck der liberalen Kardinäle, die damit drohten, eine eigene Kirche aufzumachen, auf den Thron verzichtete. Leider war aber (angeblich!) schon der weiße Rauch aufgestiegen, und die Gläubigen hatten auf dem Petersplatz auf das erlösende "Habemus Papam" gewartet, das an diesem Tage aber doch nicht kam.

Erst nach diesem Zwischenfall sei Johannes XXIII. gewählt worden. Da aber ein Amtsverzicht eines Papstes laut Kirchenrecht ungültig ist, wenn er auf Druck und unter Erpressung erfolgt, soll Kardinal Siri bis zu seinem Tode 1989 der gültige Papst Gregor XVII. gewesen sein. Sedisprivationismus bedeutet daher, dass jemand an der Inbesitznahme des Heiligen Stuhles gehindert wird, was im Falle Siris ja der Fall gewesen sein soll.

Tante Dilein ist nun aber Protestantin der lutheranischen Obödienz, und Onkelchen wird deshalb als vorgeblicher Sedisvakantist (oder doch eher Sedisprivationist?) nicht müde, ihr vorzuhalten, dass es außerhalb der katholischen Kirche (und zwar der wahren, also nicht der Post-Vaticanum-II-Sekte) kein Seelenheil und keine Rettung gibt, denn die Annäherung nach dem II. Vatikanischen Konzil an die Protestanten war ja, wie gesagt, nicht gültig. Nur manchmal trottet er hinter Dilein her, wenn sie im evangelischen Gottesdienst mal was vorlesen oder Kirchenkaffee kochen muss.

So auch heute. Doch dann gingen Onkelchen die Augen auf, denn heute hielt eine sehr hübsche Pfarrerin mit dem noch hübscheren Namen Florentine den Gottesdienst, in dem Tante Dilein eine kurze Schnurre aus dem Johannesevangelium vorzulesen hatte (gilt das denn überhaupt aus Sicht der Sedisprivationisten?). Deshalb saß Onkelchen heute in der zweiten Reihe, direkt hinter der Pfarrerin, die einen wunderbaren Wohlgeruch verströmte. Und sie sprach auch nicht über Schuhe, sondern hielt eine ernste Predigt über die schleichende Erosion der Mittelschicht und die wachsende Ungerechtigkeit und die bösen Erzkapitalisten.

"Er hoffte auf Rechtsspruch - und erntete Rechtsbruch, statt Liebe und Treue nur Hilfeschreie!" zitierte Pfarrerin Florentine in ihrer Predigt das Weinberglied des Propheten Jesaja. Das gefiel Onkelchen so gut, dass er meinte: Na ja, ganz so verdammt können die Evangelischen wohl doch nicht sein - ganz egal, wer letztlich auf dem Thron in Rom hockt!

Mittwoch, 20. Februar 2013

Päpste beim Fachsimpeln



Na Onkelchen, jetzt ist es ja eine Woche her, seitdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt hat. Wer wird denn sein Nachfolger?

Ich habe keine Ahnung.

Ach komm! Das glaube ich Dir nicht.

Doch! Ich bin wahnsinnig schlecht darin, Ergebnisse von Papstwahlen vorherzusagen. Beim zweiten Konklave 1978, bei dem Karol Wojtyla gewählt wurde, war mein Favorit Kardinal Pappalardo aus Palermo. Er galt damals als Außenseiter, denn die Favoriten waren der liberale Kardinal Benelli aus Florenz und Kardinal Siri aus Genua auf der konservativen Seite. Dass wenige Tage später der Pole Wojtyla gewählt werden würde, konnte sich damals keiner vorstellen, denn zu diesem Zeitpunkt waren seit 455 Jahren nur Italiener auf den Stuhl Petri gewählt worden. Als ich damals mit meiner Mutter über meine Präferenz sprach, meinte sie, Pappalardo sei zu jung – er war damals gerade 60 und so ziemlich der Benjamin unter den italienischen Kardinälen. Konnte ja keiner ahnen, dass mit Wojtyla für Vatikan-Verhältnisse ein Jungspund mit 58 Jahren Papst werden würde! Nein, mit Wojtyla rechnete vor dem Konklave keiner.

Und wie war es 2005?

2005 war mein Favorit der Kardinal Maradiaga aus Tegucigalpa in Honduras. Er war damals auch einer der jüngeren Kardinäle. Auch diesmal ist er wieder dabei und mit 70 Jahren in einem durchaus wählbaren Alter.

Hast du 2005 gar nicht mit Ratzinger gerechnet?

Kardinal Ratzinger war 2005 der eindeutige Favorit. Ich habe damals die Papabili-Listen mehrerer internationaler Medien miteinander verglichen. Er war der einzige, der auf allen Listen stand. Aber zwei Dinge sprachen aus meiner Sicht gegen ihn: Einmal das zu diesem Zeitpunkt schon vorgerückte Alter – er war erst ein paar Tage vor dem Beginn des Konklaves 78 Jahre alt geworden – und das alte Sprichwort, dass wer als Papst ins Konklave hineingeht, als Kardinal wieder herauskommt.

Ist das immer so?

Es kommt darauf an, wie man das Sprichwort versteht. Tatsächlich sind bei den letzten sechs Papstwahlen dreimal die ganz großen Favoriten gekürt worden – 1939 Eugenio Pacelli (Pius XII), 1963 Giovanni Battista Montini (Paul VI) und eben 2005 Joseph Ratzinger. Das würde ja diese alte Regel widerlegen. Aber man kann das Sprichwort eben auf zweierlei Weise interpretieren. Einmal so, dass die Kardinäle, die als Favoriten gelten, eben nicht Papst werden – oder in dem Sinne, dass sich Papabili, die sich schon im Vorfeld wie der kommende Papst gebärden, eben als Kardinäle wieder aus dem Konklave herauskommen.

Gibt es dafür Beispiele?

Ja. David A. Yallop, der in seinem Buch Im Namen Gottes? die Theorie formulierte, der 33-Tage-Papst Johannes Paul I. sei ermordet worden, berichtet von einem Kardinal namens Pignedoli, der sich nach dem Tod von Paul VI. schon wie der kommende Papst aufgespielt haben soll. Es geht auch die Fama, dass ein afrikanischer Kardinal, der 2005 zum erweiterten Favoritenkreis zählte, bereits vorher am Spiegel die Gesten für den Segen Urbi et Orbi auf der Loggia des Petersdoms eingeübt haben soll. So etwas kommt nicht gut an, wenn es ruchbar wird.

Gut. Auf diese Mord-Hypothese würde ich nachher gerne nochmal zu sprechen kommen. Aber gibt es denn irgendwelche Erfahrungswerte, an die man sich halten kann? Was ist denn zum Beispiel mit dem Beginn des Konklaves? Wann soll es denn stattfinden?

Das ist momentan noch eine ganz ungeklärte Frage. Bisher gilt, dass zwischen dem Eintritt der Sedisvakanz und dem Beginn des Konklaves zwischen 15 und 20 Tage liegen müssen. Das ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass die Kardinäle aus allen Teilen der Welt nach Rom anreisen müssen. Aber es hat auch damit zu tun, dass bisher die Sedisvakanz nur durch den Tod des alten Papstes eintrat. Deswegen wollte man natürlich eine angemessene Trauerzeit einhalten, bis man zur Wahl eines Nachfolgers schritt. Das ist ja diesmal gar nicht der Fall. Eine Trauerzeit ist gar nicht nötig, zudem vergehen zwischen der Ankündigung des Rücktritts von Benedikt XVI. und dem tatsächlichen Ende seiner Amtszeit auch noch einmal gute zwei Wochen. Das heißt, die Kirche befindet sich gewissermaßen über fünf Wochen in einem Schwebezustand, was natürlich nicht gut ist. Deswegen gibt es ja Bestrebungen, das Konklave nicht erst am 15. März, sondern schon vorher zu eröffnen, Dazu müsste Benedikt als noch amtierender Papst jedoch durch ein Dekret den Weg freimachen und die Kardinäle müssten sich dann darauf verständigen, dass sie auch zu einem vorgezogenen Termin mit dem Konklave beginnen. Das ist also nicht ganz einfach. Das Kirchenrecht gibt zwar die allgemeinen Regeln vor, der Papst kann jedoch – es gibt hierfür in der Kirchenjuristerei einen schönen Ausdruck, nämlich pro hac vice, zu Deutsch: für dieses eine Mal, für diesen speziellen Fall – eine Ausnahmeregelung festlegen. Aber das wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Wo verlaufen denn im Kardinalskollegium die Bruchlinien?

Ich denke, da gibt es mehrere Fronten. Zum einen haben wir natürlich den geographischen Aspekt - die europäischen Kardinäle versus die Kirchenvertreter aus der Dritten Welt. Da gibt es natürlich noch einige Varianten, denn die italienischen Kardinäle würden es sehr gerne sehen, dass nach einem Polen und einem Deutschen wieder ein Italiener auf dem Stuhl Petri Platz nimmt. Dann weiß man auch nicht, ob die Kardinäle aus der Dritten Welt so etwas wie eine Allianz mit dem Ziel bilden können, einen der Ihren zu wählen. Es ist ja durchaus denkbar, dass die Kardinäle aus Lateinamerika und aus Afrika unterschiedliche Ansichten und Prioritäten haben. Dann ist natürlich offen, welche Rolle die Vertreter aus Nordamerika spielen werden – halten sie eher zu den Europäern oder würden sie einen Kandidaten der Dritten Welt unterstützen? Und auch bei den Europäern ist nicht gesagt, dass sie eine einheitliche Agenda haben. Ich kann es mir durchaus vorstellen, dass ein Afrikaner oder Lateinamerikaner auch für den einen oder anderen Europäer wählbar wäre. Eine ganz wichtige Bruchlinie verläuft außerdem zwischen den Vatikan-Insidern, also den Kurienkardinälen, und den Erzbischöfen, die tatsächlich einer Diözese vorstehen und als Seelsorger tätig sind. Ich würde mir auf jeden Fall einen Papst wünschen, der tatsächlich ein gerüttelt Maß an pastoraler Erfahrung hat und nicht nur die vatikanischen Korridore kennt. Ich hab‘ mal gesagt: Ich wünsche mir einen Papst wie Don Camillo – also einen, der eine klare Linie vertritt, dabei aber Mensch bleibt und für den die Nächstenliebe vor dem Dogma kommt.

Soll er auch zuhauen können wie Don Camillo?

Ich denke, er sollte eine gewisse Robustheit an den Tag legen. Und er sollte nicht zu alt sein. In der Vergangenheit galt ja eine Spanne von 65 bis 70 Jahren als das ideale Alter für einen Papst. Wojtyla und Ratzinger waren hier Ausnahmen – Pius XII, Paul VI und Johannes Paul I waren um die 65 Jahre alt, als sie jeweils zum Papst gewählt wurden.

Womit wir wieder bei der Mordtheorie wären, die den überraschenden Tod von Johannes Paul I. im Jahr 1978 nach wie vor umgibt. Deine Meinung?

In meiner Jugendzeit war ich davon überzeugt, dass Albino Luciani alias Johannes Paul I. ermordet wurde. Heute denke ich nicht mehr so.

Und warum?

Luciani war zwar erst 65 Jahre alt, als er zum Papst gewählt wurde – man könnte also sagen, im besten Alter – aber er war nicht gesund. Wenn man das Buch von David A. Yallop, der die Mordhypothese formuliert hat, aufmerksam liest, dann merkt man, dass er mit allen Mitteln herunterzuspielen versucht, dass Albino Luciani eine sehr komplexe Krankengeschichte hatte. Er war möglicherweise nicht lebensbedrohlich krank, als er ins Konklave ging, aber er strotzte in keinster Weise so vor Gesundheit wie der polnische Naturbursche, der nach ihm kam. Yallop versucht das ziemlich herunterzuspielen, aber es gelingt ihm nicht. Zudem hat ihm ein anderer Journalistenkollege namens John Cornwell später doch auch einige gravierende Recherchefehler und Ungenauigkeiten nachgewiesen. Ich würde mal sagen: Luciani hätte zum Zeitpunkt seiner Wahl viel besser daran getan, in eine Kur zu gehen, als Papst zu werden. Dazu kommt, dass er sehr einsam war. Papst zu sein, ist ein sehr einsamer Job. Und sein Vorgänger Paul VI. war gegen Ende seiner Amtszeit schon längere Zeit krank gewesen, es hatten sich also viele unerledigte Dinge angehäuft. Und nun sollte Johannes Paul I. plötzlich Dinge entscheiden, von denen er die Sachverhalte gar nicht kennen konnte. Der Vatikan scheint auch damals kein Biotop gewesen zu sein, in dem Vertrauen gedieh. Albino Luciani wird deshalb der Satz zugeschrieben: „Zwei Dinge sind im Vatikan nur schwer zu bekommen: Ehrlichkeit und eine gute Tasse Kaffee.“  Ich denke, der Job als Papst hat Luciani umgebracht. Er war gesundheitlich angeschlagen und kam dann in diesen Job und in dieses Umfeld hinein. Und das hat ihn fertiggemacht.