Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Sonntag, 25. August 2013

Irland: Überteuert, überlaufen, überschätzt

Die Iren (oder sind es nicht doch die Schotten?) haben ein Sprichwort: "Realität ist die Illusion, die durch den Mangel an Whisky zustande kommt." Egal, ob es nun die Kiltträger oder doch die Iren waren, die diese Weisheit an den Tag gebracht haben, so gilt doch eines: Wenn man nach 9 Tagen auf der Kerrygold-Insel den Whiskey (jawohl, in Irland schreibt man das Destillat mit "e") und das Guinness abzieht und die allgegenwärtige Beschallung mit klebrig-getragener pseudokeltischer Musik ausblendet, so bleibt die nüchterne Wahrheit übrig: Irland ist überteuert, überlaufen und grenzenlos überschätzt.

So ist es Onkelchen in den verhangenen Tagen auf der Grünen Insel an keinem Ort gelungen, eine Pinte Bier (knapp 600 ml) für unter 6 Euro zu bekommen.Onkelchen ist sogar vielerorts auf eine außerhalb Irlands nur wenig bekannte Biersorte namens "Smithwicks" ausgewichen, um die Erosion seines Geldbeutels in Grenzen zu halten. Verglichen damit ist der Bierpreis auf der Wiesn in München geradezu ein Schnäppchen: Eine Maß (!) kostet auf dem Oktoberfest 2013 maximal 9,85 Euro im Armbrustschützenzelt.Wahrscheinlich gibt es deshalb in der "Temple Bar" im Herz von Dublin inzwischen auch Paulaner-Bier zu trinken. 


Damit nicht genug: Wer in einem belanglosen Kaff namens Westport zerkochte Spaghetti Bolognese mit zweifellos aus der Dose stammender Soße genießen will, bezahlt dort 11,90 Euro pro Person und muss darauf noch eine knappe halbe Stunde warten. Ein paar Nudeln werden da zum Luxus pur.

Darüber hinaus ist Irland dermaßen von Touristen (hauptsächlich aus den USA und Deutschland) überlaufen, dass sich die Touristenbusse vor den Hauptattraktionen und Sehenswürdigkeiten geradezu gegenseitig auf den Reifen stehen (das Bild ist zwar schief, aber ich hoffe, es kommt rüber, was gemeint ist). Am Ring of Kerry, einer von Touristen sehr geschätzten Rundstrecke, musste Onkelchens Reiseleiter, ein in Norwegen gebürtiger Haudegen namens Kurt D., alle Kunstgriffe aufwenden, um für den Bus eine einigermaßen geeignete Stelle zum Parken zu finden. Immer schwang die Angst mit, einen der - angeblich - tollen Landschaftsausblicke zu verpassen, weil der Bus der Reisegesellschaft aus dem Schwarzwald, die gleichzeitig unterwegs war, die letzte verfügbare Parkbucht blockiert haben könnte. (Um es kurz zu machen: Kurt blieb Sieger!) Aber die Frage, ob man einen Busparkplatz finen würde, war letztlich interessanter als das, was man zu sehen bekam. Meistens war das, was man sah, irgendwie grün. Zum Beispiel das:

   
Oder das:


Oder das:


You know the place. Inzwischen habt ihr sicher ein Gefühl dafür bekommen, dass in Irland irgendwie alles immer grün ist. Fast so, als trüge man eine Brille mit grünen Gläsern. Das bekommt man irgendwann auch über.

Von der angeblich sprichwörtlichen irischen Gastfreundlichkeit haben Onkelchen und Tante Dilein auch nicht besonders viel mitbekommen. Als Onkelchen bei der Besichtigung einer Whiskey-Distille und nachfolgendem Umtrunk bemerkte, das "sine metu", also ohne Furcht (vor Besteuerung?) gefertigte Destillat würde ein Schotte mit hoher Wahrscheinlichkeit als "Ladies' Whisky" bezeichnen, zeigte ihm die Führerin, eine flammend rothaarige Elfe namens Ellen, ohne Umschweife die Tür. Onkelchen ging, trank das Glas aber noch schnell leer. Da er auch das Glas eines ebenfalls mitgereisten slowakischen Supermodels leer trank, das ihren Ladies' Whisky zur Verfügung gestellt hatte, konnte Onkelchen die Distille in dem guten Gefühl verlassen, doch noch auf seine Prozente gekommen zu sein. Das folgende Bild zeigt die flammend rothaarige Elfe in der Bildmitte (leider nicht das slowakische Supermodel!).


Ach ja, und der ganze Keltenkram! Überall kann man CDs kaufen, die von irgendwelchen "celtic women" eingesungen wurden und auf denen der immergleiche klebrige Balladen-Schmus drauf ist. Manche dieser Sangesdamen quälen dabei noch unschuldige Instrumente wie die Harfe oder eine billige Blechflöte (die man, nur damit es marketingmäßig besser klingt, als "Tin Whistle" verscheuert). Und bei keiner der einschlägigen Touristenfallen darf sogenannter keltischer Silberschmuck fehlen, der irgendwelche angeblich keltischen Symbole und verschlungene Bänder zeigt. Diese keltische Dame  Heulboje singt sogar bei Wind und Wetter draußen im Freien ihre klagenden Balladen. Und natürlich gibt es unweit davon auch keltischen Silberschmuck zu kaufen...



Samstag, 17. August 2013

Gianni wird zum Leprechaun!

Kaum ist Onkelchen mit Tante Dilein im Ausland, fängt auch mein missratener Sohn Gianni Dona zu spinnen an. Er ist jetzt ein sogenannter Leprechaun, also eine Art neckischer irischer Kobold. Da er sonst nur Flausen im Köpfchen hat, passt das ja ganz gut. Nur hoffe ich, dass Onkelchen und Tante Dilein bald wieder heimkommen. Denn sonst wird mir das zu bunt!


Ein Irrer in Irland

Hallo, hier meldet sich zum ersten Mal Tante Dilein.
Onkelchen ist gerade auf einer Reise durch Irland, und ihm geschehen schon wieder die seltsamsten Sachen. Aber kurz ein paar Hintergrundinformationen:
Bei der letzten Fussballeuropameisterschaft hat Onkelchen das Spiel Irland gegen Spanien geschaut. Als die Iren 0:4 zurücklagen begannen die treuen irischen Fans auf einmal ein Irisches Lied zu singen. Das mit soviel Herz und Inbrunst, dass es im Stadion ganz ruhig wurde, auch die Reporter wurden still und hielten für  4 Minuten ihre Klappe. Das machte Onkelchen natürlich neugierig, und er lud sich "Fields of Athenry" runter. Mittlerweile ist das Lied sowas  wie die zweite irische Nationalhymne. In dem Lied geht es um den Abschied eines jungen Mannes von seiner Frau, er wird auf einem Sträflingsschiff nach Australien geschickt, da er während der großen Hungersnot Getreide für seine Familie gestohlen hatte. Auch heute hat das Lied, das so sehr auf die Unterdrückung durch die Briten verweist, immer noch ein wenig traurige Aktualität. Onkelchen hat er das Lied mittlerweile drauf, und als es heute im Bus gespielt wurde, sang er fleißig mit. Sehr zur Freude der Mitreisenden und des Reiseleiters. Er war also richtig in Irland angekommen, und als es heute nach dem Essen im Pub Musik und Tanz gab, sind wir, Onkelchen und ich, da natürlich auch hingegangen.

Hübsche irische Mädels tanzten nach Art von Riverdance und ein Barde mit Gitarre gab mit wohlklingender Baritonstimme  traditionelle  und moderne Lieder wieder. Auf einmal trat der Hotelchef an Onkelchen heran und forderte ihn auf, dass er jetzt dran sei, er hätte gehört, dass er Fields of Athenry singen könne. Er wurde als deutscher Gast angesagt und schwitzte Blut und Wasser, aber es hat geklappt. Er hat schön gesungen und das ganze Lokal ( zumindest die Iren ) sangen mit.

Großer Applaus war die Belohnung - und ein doppelter Whiskey vom Chef, auf den Schrecken hin.
Ich war auch sehr stolz auf ihn, denn soviel Mut hätte ich nicht aufgebracht. Hinterher, wusste er zwar gar nicht, wie ihm geschehen war, aber der Chef wollte ihn gleich für nächsten Freitag anheuern. Typisch Onkelchen eben....

Samstag, 10. August 2013

Zu Hilfe! Onkelchen verbreitet Irrlehren!



Onkelchen ist ein Fan steiler Thesen, die er ja zum Teil auch in diesem Blog veröffentlicht (wenn ich ihn lasse, hihi). Zum Beispiel: Peter Neururer wäre ein besserer Bundestrainer als Joachim Löw. Oder: Der natürliche Koalitionspartner der CDU/CSU unter Angela Merkel sind eigentlich die Grünen und nicht die FDP. Oder: In der heutigen Wegwerf-Ökonomie kann man den Leuten jeden Schrott verkaufen, wenn nur das Logo drauf hip genug ist. Oder: Windows Phone 8 ist in der Praxis das beste Smartphone-Betriebssystem.

Man könnte nun einwenden, dass Onkelchens Thesen, die ich hier wiedergegeben habe, in der Reihenfolge ihrer Erwähnung immer absurder werden. Allerdings ist Onkelchen nicht einer von jenen Menschen, die sich ihre Meinungen ausschließlich von „Spiegel online“ oder der „Süddeutschen“ ausborgen. Will sagen: Onkelchen schwätzt manchmal knallhart am Mainstream vorbei, aber er denkt sich in der Regel auch was dabei.

Zum Thema Neururer wäre zu sagen, dass von Joachim Löw auch bei seinem vierten Anlauf kein Titel zu erwarten sein dürfte. Dies belegt schon die Geschichte. Sepp Herberger und Jupp Derwall gewannen bereits bei ihrer ersten Turnierteilnahme als verantwortliche Nationaltrainer einen internationalen Titel. Helmut Schön, Franz Beckenbauer und Berti Vogts erreichten jeweils bei ihrem dritten Anlauf einen Titel. Das heißt zu Deutsch: Wer nicht spätestens bei der dritten Turnierteilnahme einen Titel gewinnt, holt auch nachher keinen mehr. Und zudem scheint Joachim Löws Kernkompetenz eher darin zu bestehen, den Fußball in Richtung Beauty und Lifestyle weiterzuentwickeln, ganz so, als würde er sich der guten alten deutschen (ja, jetzt verwende ich das Unwort auch mal) Rumpelfußball-Tradition schämen. Das Blöde ist halt, dass Deutschland mit dem guten alten Rumpelfußball drei WM- und drei EM-Titel geholt hat. Wenn ein Trainer aber stattdessen versucht, einen Mats Hummels, den noch Berti Vogts dankbar als Spielgestalter eingesetzt haben würde, zu einem Innenverteidiger umzupolen, dann weiß der außenstehende Betrachter, dass was schief läuft.  Ein Maik Franz im Abwehrzentrum wäre im EM-Halbfinale gegen Italien wahrscheinlich erfolgreicher gewesen.

Und dann kommen wir zu Neururer. Während Löw krampfhaft an einem System festhält, das er wahrscheinlich nur selber versteht und das von einem Ibrahimovic in Topform in Stücke geschossen wird, redet Neururer die Spieler stark und lässt darüber hinaus Standards üben. Denn er weiß halt aus dem Liga-Alltag, in dem er oft genug als Feuerwehrmann gegen den Abstieg kämpfte, dass man gelegentlich auch einen Drecks-Arbeitssieg braucht. Auch wenn die ästhetisch angehauchten Fußball-Feuilletonisten der „Süddeutschen Zeitung“ die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Über die Kompatibilität von Grünen und CDU möchte ich an dieser Stelle nicht allzu viele Worte verlieren. Während man die Sympathisanten der Grünen früher vor allem in der Hausbesetzer-Szene fand, so rekrutieren sich ihre Wähler heute hauptsächlich aus gut situierten, ja nachgerade spießigen Kreisen: Man ist ja eigentlich gegen die Klimaerwärmung, aber der Verkehr ist so gefährlich, deswegen muss man die lieben Kleinen im SUV zur Schule oder zur Ballettstunde bringen. Und da die Kanzlerin höchstselbst nach einer erstaunlichen Kehrtwende die Abkehr von der Kernenergie verkündet hat, gibt es eigentlich kein echtes Hindernis mehr für eine schwarzgrüne Koalition.

Der jüngst von den Grünen vorgeschlagene vegetarische Tag in den Kantinen ist durchaus katholiken- und CSU-kompatibel, denn schon Don Camillo fragte seinerzeit: "Heute ist Freitag. Habt ihr auch kein Fleisch auf dem Tisch?" Und die von Seehofer wieder mal auf den Tisch gebrachte Pkw-Maut kann eigentlich nur als ein verstecktes Koalitionsangebot an die Grünen gesehen werden.

Die dritte These ist absolut selbsterklärend. Als Onkelchen sie jüngst einer jungen Mutter einer Tochter im schulpflichtigen Alter vortrug, nickte diese seufzend. Es ist heute ja nicht mehr wichtig – vor allem auf dem Schulhof – ob Klamotten oder sonstige Produkte qualitativ gut sind, es ist völlig egal, ob sie unter unwürdigsten Bedingungen im Nahen oder Fernen Osten gefertigt werden. Wenn nur das richtige Logo drauf prangt, dann ist alles bestens. Onkelchen erinnert sich an eine Bekannte seiner Nichte, die vor ein paar Jahren voller Stolz erklärte, sie sei sogar extra nach London geflogen, weil sie nur dort Klamotten einer bei jungen sportlichen Menschen besonders angesagten US-Marke erwerben konnte. Inzwischen gibt es auch in Deutschland Shops, in denen es diese speziellen Klamotten zu kaufen gibt. Der Chef dieses Klamottenunternehmens hat jedoch ganz deutlich dargestellt, dass dicke Leute und Leute über 35 in diesen Shops nichts zu suchen haben. „OK“, denkt sich Onkelchen, „prima, auch recht, dann weiß ich woran ich bin“ und kauft bei Trigema ein, weil der Trigema-Chef Grupp in Deutschland produzieren lässt, weil es da Polohemden in 4XL gibt und weil man die Sachen über Jahre tragen kann, denn die Klamotten halten was aus und sind nicht nur Fetzen mit einem Logo drauf.

Eine noch viel schlimmere Irrlehre verbreitet Onkelchen, wenn er sagt, dass Windows Phone 8 das in der Praxis beste Smartphone-Betriebssystem sei. Das kann nun niemand verstehen, der vermeint, recht bei Groschen zu sein. Denn jeder weiß doch, dass ein Smartphone entweder einen Apfel auf dem Gehäuse haben oder zumindest von dem großen koreanischen Drei-Sterne-Konsortium stammen muss. Windows Phone, du liebe Zeit, das fasst doch keiner freiwillig an. In diesem Sinne schreiben viele Technikjournalisten und Blogger, die meist dem heiligen Apfel hörig sind.

Nun ist Onkelchen selber Technikjournalist und glaubt, sich eine fundierte eigene Meinung bilden zu können. Seit über einem halben Jahr hat er ein Windows-Phone-8-Handy von Nokia in Benutzung. Und obwohl gerade diese Kombination von vielen Wirtschafts- und Technik-Journos, die ganz verzweifelt hip sein wollen, nur Hohngelächter erntet – kann denn etwas, das von Losern wie Microsoft und Nokia kommt, überhaupt etwas taugen? – ist Onkelchen mit dem System sehr zufrieden. Das Gerät ist robust, für grobe Männerhände geeignet und verträgt schon mal den einen oder anderen Stoß. Als das Nokia mal zu Boden fiel, weil Onkelchen beim Staubsaugen gegen den Tisch stieß, auf dem das Handy lag, trug es nur einen minimalen Kratzer auf dem Display davon. Bei einem Apfelgerät wäre das Display im selben Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit hinüber gewesen. Und billiger als ein ähnlich ausgestatteter Apfel war Onkelchens Heavy-Duty-Gerät auch.

Mit dem koreanischen Drei-Sterne-Konsortium und Android hat Onkelchen ganz spezielle Erfahrungen gemacht, und das waren nicht die besten. Sein Galaxy S war nach dem Update auf die offizielle Version 2.3 des Android-Betriebssystems (vulgo „Gingerbread“) praktisch nicht mehr brauchbar, da sich nach dem Update übelste Abstürze einschlichen, die nur durch Herausnehmen und Wiedereinsetzen des Akkus und darauffolgendes Neustarten des Geräts zu beheben waren. Ein Einspielen der Vorversion war auch keine echte Option, da unter 2.2 (vulgo „Froyo“) die Restladung des Akkus nur sehr unzuverlässig angezeigt wurde. Dass Software nicht unbedingt die Kernkompetenz des koreanischen Konzerns zu sein scheint, wurde dadurch deutlich, dass auch beim Nachfolgegerät so das eine oder andere Problem vorhanden war. Das zumindest steckte Onkelchen ein Bekannter, der in einem Elektromarkt arbeitet und daher die Kundenreaktionen hautnah mitbekommt. Im Vergleich dazu ist Windows Phone 8 traumhaft stabil.

Nicht zuletzt ist sich Onkelchen bei seiner Einschätzung von Windows Phone 8 mit der englischen Technologieseite „The Register“ einig, die absolut nicht im Verdacht steht, mit Microsoft in irgendeiner Form zu sympathisieren. Denn, so höret nun:

Thus spake Andrew Orlowski (The Register): “Windows Phone 8, Redmond's operating system for mobiles, is truly a jewel, and by contrast to Windows 8 desktop, it is well liked by its users.“ (zu Deutsch: Windows Phone 8, Redmond’s Betriebssystem für Handys, ist ein wahres Juwel, und im Gegensatz zu dem Windows-8-Desktop wird es von seinen Anwendern sehr geschätzt.”)

Donnerstag, 1. August 2013

„Rumpelfußball“ ist eine verbale Blutgrätsche



Kürzlich geriet Onkelchen ins Sinnieren. Er sah es als wahrhaft inspirierend an, dass er in einem Biergarten der bayerischen Hauptstadt saß, während Pep Guardiola nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt am Fußball der Zukunft bastelte. Blöderweise vertraute er diesen Gedanken einem sozialen Zwitscher-Netzwerk an. Denn kurz darauf meldete sich ein anderer Teilnehmer des besagten Zwitscher-Netzwerks, der um Onkelchens Leidenschaft für den HSV wußte. Und so neckte der andere Teilnehmer mein Onkelchen mit der Zeile „… und 800 km entfernt verzweifelt Thorsten Fink am Rumpelfussball des HSV.“

Das saß natürlich. Angesichts der momentanen Verfassung des HSV und seiner Testspiel-Ergebnisse ist es wieder einmal höchst zweifelhaft, ob die Rothosen ihrer 50. Bundesliga-Saison eine weitere hinzufügen dürfen. Aber nach dem ersten Ärger drängte sich eine wichtigere Frage in Onkelchens Gemüt, das zu diesem Zeitpunkt schon in dunklem Weißbier badete. Warum zum Teufel spricht jeder dahergelaufene selbsternannte sogenannte Experte (und besonders oft die "Süddeutsche Zeitung", die ein Abo auf dieses Wort zu haben scheint) von Rumpelfußball, wenn es darum geht, die Spielweise einer bestimmten Fußballmannschaft herabzuwürdigen? Und noch wichtiger, noch fundamentaler: Was ist eigentlich Rumpelfußball?

Onkelchen hat nun nicht versucht, die Entstehungsgeschichte des Begriffes „Rumpelfußball“ zu ergründen. Ihn wunderte auf jeden Fall, dass der ihm persönlich bekannte Zwitscher-Netzwerk-Teilnehmer – ein Bayern-Fan - das Wort überhaupt verwendet hatte. Denn der Begriff war aus seiner Sicht eher bei den Leuten beheimatet, die dem Fußball von Borussia Mönchengladbach der Netzer-Ära nachtrauern und nicht so sehr bei gestandenen Bayern-Anhängern. Wie man weiß, sind sich die Bayern in der Vergangenheit nicht zu fein gewesen, dann und wann zu ihrem sprichwörtlichen Dusel Zuflucht zu nehmen (die letzte Saison war die rühmliche Ausnahme). Dagegen hat es nach der Selbsteinschätzung mancher Gladbach-Romantiker in deren goldender Ära so etwas wie dreckige Arbeitssiege niemals gegeben. Immer kam Netzer aus der Tiefe des Raumes mit wehendem Goldhaar, um den Ball zu streicheln und dem Spiel die entscheidende Wendung zu geben. Dass es zu dieser Zeit bei Gladbach auch einen Berti Vogts gab, wird von diesen Romantikern ja oft schamhaft verschwiegen. 

Nur bringt uns das nicht weiter. Der Kern des Rumpelfußballs liegt immer noch vor uns wie ein ungeöffnetes Ü-Ei. Ganz sicher ist allerdings, dass es sich beim Rumpelfußball um ein sehr deutsches Phänomen handeln muss – andere Nationen haben dafür so wenig ein Wort wie für andere sehr deutsche Phänomene wie Weltschmerz oder Blitzkrieg. Mag also sein, dass diesem Begriff noch eine strahlende internationale Karriere bevorsteht.

Das zentrale Problem des Begriffes „Rumpelfußball“ ist seine Unschärfe. Was rumpelt denn beim Fußballspiel? Ein Zug rumpelt über Weichen, ein Jumbo rumpelt zur Startbahn. Rumpeln könnte man als dumpfes Klopfgeräusch definieren, das mit einer schwerfällig-ungelenken Bewegung einhergeht. Vielleicht liegt darin ein Hinweis. Rumpelfußball könnte also ein Ausdruck dafür sein, dass die Spielweise einer Mannschaft ungelenk und schwerfällig wirkt, dass vielleicht auch überdurchschnittlich oft Spieler im Zweikampf oder bei Kopfballduellen zusammenrumpeln. Ein dumpfes Klopfgeräusch kann hierbei ja durchaus auftreten.

Wenn dem so wäre, dann müsste man aber vermutlich 99,5 Prozent allen Fußballs als Rumpelfußball qualifizieren. Onkelchen weiß wovon er redet, schließlich war er sechs Jahre lang am Wochenende als Sportreporter eines obskuren und längst vergessenen Lokalsenders auf den zugigen Plätzen unterklassiger Fußballvereine unterwegs. Oft lief bei den Spielen nicht viel zusammen, durchdachte Spielzüge waren Mangelware, erfolgversprechende Angriffe oft Zufallsprodukte. Und doch wäre Onkelchen nie darauf gekommen, das Gebotene als Rumpelfußball abzuqualifizieren. Lieber suchte er Zuflucht bei einem Ausdruck, den Marcel Reif immer zu benutzen pflegte, wenn er einen besonders robusten Abwehrspieler charakterisierte: „Dem ist nichts Menschliches fremd“. Schließlich musste sich Onkelchen ja auch auf dem Fußballplatz der entsprechenden Mannschaften wieder sehen lassen können.

Nein, der Begriff Rumpelfußball wird ja in der Praxis oft verwendet, um eine ganz bestimmte, sehr deutsche Spielweise abzuqualifizieren. Stellvertretend werden dafür die achtziger Jahre unter Derwall und dem frühen Beckenbauer genannt, in denen die deutsche Nationalmannschaft einen defensiv- und zweikampfbetonten Stil pflegte und taktische Feinheiten geflissentlich ignorierte. Es war die Zeit der Manndecker wie Karl-Heinz und Bernd Förster, der Briegels und anderer, denen außerhalb Deutschlands der Ruf kompromissloser Knochenbrecher voranging. Fußballerisch feinsinnigere Teams wie Frankreich wurden in diesen Jahren gnadenlos niedergewalzt. Besonders das WM-Halbfinale 1982 blieb jenseits des Rheins in unguter Erinnerung.

Aber war das Rumpelfußball? Immerhin fanden sich mit Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Fischer, Lothar Matthäus (ja, auch der!), später auch Felix Magath und Rudi Völler einige der unbestritten besten Fußballspieler jener Zeit in den Reihen der Deutschen. Auch Manni Kaltz sollte hier nicht unerwähnt bleiben, war er doch der Prototyp des modernen Außenverteidigers. Und seine Bananenflanken sind auch heute noch unvergessen.

Ja, es war viel Kampf dabei. Aber war das Rumpelfußball? War es Rumpelfußball, als die Deutschen in Japan und Südkorea 2002 ins Finale einzogen und den Brasilianern lange Paroli boten? War es 1974 Rumpelfußball, als die Deutschen den totalen Fußball der Niederlande entzauberten (wobei ihnen sicherlich die Tatsache zu Hilfe kam, dass sie bei der WM Heimrecht hatten)?

Nein, denn dazu ist der Begriff Rumpelfußball zu unkonkret. Wer an einer Spielweise etwas auszusetzen hat, kann das ja durchaus benennen. Früher sprach man von einem rustikalen Stil, wenn man sagen wollte, dass ein Team in der Defensive gut zulangte. Spielte eine Mannschaft grottig und unter ihrem sonstigen Potenzial, dann attestierte man ihr Kreisklasse-Niveau. Beobachtete man taktische Defizite, dann sprach man das an. Wir haben also die Ausdrucksmöglichkeiten, um Defizite und Desiderate im Fußball klar anzusprechen. Wer aber vom Rumpelfußball spricht, dem geht es nicht um die Diskussion. Wer den Rumpelfußball in den Mund nimmt oder zu Papier bringt, will verletzen. Der Rumpelfußball ist also das verbale Äquivalent einer Blutgrätsche und sollte entsprechend bestraft werden!         





Montag, 29. Juli 2013

Start frei für „Palfi and the Plumbers“!


Alles kommt zu dem, der warten kann. Das ist die Philosophie, die Onkelchen zur Kunstform erhoben hat. Er verfügt über eine beneidenswerte Geduld.
Nehmen wir mal letzte Woche als Beispiel. Da gastierte die Popgruppe Mike and the Mechanics rund um den Genesis-Veteranen Mike Rutherford auf der heimischen Kapfenburg, die ja von Onkelchens Zuhause nur einen Steinwurf weit entfernt ist. Gut, man müsste den Brocken ziemlich weit werfen, aber ein römisches Katapult würde es wohl hinkriegen, einen Stein in den Vorgarten von Onkelchen und Tante Dilein zu schleudern (Schon wieder diese Römer!).

Egal. Mike and the Mechanics ist eine von Onkelchens Lieblingsbands, und „Living Years“ ist eines von Onkelchens Lieblingsalben. In seiner Bundeswehrzeit führte ihn der Weg immer wieder zum Drogeriemarkt Müller der kleinen bayerisch-schwäbischen Garnisonsstadt, in der er damals stationiert war. Und „Living Years“ von den Mechanikern war einer der kostbaren LP-Schätze, die er damals mit heimbrachte.

Onkelchen war insoweit sehr geduldig, als er 25 Jahre wartete, bis er ein Konzert der Band besuchen konnte. Und dann fand dieses Konzert noch quasi vor seiner Haustür statt. Eine tolle Sache, besser hätte man es kaum erfinden können. Und an dem lauen Sommerabend letzte Woche fanden sich etwa 2000 Fans – meist reifere Jugend – im bröckligen Gemäuer der ehrwürdigen Kapfenburg ein, um Mike und seinen Mechanikern zu lauschen.

Dass Onkelchen dabei sein T-Shirt und seine Schuhe mit einer Ladung Senf beschoss, möchte ich hier unerwähnt lassen (Ups, jetzt hab‘ ich’s doch erwähnt!). Nach einer eher nervigen Anheizband (Siegfried Schwäbli hätte besser gefallen) und einer viel zu langen Umbaupause kamen dann die Mechaniker. Und sie spielten alle wichtigen Lieder, zudem noch zwei von Genesis (wir erinnern uns, dass Mike Rutherford ein Genesis-Veteran war? Gut!). Es wird ja des öfteren über die Musik der 80er im allgemeinen sowie Genesis und deren damaligen Frontmann Phil Collins gelästert. Trotzdem sangen alle, die des Textes mächtig waren, kräftig mit. „Follow you, follow me“ ist ja nicht so schwierig, „I can’t dance“ war dagegen schon anspruchsvoller, aber Onkelchen  kannte das Lied aus dem Effeff, da er ja einer der begnadetsten Phil-Collins-Imitatoren der westlichen Hemisphäre ist. Außerdem kann Onkelchen wirklich nicht tanzen.

So manchen Konzerbesucher mag diese Totalbeschallung etwas zuviel geworden sein. Der Mann, der vor Onkelchen stand, drehte sich immer wieder um, vor allem bei „Living Years“, weil er von vorne den Gesang der Mechaniker und von hinten den von Onkelchen bekam, der den Mechanikern an Inbrunst in nichts nachstand. Das Problem war aber, dass der Sänger der Mechaniker, Andrew Roachford, der Nummer „Living Years“ eine eher soulige Note mitgab, während Onkelchen sich strikt an die Albumversion von 1988 hielt. Das ging nicht sooo gut zusammen.

Natürlich muss der Schwabe auch immer was zu mäkeln haben. Die Mechaniker stellten nach etwa eineinhalb Stunden den Betrieb ein, und beim Rausgehen lauschte Onkelchen dem Urteil mancher nicht ganz zufriedener Konzertbesucher, die meinten „d’r Phil Collins hot abbr zwoi-ahalb Schtonda gschpielt!“ Tja, das waren halt die alten Zeiten. Mike Rutherford ist ja inzwischen auch schon fast im Rentenalter und musste vielleicht zeitig ins Bettchen. Wir tragen aber die Flamme weiter. Eine Mike-and-the-Mechanics-Tribute-Band ist bereits in Gründung. Vielleicht wird sie einen Tick blasmusiklastiger sein als das Original. (Töröööö!) Der Name steht auch schon fest: Palfi and the Plumbers, zu Deutsch: Kurtchen und die Klempner. Wir hören uns!     

Donnerstag, 18. Juli 2013

Wie Onkelchen zum Model wurde – echt jetzt!

Models, das sind schöne Menschen. Und sportliche. Also ungefähr jene Leute, mit denen Onkelchen überhaupt keine Gemeinsamkeiten hat. Dass sich Onkelchen dennoch vor kurzem ausgerechnet bei einem Fotoshooting für Sportgeräte (denn das sind Fahrräder nun einmal) wiederfand, ist eine der Launen des Schicksals, die kein Drehbuchschreiber erfinden kann, wenn er nicht Gefahr laufen will, schallend ausgelacht zu werden.

Ausgerechnet also für eine Fahrrad-Fachzeitschrift musste Onkelchen in Aktion treten. Man weiß doch, dass Radfahrer heute aussehen müssen wie das Leiden Christi auf zwei Rädern, am besten noch von El Greco gemalt, wenn sie ernstgenommen werden wollen. Manchmal testen Fahrrad-Fachzeitschriften allerdings auch Räder, die – nun ja – für den kräftigeren Teil der Bevölkerung konstruiert sind. Denn manch einer der (aus Sicht der Mediziner und Diät-Apostel) bösen, bösen Adipösen bekommt gelegentlich vom Arzte den gestrengen Rat, es doch mit etwas mehr Bewegung zu versuchen. Wie wäre es denn mit Radfahren? Und da ist dann guter Rat teuer, denn die meisten heutigen Fahrräder sind halt für die Leiden-Christi-Darsteller (von El Greco gemalt, wohlgemerkt) gebaut. Wenn Onkelchen einen dieser Drahtesel nur anschaut, löst der sich vermutlich schon in seine Einzelteile auf.

Der Knoten des Dramas schürzt sich also. Es gab also eine Fahrrad-Fachzeitschrift, die unlängst einen Testbericht über Bike-Boliden für Schwergewichte verfasst hatte. Was noch fehlte, war ein ansprechendes Aufmacherfoto. Und hier wurde es schwierig.

Denn, man erinnere sich, der Winter und seine Nachwehen lagen ja noch bis Ende Mai bleischwer über den deutschen Fluren. Als Onkelchen am Sonntag nach Pfingsten aus Rom heimgekehrt war, empfing ihn nasskalter Regen. Erst zwei Tage später besserte sich das Wetter. Und das auch nur für einen Tag. Die Fahrradzeitschrift musste just an diesem Dienstag das Foto-Shooting für die XXL-Fahrräder über die Bühne bekommen. Sonst hieß es: Ende Gelände.

Nun ist es aber so: Dürre Mädels, die sich für ein Fotoshooting hergeben, gibt es an jeder Ecke. Gestandene Mannsbilder, die sich auf ein Fahrrad setzen und sich dabei knipsen lassen, schon weniger. Und die wenigen, die es gibt, lassen sich nicht innerhalb kürzester Zeit aktivieren. Nun aber trat Nicky auf den Plan.

Nicky ist die Heldin unseres Stücks. Sie ist die Redaktionsassistentin der besagten Zeitschrift und ein wahres Organisationstalent. Es gibt ja Management-Coaches und Verkaufstrainer, die von oben herab das Motto „Geht nicht gibt’s nicht“ predigen. All diejenigen sollten mal bei Nicky in die Lehre gehen, denn sie predigt dieses Motto nicht nur, sie lebt es auch.

Vor Jahren war Nicky Redaktionsassistentin bei jener obskuren Computerzeitung, für die auch Onkelchen damals arbeitete. Und sie muss ihn in positiver Erinnerung behalten haben. Onkelchen war offenbar der einzige kräftige Mann, der vor ihren Augen bestehen konnte. Denn, so sagt sie selbst: „Es gibt nicht viele gutaussehende dicke Männer.“ Viele kräftige Männer sind nämlich nicht einfach dick, sondern sie lassen sich auch anderweitig gehen. Und ein Zwei-Meter-Mann mit 120 Kilo, von denen es ja durchaus einige gibt, hätte die Proportionen zunichte gemacht.

So rief Nicky also an jenem schicksalhaften Tage bei Onkelchen im Büro an. Der war zuerst total verdutzt – Ein Fotoshooting? Und noch auf einem Fahrrad? So hat er wohl reagiert. Schließlich ließ er sich aber doch breitschlagen und fuhr mit der S-Bahn an einen Ort, wo er sich zum ersten Mal seit Jahren wieder mit einem Fahrrad vertraut machen musste.

Trotz allem scheint es ihm gefallen zu haben, denn man sieht auf dem Foto, mit welcher Begeisterung er auf den Feldern in Münchens Umland herumdüste. Deswegen hat er auch kein Geld angenommen, denn das war für ihn Ehrensache.