Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Sonntag, 8. April 2012

"Die Tribute von Panem" - Analyse eines Hypes



Es wird wieder einmal Zeit für ein tiefschürfendes Zwiegespräch mit Onkelchen. Heute soll es zur Abwechslung mal nicht um Fußball gehen, sondern um im weitesten Sinne um Kultur. Wir wollen uns nämlich über den Blockbuster „Die Tribute von Panem“ (im Originaltitel „The Hunger Games“) unterhalten, der gerade alle Kinokassen sprengt. Und wir wollen gleich ins Thema einsteigen. Onkelchen, hast Du den Film schon gesehen? 


Abgesehen von ein paar Trailern im Internet habe ich vom Film bisher noch gar nichts gesehen. Mir ist allerdings vor ein paar Wochen auf dem Nachhauseweg ein riesiges Plakat aufgefallen, das auf den Film hinwies. Ich erinnere mich noch, dass ich mir dachte: „Die Tribute von Panem – was für ein behämmerter Titel.“ Da hatte ich noch keine Ahnung, dass das so eine Riesen-Nummer wird. Ich bin erst dann wieder auf den Film gestoßen, als ich – ich glaube, es war auf der Online-Seite der FAZ – eine sehr positive Besprechung des Films las. Erst dann wurde mir klar, dass die „Tribute“ zumindest als Jugendliteratur einen ganz ähnlichen Stellenwert wie die Twilight-Romane oder Harry Potter haben. Ich habe mir dann das erste Buch „The Hunger Games“ auf meinen Kindle geladen. Inzwischen habe ich alle drei Bände gelesen.

Erklär uns mal kurz: Worum geht es in der Trilogie?

Die Handlung, ganz kurz zusammengefasst: In der Zukunft existieren in Nordamerika die Staaten USA und Kanada nicht mehr. An ihre Stelle ist ein Staat namens Panem getreten. Deshalb auch der deutsche Name "Die Tribute von Panem". Panem wird von einem Hauptstadtbezirk, dem sogenannten Capitol, diktatorisch regiert. Der Rest von Panem sind 13 Distrikte. Diese Distrikte beliefern die dekadente Bevölkerung des Capitol mit allen möglichen Waren. Bis auf den Distrikt 13, der wurde während eines Aufstandes praktisch ausgerottet. In Erinnerung an diesen Aufstand müssen die 12 verbleibenden Distrikte jedes Jahr zwei Jugendliche - jeweils einen Jungen und ein Mädchen - als Tribute zu den sogenannten Hunger Games entsenden. Diese 24 werden dann in eine Arena gesperrt. Sie müssen sich dann gegenseitig eliminieren. Regeln gibt es nicht. Wer am Ende als einziger noch lebt, ist der Sieger beziehungsweise die Siegerin der Hunger Games. Das Ganze ist gleichzeitig eine gewaltige Fernsehshow. Alles, was in der Arena passiert, wird in jeden Winkel von Panem übertragen, und das Zusehen ist für alle Einwohner Pflicht. Die Geschichte wird aus Sicht von einem 16-jährigen Mädchen namens Katniss Everdeen erzählt, die aus dem Distrikt 12 stammt, der sehr arm ist. Distrikt 12 versorgt das Capitol mit Kohle. Als ihre kleine Schwester ausgelost wird, um als Tribut an den 74. Hunger Games teilzunehmen, meldet sich Katniss freiwillig als Tribut.

Was ist Dein Eindruck? Ist das nur wieder ein typischer Hype oder steckt mehr dahinter? 

Bis jetzt kann ich nur über die Bücher sprechen. Und da muss man auch unterschieden. Das erste Buch ist ungeheuer intensiv, man ist sofort drin in der Geschichte. Man muss auch sagen: Die Autorin Suzanne Collins ist eine ausgezeichnete Erzählerin, Man merkt das gerade auch, wenn man sie mit anderen Bestsellerautoren wie Dan Brown vergleicht. Es wird alles aus der Ich-Perspektive im Präsens erzählt, der Leser erlebt die Story wie einen Alptraum, der ihn fortreißt. Es gibt keine langatmigen Erläuterungen dazu, wie das Land Panem aus den Ruinen von Nordamerika entstanden ist, wie es dazu kam, dass die Hauptstadt die anderen Distrikte unterjocht hat. Das ist eine Stärke – man erfährt nur so viel, wie man gerade braucht, um der Geschichte folgen zu können. Es fühlt sich alles so an, als stecke man drin im Kopf von Katniss (der Heldin und Ich-Erzählerin der Geschichte), als erlebe man das hautnah. Das schafft eine unglaubliche Intensität und Unmittelbarkeit, alles ist sehr fokussiert. Für den Leser ist das alles sehr eindrucksvoll.

Das gilt aber nur für das erste Buch! Die Bände 2 und 3 sind deutlich schwächer. Das zweite Buch „Catching Fire“ ist im Wesentlichen eine Reprise des ersten: Da Katniss es in der ersten Runde geschafft hat, die Macher der grausamen Spiele zu überlisten, muss sie (zusammen mit ihrem Freund/Partner/Kamerad/Whatever Peeta) zurück in die Arena, weil das Regime glaubt, sie auf diese Weise unauffällig entsorgen zu können. Der zweite Band erreicht an keiner Stelle die Intensität des ersten, weil sich viele Dinge wiederholen, die man aus der ersten Runde kennt. Und das dritte Buch „Mockingjay“ ist nur noch wirr.

Warum? 

Es geht im dritten Band sehr stark um Politik, um die Revolution gegen das herrschende Regime. Katniss wird zur Symbolfigur des Widerstandes und führt in der zweiten Hälfte sogar eine Kommandoeinheit an, die sich ins Herz der tyrannischen Hauptstadt einschleicht, um den Diktator Präsident Snow zu töten. Am Ende erschießt sie mit ihrem Bogen aber die Präsidentin der Rebellen – und geht straffrei aus. Motivation und Logik sucht man im dritten Band nahezu vergeblich. Ich kann hier nur Sheldon Cooper zitieren: It fails as drama, science fiction and is hopelessly derivative. 


Das hat Sheldon Cooper aber nicht über “Mockingjay” gesagt. Sondern über Babylon 5.

In Bezug auf Babylon 5 kann ich ihm nicht zustimmen, aber wenn er es über „Mockingjay“ gesagt hätte, hätte er zweifellos recht.

Man geht ja davon aus, dass die Hunger Games nun im Film das nächste große Ding nach Harry Potter und Twilight werden. Wie würdest Du das sehen? 


Wie gesagt, ich kenne den Film – noch – nicht, aber nach allem, was man hört, ist es eine gute Umsetzung. Da die Buchvorlage im zweiten und dritten Teil zumindest nach meinem Dafürhalten stark abfällt, dürfte es aber eine ziemliche Herausforderung sein, aus dem Material überzeugende Filme zu machen. Der erste Teil hat einfach Momente, die beim Leser einen unglaublich starken Eindruck hinterlassen, so zum Beispiel Katniss‘ Entscheidung, anstelle ihrer kleinen Schwester Prim, die ja dafür ausgelost wurde, in die Arena zu gehen – und dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit zu sterben.

Oder die ganze Strecke zwischen der Ankunft in der Hauptstadt und dem Moment, in dem die Hunger Games beginnen. Die Tribute – also die Jugendlichen, die für die tödlichen Spiele ausgelost wurden – werden für eine Parade und eine Fernsehshow herausgeputzt. Sie dürfen den Luxus der Hauptstadt genießen und wissen dabei zu jedem Zeitpunkt, dass sie eigentlich zum Morden verdammte Mordopfer sind, um Umberto Eco zu zitieren.

Das ist alles sehr beklemmend und geht dem Leser sehr lange nach. Oder die Stelle, an der Rue stirbt, mit der sich Katniss in der Arena verbündet hat. Gerade die letztgenannte Stelle hinterlässt einen viel stärkeren Eindruck als der Moment im dritten Band, bei dem Katniss‘ Schwester Prim ums Leben kommt. Da entgleist die Geschichte komplett, denn letztendlich wurde alles dadurch ausgelöst, dass Prim im ersten Band als Tribut für die Spiele ausgelost wurde. Prims Tod hinterlässt wie gesagt aber lange keinen so starken Eindruck wie der Tod von Rue.

Ich finde es auch blöd, dass Katniss im dritten Band ein extra Kostüm und ein spezielles Styling braucht, bevor sie in den Krieg gegen das Regime zieht. Da ist man fast versucht zu sagen: Typisch Mädchen!

Warum wird Hunger Games so gehypt? Das Medienecho ist ja gewaltig. 

Zunächst mal sicher deshalb, weil Katniss eine weibliche Heldin ist. Das gibt es nicht so oft, die Genres Science Fiction und Fantasy sind ja ziemlich männlich dominiert. Nein, Katniss ist ein starker weiblicher Charakter. Das wird von der Presse wohlwollend zur Kenntnis genommen. Katniss ist aber auch nicht übermäßig idealisiert – eigentlich trifft sie in der ganzen Geschichte nur eine einzige moralische Entscheidung, nämlich die, anstelle von Prim in die Arena zu gehen. Ansonsten sind ihre ganzen Handlungen vom Gedanken bestimmt, zu überleben. Sie ist insgesamt ziemlich opportunistisch. Sie hält sich zwar aus dem übelsten Gemetzel heraus. Aber nicht deshalb, weil sie nicht töten kann oder will, sondern weil sie sich realistischerweise bessere Chancen ausrechnet, indem sie sich bedeckt hält. Sie ist durchaus in der Lage, kaltblütig zu töten. Das sehen wir, wenn sie den Mörder von Rue umbringt.

Amüsant ist, dass wir in den „Hunger Games“ eine ironische Brechung beziehungsweise Umkehrung des literarischen Topos der „Damsel in Distress“ erleben. Katniss ist eine Überlebenskünstlerin, weil sie nach dem Tode ihres Vaters dafür sorgen musste, dass ihre Familie nicht verhungert. Deswegen ging sie auf die Jagd, erlegte Wild mit Pfeil und Bogen und ist somit eine mehr als kompetente Kämpferin. Peeta, der Bäckerjunge, zusammen mit ihr als Kandidat für den Sektor 12 ausgelost wurde, hat diese Fähigkeiten nicht – sie muss ihn sogar beschützen. Hier schützt also das Mädchen den Jungen, anders als es in der Genreliteratur üblich ist.

Viele wohlwollende Kritiker in den Zeitungen sehen in dem Film vor allem eine Mediensatire auf die allgegenwärtigen Casting- oder Reality-Shows wie das Dschungelcamp. Diese Sichtweise greift aber zu kurz. Ich finde es hochinteressant und bemerkenswert, dass eine – wohlgemerkt, amerikanische – Autorin das Thema der Ungleichheit thematisiert. Die materielle Not der Menschen im Distrikt 12, in dem Katniss lebt und aufwächst, ist gewollt. Das Regime der Hauptstadt, deren Bewohner in Saus und Braus leben, hat ein hohes Interesse daran, dass sich an den Verhältnissen nichts ändert. Das ist nicht so sehr eine Parabel auf irgendwelche totalitären Regimes der Vergangenheit, sondern auf den Kapitalismus der Gegenwart, in dem zum Beispiel internationale Konzerne in Chile Lachsfarmen anlegen, die die Lebensgrundlagen der örtlichen Fischer zerstören.

Es ist auch eine Kritik am Jugendkult und dem Schönheitswahn, denn die Bürger der Hauptstadt sind ganz verrückt danach, sich operativ verschönern zu lassen und den jeweils trendigen Look auszuprobieren. Sie sprechen auch total affektiert, ganz ähnlich wie die oberflächlichen„Valley Girls“ in Kalifornien. Katniss fragt sich an einer Stelle: „Why do the ends of their sentences go up as if they’re asking a question?” Das ist dem Soziolekt dieser “Valley Girls”, dem sogenannten Valspeak, abgelauscht (Angeblich soll auch George W. Bush sich dieser Inflektion, dem sogenanten High Rising Terminal, immer wieder bedient haben). Da steckt also ziemlich viel drin, aber unsere Journos können darin nur eine Mediensatire erkennen. Sie raffen halt nicht, dass sie selber damit gemeint sind. Aber ich bin skeptisch, dass sich das alles im Film transportieren lässt.

Die Buchvorlage hat dich also beeindruckt? 

Das erste Buch stellenweise ja. Wie gesagt, es gibt Momente, die einen nicht leicht loslassen. Aber es gibt auch Ungereimtheiten. Zum Beispiel ist immer wieder von den „Career Tributes“ die Rede. Das sind Jugendliche aus den wohlhabenderen Bezirken des Landes Panem, die ganz bewusst auf die Teilnahme an den Spielen hinarbeiten. Ich halte das für nicht sehr logisch. Plausibler wäre es doch, wenn Jugendliche aus den ärmeren Bezirken in den Spielen eine Karriereoption sähen. Gerade im Distrikt 12, wo Katniss und Prim aufwachsen, wo Hunger und Minenunglücke quasi an der Tagesordnung sind, haben die Menschen nichts zu verlieren. Dort müsste also die Motivation viel größer sein, an den Spielen teilzunehmen, als in den reicheren Distrikten. Katniss sagt an einer Stelle selbst sinngemäß, dass sie lieber durch eine Kugel sterben würde als zu verhungern. Gleichzeitig verachtet sie die Career Tributes. Da passt was nicht zusammen.

Und an einer anderen Stelle entgleist die Geschichte geradezu. Katniss ist verwundet und Thresh, der Junge aus Distrikt 11, hätte leichtes Spiel mit ihr. Er verschont sie aber, weil Katniss Threshs Kameradin Rue gerächt hat (Rue kam aus demselben Bezirk wie Thresh). Das ist völliger Stuss! Es ergäbe viel mehr Sinn, wenn Thresh Katniss einen schnellen, sanften Tod geben würde. Denn Katniss ist für ihn ja selbstverständlich nach wie vor eine Konkurrentin. So wie die Hunger Games konfiguriert sind, ist es eine Er-oder-ich-Situation. Denn nur der letzte, der übrig bleibt, darf überleben.

Auch die letztendliche Auflösung, in der Katniss und Peeta mit Selbstmord drohen, als beide als letzte übrig sind, kommt mir wenig glaubwürdig vor. Das ist sehr konstruiert und übermäßig dramatisch. Wahrscheinlich hätte es zum selben Ende geführt, wenn beide einfach ihre Waffen niedergelegt hätten, so nach dem Motto „Genug gemordet“. Eine Publikumsentscheidung per TED (grins) hätte dann schon dazu geführt, dass beide Hand in Hand aus der Arena wandeln dürfen. Der dramatischen Drohung, dass sich beide mit giftigen Beeren ins Jenseits befördern, hätte es also gar nicht bedurft. Außerdem traue ich es Katniss durchaus zu, dass sie mit halbgeöffnetem Auge rüberblinzelt und wartet, bis Peeta als erster in die tödlichen Beeren beißt. Sie muss ja nur einen Sekundenbruchteil abwarten. Und sie hätte gewonnen. Wie gesagt – Katniss ist eine ziemliche Opportunistin.

Schönen Dank, Onkelchen. Schaust Du dir den Film dann mal an? 

Ich weiß nicht. Ich empfand die Bücher als ziemlich deprimierend. Ob ich mir den Film dann auch antue, muss ich mir gut überlegen.

Sonntag, 1. April 2012

Wichtige und unwichtige Fragen von Medienmenschen

Medienmenschen stellen sich komische und oft sehr überflüssige Fragen. Ob das nun daran liegt, dass sie in den Medien zu tun haben oder daran, dass es einfach Menschen sind, vermag wahrscheinlich niemand so recht zu sagen. Als Beispiel möchte ich eine Filmkritik anführen, die vor kurzem in der New York Times erschienen ist. Darin ging es um den Film The Hunger Games, der unter dem Titel Die Tribute von Panem in Deutschland angelaufen ist und nach Meinung vieler Insider das nächste große Ding nach Harry Potter und den Vampir-Filmen der Twilight-Reihe sein wird. Die New York Times meinte nun, dass die Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence zu gut genährt gewesen sei, um die Hauptrolle überzeugend spielen zu können (der Film heißt ja nicht ohne Grund The Hunger Games). Als ob das nicht unwichtig genug sei, meldeten sich nun Kritiker des Kritikers zu Wort. Diese Kritikerkritiker befürchteten, es würde Ernährungsstörungen wie Bulimie und Magersucht beim jugendlichen weiblichen Publikum Vorschub leisten, wenn man so sehr betone, dass Frau Lawrence nicht verhungert genug für die Hunger Games ausgesehen habe.

Jetzt kurz vor Ostern drängen ja glücklicherweise andere Themen in den Vordergrund als die fürchterlichen Kloppereien in den Hunger Games, bei denen es nur einen Überlebenden geben kann. Denn die Natur erwacht. Die Läden sind voll von Schoko-Ostereiern und Hasen. Und Onkelchen singt wieder aus voller Kehle seine Lieblingslieder (nein, keine Wagner-Arien, sondern Herzliebster Jesu, was hast Du verbrochen, Des Königs Fahne tritt hervor – letzteres mitunter auch im lateinischen Original Vexilla regis prodeunt und Beim letzten Abendmahle). Da Onkelchen nämlich lange Messdiener war und um die Osterzeit stets Großkampfzeit für die Ministranten war, kennt er diese Lieder natürlich auswendig. Und was ihm beim Singen an Innigkeit fehlt, macht er durch Lautstärke wett!

Früher gehörte es ja zum guten Ton der Sendeanstalten, in der Osterwoche und vor allem am Karfreitag Jesus-Filme zu zeigen. Besonders beliebt war da der Vierteiler Jesus von Nazareth von Franco Zeffirelli aus den siebziger Jahren, der sich besonders um Authentizität bemühte und viele Historienfilme nachhaltig beeinflusst hat – und, wenn auch sicher ungewollt, die Monty-Python-Parodie Das Leben des Brian. Als Onkelchen heute die ersten zwei DVDs der Jesus-Serie wieder mal angeguckt hat, kam er nicht umhin, an einigen Stellen Vergleiche zu dem Monty-Python-Film zu ziehen oder daraus zu zitieren, zum Beispiel den unsterblichen Satz „Er hat Jehova gesagt!“ oder auch „Folget der Flasche! Der heiligen Flasche von Jerusalem!“

Aber obwohl Onkelchen auch ein Medienmensch ist, hat er sich beim Wieder-Sehen des Jesus-Films eine Frage gestellt, die vermutlich sehr viel mehr Tiefgang hat als vieles, mit dem sich Medienleute so beschäftigen. Die Frage (naja, eigentlich waren es zwei) lautete: „Wie muss es gewesen sein, Jesus zu begegnen? Welchen Eindruck hat er auf die Menschen gemacht?“ Und auf die wirklich wichtigen Fragen gibt es keine einfachen Antworten.

Freitag, 16. März 2012

Die vierte Walküre von links, bitte!

An dieser Stelle muss auf eine geheime Leidenschaft von Onkelchen eingegangen werden, die wir bisher noch nicht diskutiert hatten. Onkelchen ist nämlich Wagner-Fan. Fan von Wagner-Opern, um es genau zu sagen. Er liebt es, wenn Heldentenöre mit Todesverachtung ihre Noten ins Publikum schmettern und gut gebaute Walküren die verstorbenen Krieger nach Walhall schleppen und dabei noch singen.

Das ist ja durchaus etwas ungewöhnlich für jemanden, der sich selbst als Nerd bezeichnet. Aber Onkelchen wird nicht müde zu betonen, dass zum Beispiel in John Williams‘ Soundtrack zu Star Wars die Musik des Hauskomponisten von Ludwig II. in reinster Form mitschwinge und die Harry-Potter-Titelmelodie ja auch nur ein Abklatsch der Feuerzauber-Musik sei, die das Finale der Walküre bildet. Und Luke Skywalker sei eigentlich auch nur ein Aufguss des Parsifal, komplett inklusive mythischer Obertöne.

Würde der böse Zauberer Klingsor im zweiten Akt bedeutungsschwer „Ich bin dein Vater“ murmeln, dann wären die Parallelen komplett. Das wäre doch mal eine Anregung für kreative Opernregisseure: Nämlich den Klingsor mitten in der Konfrontation zu Parsifal „Ich bin dein Vater“ sagen zu lassen. Aber leider, leider folgen die Regisseure immer noch den ausgetretenen Pfaden des sogenannten Regietheaters, noch immer ist die Dekonstruktion der Wirklichkeit und des eigentlichen Inhalts eines Stückes an der Tagesordnung, und noch immer hat keiner gemerkt, dass die Dekonstruktion schon so weit fortgeschritten ist, dass nur noch szenische Versatzstücke auf den Bühnen hin und hergeschoben werden, aus denen sich dann der Betrachter und Zuhörer selber so etwas wie einen Sinn oder eine Bedeutung zusammensetzen muss.

Gerade Wagnerianer sind da ja einiges gewöhnt. Die Tatsache, dass Wagner posthum quasi zum Hofkomponisten des Dritten Reiches ernannt wurde, führte dazu, dass das deutsche Opernpublikum seit Jahrzehnten keine – sagen wir mal – werkgerechte Inszenierung Wagnerscher Opern mehr zu sehen bekommt. Wieland Wagner prägte das Neu-Bayreuth der Nachkriegsjahre mit minimalistischem Kulissen- und Requisiteneinsatz und höchster Abstraktion. Das war damals neu und unerhört, aber half, den Blick und das Ohr für das Wesentliche zu schärfen. Dann kam der sogenannte Jahrhundert-Ring, in dem Wotan zum spießig-despotischen Familienvater und tyrannischen Firmenchef degradiert wurde. Walhall wurde zu einer Art Kläranlage umgewidmet. Auch diese Version ging noch, weil sie den Fokus auf den antikapitalistischen Impetus richtete, der dem Wagnerschen Werk innewohnt. Seitdem sind die meisten Umsetzungen aber meist laue Aufgüsse des Jahrhundert-Rings von 1976, Selbstparodien oder schlichtweg unverständlich. Gerne möchte man das gesetzte Wagner-Publikum schocken und provozieren. Dabei wäre aus heutiger Sicht keine größere Provokation denkbar als ein „Ring des Nibelungen“, der in „Herr der Ringe“-Optik daherkommt. Denn auch Tolkien bediente sich reichlich aus dem Mythenschatz nordischer Sagen – der Ring, das zerbrochene Schwert, das neu geschmiedet wird, Drachen, Zwerge, furchtlose Schildmaiden, um nur einige zu nennen. Es wäre an der Zeit, Peter Jackson mit der Regie des „Rings“ in Bayreuth zu beauftragen, sobald er seine beiden „Hobbit“-Teile abgedreht hat.

Bis dahin muss sich die Wagner-Gemeinde, zu denen ja nicht nur peripher Durchgeknallte wie Onkelchen, sondern auch sehr angesehene Persönlichkeiten wie Klaus von Dohnanyi zählen (Onkelchen sich ist ziemlich sicher, dass er den früheren Ersten Bürgermeister der Hansestadt Hamburg im Opernpublikum der gestrigen Walküre in München gesehen hat), mit zweifelhaften Regie-Einfällen auseinandersetzen wie zum Beispiel der stampfenden Quasi-Tanznummer, die dem „Walkürenritt“ zu Beginn des dritten Aktes vorgeschaltet wurde. Man muss sich das so vorstellen, dass etwa ein Dutzend Mädels, die so aussahen, als seien sie in der Vorrunde von Heidi Klums Model-Show hängengeblieben, einen Stampftanz aufführten, der sehr an Ruslanas Grand-Prix-Siegertitel „Wild Dances“ aus dem Jahr 2004 erinnerte. Die Mädels waren zwar allesamt von sehr angenehmer Erscheinung, da kann man nichts sagen, aber das Publikum wollte nun halt den „Walkürenritt“ hören, das ist ja das bekannteste Stück, deswegen war man ja auch hergekommen. Da gab es Buhrufe! Auch von der distinguiert gekleideten mittelalten Dame, die links neben Onkelchen saß. Die buhte, als sei sie auf dem Fußballplatz. Und neben ihr saß Onkelchen in einem etwas abgeschlabberten schwarzen Polohemd und fragte sich, ob er die Dame nicht flüsternderweise auffordern sollte, doch die Contenance zu bewahren.

Dann kam aber doch der „Walkürenritt“, und Onkelchen verlor kurz sein Herz an die vierte Walküre von links, die als erste an die Rampe trat und fröhlich ihr „Hojotoho“ schmetterte. Gerhilde hieß diese vierte Walküre von links, und sie war eine Walküre, wie sie im Buche stand. Das angedeutete Kettenhemd, das sie unter einem alten Militärmantel trug, vermochte ihre schwellenden Formen kaum zu bändigen. Wie gesagt, Onkelchen verlor sein Herz nur kurz an diese Dame, denn sie verlor sich alsbald im Gewühl komplizierter Laufwege auf der Bühne, bei denen es darum ging, die delinquent gewordene Walkürenschwester Brünnhilde vor den Blicken ihres zürnenden Vaters Wotan zu verbergen. Nun, diese Gerhilde hätte nicht dafür nur ausgereicht, dass sich Brünnhilde hinter ihr hätte verstecken können, Wotan hätte auch einen ziemlichen Umweg nehmen müssen, um an ihr vorbeizukommen. Das hätte Brünnhilde im Falle einer Flucht schon einen ordentlichen Vorsprung verschafft.

Gesanglich war die „Walküre“ top – insbesondere der Wotan-Darsteller verrichtete Schwerstarbeit, Klaus Florian Vogt als Siegmund gelang es, als Heldentenor nicht zu knödeln – eine starke Leistung. Da merkt man halt den Unterschied zu Onkelchens Gesangseinlagen unter der Dusche! Anja Kampe spielte stimmlich wunderbar eine schwer traumatisierte Sieglinde. Bei einem gewalttätigen Typen wie Hunding als Ehemann ist es kein Wunder, wenn man ein solches Trauma davonträgt. Trotzdem bleibt die Frage, warum Hunding in seinem Haus zu Beginn der Oper ein gutes Dutzend junger Mädchen beherbergte. Leitete Sieglinde tagsüber ein illegales Day-Care-Center wie die Mutter von Bernadette Rostenkowski? (Nur Fans der Big Bang Theory wissen, wovon ich spreche!) Und im Hintergrund wurden immer Leichen einbandagiert. War Hunding im Nebenberuf Bestattungsunternehmer? Lauter offene Fragen.

Insgesamt also ein höchst vergnüglicher und anregender Abend – Onkelchen fand es nur schade, dass er die vierte Walküre von links hinterher nicht noch auf ein Bier einladen konnte. Aber dann hätte ihm sicherlich seine Fricka – Verzeihung: Tante Dilein – die Hölle heiß gemacht. Und dann hätte er sich hinter der vierten Walküre von links verstecken müssen. Aber Tante Dilein hätte ihn dann sicher entdeckt – denn so breit war die vierte Walküre von links nun auch wieder nicht!

Sonntag, 11. März 2012

Onkelchen steigt ins Filmgeschäft ein!



Das hat es noch nicht gegeben! Onkelchen hat einen Dokumentarfilm über das Gospel-Konzertprojekt gemacht, das vergangene Woche in Westhausen stattfand! Hier ist der Trailer, der schon sehr viel Lust auf das endgültige Projekt macht! Aber wie ich Onkelchen kenne, könnte der Trailer auch das einzige Werk sein, das jemals auf die Leinwand oder die Bildschirme kommt...

Sonntag, 26. Februar 2012

Die hübsche dicke junge Frau mit dem Streuselkuchenkoffer


Die hübsche dicke junge Frau mit dem Streuselkuchenkoffer saß letzten Freitag morgens am Bahnsteig des S-Bahnhofes von Feldkirchen. In dem Streuselkuchenkoffer, dessen Deckel transparent war, befand sich ein flacher Streuselkuchen. Wahrscheinlich wollte die hübsche dicke junge Frau den Kuchen ihren Kolleginnen und Kollegen  im Büro mitbringen. Denn dass die hübsche dicke junge Frau einen Bürojob hatte, war evident: Ihre Fingernägel waren gepflegt, sie hatte blonde Strähnchen im glatten schulterlangen Haar. Ein Job, bei dem man sich schmutzig macht, schied also aus. Nach diesen Kriterien hätte sie könnte natürlich auch Friseurin gewesen sein können, aber danach sah sie irgendwie nicht aus.

Manch einer könnte jetzt die Wortkombination hübsch, dick und jung für anstößig halten. Denn ein ungeschriebenes Gesetz unserer fitnessbesessenen Zeit lautet, dass eine dicke Frau nicht hübsch sein kann und eine hübsche Frau nicht dick. Das stimmt aber nicht. Wir, das heißt: der Elefant, der sich diese Zeilen ausdenkt und mein Onkelchen, der sie tippt, halten diese Gleichung für falsch und töricht.  Dicke Mädchen haben nämlich nicht nur schöne Namen, sondern viele sind auch wirklich schön! Das bestätigte sogar kürzlich der in Nürnberg geborene Modeschöpfer Stefan Eckert  gegenüber Spiegel Online. Er sagte wörtlich:

„Männer mögen keine dürren Frauen. Definitiv. Männer lieben Frauen mit weiblichen Formen. Aber die Frauen kapieren das nicht. Die denken: je dünner, desto besser.

Der Rest des Interviews war ziemlicher geistiger Dünnpfiff (vor allem der Teil, in dem es um das Dünn-Sein als Ausdruck einer politischen Haltung ging), aber  die oben genannten Worte gehören in Marmor gemeißelt und über jedem Modehaus und jeder Boutique montiert. Man sollte sie auf pausenlos auf die Info-Screens in den U-Bahn-Stationen projizieren. Die von Feministinnen oft wiederholte These, an dem Schlankheitswahn seien letztlich nur die Männer schuld, wird damit eindrucksvoll widerlegt.

Vielleicht kannte unsere hübsche dicke junge Frau mit dem Streuselkuchenkoffer diese Worte nicht, denn sie sah ein bisschen traurig aus, als sie auf die S-Bahn wartete. Vielleicht mochte sie ihre Kolleginnen und Kollegen nicht so gern, vielleicht stand ihr auch ein unangenehmes Mitarbeitergespräch bevor, vor dem sie etwas Bammel hatte.

Warum aber erzählen Onkelchen und ich nun diese Geschichte? Wir könnten ja nun einfach einen Schwank aus dem Leben von Onkelchen und Tante Dilein erzählen. Aber Onkelchen hält „Die hübsche dicke junge Frau mit dem Streuselkuchenkoffer“ einfach für einen geilen Buch- oder Filmtitel. Die erste Hälfte klingt nachgerade subversiv (dick und hübsch, das KANN doch nicht zusammengehen!) und die zweite herrlich verschroben. Das hat ein bisschen was, als hätte man „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ und „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ miteinander verschraubt. „Die hübsche dicke junge Frau mit dem Streuselkuchenkoffer“ könnte eine romantische Komödie sein, aber auch ein Psychothriller, in dem ein Triebtäter die hübsche dicke junge Frau mit dem Streuselkuchenkoffer verfolgt. Der Titel lässt das offen, und das ist gut!

An eine weitere persönliche Annäherung zwischen Onkelchen und der hübschen dicken jungen Frau ist in keiner Weise zu denken. Erst einmal ist Onkelchen mit Tante Dilein sehr glücklich. Zweitens kann Onkelchen im nüchternen Zustand keine fremde Frau ansprechen. Deshalb kann er sich ja mit dem kleinen Inder Rajesh Koothrappali aus "The Big Bang Theory" so gut identifizieren. Und last but not least ist es einfach nicht denkbar, dass jemand anders als Tante Dilein die umfangreichen Persönlichkeits-Kompatibilitätstests bestehen könnte, die Onkelchen einer potenziellen Partnerin auferlegt. Als erstes müsste sie in der Lage sein, sechs Folgen von „The Big Bang Theory“ in der Originalsprache anzugucken und an den richtigen Stellen zu lachen. Als zweites müsste sie bereit und in der Lage sein, zusammen mit Onkelchen die Stadt Rom in Länge mal Breite mal Höhe zu durchwandern und dabei seine Vorträge zur römischen Geschichte zu ertragen. Als drittes müsste sie zusammen mit Onkelchen für einen Tag Dinosaurier buddeln gehen und als Viertes sollte sie nicht einschlafen, wenn Onkelchen bei einem Candlelight-Dinner beim Italiener über Vierkernprozessoren doziert.

Der wichtigste Test ist aber der fünfte: Wenn Onkelchen sie mir vorstellt, darf sie eines nicht tun: Sie darf nicht kreischen: „Oooh wie süüüüß! Benjamin Blümchen!“

Wenn sie das tut – dann kriegt sie eins in die Fresse.    

Samstag, 18. Februar 2012

Sigmund Jähn: Unser Wunschkandidat für die Wahl zum Bundespräsidenten


Sigmund Jähn (*1937) war der erste Deutsche im Weltraum. Daher ist er der geeignete Kandidat, um parteiübergreifend über allen Deutschen zu stehen. Wir alle halten den stets bescheiden gebliebenen Jähn auch charakterlich für die ideale Besetzung des höchsten deutschen Staatsamtes. Nur Tante Dilein nicht: Sie will Klaus Töpfer.
Nachtrag: Natürlich war diese Idee geklaut, und zwar aus "Goodbye, Lenin!"

Mittwoch, 1. Februar 2012

USA: Wahlkampf wie im alten Rom

 

Der Ausleseprozess der republikanischen Präsidentschaftskandidaten in den USA nähert sich immer mehr dem Niveau von "Deutschland sucht den Superstar" bzw. dem US-Pendant "American Idol" oder – noch treffender – den Dschungelshows auf RTL an. So richtig möchte unsereins mit dem ganzen Theater nichts mehr zu tun haben, man kommt aber nicht daran vorbei. Denn der Gewinner dieser ganzen Vorwahl-Orgie könnte ja möglicherweise im Herbst zum US-Präsidenten gewählt werden, und so ganz egal kann das auch einer Elefanten-WG in einem staubigen Münchner Vorort nicht sein, zumal ja die republikanische Partei in den USA sich den Elefanten als Wappentier erwählt hat (siehe oben).

Onkelchen überrascht es sehr, wie stark schon jetzt diese Vorwahlen vom Gelde bestimmt sind - Mitt Romney war ja schon vor der allerersten Abstimmung in Iowa zum klaren Favoriten gekürt worden, da er von allen Beteiligten die tiefsten Taschen mitbringt. Die Rolle des Geldes in der US-Politik erinnert sehr daran, wie in der römischen Republik Wahlkämpfe betrieben wurden. Denn nur die Superreichen konnten sich im alten Rom den Zugang zu politischen Ämtern leisten. Stimmenkauf war gang und gäbe und galt keineswegs als unfein oder verboten. Wer selbst nicht zu dem Superreichen zählte, musste auf reiche Freunde hoffen. Das prominenteste Beispiel dafür ist Caesar: Der alte Julius stammte zwar aus einer vornehmen Familie, allerdings war diese eher zum verarmten Adel zu zählen. Er borgte sich also Geld beim Immobilienhai Crassus (der Name "Crassus", zu Deutsch "Der Fette" ist hier vielsagend) und wusste genau, dass er sich keine Wahlniederlage leisten konnte. Denn sonst wäre er ruiniert gewesen. Sein Plan war: auf Teufel komm raus Konsul werden und dann als Feldherr die Welt erobern – nicht zuletzt, um sich auch persönlich zu bereichern.

Und ganz wichtig: Wer in Rom seinem Wahlpublikum keine gute Show bot, hatte von vornherein verloren. Die Wahlkampfspots, in denen die Kandidaten ununterbrochen aufeinander eindreschen ("Der hat Zehntausende Bürger entlassen und dafür Sklaven, äääh Chinesen angeheuert!" "Und der seine eigene Frau betrogen, während er seinerseits Konsul, äääh Präsident Clinton wegen dessen Affäre mit dieser Sklavin, äääh Praktikantin drankriegen wollte!"), könnten direkt aus der Siebenhügelstadt stammen. Denn merke auf: Der Wähler will auch unterhalten werden. Deswegen veranstalteten die römischen Politiker im Wahlkampf Gladiatorenspiele. In den USA steigen sie stattdessen selbst für die Live-Debatten in den Ring.    

Natürlich ist Geld nicht alles. Wenn es nur danach ginge, hätte Romney die Nominierung bereits sicher und könnte zum eigentlichen Wahlkampf gegen Amtsinhaber Barack Obama übergehen.

Hätte, wäre, könnte. Da gibt es aber halt noch diesen hartnäckigen Pinscher namens Newt Gingrich (genau der, der seine Frau, während der Konsul mit der Sklavin beziehungsweise Praktikantin, Sie wissen schon), der sich um so heftiger in die Wade von Romney verbeißt, je klarer es nach einer Nominierung von Mitt Romney aussieht. Gerade jetzt, nachdem der einstige Gouverneur von Massachusetts (also Romney) aus der Vorwahl in Florida deutlich als Sieger hervorgegangen ist, verkündet Gingrich trotzig: 46 States to go - im übertragenen Sinne: 46 Staaten liegen noch vor uns, es ist noch nichts entschieden.

Ein Grund dafür, warum Gingrich zumindest an seine Chance glauben kann, dem fast sicheren Sieger die Nominierung zu entreißen, ist die Tatsache, dass die Basis der Republikaner selbst mit dem Kandidatenfeld nicht zufrieden ist. Romney musste von Anfang an mit dem Makel leben, ein Kompromisskandidat zu sein, der zu liberal und in seinen politischen Positionen zuwenig beständig ist. Nicht zuletzt ist er rhetorisch limitiert. Bauen kann Romney letztlich nur auf seine Wirtschaftskompetenz, denn er war ja bekanntermaßen nicht immer Berufspolitiker, sondern auch Mitbegründer der Finanzinvestoren-Firma Bain Capital. Aber diese scheinbare Kompetenz kann sich als zweischneidiges Schwert erweisen, denn die Finanzinvestoren - in Deutschland seit Franz Müntefering unter dem Begriff "Heuschrecken" bekannt, werden auch in den USA immer kritischer betrachtet. Und als Mann der sozialen Kälte betrachtet zu werden, kann Romney eigentlich nur schaden. Seine Aussage unmittelbar nach der Florida-Wahl, die ganz armen Mitbürger kümmerten ihn nicht, für die gebe es ja ein soziales Auffangnetz, wird er aller Wahrscheinlichkeit nach noch lange um die Ohren gehauen bekommen.

Die US-Republikaner wissen nicht, was sie wollen, und das ist ihr Problem. Sie wollen Obama schlagen, ihn am liebsten aus dem Weißen Haus jagen, weil er ihrer Meinung nach da nie hingehört  hat. Darin sind sie sich noch einig. Dann wird es aber unübersichtlich. Evangelikale Christen misstrauen Romney, weil er Mormone ist. Anderen ist suspekt, dass er in Massachusetts eine Krankenversicherung eingeführt hat, obwohl er gleichzeitig bekannt, den Healthcare-Plan Obamas mit Stumpf und Stiel ausrotten zu wollen, sobald er an der Macht ist. Und wie steht er zur Abtreibung? Auch diese Gretchenfrage der amerikanischen Konservativen kann noch zum Stolperstein für Romney werden.

Newt Gingrich auf der anderen Seite hat sich politisch und menschlich dagegen bereits so oft diskreditiert, dass er es selbst gar nicht mehr mitbekommt. Trotzdem wollen ihn viele rechtsgerichtete Wähler lieber gegen Obama in den Ring steigen sehen. Die Erwartung ist groß: Der im Vergleich zu Romney rhetorisch viel versiertere Gingrich, so ihr feuchter Traum, wird mit Obama bei den Fernsehdebatten "den Boden wischen", so dass von dem immer etwas professoral und von oben herab wirkenden Amtsinhaber nur noch wenig übrig bleiben möge.

Dass Gingrich voraussichtlich zwei Drittel der amerikanischen Wähler verschrecken dürfte, scheint die Konservativen kaum zu stören. Je länger sich daher das schmutzige Duell zwischen den beiden republikanischen Partei"freunden" hinzieht, um so besser für Obama.