Stellt euch vor, es ist WM, und Onkelchen ist nicht dabei, um zu lästern, seinen Senf abzugeben, das vorzeitige Aus der deutschen Mannschaft an die Wand zu malen, und noch einiges mehr. Und so ist es tatsächlich! Vor vier Jahren wagte er die Prognose:
Sollte
Spanien tatsächlich Weltmeister werden, dann - so zeigt die
Erfahrung - werden sie in vier Jahren denselben uninspirierten
Fußball zeigen wie alle Titelverteidiger und im Niemandsland, das
zwischen Vorrunde und Viertelfinale liegt, ausscheiden.
Nachzulesen hier. Und so ist es auch gekommen: Die Spanier, die den Weltfußball seit sechs Jahren beherrschten, wurden demontiert, filetiert, geschlachtet, gedemütigt, und was man sonst noch so an greulichen Vokabeln im Setzkasten hat. Und ausgerechnet jetzt, wo die WM langsam in die Gänge kommt und die deutsche Mannschaft ihrem WM-Stelldichein gegen Cristiano Ronaldo und die restlichen Portugiesen entgegen bibbert, ist Onkelchen nicht da. Er muss wieder mal auf die andere Seite der Weltkugel und in Taiwan nach dem Rechten sehen. Dort hat Fußball leider nicht denselben Stellenwert wie hierzulande, und so ist es fraglich, ob er auf der Insel überhaupt etwas von dem Fußballfest in Brasilien mitbekommt. Leicht erschwerend kommt hinzu, dass die Zeitverschiebung von Brasilien in den Fernen Osten gar seltsame Effekte zeitigt: Wenn die Deutschen am Montag ab 13 Uhr Ortszeit von Christiano Ronaldo & Co. eins übergebraten bekommen - davon geht Onkelchen aus - ist es in Taipei 3 Uhr nachts! Nicht unbedingt die beste Fernsehzeit, aber vielleicht kämpft Onkelchen ja mit dem Jetlag und hat Zeit, die verschiedenen Kanäle danach durchzusuchen, ob irgendwo ein Ball rollt.
Onkelchen hat sogar eine Hymne für diese WM komponiert. Naja, nicht unbedingt für die WM, aber für das Gastgeberland Brasilien. Er war zwar noch nicht dort, hat sich aber mehrfach als Fan der südamerikanischen Lebensart geoutet. Als er noch studierte, an der Uni in Oak-Town, gab es da eine brasilianische Sprachdozentin, der Onkelchen seine erste Begegnung mit einer Caipirinha verdankte. Ich muss ein bisschen weiter ausholen, um den Hintergrund zu erzählen. An Onkelchens Uni gab es so etwas wie ein Lateinamerika-Institut, und daher fand ein reger Austausch zwischen deutschen und lateinamerikanischen Studenten und -innen statt. Onkelchen lernte einen Gaststudenten aus Brasilien kennen und der brachte ihn dann mit seiner Landsfrau zusammen, einer jungen und sehr aparten Dozentin, die für Onkelchen die besagte Caipirinha mixte. Das ist jetzt ungefähr 20 Jahre her, und was aus jener bezaubernden Brasilianerin geworden ist, hat Onkelchen nie erfahren. Und das, obwohl er ihren Namen ab und an mal googelt (Hallo, Frau K.!).
Man muss wissen, dass Brasilianer und auch -innen einfach viel weniger Hemmungen im Umgang miteinander haben. Wo man sich hierzulande eher steif die Hände schüttelt, da wird umarmt man sich in Brasilien gleich und man bekommt das Gefühl, dass man von Anfang an dazu gehört. Ein Gefühl, das durch eine Caipi zur rechten Zeit auch noch wunderbar unterstützt wird.
Und in dieser Stimmung erschuf Onkelchen seine Brasilien-Hymne. Der Text lautete so:
Brasil do Brasil,
und du bist nicht allein,
Brasil do Brasil,
ja dir gehört die Liebe mein.
Ich persönlich finde sie eher peinlich, aber auch manche Peinlichkeit muss der Nachwelt überliefert werden. Insbesondere weiß ich gar nicht, ob die Zeile "Brasil do Brasil" im Portugiesischen überhaupt Sinn ergibt. Aber was man nicht alles so im Caipi-Rausch tut... Ich darf meinen Lesern aber versichern, dass sich alles im Rahmen der Sittsamkeit abgespielt hat und der Austausch streng im Rahmen des Interkulturellen geblieben ist. Allerdings ist es meiner Erinnerung nach nicht bei der einen Caipi geblieben.
Tja, statt Caipi gibts ab morgen für Onkelchen so leckere Sachen wie das Gericht "Drachetigerphönix" (Drache steht für Schlange, Tiger für Katze und Phönix für Huhn, und angeblich gibt es dieses Gericht tatsächlich, aber nicht in Taiwan, sondern in der chinesischen Provinz Kanton). In genau einer Woche will er zwar wieder zuhause sein, aber bis dahin, davon ist er überzeugt, ist die WM für Deutschland gelaufen. Warum? Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
Ich und die Meinen
Herzlich willkommen!
So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!
Samstag, 14. Juni 2014
Mittwoch, 11. Juni 2014
Mein missratener Sohn Gianni Dona ist jetzt schon Weltmeister!
Oder hat er den Pokal nur irgendwo geklaut? Zuzutrauen wär's ihm. Mein missratener Sohn Gianni Dona hält sich ja für die Wiedergeburt eines - meines Wissens immer noch nicht verstorbenen - argentinischen Fußballidols. Als er gestern mit dem Pokal reingewackelt kam, murmelte er immer was von der "Hand Dottes", die ihm das Ding eingebracht haben soll. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.
Montag, 9. Juni 2014
Willkommen im Paralleluniversum!
An diesem megaheißen Wochenende waren Onkelchen und Tante Dilein in einem kleinen, hier nicht genannten Städtchen beim Einkaufen. Beide wackelten durch die sonnendurchflutete Hauptstraße des Ortes, in dem der Markt stattfand, und betrachteten sich das Angebot an Obst und Gemüse. Denn bei heißem Wetter steht beiden nicht so der Sinn nach Eintopf, sondern eher nach bunten Salaten. Plötzlich gewahrte Onkelchen aus dem Augenwinkel heraus einen kräftigen Herrn, über dessen wohlgeformtem Bauch sich ein verwaschenes T-Shirt spannte. "Bayern München - Champions-League-Sieger 2010" stand darauf deutlich zu lesen.
Onkelchen fielen fast die Augen aus dem Kopf. Wie Kenner der Materie wissen, langte es den Bayern im Jahre 2010 gerade eben nicht zum Champions-League-Sieg, sie wurden von José Mourinhos Inter Mailand in Madrid mit 0-2 bezwungen.
Ganz offensichtlich hielten sich Onkelchen und Tante Dilein aber in einem Universum auf, in dem dies nicht der Fall gewesen war. An irgendeinem Ort im Raum-Zeit-Kontinuum, der dem unsrigen ansonsten bis zum Verwechseln gleicht, muss Bayern München 2010 die Champions League gewonnen haben. Sonst würde es dieses besagte T-Shirt, das Onkelchen in der Menge gewahrt hatte, nicht geben können. Als treuer Zuseher der "Big Bang Theory" weiß Onkelchen natürlich, dass in der Physik solche Parallelwelten durchaus für denkbar gehalten werden. Dass er sich aber mit einem Mal und augenscheinlich übergangslos in einer solchen wiederfand, das hatte er sich nun nicht vorstellen können.
Oder vielleicht doch? Onkelchen überlegte genau, wann der Phasenübertritt von seiner angestammten Welt in das Paralleluniversum erfolgt sein konnte. Und ihn beschlich ein Verdacht. Am vergangenen Donnerstag hatte Onkelchen in dienstlichem Auftrag an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Bei diesem Kurs hatte eine schlanke blonde Lehramtsstudentin neben ihm Platz genommen, die sich bereitwillig von ihm verbinden ließ (ich sagte: verbinden. Nicht FESSELN. Nur um Missverständnisse zu vermeiden). So was war Onkelchen in seinem Leben bisher noch nie passiert. Normalerweise halten schlanke blonde Frauen von ihm weiten Abstand. Und sich von ihm verbinden lassen - nee, die sind doch nicht larry, um einen längst vergessenen Ausdruck aus dem Fundus von Max Goldt zu verwenden.
Aber es geschah dennoch. Ein zweites Indiz kam hinzu: Onkelchens noch gar nicht mal so alte Armbanduhr, die ihm Tante Dilein vor einer Fahrt nach Rom geschenkt hatte, war plötzlich stehengeblieben - genau um 11:22 Uhr. Es lag nicht an einer leeren Batterie, denn der Sekundenzeiger drehte sich fröhlich weiter. Der Minuten- und Stundenzeiger hatten aber gestoppt. Als Onkelchen die augenscheinlich defekte Uhr letzten Samstag einem Uhrmacher zeigte, war dieser auch ratlos. War Onkelchen also am vergangenen Donnerstag um 11:22 Uhr Punkt in das Paralleluniversum eingetreten?
Es lohnt sich also, den Ort dieses möglichen Phasenübergangs genau zu untersuchen. Es geschah im Gebäude Streitfeldstraße 19 in München. Dieses Gebäude beherbergt ein merkwürdiges Forschungszentrum zur Drucktechnik, ein Steuerberatungsbüro, eine Evangelisch-Wesleyanische Kirchengemeinde (Was machen die bitte?) sowie den Lehrsaal "Malta" der Malteser in München. Ohne Frage eine ungewöhnliche Kombination. Im Eingangsbereich befand sich eine alte Druckmaschine der Firma Heidelberg - wahrscheinlich gehörte sie zu dem merkwürdigen Drucktechnik-Institut.
Befand sich also hier das Portal zu einer Parallelwelt?
Wir bleiben dran! Die Frage ist nur: Mit welchem Ergebnis hat Bayern München in diesem Paralleluniversum gewonnen?
Und gegen wen?
Onkelchen fielen fast die Augen aus dem Kopf. Wie Kenner der Materie wissen, langte es den Bayern im Jahre 2010 gerade eben nicht zum Champions-League-Sieg, sie wurden von José Mourinhos Inter Mailand in Madrid mit 0-2 bezwungen.
Ganz offensichtlich hielten sich Onkelchen und Tante Dilein aber in einem Universum auf, in dem dies nicht der Fall gewesen war. An irgendeinem Ort im Raum-Zeit-Kontinuum, der dem unsrigen ansonsten bis zum Verwechseln gleicht, muss Bayern München 2010 die Champions League gewonnen haben. Sonst würde es dieses besagte T-Shirt, das Onkelchen in der Menge gewahrt hatte, nicht geben können. Als treuer Zuseher der "Big Bang Theory" weiß Onkelchen natürlich, dass in der Physik solche Parallelwelten durchaus für denkbar gehalten werden. Dass er sich aber mit einem Mal und augenscheinlich übergangslos in einer solchen wiederfand, das hatte er sich nun nicht vorstellen können.
Oder vielleicht doch? Onkelchen überlegte genau, wann der Phasenübertritt von seiner angestammten Welt in das Paralleluniversum erfolgt sein konnte. Und ihn beschlich ein Verdacht. Am vergangenen Donnerstag hatte Onkelchen in dienstlichem Auftrag an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Bei diesem Kurs hatte eine schlanke blonde Lehramtsstudentin neben ihm Platz genommen, die sich bereitwillig von ihm verbinden ließ (ich sagte: verbinden. Nicht FESSELN. Nur um Missverständnisse zu vermeiden). So was war Onkelchen in seinem Leben bisher noch nie passiert. Normalerweise halten schlanke blonde Frauen von ihm weiten Abstand. Und sich von ihm verbinden lassen - nee, die sind doch nicht larry, um einen längst vergessenen Ausdruck aus dem Fundus von Max Goldt zu verwenden.
Aber es geschah dennoch. Ein zweites Indiz kam hinzu: Onkelchens noch gar nicht mal so alte Armbanduhr, die ihm Tante Dilein vor einer Fahrt nach Rom geschenkt hatte, war plötzlich stehengeblieben - genau um 11:22 Uhr. Es lag nicht an einer leeren Batterie, denn der Sekundenzeiger drehte sich fröhlich weiter. Der Minuten- und Stundenzeiger hatten aber gestoppt. Als Onkelchen die augenscheinlich defekte Uhr letzten Samstag einem Uhrmacher zeigte, war dieser auch ratlos. War Onkelchen also am vergangenen Donnerstag um 11:22 Uhr Punkt in das Paralleluniversum eingetreten?
Es lohnt sich also, den Ort dieses möglichen Phasenübergangs genau zu untersuchen. Es geschah im Gebäude Streitfeldstraße 19 in München. Dieses Gebäude beherbergt ein merkwürdiges Forschungszentrum zur Drucktechnik, ein Steuerberatungsbüro, eine Evangelisch-Wesleyanische Kirchengemeinde (Was machen die bitte?) sowie den Lehrsaal "Malta" der Malteser in München. Ohne Frage eine ungewöhnliche Kombination. Im Eingangsbereich befand sich eine alte Druckmaschine der Firma Heidelberg - wahrscheinlich gehörte sie zu dem merkwürdigen Drucktechnik-Institut.
Befand sich also hier das Portal zu einer Parallelwelt?
Wir bleiben dran! Die Frage ist nur: Mit welchem Ergebnis hat Bayern München in diesem Paralleluniversum gewonnen?
Und gegen wen?
Sonntag, 1. Juni 2014
Onkelchen, der Schwatte und Mamma Koslowski
Es gibt Menschen, die im Ruhrgebiet nicht begraben sein
möchten. Ein ehemaliger Kollege von Onkelchen, ein g’standenes Münchner
Mannsbild, gestand einmal, er fühle mehr Gemeinsamkeiten mit den Österreichern
als mit den Westdeutschen. Die Österreicher seien doch so viel kultivierter als
die Ruhrgebietler, meinte er, und redete einer Abnabelung des Freistaates
Bayern vom Rest Deutschlands das Wort. An die Stelle der lieblosen Zweckehe
Bayerns mit der übrigen Bundesrepublik solle eine Liebesheirat des Freistaats
mit Österreich einschließlich Südtirols treten. Onkelchen nickte jedesmal, wenn
sein damaliger Kollege solche steilen Thesen vertrat. Nicht weil er zugestimmt
hätte, sondern weil er sich dem zweifelsfrei zu erwartenden Münchner Grant
nicht aussetzen wollte, wenn er denn zu Widerworten ansetzte. Eine Union aus
Bayern, Österreich und eventuell Südtirol würde zumindest dazu führen, dass der
FC Schalke 04 wenigstens mal wieder Chancen auf die deutsche Meisterschaft
hätte.
Was hat das nun mit Onkelchen zu tun? Nun, er ist ein gar
nicht mal so heimlicher Fan des Ruhrgebiets. Es hing mit Jürgen von Mangers
Verkörperung des ewigen Ruhrpottlers Adolf Tegtmeier zusammen, dass Onkelchen
sich das Revier so ein bisschen wie das Gelobte Land vorstellt, na ja gut,
etwas grauer vielleicht. Für Onkelchens Mutter war Jürgen von Manger ein rotes
Tuch. Sie konnte den Charakterdarsteller mit der gedehnten Sprache („da hab ich
sie jesääääächt…“) nicht ausstehen. Onkelchen sah das anders. Für ihn war es
ein früher Ausdruck seines Revoluzzergeistes, Tegtmeier gucken zu können.
Vor allem wohl auch wegen des trockenen Humors von Jürgen
von Manger. In einer Folge von „Tegtmeiers Reisen“, so erinnerte er sich an
einen kurzen Ausschnitt, den er trotz der TV-Zensur seiner Mutter erhaschen
konnte, besuchte Jürgen von Manger seinerzeit mal Schottland und stellte sich
an das Ufer von Loch Ness. Er sagte irgendetwas über Nessie, das Ungeheuer, das
jenem trüben See angeblich innewohnt, machte dann eine Kunstpause und fragte
scheinheilig: „Woll’n Se mal gucken?“ Aus Onkelchens Sicht war das der
lustigste Witz der Weltgeschichte. Vielleicht lag es daran, dass von Manger
nicht ganz so behäbig rüberkam – oder vielleicht auf eine andere Weise behäbig
war wie die sonstigen TV-Unterhalter, die man auf den paar Kanälen zu sehen
bekam, die man damals hatte (Man hatte ja nix.). Gelacht werden durfte nur beim Komödienstadl, denn
auch Otto war tabu. Jürgen von Manger war da schon fast mit dem Blick in ein
anderes Universum gleichzusetzen, einem Universum, das keine Krachledernen und
keine Zither- und keine Blasmusik kannte und in dem es keinen
Einrichtungsgegenstand namens Petra Schürmann gab.
Wahrscheinlich hat Onkelchen aus diesem Grund das Ruhrgebiet
immer romantisiert. Seinen ersten Abstecher dorthin machte er allerdings erst
letzte Woche, und zwar mit dem Chor, zu dem ihn Tante Dilein alle vier Wochen
hinschleppt. Ein aus Essen gebürtiges Chormitglied hatte den Kontakt zu zwei
Chören in Essen und Solingen organisiert (gut, Solingen ist technisch gesehen
kein Teil des Ruhrgebiets, sondern des Bergischen Landes, aber lasst uns hier
nicht allzu kleinlich sein), und so schaukelten die sangesfrohen Schwaben am
frühen Morgen des 1. Mai in Richtung Rhein und Ruhr.
Neben den zwei Konzerten, über die ich hiermit den Mantel
des Schweigens breiten will, weil sie nicht sehr gut besucht waren, wurden
Onkelchen und seine Sangesfreunde in Essen auch über das weitläufige Gelände
der ehemaligen Zeche Zollverein geführt. Onkelchen war natürlich kurz davor, in
Hymnen über die wackeren Bergleute auszubrechen, die unter Tage das schwarze
Gold gewannen und in ihrer kargen Freizeit Tauben züchteten und Fußball
spielten, für diese Helden, die so spielten, wie sie malochten, und die so
malochten, wie sie spielten. Und dann erzählte ein ehemaliger Bergmann von der
Zeit, als die Schlote rauchten und die Presslufthämmer unter Tage
hämmerten und die Zeit von damals wurde
lebendig: Hömma, da war der Schwatte von nebenan, und mit dem ging man inne Kneipe,
nicht wahr, getz, aber dann kam man bei Koslowskis vorbei, und Mamma Koslowski
hatte noch ein paar Kartoffeln über, und dafür trug man ihr einen Eimer Kohlen
(was auch sonst) aus dem Keller hoch.
Der ehemalige Bergmann erzählte von den Tauben, die man
damals züchtete, weil die Vögel im Gegensatz zu dem Menschen zumindest die
Chance hatten, so etwas wie Licht und Freiheit er erleben. Und vom Fußball,
damals 1946, noch vor der Währung. Damals spielten die Sportfreunde Katernberg
(der Verein, bei dem auch Helmut Rahn das Fußballspielen erlernte) gegen
Schalke 04. Mehr als 20.000 Leute wollten das Spiel sehen, und das auf einem
Fußballplatz, auf dem sonst maximal fünf-bis siebentausende Leute Platz fanden.
Also stellten sich die Zuschauer auf den Bahndamm der Köln-Mindener Eisenbahn,
die an dem Sportplatz vorbeiführte. Davon bekam aber die Bahnpolizei bald Wind.
Die Beamten gingen zu den Zuschauern und forderten die Menge auf, den Bahndamm
zu räumen. Die gaben zurück: „In zwei Stunden kommt ihr wieder!“ An diesem Tag hatten
die Kohlenzüge erhebliche Verspätung.
Schalkedortmundduisburgbochumwattenscheidrotweißessenoberhausen.
Und Westfalia Herne. Aber Onkelchen hatte Westfalia Herne mit einem Fluch
belegt, denn aus Herne kam Andrea Jürgens, und wenn die Heulboje aus Herne im
Fernsehen ihr Scheidungskinderlied „Und dabei liebe ich euch beide“ jammerte,
rannte Onkelchen schreiend aus dem Zimmer.
Irgendwo muss die Sympathie mit dem Ruhrpott ja ein Ende
haben.
Samstag, 31. Mai 2014
Onkelchen deckt auf: Löw sucht schon nach Ausreden!
Heißa, es ist wieder Fußballzeit! Auch für Onkelchen hat die Vorbereitung auf die WM bereits begonnen. Wie vor jeder WM seit 1986 hat er sich auch diesmal wieder das Kicker-Sonderheft gekauft und sich in die taktischen Varianten der 32 teilnehmenden Teams vertieft. Vermutlich wird er auch diesmal bei den Tippspielen, die seine Kollegen untereinander austragen, keinen Blumentopf gewinnen. Aber dafür kann er wie kaum ein anderer analysieren, woran es denn gelegen hat, dass Deutschland vorzeitig ausscheidet - wenn es denn tatsächlich so kommt.
Indizien für so einen Turnierausgang gibt es ja reichlich: Kapitän Lahm lahmt, und auch Nobelpreis-Neuer ist angeschlagen. Das Ausscheiden des FC Bayern gegen Real Madrid aus der Champions League scheint alle Gewissheiten über den Haufen geworfen zu haben. Offenbar ist Ballbesitz nicht mehr der alles entscheidende Faktor, und auch Standardsituationen scheinen mit einem Mal auf internationalem Parkett wieder hoffähig geworden zu sein. Und, hört, hört: Die Innenverteidiger müssen wohl die Ballettschläppchen ein- und die Sense wieder auspacken. Die Herren Pepe und Sergio Ramos haben's gezeigt, und Atletico Madrid ist mit einer Spielphilosophie ins Champions-League-Finale vorgestoßen, die mit dem Wort "Abnutzungskrieg" nur unzureichend beschrieben ist.
Diese Erkenntnisse mögen den Schöngeistern und Feuilletonisten des Fußballs sauer aufstoßen. Das konnte man in dem staatstragenden Interview mit dem Bundestrainer lesen, das seit 1986 immer eines der Highlights des jeweiligen Kicker-Sonderhefts darstellt. Konnte der staunende Leser zu Zeiten des Teamchefs Beckenbauer erfahren, dass es den Kaiser nicht mehr in den Füßen juckte, selbst gegen den Ball zu treten, und erfuhr man während Bertis Amtszeit, dass der einstiger Terrier des Kaisers dann und wann mit den Medien haderte, so strahlt der derzeitige Amtsträger im Interview vor der WM vor allem Ratlosigkeit aus. Joachim Löw, der sich vor vier Jahren noch als "Kampftrainer" bezeichnete, scheint gar nicht mehr ein noch aus zu wissen. Er möchte realistisch sein, sagt der Schwarzwälder nun. Schöner Fußball, wie ihn Löw predigt, habe angesichts der Bedingungen in Brasilien (heiß und schwül) keine Chance. "Technisch guten Teams kommt es zugute, bei 20 Grad und etwas Feuchtigkeit zu spielen. Da rollt der Ball, das Spiel wird schneller", sagt er unter den gestrengen Augen einer Büste des früheren Fußball-Großmeisters Sepp Herberger. Und setzt nach: "Unser Team hat Vorteile, wenn der Rasen feucht ist und das Spiel schnell wird."
Bei allem Respekt: Das alles klingt ein wenig wie die Rechtfertigungsversuche von Skilangläufern, deren Betreuer in das falsche Fach der Wachskiste gegriffen haben. Da wird dann schon lamentiert, dass der Schnee zu feucht war und man doch eher nicht das Haftwachs hätte nehmen sollen. Das eigentlich Neue ist, dass Löw schon nach Entschuldigungen sucht, bevor er in die Loipe geht, beziehungsweise bevor der Ball überhaupt rollt. Vielleicht ist ja noch Zeit, ein paar Varianten für Ecken und Freistöße zu üben! Und vielleicht wird Mertesacker ja der alles entscheidende Spieler in Brasilien. In diesem Sinne: Pack die Sense aus, Per!
Indizien für so einen Turnierausgang gibt es ja reichlich: Kapitän Lahm lahmt, und auch Nobelpreis-Neuer ist angeschlagen. Das Ausscheiden des FC Bayern gegen Real Madrid aus der Champions League scheint alle Gewissheiten über den Haufen geworfen zu haben. Offenbar ist Ballbesitz nicht mehr der alles entscheidende Faktor, und auch Standardsituationen scheinen mit einem Mal auf internationalem Parkett wieder hoffähig geworden zu sein. Und, hört, hört: Die Innenverteidiger müssen wohl die Ballettschläppchen ein- und die Sense wieder auspacken. Die Herren Pepe und Sergio Ramos haben's gezeigt, und Atletico Madrid ist mit einer Spielphilosophie ins Champions-League-Finale vorgestoßen, die mit dem Wort "Abnutzungskrieg" nur unzureichend beschrieben ist.
Diese Erkenntnisse mögen den Schöngeistern und Feuilletonisten des Fußballs sauer aufstoßen. Das konnte man in dem staatstragenden Interview mit dem Bundestrainer lesen, das seit 1986 immer eines der Highlights des jeweiligen Kicker-Sonderhefts darstellt. Konnte der staunende Leser zu Zeiten des Teamchefs Beckenbauer erfahren, dass es den Kaiser nicht mehr in den Füßen juckte, selbst gegen den Ball zu treten, und erfuhr man während Bertis Amtszeit, dass der einstiger Terrier des Kaisers dann und wann mit den Medien haderte, so strahlt der derzeitige Amtsträger im Interview vor der WM vor allem Ratlosigkeit aus. Joachim Löw, der sich vor vier Jahren noch als "Kampftrainer" bezeichnete, scheint gar nicht mehr ein noch aus zu wissen. Er möchte realistisch sein, sagt der Schwarzwälder nun. Schöner Fußball, wie ihn Löw predigt, habe angesichts der Bedingungen in Brasilien (heiß und schwül) keine Chance. "Technisch guten Teams kommt es zugute, bei 20 Grad und etwas Feuchtigkeit zu spielen. Da rollt der Ball, das Spiel wird schneller", sagt er unter den gestrengen Augen einer Büste des früheren Fußball-Großmeisters Sepp Herberger. Und setzt nach: "Unser Team hat Vorteile, wenn der Rasen feucht ist und das Spiel schnell wird."
Bei allem Respekt: Das alles klingt ein wenig wie die Rechtfertigungsversuche von Skilangläufern, deren Betreuer in das falsche Fach der Wachskiste gegriffen haben. Da wird dann schon lamentiert, dass der Schnee zu feucht war und man doch eher nicht das Haftwachs hätte nehmen sollen. Das eigentlich Neue ist, dass Löw schon nach Entschuldigungen sucht, bevor er in die Loipe geht, beziehungsweise bevor der Ball überhaupt rollt. Vielleicht ist ja noch Zeit, ein paar Varianten für Ecken und Freistöße zu üben! Und vielleicht wird Mertesacker ja der alles entscheidende Spieler in Brasilien. In diesem Sinne: Pack die Sense aus, Per!
Montag, 19. Mai 2014
Onkelchen liebt Lasogga! Und der Liga-Dino auch!
Eigentlich war gestern ein Tag, an dem die pure Freude hätte
walten sollen. Das Wetter war schön, Onkelchens Nichte (eine talentierte
Fußballerin, deren Verwandtschaftsgrad zu mir wir hier nicht diskutieren
wollen) feierte Konfirmation, Onkelchen hielt sich sogar mit seinen Sprüchen
zur vermeintlichen Überlegenheit des Sedisvakantismus zurück. Dafür vertilgte er
Schnitzel und jede Menge Kuchen.
Aber ach. Je näher die Uhrzeiger gegen 17 Uhr krochen, desto
mehr verfinsterte sich Onkelchens Gemüt. Er, der noch am Morgen die Akustik der
Kirche fast bis zum Zerbersten hin auf die Probe gestellt hatte, seufzte nur
noch matt. Denn das letzte Stündelein des Hamburgosaurus vutbalicus schien
angebrochen. Der einst stolze Europapokalsieger aus der Hansestadt dämmerte
seinem Abstieg entgegen. Erst mit mehr Glück als Verstand auf dem
Relegationsplatz verblieben, hatte der HSV, man kann es nicht anders sagen, im
Hinspiel gegen den wackeren Zweitligisten Greuther Fürth sie Chance auf so
etwas wie eine Vorentscheidung vergeigt und musste sich glücklich schätzen,
daheim im Volkspark nicht gar noch verloren zu haben.
Nun also gestern das Rückspiel in Franken, und dort musste der
Hamburgosaurus vutbalicus nicht nur gegen die fränkischen Fußballer nebst Fans
bestehen, sondern auch gegen eine unheimliche US-Connection, denn Amerikas
früherer Außenminister Kissinger ist bekennender Anhänger der Fürther. So
sprach also alles gegen die Hamburger.
Bis Lasogga zuschlug.
Onkelchen verfolgte die Partie zu diesem Zeitpunkt auf dem
Kicker-Ticker seines Handys, und langsam schöpfte er wieder Hoffnung.
Pierre-Michel Lasogga, der Rammbock in Menschengestalt, hatte zumindest einen
Ball in das Fürther Tor gewuchtet. Onkelchen hat ja seit den Zeiten eines Horst
Hrubesch und eines Dieter Hoeneß – obwohl der für die verhassten Bayern spielte
– eine Schwäche für solche Brechertypen, die dahin gehen wo’s weh tut, sich
hinauf schrauben und bezeichnenderweise mit dem Eisenschädel den Ball ins Netz
befördern. Insofern ist Lasogga die Antithese zu dem Feingeist-Fußball eines
Pep Guardiola. An dessen Ballbesitz-Philosophie versuchen sich ja bereits
Feuilletonisten der einschlägigen Presse, ganz besonders der Süddeutschen. Ein Lasogga zeigt diesen
Feingeistern und -füßen dagegen den Vogel. Gemessen an seiner Torquote war er
der effektivste Stürmer, den der HSV jemals besessen hat.
Dass der HSV den Klassenerhalt darüber hinaus vor allem dem
tapferen Torhüter Drobny verdankte, der nach dem Fürther Gegentor in der
zweiten Halbzeit alles hielt, was auf seinen Kasten kam, muss hier natürlich
auch erwähnt werden. Doch im Gegensatz zu Drobny wäre Lasogga auch in der Lage,
Jogis Jungs auf dem Weg zum vierten WM-Titel zu unterstützen. Die Kaderauswahl
von Bundestrainer Löw treibt ja vor allem im Sturmbereich seltsame Blüten:
Neben einem Fußballrentner nominierte der Badener bekanntermaßen ein
internationales Greenhorn, das bisher 0 (in Worten: Null) Länderspiele
aufzuweisen hat.
Zwar wissen wir, dass Löw im offensiven Mittelfeld aus dem
Vollen schöpfen kann. Doch es drängt sich der Verdacht auf, dass mit Ausnahme
von Reus und vielleicht Thomas Müller die Stärke der übrigen Offensivkräfte
eher darin besteht, den Ball am gegnerischen Strafraum endlos quer zu spielen.
Schließlich scheint die Guardiola’sche Lehre „der Sinn des Fußballspielens ist
der Ballbesitz“ auch schon tief in die Nationalmannschaft eingedrungen zu sein.
Ein Lasogga als kantiger Brechertyp mit eindeutigen Vorteilen in den
Kopfballregionen würde die Feingeister hier nur stören. Mal sehen, ob man das auch noch so
sieht, wenn nach der Vorrunde schon Schluss für den Brasilien-Ausflug von Herrn
Löw und seinen Jungs sein sollte.
Egal aber, ob Lasoggas Zukunft den gebürtigen Gladbecker nach Berlin, in die Premier League oder sonstwohin führen sollte (warum nicht nach Dortmund als Lewandowski-Ersatz?), eines ist jetzt schon klar: Nicht zuletzt dank Lasoggas Tor ist der Hamburgosaurus vutbalicus für dieses Mal nochmal in der Liga dringeblieben. Dass Lasogga sich in diese möglicherweise letzte Partie reingehängt hat wie kaum ein anderer der Fußballsaurier-Veteranen (und das obwohl seine Leihe ablief), ist ihm hoch anzurechnen. Er hat gezeigt, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Wollen doch mal sehen, ob ihn das nicht noch für höhere nationale und internationale Aufgaben qualifiziert!
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