Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Dienstag, 9. Juni 2026

WM-Blog: Der Elefant im Turnierbaum oder: Die hohe Kunst des Durchwurstelns (erneut)

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Anpfiff der Fußball-WM. Die Spannung ist mit Händen zu greifen. Ihr kennt sicher die Vorhersagen über die Turnierfavoriten. Aber wie verlässlich sind solche Prognosen? Onkelchen hat das analysieren lassen. Und die Ergebnisse sind markerschütternd!

Und wie sieht der Elefant im Turnierbaum aus? Natürlich so:

 


Donnerstag, 4. Juni 2026

WM-Blog: Ein plausibler deutscher Turnierverlauf (mit Hilfe von ChatGPT)


Während mein missratener Sohn Gianni Dona zu Argentinien hält (siehe Bild), bangt Onkelchen um das Schicksal der deutschen Elf. Er hat mal die KI befragt, wie es wohl laufen wird. Das ist das Ergebnis:

Deutschland eröffnet gegen Curaçao. Onkelchen warnt natürlich sofort davor, den Gegner zu unterschätzen, denn das Dritte Herbergersche Axiom gilt besonders gegen Mannschaften, über die der durchschnittliche deutsche Fernsehexperte vor der Auslosung ungefähr so viel wusste wie über die innere Verfassung des Dell Inspiron 7775.

Deutschland gewinnt 3:0.

Nicht glänzend, aber ausreichend. Danach ist die öffentliche Lage wie immer schwierig: Die einen sprechen von einem neuen Sommermärchen, die anderen bemängeln, dass man gegen Curaçao auch 7:0 hätte gewinnen müssen, wenn man ernsthaft Weltmeister werden wolle.

Gegen die Elfenbeinküste wird es deutlich unangenehmer. Körperlich stark, schnell, robust, und genau die Art Gegner, gegen die Deutschland gern nach 20 Minuten feststellt, dass Ballbesitz allein noch keine göttliche Gnade ist. Es wird ein zähes 1:1. Onkelchen erklärt daraufhin, Deutschland sei so gut wie ausgeschieden. Rechnerisch stimmt das nicht, aber moralisch ist er bereits im Achtelfinale draußen.

Dann Ecuador.

Ein Gegner, bei dem alle sagen, er sei unangenehm. Was im Fußball meistens bedeutet: Er ist unangenehm.

Deutschland braucht mindestens einen Punkt, gewinnt aber knapp 2:1. Nicht weil alles funktioniert, sondern weil bei Turnieren selten alles funktioniert. Deutschland wird Gruppensieger oder Zweiter, je nachdem, wie Ecuador gegen die Elfenbeinküste spielt. Onkelchen betrachtet beide Möglichkeiten als Katastrophe.

In der Runde der letzten 32 wartet kein Gigant, sondern ein Gegner aus der Kategorie: „Das muss man eigentlich gewinnen.“ Genau hier beginnt traditionell die Gefahr. Deutschland gewinnt 2:0, wobei das zweite Tor erst in der 88. Minute fällt und der Kommentator vorher mehrfach das Wort „Geduldsspiel“ verwendet.

Im Achtelfinale kommt dann der erste richtige Prüfstein. Vielleicht Frankreich. Vielleicht Niederlande. Vielleicht irgendeine Mannschaft, die seit 15 Jahren „im Umbruch“ ist und trotzdem plötzlich drei Weltklassespieler auf dem Platz hat.

Deutschland verliert nicht sofort. Das ist schon einmal mehr, als Onkelchen erwartet hatte.

Nach 90 Minuten steht es 1:1. In der Verlängerung passiert wenig, aber sehr bedeutungsvoll. Dann Elfmeterschießen.

Hier endet der plausible Teil.

Entweder Deutschland gewinnt, woraufhin sofort behauptet wird, man habe wieder Turniermentalität. Oder Deutschland verliert, woraufhin dieselben Experten erklären, man habe schon in der Gruppenphase gesehen, dass die Mannschaft nicht reif genug war.

Meine Prognose:

Deutschland erreicht das Viertelfinale.

Dort ist gegen Argentinien, Frankreich, Brasilien oder Spanien Schluss. Nicht schmählich, nicht 0:4, sondern mit jenem würdevollen 1:2, nach dem alle sagen können, man habe „auf diesem Niveau Kleinigkeiten gesehen“.

Onkelchen wird daraufhin erklären, er habe von Anfang an gewusst, dass es so kommt.

Und streng genommen stimmt das sogar.


Sonntag, 31. Mai 2026

Darum geht's in Onkelchens Sci-Fi-Trip

Onkelchen hat da was gebaut - und Palfi findet's lustig. Das Buch ist noch nicht fertig, aber darum soll es in "Alienseeker" gehen - zumindest grob:

 

Der finale Twist ist richtig herzzerreißend. Aber es ist noch nicht fertig. Also bitte ein bisschen Geduld!

Donnerstag, 7. August 2025

Giannis Reiseblog: Willkommen in Bordeaux!

Nach ein paar Tagen ohne besondere Vorkommnisse ist das Schiff nun in Frankreich angekommen und hat in Bordeaux festgemacht. Bordeaux gilt ja als eine Weinmetropole, was aber unseren antialkoholisch eingestellten Gianni nicht sonderlich beeindruckt. Immerhin scheint die Seereise ein bisschen bewegter gewesen zu sein als in den Tagen zuvor...    


 

Dienstag, 5. August 2025

Giannis Reiseblog: Auf Du und Du mit der Geschichte

Gianni geht auf dem Kreuzfehrtschiff nicht nur finsteren Gerüchten nach, er erlebt auch Einiges. So war er zum Beispiel in Stonehenge unterwegs:

 

Und im südenglischen Salisbury, unweit der berühmten Kathedrale, hat er die Winkelgasse aus Harry Potter entdeckt - zumindest auf gewisse Art:

 

Aber wovor wollte er die andren Kreuzfahrtpassagiere warnen? Welche komischen Familien haben ihn so entsetzt und gleichzeitig so amüsiert, dass er in Kavalkaden des Lachens ausbrach? Es bedarf wohl noch einer gewissen Geduld, um das herauszufinden.  

Sonntag, 3. August 2025

Giannis Reiseblog: Heute wird getendert!

Immer wieder mal was Neues, was Gianni auf seiner Kreuzfahrt erlebt. Heute muss getendert werden, und Gianni erklärt euch, was dabei passiert.

 

Aber wovor wollte Gianni die anderen Kreuzfahrtpassagiere warnen? So richtig kristallisiert sich das noch nicht heraus.

 

Es scheint also vorerst ein Geheimnis zu bleiben, was Gianni da Schauderhaftes entdeckt hat.
 

Samstag, 2. August 2025

Giannis Reiseblog: Land in Sicht!

 Die erste Etappe ist geschafft. Land in Sicht! Unser kleiner Weltenbummler freut sich.

 

Das Schiff wird an der Isle of Portland im Süden Englands anlegen. Und dort wird es einen Ausflug geben. Es gibt aber auch etwas Unerfreuliches: Gianni geht einem schrecklichen Verdacht nach - aber nimmt er ihn auch ernst?

 

Gianni spricht von "ganz komischen Familien", bevor er sich vor Lachen schüttelt. Was ist los auf dem Schiff? Stay tuned!
 

Dienstag, 29. Juli 2025

Giannis Reiseblog: Ankunft im Hafen

Glücklicherweise scheint sich Gianni inzwischen von seiner Höhenangst erholt zu haben. Aber jetzt wartet eine neue Herausforderung auf ihn: Es geht aufs Schiff. Hier erzählt er, was ihm im Hafen so alles aufgefallen ist.

Kurz darauf ging's auf das Schiff. Und auch dazu hat Gianni sich seine Gedanken gemacht:
 

 Kurz vor dem Auslaufen schaute dann noch ein Ausflugsboot vorbei.


 

Sonntag, 27. Juli 2025

Giannis Reiseblog: Willkommen in Hamburg!

Vor ein paar Wochen hat mein missratener Sohn Gianni sich einen großen Wunsch erfüllt: Er schlich sich ins Gepäck von Onkelchen und hat auf diese Weise eine Kreuzfahrt mitgemacht. Onkelchen hat alle Stationen der Reise im Bild festgehalten. Los ging es in Hamburg. Viel Spaß! (Tipp: Gianni hat eine etwas merkwürdige Ausdrucksweise. Im Zweifelsfall einfach die Untertitel aktivieren.)



 

Alte Games: Red Storm Rising

Eigentlich wollte Onkelchen schon längst eine zweite Folge der Reihe "Alte Games" schreiben. Aber ausgerechnet das Spiel, das er vorstellen wollte, nämlich "Red Storm Rising" von Microprose, fand er nicht mehr in seiner C64-Sammlung. Der Zufall kam ihm zu Hilfe: Weil es mittlerweile auch auf dem iPad die Möglichkeit gibt, alte DOS-Spiele auszuführen (dafür gibt es die App iDOS), war es ihm möglich, sich eine PC-Version des Spiels herunterzuladen und das Spiel anzuwerfen. 


 Worum geht's? Kurz gesagt: "Red Storm Rising" ist der Versuch, eine taktische U-Boot-Simulation auf Heimcomputer aus der PC-Steinzeit zu bringen. Es geht dabei um Atom-U-Boote auf dem technischen Stand der 1980er-Jahre (das Spiel erschien erstmals 1988 für C64, MS-DOS und einige andere Systeme und 1990 für den Amiga). Grundlage dafür ist das Buch "Red Storm Rising" des Amerikaners Tom Clancy, der unter anderem auch "Jagd auf Roter Oktober" verfasst hat.  Das US-Softwarehaus Microprose, das bereits ein paar Jahre vorher das Spiel "Silent Service" auf den Markt gebracht hat – ein U-Boot-Spiel, das im Zweiten Weltkrieg angesiedelt war – ergriff die Gelegenheit. Es entwickelte um den Stoff des Romans, in dem es um einen Krieg der Sowjetunion gegen die NATO geht, ein U-Boot-Taktikspiel mit Simulationselementen.

Was Microprose in seiner besten Zeit immer sehr gut konnte, war, realitätsnahe Elemente mit Spielbarkeit  zu verknüpfen. Dazu kamen ausführliche gedruckte Handbücher, die die Hintergründe anschaulich vermittelten (und die dazu beitrugen, dass Onkelchen seine Englischkenntnisse sehr verbessern konnte, denn zu diesem Zeitpunkt gab es die nur im englischen Original). Microprose entschied sich deshalb dafür, das Spiel größtenteils auf einer taktischen Karte stattfinden zu lassen, auf dem sich das U-Boot des Spielers (in Blau) und die gegnerischen Einheiten (in Rot) einander gegenüberstanden. Je nach Schwierigkeitsgrad musste der Spieler auch noch die gegnerischen Kräfte anhand ihrer Sonar-Signaturen identifizieren. (also das, was der Sonarmann "Jonesy" im Film "Hunt for Red October" geradezu zu einer Kunstform erhoben hat). 

Obwohl die Darstellung auf der taktischen Karte sehr abstrakt gehalten ist (selbst tödliche Torpedos sind lediglich als Blips dargestellt), funktioniert das Spiel sehr gut und ist auch heute noch ausgesprochen interessant und gut spielbar. Spätere U-Boot-Simulationen wie "688 (I)" bildeten die technischen Aspekte natürlich besser ab, sie waren ja auch für leistungsfähigere Systeme entwickelt worden. Was aber "Red Storm Rising" im frühen PC-Pleistozän gelang, war, die taktischen Informationen so zu visualisieren, dass der Spieler immer auf der Höhe des Geschehens blieb. Und trotz einer Fülle von Tastaturbefehlen (die Originalpackung enthielt eine Tastaturmaske aus Pappe, die eine Übersicht über die wichtigsten Anweisungen und Kommendos bot) blieb das Programm immer spielbar und herausfordernd. Und witzigerweise gelingt es dem Spiel auch heute noch - trotz seiner spartanischen Aufmachung - zu überzeugen. 

Dass vor ein paar Jahren mit "Cold Waters" ein "geistiger Nachfolger" erschien, der mit einer  verbesserter grafischer Präsentation aufwartete, den Kern des Spieles aber nicht antastete, spricht Bände: "Red Storm Rising" ist ein Klassiker, der bei Freunden von U-Boot-Simulationen immer noch einen ausgezeichneten Ruf hat. 

Freitag, 2. Mai 2025

Extra omnes!

Es sind noch ein paar Tage, dann wird wieder einmal die geheimnisvolle Zeremonie beginnen, die die Menschen weltweit fasziniert - egal ob sie Katholiken sind oder nicht. Das jahrhundertealte Zeremoniell der Papstwahl mit den Paraphernalien wie dem Schließen der Türen der Sixtinischen Kapelle, dem schwarzen und weißen Rauch, der als einzige Form der Kommunikation zwischen den eingeschlossenen Kardinälen und der Außenwelt dient, bis hin zu der lateinischen Formel: "Annuncio vobis gaudium magnum: Habemus papam!", mit der dann der neue Pontifex auf der Loggia des Petersdomes vorgestellt wird.  

 

Egal, wie es ausgehen wird: Es ist praktisch unmöglich, das Ergebnis des Konklaves vorherzusagen. Es wird ja sozusagen solange gewählt, bis es passt - und bis dahin können einige Favoriten gestürzt und wieder nach oben gekommen sein. Es wird in jedem Falle spannend.  


Sonntag, 11. Februar 2024

Alte Games: EF2000

Diese Geschichte beginnt mit einem Knall. Eigentlich knallte es sogar zweimal. Es begab sich, dass Onkelchen in seinem Büro saß, sinnlos auf seinen Monitor stierte und sich geistig auf die Mittagspause vorbereitete. Da rumste es markerschütternd, die Fensterscheiben zitterten und alle fragten sich, was zur Hölle gerade passiert war. Wenige Minuten später rumste es nochmal, fast sogar noch stärker als beim ersten Mal. Spätestens jetzt war klar: Irgendetwas musste sie Schallmauer durchbrochen haben. Onkelchen telefonierte, verschickte E-Mails und gegen Nachmittag stellte sich dann heraus, dass zwei Jagdflugzeuge der Luftwaffe vom Typ Eurofighter die Schallmauer durchbrochen hatten, als sie einen Übungsflug absolvierten. 

Damit hätte die Sache ihr Bewenden haben können. Aber Onkelchen erinnerte sich, dass es einmal, vor langer Zeit, ein Computerspiel gegeben hatte, mit dem man selbst quasi ins Cockpit eines Eurofighters schlüpfen konnte: EF2000 von der englischen Softwarefirma Digital Image Design, kurz DID. In den 1990er-Jahren zählte DID neben den amerikanischen Branchengrößen MicroProse, Spectrum HoloByte und dem englischen Softwarehaus Digital Integration zu den führenden Herstellern militärischer Flugsimulationen. Dabei konzentrierte sich DID auf Militärflugzeuge, die sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der Entwicklung befanden wie den Eurofighter EF2000 und den amerikanischen Luftüberlegenheitsjäger F22. Der Eurofighter absolvierte 1994 seinen Erstflug; etwa ein Jahr später brachte das Team um Martin Kenwright die seinerzeit bahnbrechende Flugsimulation heraus, mit der PC-Piloten Einsätze mit dem Eurofighter fliegen konnten.


 

Die Kritiken waren einhellig positiv. Die PC-Player, das seinerzeit für Onkelchen maßgebliche PC-Spielemagazin, vergab für das Game sogar eine 90-Prozent-Wertung und erklärte EF2000 zum damals besten Spiel seiner Art. "Für mich ist der Eurofighter die mit Abstand beste Flugsimulation", schrieb damals der PC-Player-Autor Florian Stangl. Und mit dieser Meinung stand er nicht alleine. "EF2000 ist der schönste Simulator, den ich bisher gespielt habe und setzt auch simulationstechnisch neue Maßstäbe", schrieb das Konkurrenzblatt "Power Play". Leider waren die Hardwareanforderungen zu dieser Zeit ebenfalls ziemlich hoch. Onkelchen, der als Kind gerne Pilot werden wollte, dann eine Brille verpasst bekam und dann diesen Traum begraben musste, versuchte eigentlich jedes Simulationsspiel auszuprobieren, das er in die Finger bekommen konnte. Aber sein PC war damals nicht leistungsfähig genug, um EF2000 spielen zu können. 

Einige Jahre vergingen. Onkelchen setzte seinen ersten Job in den Sand, den zweiten auch, und erst beim dritten funktionierte es einigermaßen. Onkelchen kaufte sich vom ersten Geld einen neuen PC, der mit einer der damals revolutionären 3D-Beschleunigerkarten ausgestattet war. Der Beschleunigerkarte lag zufällig eine CD mit dem Spiel EF2000 bei, ein sogenanntes Bundle. Onkelchen freute sich natürlich über diese kostenlose Zugabe. Aber ach, er schaffte es nicht, das Spiel zum Laufen zu bringen. Er steckte da wirklich viel Zeit rein, aber ohne Erfolg. Stattdessen kaufte er sich etwas später den Nachfolgetitel "F22 Air Dominance Fighter", ebenfalls von DID. Der lief ohne Probleme und war zudem mit ausführlichem Begleitmaterial wie einem mehrere Hundert Seiten dicken Handbuch, einer Tastaturschablone mit den wichtigsten Befehlen und einem weiteren informativen Begleitbuch ausgestattet, das die wichtigsten Militätflugzeuge der Welt vorstellte. Man bekam damals als Flugsimulations-Fan jede Menge Gegenwert für sein Geld.

Die 1990er-Jahre waren insgesamt das goldene Zeitalter für PC-Flugsimulationen mit militärischem Charakter. Einen großen Anteil daran hatte der Golfkrieg von 1991. In der Berichterstattung von CNN & Co. wurde die damals aktuelle miltärische Hardware ausgesprochen prominent dargestellt, der anscheinend schnelle Sieg der US-geführten Koalition (die Spätfolgen vermochte damals noch niemand zu ahnen) machte die Flugzeuge aus US-amerikanischer Produktion cool. Außerdem waren die PCs in dieser Zeit leistungsfähig genug geworden, um zumindest einige Aspekte von militärischen Kampfflugzeugen akkurat zu simulieren.

EF2000 überzeugte damals nicht nur durch das Flugmodell (also das simulierte Flugverhalten, offenbar hatte DID sehr gute Kontakte zu den Testpiloten der Royal Air Force), sondern auch durch das Setting in Nordeuropa und nicht zuletzt durch seine sogenannte dynamische Kampagne. Kurz gesagt, bedeutet das, dass der virtuelle Pilot nicht einfach eine Reihe vorgegebener Aufträge fliegen muss, sondern dass im Hintergrund tatsächlich Kampfhandlungen simuliert werden und die Leistungen des Spielers Einfluss auf den Verlauf dieses Kriegsgeschehens haben. Simpel gesagt: Zerstörtder Pilot im Rahmen eines Auftrags eine Brücke, dann hindert er die virtuellen gegnerischen Streitkräfte am Vormarsch und beeinflusst damit den Kampfverlauf für seine Seite günstig. Gelingt es ihm dagegen nicht, die Brücke zu zerstören, dann ist der Gegner im Vorteil. Diese Spielintelligenz war damals etwas Neues und sorgte für zusätzliche Motivation.

Die Nachwirkung von EF2000 war damals nicht so groß, wie die zeitgenössischen Spieletester vermuteten. Als es erschien, lief das Spiel unter DOS. Im selben Jahr erschien jedoch Windows 95 und etablierte damit Windows als Betriebssystemumgebung auch für Computerspiele. DID schob zwar schnell eine Windows-Version nach und später noch eine weitere, die in der Lage war, die damals neuen Grafik-Beschleunigerkarten auszunutzen. Diese Vielfalt unterschiedlicher Versionen erschwerte aber den Spielefans die Orientierung, und zudem war die Version mit der 3dfx-Unterstützung nur in den USA erhältlich. 

Als nun vor ein paar Wochen der Überschallknall der Eurofighter die Fenster erzittern ließ, erinnerte sich Onkelchen wieder an die Eurofighter-Simulation. Er fand mehrere Versionen der Software auf diversen Abandonware-Seiten. Weil es mittlerweile mit DOSBox eine Systemumgebung gibt, mit der man Spiele aus dem DOS-Zeitalter auch auf modernen Rechnern zum Laufen bringen kann, war es diesmal kein Problem, den Titel zum Laufen zu bringen. Auch deshalb, weil sehr fleißige Enthusiasten einen sogenannten "Wrapper" namens "EF2000 Reloaded" entwickelt haben, der die passende DOSBox-Version gleich mitbringt und der es zudem erlaubt, die wichtigen Einstellungen (Grafikauflösung, Steuergerät, etc.) bequem vorzunehmen. Die Grafik, seinerzeit noch hoch gepriesen, wirkt heutzutage allerdings sehr simpel und sehr abstrakt. Aber EF2000 funktioniert bei Onkelchen. Fast 30 Jahre nach Erscheinen.

Sonntag, 10. September 2023

Hansi Flick ist Geschichte! Und Rudi Völler kehrt zurück (zumindest für ein Spiel!)

Was ist das für ein Wochenende! Die deutsche A-Nationalmannschaft der Herren verliert erschreckend deutlich (aber verdient) gegen Japan, der DFB zieht die Notbremse und installiert (zumindest für ein Spiel) Rudi Völler und Hannes Wolf und auf der anderen Seite der Erdkugel gewinnt das deutsche Nationalteam die Basketball-WM. Selten so viel Betrieb gehabt. Und da stellt sich natürlich die Frage: Ist Rudi Völler der Richtige, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen? Mit Tiefpunkten bei der Nationalmannschaft kennt er sich ja aus:


Onkelchen tut es eigentlich sehr leid, dass Flick demissionieren musste. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ein Trainer, der auf Vereinsebene mit dem FC Bayern alle wichtigen Titel gewonnen hat und irgendwo auch als heimlicher Architekt des WM-Sieges von 2014 in Rio galt, nun entlassen wurde. So hart ist mittlerweile das Geschäft. 

Aber man muss sich auch fragen: Braucht es tatsächlich eine solche Überbetreuung der A-Nationalmannschaft in einem Luxus-Wüsten-Resort während der WM? Was sagt es dem geneigten Zuschauer, wenn die Spieler in einem Mannschafts-Meeting mit toten Augen dasitzen und sich der Cheftrainer einen abbricht, um sie zu bespaßen? Der Trainer stellt eine Frage, und in der Mannschaft regt sich nichts - fast wie in einem Proseminar, in dem alle schlecht vorbereitet sind? 

Was hilft es, wenn die psychologische Abteilung der Mannschaft eine Doku über Graugänse zeigt - sollte man da vielleicht nicht besser eine Einheit am Kopfballpendel einplanen? Was bringt ein Statistik-Taktiknerd im Trainerteam,  der mehr Daten generiert als ein normaler Mensch jemals behalten kann? Das zumindest suggeriert die Dokumentation auf Amazon Prime, die sich mit dem gescheiterten Katar-Abenteuer der deutschen Nationalmannschaft befasst.


Nun war wieder einmal der Trainer das augenscheinlich schwächste Glied in der Kette. Doch man sollte nicht erwarten, dass eine Mannschaft, die gestern gegen Japan verliert, am Dienstag Frankreich weghauen wird. Das wird nicht passieren. Und was, wenn die nächsten Länderspiele keine deutliche Besserung bringen? 

Mag sein, dass der DFB die Notbremse ziehen musste. Aber die Ablösung von Flick bringt nur etwas, wenn a) neben den bekannten Stammkräften auch Spieler von Vereinen wie Union Berlin (Rani Khedira!!!) und anderen Clubs berücksichtigt werden und b) eine Abkehr von dem verkopften Fußballverständnis der Ära Löw erfolgt.

In diesem Sinne: Auf ein Neues!  

 

Sonntag, 13. August 2023

Ist James Bond am Ende? Onkelchen meint: Ja!

Fast jeden Tag schlägt auf Onkelchens Handy ein schamlos reißerisch getitelter Beitrag auf, der zu wissen vorgibt, wer denn nun wirklich und wahrhaftig als Nächster in die Schuhe des britischen Superagenten James Bond 007 schlüpfen darf. Das Konzept hinter diesem Clickbaiting ist einfach: Jeder mögliche Kandidat (gerüchteweise will man sich auch der Möglichkeit einer weiblichen Aspirantin nicht ganz verschließen) sollte mindestens einmal in einem dieser Posts auftauchen, damit man sich hinterher auf die Schulter klopfen kann und sagen kann: Sehr her, wir lagen richtig, wir haben den richtigen Bond-Darsteller vorhergesagt. (Und daneben wahrscheinlich noch 99 andere.) Aber so ist es eben in dem gnadenlosen Haifischbecken des Internets.

Onkelchen ist darob mitunter ziemlich verwundert. Denn aus seiner Sicht sollten sich die Produzent*innen (Palfi ist woke!) der nun schon seit ehrwürdigen 60 Jahren laufenden Filmreihe zuerst fragen, wie sie sich aus der Sackgasse manövrieren, in die sie die Serie am Ende des bisher letzten Streifens "Keine Zeit zu sterben" hineingesteuert haben. Bond ist nämlich tot, er hat für Königin und Vaterland das ultimative Opfer gebracht. Das mag den Produzenti*innen (Palfi ist woke!) zwar damals als toller erzählerischer Kniff erschienen sein. So etwas erweist sich jedoch als Bumerang, wenn man tatsächlich noch weitere Filme der Reihe drehen möchte.

Natürlich muss der Leinwand-Tod einer Hauptfigur nicht notwendigerweise das Ende einer Reihe bedeuten. Im zweiten Star-Trek-Spielfilm "Der Zorn des Khan" stirbt mit Spock die wahrscheinlich populärste Figur der ersten Star-Trek-Generation. Das war damals im Jahr 1982 (glaube ich) schon ein riesiger Aufreger, aber im Gegensatz zu den 007-Filmen war Spock bei Star Trek nie der ausschließliche Handlungsträger. Und mit der jungen Vulkanierin/Romulanerin Saavik, die in "Der Zorn des Khan" eingeführt wurde, stand ja auch eine Ersatzkandidatin bereit. Um aber eine - nennen wir es Auferstehung - des Charakters zu ermöglichen, warf Regisseur Nicholas Meyer (ein wirklich gnadenlos unterschätzter Regisseur) eine Szene ein, in der Spock eine kurze Gedankenverschmelzung mit dem ohnmächtigen Dr. McCoy vornimmt und das geheimnisvolle Wort "Remember" sagt (in der deutschen Fassung: "Nicht vergessen!"). Im dritten Star-Trek-Teil erfahren wir dann die Konsequenzen daraus: McCoy trägt die Persönlichkeit des verstorbenen Spock in sich und wird darob fast wahnsinnig. Erst die Verschmelzung dieser Persönlichkeit mit dem durch den Genesis-Planeten regenerierten Körper Spocks führt dazu, dass McCoy von dieser Last befreit wird. (Ich hoffe, ich habe hier nicht zu sehr gespoilert. Aber da die Star-Trek-Filme mit der alten Crew schon an die 40 Jahre alt sind, dürften die Handlungsstränge mittlerweile schon allgemein bekannt sein).

Genau das funktioniert aber bei James Bond nicht. Bond ist ein Geheimagent des britischen Secret Service beziehungsweise MI6, ist deshalb in der (wenn auch spekulativen) Realität grundiert und kann daher nicht durch futuristisch-übersinnliche Tricks wiederbelebt werden. Am ehesten wäre noch denkbar, dass der Superspion am Ende von "Keine Zeit zu sterben" beim Raketenangriff auf die Basis des fiesen Antagonisten Safin nicht ums Leben gekommen ist, sondern nur schwer verwundet wurde. Wegen der schweren Verbrennungen muss das Gesicht des Agenten mit aufwendigen chirurgischen Eingriffen wiederhergestellt werden - und voilà, ein neuer Bond schält sich aus den Binden. Aber dieser Trick ist erstens lahm und zweitens alt: Ältere erinnern sich vielleicht noch daran, dass genau dieser Kniff in "Dynasty" (deutsch: "Der Denver-Clan") zum Einsatz kam, als Al Corley in der Rolle des Steven Carrington durch Jack Coleman ersetzt wurde.

Alternativ könnten die Produzent*innen (Palfi ist woke!) Zuflucht dazu nehmen, die Handlung künftiger Bond-Filme in einer anderen Zeitlinie anzusiedeln oder den Start eines neuen Darstellern mit einem Reboot der Reihe zu verbinden. Die Sache mit der alternativen Zeitlinie könnte aber manche Kinogänger*innen (Palfi ist woke!) überfordern; bei Marvel oder anderen Comic-Franchises ist so etwas zwar gang und gäbe, aber siehe oben: Bond ist in der Realität grundiert und kann deshalb nicht so einfach zwischen verschiedenen Zeitlinien hin- und herhüpfen. Es ist fraglich, ob das Publikum so etwas goutieren würde. Und ein Reboot? Den hatten wir schon, als Daniel Craig 2006 in "Casino Royale" als junger, draufgängerischer Agent eingeführt wurde. Man kann so was machen, aber es nutzt sich mit der Zeit ab.

Und überhaupt: Daniel Craig war bereits der sechste Hauptdarsteller in der Bond-Reihe. Das beweist, dass es den Produzent*innen (Palfi ist woke!) immer wieder gelungen ist, den Part erfolgreich neu zu besetzen. Interessanterweise hat die Erfahrung aber gezeigt, dass ein Bond-Darsteller erst mit seinem dritten Film als etabliert betrachtet werden kann. Sowohl Connery (mit "Goldfinger") als auch Moore (mit "Der Spion, der mich liebte") und Craig (mit "Skyfall") lieferten mit ihrem jeweils dritten Film ihre definitive Interpretation des Agenten ab. In gewisser Weise lässt sich das auch bei Brosnan sagen: "Die Welt ist nicht genug" ist wahrscheinlich seine reifste Interpretation der Rolle. Und Timothy Dalton, den zum Beispiel Onkelchen, aber auch Christopher Nolan für den besten Bond-Darsteller hält, ist wahrscheinlich auch deshalb nicht so sehr in Erinnerung geblieben, weil er keine Gelegenheit zu einem dritten Auftritt mit der Walther PPK des  Agenten bekam. 

Du brauchst also drei Filme, um in der Rolle anzukommen. Das ist besonders bei Craig ganz besonders deutlich zu sehen. In den ersten beiden Streifen ist er eigentlich kein Agent, sondern ein Schläger und Killer ohne Humor und ohne jeden sympathischen Zug. Das ändert sich erst mit "Skyfall" und kommt eigentlich erst in "Spectre" zu voller Blüte. (Was für ein Trottel muss man eigentlich sein, um den von vorne bis hinten misslungenen "Keine Zeit zu sterben" für besser zu halten als "Spectre"? Gut, "Spectre" hat sicher Punkte, die man diskutieren kann, aber "Keine Zeit zu sterben" ist, abgesehen von der Havanna-Sequenz mit der liebreizenden und schlagkräftigen Ana de Armas, eigentlich nur ein freudloser "Tatort" mit Überlänge, der lediglich dazu dient, seinen Protagonisten zu dekonstruieren und der am Ende mit dem Bond'schen Heldentod endgültig an die Wand fährt.)

Was also bleibt zu tun? Die aus meiner Sicht einzige Option ist, den nächsten Bond-Streifen (und bis auf Weiteres alle folgenden) zu einem "Period Piece" zu machen, der in der Zeit angesiedelt ist, in der Original-Autor Ian Fleming die Romane geschrieben hat, nämlich in den 50er- und 60er-Jahren. Dass so etwas funktionieren kann, hat man ja bei der Erfolgsserie "Mad Men" gesehen, die in den späten 60er-Jahren spielte. Erzählerisch wäre das ein erfrischender Kniff. Ob sich das aber auch beim Publikum durchsetzt, bliebe abzuwarten. Oder am besten: Man lässt den Agenten in Frieden ruhen. Er tat, was er konnte, für Königin und Vaterland. 


Montag, 7. August 2023

Indiana Jones und der Fluch des miesen Drehbuchs

Tja, wie die Zeit vergeht! Gerade eben hatten wir noch das miese Ausscheiden der deutschen Elf in Katar vor Augen. Und jetzt haben wir schon wieder Sommer, wenngleich einen ziemlich verregneten, zumindest, was die letzten Wochen betrifft. Onkelchen hatte ein paar Tage frei, und er nutzte die Gelegenheit, mal wieder im Kino vorbeizuschauen. Das sogar zweimal. Zunächst schaute er an einem feuchtkalten Sommer-Sonntag auf Rügen den ersten Teil von Mission Impossible - Dead Reckoning, der ihm sehr gut gefiel, und vor ein paar Tagen besuchte er in seinem heimatlichen Stammkino „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“. 

Obwohl Onkelchen auch diesen Streifen als recht unterhaltsam befand, gab es doch einige Dinge, die ihn an dem wahrscheinlich letzten Auftritt von Harrison Ford in der Rolle des peitschenschwingenden, abenteuerlustigen Archäologen störten. Und dabei ging es gar nicht mal so sehr um die Rolle von Indys Patentochter Helena Shaw (gespielt von Phoebe Waller-Bridge), die von anderen Kritikastern als äußerst nervig befunden wurde. Nein, es waren vielmehr einige Punkte, die Onkelchen einfach gegen den Strich gingen, weil sie tatsächlich Nonsens sind. Vorhang auf (SPOILER WARNING!!!):

- Die Heilige Lanze: Zu Beginn des Films befindet sich der digital verjüngte Indy im Jahr 1944, als Nazi-Offizier verkleidet, in einem Eisenbahnzug, der wertvolle Beutestücke ins Reich, vermutlich in die Hauptstadt Berlin, bringen soll. Ein Artefakt, das Indy den Nazis abjagen will, ist die Heilige Lanze des Longinus, also just jene Waffe, mit der Jesus Christus bei der Kreuzigung die Seitenwunde zugefügt worden sein soll. Kenner wissen aber, dass die sogenannte Heilige Lanze zum Kronschatz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gehörte und in Wien aufbewahrt wurde, das seit 1938 zum Machtbereich der Nazis gehörte. Mehr noch: Der gesamte Kronschatz inklusive der Heiligen Lanze war kurz nach der Annexion Österreichs nach Nürnberg verbracht worden. Die Lanze im Film gleicht zudem dem Wiener Originalstück (das wahrscheinlich eine karolingische Flügellanze aus dem 9. nachchristlichen Jahrhundert war und mit der Kreuzigung Christi sicher nichts zu tun hatte) bis aufs Haar. Es bestand also keine Notwendigkeit für die Deutschen, sich der Reliquie zu bemächtigen: Sie hatten sie längst, sie gehörte sogar zu den „Kronjuwelen“ des mittelalterlichen Deutschen Reiches. Und für Indy gab es somit keine Notwendigkeit, den Deutschen das Relikt wieder abzujagen…

- Das Grab des Archimedes: Der wohl bedeutendste Mathematiker der griechischen Antike spielt eine wichtige Rolle im Film: Mit ihm wird der Mechanismus von Antikythera in Verbindung gebracht, der im Filmtitel zum „Rad des Schicksals“ wird. Ein guter Teil der Filmhandlung beschäftigt sich damit, das Grab des Archimedes zu finden, um den Mechanismus des Rades des Schicksals zu vervollständigen. Indy und seine Patentochter und ihre Nazi-Verfolger (oder Verfolgenden? Palfi ist woke!) steigen zu diesem Zweck in eine mit zahlreichen Fallen gespickte Höhle ein, in der sich der Sarkophag des Archimedes befindet. Das Problem ist aber: Das Grab des Archimedes hat definitiv nicht so ausgesehen wie im Film, denn es existieren antike Beschreibungen des Grabes. Eine davon stammt von dem römischen Staatsmann Cicero (106 - 43 v. Chr.), der in seiner Dienstzeit als Quästor in Syrakus tätig war und dort das Grab des Mathematikers wiederentdeckte, das seinerzeit bereits vergessen war. Cicero kannte eine alte Überlieferung, wonach das Grabmal mit zwei geometrischen Körpern, nämlich einer Kugel und einem Zylinder, geschmückt war, und er machte sich in der Nähe des Stadttors an der Straße nach Agrigent auf die Suche (dort gab es eine ganze Masse von Gräbern, wie er in seinen Erinnerungen schreibt). Dort stieß er auf ein Grabmal in Form einer kleinen Säule, das bereits stark von Dornen und Büschen zugewuchert war, und auf dieser Säule befanden sich die erwähnten Körper, nämlich die Kugel und der Zylinder. Das Grab des Archimedes sah also sicher ganz anders aus als im Film dargestellt, und da die Griechen im dritten Jahrhundert vor Christus in der Regel die Feuerbestattung pflegten, wurde Archimedes sicher nicht in einem prächtigen Steinsarkophag mit interessanten Reliefs beigesetzt. Und, sorry, als Altsprachler muss Indy seinen Cicero doch kennen! Wie konnte er nur auf die Idee kommen, dass sich das Grab des Archimedes in Alexandria befinden könnte?

- Die Ausstattung der römischen Soldaten (MEGA-SPOILER): Am Ende des Films werden Indiana Jones, seine Patentochter Helena und die Nazi-Schergen in das Jahr 212 vor Christus versetzt, wo sie gerade bei der Belagerung der Stadt Syrakus durch die römische Flotte eintreffen. Die römischen Soldaten sehen so aus, wie wir sie aus verschiedenen Römerfilmen kennen. Die spielen aber in der Regel entweder in der Zeit Cäsars (gest. 44 v. Chr.) oder in den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus. Damals (genauer gesagt, seit der Heeresreform des Marius im frühen ersten Jahrhundert vor Christus) waren die römischen Heere Berufsarmeen, deren Soldaten einheitlich ausgestattet waren. Das war jedoch im Zweiten Punischen Krieg nicht so. Der typische römische Legionärshelm entstand erst in der Zeit Cäsars, und die typische Uniform mit der Panzerung aus Metallbändern wurde erst unter Kaiser Augustus üblich. Die römischen Soldaten waren also bei der Belagerung von Syrakus definitiv deutlich primitiver ausgerüstet.

- Indy ist für die Handlung ohne Belang (GIGA-SPOILER!!!): Indys Antagonist, ein Typ namens Jürgen Voller, der lose an das Raketengenie Wernher von Braun angelehnt sein soll, versucht, mit dem „Rad des Schicksals“ in der Zeit zurückzureisen. Er will sich an Hitlers Stelle setzen, um den Zweiten Weltkrieg für Nazideutschland zu gewinnen. Blöd nur, dass das „Rad des Schicksals“ vom schlauen Archimedes von Anfang an so konstruiert wurde, dass jeder, der es benutzt, im Jahr 212 vor Christus landet! Das heißt, das Ergebnis wäre immer das Gleiche geblieben - egal, ob Indy das geheimnisvolle Artefakt in die Hand bekommt oder nicht. Der Nazi Voller wäre immer im Jahr 212 vor Christus gestrandet.

Angesichts dieser Ungereimtheiten ist es kein Wunder, dass der Film an den Kinokassen stark hinter den Erwartungen zurückbleibt. Es ist einfach viel zu viel Nonsens drin.

In diesem Sinne: Bis bald!

Euer Palfi      

Sonntag, 27. November 2022

WM-Blog: Wenn Costa Rica den Deutschen eine Brücke baut

Eigentlich hatten wir ja beschlossen, die Wüsten-WM zu ignorieren. Gianni war verschnupft, nachdem die Argentinier ihr Auftaktspiel verkackten (er hatte dem argentinischen Verband angeboten, als Medium Kontakt zum Geist des allzu früh verstorbenen Fußballgottes aufzunehmen, aber der Verband zog es vor, dieses großzügige Angebot zu ignorieren), Onkelchen hatte schon vor der deutschen Blamage gegen Japan  immer wieder vor sich hin gemurmelt "Verlaura hend's, verlaura" und damit das deutsche Debakel antizipiert. Es war klar: Die Deutschen würden es nicht mehr packen, sie würden sich zwar zusammenreißen, aber *bestenfalls* mit einem ehrenhaften Unentschieden aus dem Spiel gegen Spanien gehen und damit wäre die Abreise aus Qatar perfekt gewesen. Haha. Unsere Schadenfreude auch. Peter Neururer hätte sich den Rufen, den DFB-Trainerposten zu übernehmen, nun wirklich nicht mehr widersetzen können.

Aber, ach.

Und dann passiert das, was den Fußball zu einer derart faszinierenden Freizeitbeschäftigung macht: Nachdem die Costa Ricaner von den Spaniern in deren erstem Spiel regelrecht verprügelt wurden, haben die den Deutschen (wahrscheinlich unfreiwillig, aber trotzdem) in der Partie gegen Japan eine Lifeline gebaut. Und das, nachdem die ZDF-Reporterin lang und breit erklärt hatte, dass die Jungs aus der Karibik "nicht wettbewerbsfähig" seien. Und dann macht also ein costaricanischer Herr namens Fuller ein Zwischending zwischen Schuss und Flanke (sowas passiert, wenn man den Schussknopf auf dem Xbox-Controller nicht findet), das Ganze gerät zu einem Flatterball, der japanische Torwart kommt noch mit den Fingern dran, doch der Ball flattert weiter, direkt dahin, wo unter dem Lattenkreuz die Eule schläft. 1-0. Japan verliert,  Deutschland ist wieder im Spiel.

Denn der weltweit führende Experte für Turniermathematik (also Onkelchen) hatte sofort errechnet, dass dieses Resultat den Deutschen wieder etwas Bewegungsfreiheit verschafft. Hätte Japan nämlich gewonnen, dann hätte Japan bereits sechs Punkte gehabt und Deutschland wäre dazu verdammt gewesen, gegen Spanien zu gewinnen. Schon bei einem Unentschieden hätte das DFB-Team Japan rechnerisch nicht mehr einholen können.

So aber gibt es sogar noch eine kleine Chance aufs Weiterkommen, wenn Deutschland gegen Spanien knapp verlieren würde. Voraussetzung dafür wäre, dass Japan gegen Spanien verliert und Deutschland gegen Costa Rica gewinnt - wovon man nicht unbedingt ausgehen kann.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich als Letztes.

Und selbst wenn sie wieder verkacken: Es gibt immer noch Peter Neururer.

Sonntag, 28. August 2022

"Die Ringe der Macht": Ist Gianni etwa der Sauron?

Man glaubt es kaum: Über ein halbes Jahr ist seit unserem letzten Blogpost vergangen. Viel ist passiert: Onkelchen meinte, schon wieder seinen Job wechseln zu müssen. Seither ist er jeden Tag zwei Stunden auf der Bundesstraße unterwegs, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Wollte er denn nicht ein für allemal das Pendlerdasein an den Nagel hängen? Zwischenzeitlich lag er zudem zwei Wochen lang mit der Corona-Seuche flach. Deshalb geht es auch bei seinem aktuellen Roman-Projekt erstmal nicht weiter, obwohl er immer wieder davon murmelt, er hätte die Lösung dieses oder jenes Handlungproblems gefunden. Auch Tante Dilein geht jobtechnisch jetzt eigene Wege, so dass beide morgens und abends erst einmal sehr lange unterwegs sind. Und das bei der Energiekrise. Mal schauen, wohin das noch führt. Es ist ja leider nicht damit zu rechnen, dass die beiden im Garten plötzlich auf Erdgas stoßen. 

Wie schön, dass Onkelchen trotzdem noch Begeisterung und Enthusiasmus für bestimmte Dinge aufbringen kann. Damit ist nicht so sehr die Fußball-WM der Herren (so präzise muss man mittlerweile sein) in Katar gemeint, sondern die in Bälde startende Fernsehserie "Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht". Onkelchen ist ja seit seiner Teenagerzeit ein Fan des Tolkienschen Oeuvres, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass er wie ein (etwas zu groß geratener und bebrillter) Hobbit aussieht und gerne in höhlenartigen Wohnungen lebt.

Nun hat sich allerdings die Diskussionslage um "Die Ringe der Macht" in den vergangenen Wochen deutlich zugespitzt. Nicht nur deshalb, weil die Serie rund eine Milliarde Dollar kostet (allein die Rechte sollen nicht unter einer 250 Millionen Dollar erworben worden sein, wie hier und dort kolportiert wird) und die bislang veröffentlichten Trailer eher einen uneinheitlichen Eindruck des Ganzen vermittelten. Manche Szenen sehen phänomenal aus und katapultieren die Zusehenden (Palfi ist woke!) auf den Fantasiekontinent Mittelerde, andere Kulissen wirken dagegen wie ein  zweitklassigen Passionsspiel in Niederbayern. Die bisher veröffentlichten Dialoge sind darüber hinaus eher nichtssagend, so dass im sogenannten Fandom die Unruhe zunimmt.

 
 
Allzu viel gibt der letzte Trailer noch nicht preis. Wir sehen eine junge Galadriel, die in schillernder Rüstung Monster plättet (in Peter Jacksons Filmen verwandelte sie sich dagegen in ein grünes Glibbermonster, wenn sie sauer wurde, was für Onkelchen fast ein schlimmerer Horror war als die Riesenspinnen im zweiten Teil des "Hobbit"). Andererseits weiß man aus dem "Herrn der Ringe", dass ein Oberbösewicht namens Sauron irgendwann mal einen Ring geschmiedet hat, mit dem er die Völker Mittelerdes unterjochen wollte. Die entsprechenden Zeilen hat jeder echte Tolkien-Fan sofort parat:
 
"Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden."
 
"Die Ringe der Macht" erzählen nun quasi die Vorgeschichte dieses Dramas. Ihre literarische Vorlage ist - man höre und staune - größtenteils den Anhängen des "Herrn der Ringe" entnommen. Dort finden sich unter anderem die Königslisten der verlorenen Insel Númenór, die Stammbäume der Elben, Zwerge und Menschendynastien und darüber hinaus noch ein paar hilfreiche Zeittafeln. (Einschub: Blöd ist zudem, dass die betreffenden Anhänge in der deutschsprachigen Taschenbuchausgabe des "Herrn der Ringe" lange nicht enthalten waren. Onkelchen hatte sich die Ausgabe gleich zweimal gekauft (die erste Ausgabe hatte er an eine Schulfreundin ausgeliehen, die ihm die Bücher über Jahre nicht zurückgegeben hatte). Beide Male ohne Anhänge. Er wüsste nicht zu sagen, ob die Anhänge in der "wohlfeilen" deutschen Ausgabe inzwischen drin sind oder nicht.)
 
Anders als beim "Herrn der Ringe" oder dem "Hobbit" existiert also gar kein durchgängiges Narrativ, sondern die Handlung wurde hauptsächlich aus Versatzstücken und Konjekturen zusammengestrickt. Gut, so was ist nicht verboten - man erinnere nur an die Oper "Echnaton", für die der Librettist so verstreute Informationen wie die Königslisten der späten 18. Dynastie, die Keilschrift-Korrespondenz zwischen den Hauptstädten Achetaton und Hattuscha sowie den 104. Psalm zusammenfieseln musste.
 
Ganz ähnlich lief es wohl bei "Die Ringe der Macht", wo die Handlungsfetzen aus verschiedensten Einzelquellen, Briefen und Sammelwerken zusammengetragen werden mussten. Offenbar gingen die Drehbuchschreibenden (Palfi ist woke!) dabei aber etwas zu flusig vor. Die ganze Handlung verteilt sich auf nicht weniger als rund 3400 Jahre, in der Fernsehserie werden die Ereignisse dagegen auf einige wenige Jahre konzentriert.
 
Das sorgt in der Fangemeinde für allgemeines Schütteln des Kopfes. Ein Blick in die Anhänge des "Herrn der Ringe" zeigt uns, dass das Schmieden der Ringe der Macht ungefähr um das Jahr 1600 des Zweiten Zeitalters erfolgte, der Untergang der Insel Númenór mit seinen fehlgeleiteten Übermenschen kam dagegen etwa 1700 Jahre später. Das nervt die Tolkien-Lordsiegelbewahrer. Und auch die schauspielerischen Fähigkeiten einiger Akteure und Aktricen scheinen eher limitiert zu sein, wenn man*frau*es (Palfi ist woke!) die bisher gezeigten Trailer zur Grundlage nimmt. Erste Stimmen von Leuten, die die einführenden Folgen bereits gesehen haben wollen, klingen zwar ermutigend. Aber hier scheint auch wieder das erste Gesetz der Prophetin Mandy Rice-Davis zu gelten: "Das war doch klar, dass sie das sagen würden. Oder?"
 
 
Die wichtigste Frage ist zudem: Wer übernimmt die Rolle des fiesen Oberbösewichtes Sauron? Da wir wissen, dass Sauron zu dieser Zeit in der Lage war, jedwede Gestalt anzunehmen, kann es jeder und jede sein! Ich persönlich vermute, mein missratener Sohn Gianni ist derjenige welche. Schließlich benimmt er sich in letzter Zeit ziemlich seltsam, ist oft weg. Angeblich arbeitet er für eine geheimnisvolle Organisation namens "Mozzad". Pah! Das kann doch jeder behaupten! Für mich ist klar: Gianni ist Sauron! Oder "Zauron", wie Gianni wohl sagen würde. (Er selbst bestreitet es übrigens vehement!)  
 
Ist Gianni wirklich Zauron? Wir werden es erfahren... Start der Serie ist am 2. September.



   

Sonntag, 19. Dezember 2021

Der merkwürdige Herr Schlachter

 In letzter Zeit wird Onkelchen immer wieder etwas nostalgisch bis melancholisch. Das kann natürlich der trüben Jahreszeit geschuldet sein. Aber es fällt doch auf, dass er sogar wohlwollend Geschichten aus Episoden seines Lebens erzählt, von denen er eigentlich glaubte, dass er sie schon vergessen hätte. So wie die mit dem merkwürdigen Herrn Schlachter.

Rückblende: Onkelchen war gerade mit seinem Studium an einer obskuren bayerischen Kleinstadt-Universität fertig geworden, da zog es ihn zu einer kleinen PR-Agentur nach Köln. Das war seine erste feste Stelle. Die kleine Agentur befand sich in einem renovierten Gutshof in einem geradezu dörflichen Vorort der Rheinmetropole. Onkelchen sah die Stelle nur als Übergang, bis ihm etwas Besseres über den Weg laufen würde - wir alle wissen, dass das bisher nicht der Fall gewesen ist, nicht wahr? 

Die Spezialität dieser PR-Agentur war nun, dass sie Artikel für bestimmte Produkte aus dem Gesundheits- und Wohlfühlbereich - das Wort "Wellness" war noch nicht so geläufig - in Zeitungen und Zeitschriften zu lancieren suchte. Die Firmen, die solche Produkte herstellten, hatten in der Regel keine Lust oder auch nicht das Geld, um teure Anzeigen zu schalten. Stattdessen beauftragten sie die Agentur, Artikel zu schreiben, in denen die Gesundheits- und Wohlfühlprodukte möglichst gut besprochen wurden. Und die Agentur kümmerte sich dann darum, dass diese Artikel auch in den Zeitungen und Zeitschriften erschienen. 

Meist geschah das, indem man die zuständigen Redakteur*innen so lange mit Telefonaten terrorisierte, bis sie schließlich einlenkten. Oder die Mitarbeiter*innen der Agentur schauten gleich mal selbst in den  Redaktionen nach dem Rechten.  Und dann durften sich die Firmen, die neuseeländisches Teebaumöl oder Abführmittel in Tropfenform vertrieben, über kostenlose Werbung freuen - nun, ganz kostenlos war sie nicht, die Firmen hatten ja für die Agentur bezahlt. Aber das war wesentlich billiger, als zum Beispiel in der "Rentner-Bravo", aka Apotheken-Umschau, Anzeigen zu schalten.

Hier kommt nun der merkwürdige Herr Schlachter ins Spiel. Herr Schlachter war Österreicher oder Südtiroler, so genau wusste man das nicht. Auf jeden Fall war Herr Schlachter einer der, sagen wir, farbigeren Kunden der Kölner Agentur. Er vertrat eine Firma, die eine Salbe herstellte, die wahre Wunder gegen Cellulite wirken sollte. Diese Wundersalbe kostete ein kleines Vermögen pro Tube und wurde ausschließlich in Apotheken vertrieben. Herr Schlachter war nun bekannt dafür, die Kolleginnen der Agentur (tatsächlich waren es bis auf die Chefs ausschließlich Frauen) bei ihren Redaktionstouren zu begleiten und die Presseleute zu wahren Gelagen in den besten Restaurants der jeweiligen Stadt einzuladen. Er muss aber auch etwas Gewinnendes an sich gehabt haben, denn die Damen aus der PR-Agentur schwärmten stets von dem Humor und dem (wohl etwas rustikalen) Charme des Herrn Schlachter. Charaktere wie ihn hätte man früher wahrscheinlich als "Lebemann" bezeichnet.

 

So hat sich Onkelchen den merkwürdigen Herrn Schlachter vorgestellt.
 

Nun kam es, dass die Spesenrechnungen der Firma, die jenes Cellulite-Wundermittel herstellte, in den Himmel wuchsen. Andererseits häuften sich aber auch die Veröffentlichungen über die Wundersalbe, die - wie Onkelchen meinte - hauptsächlich aus einer Pampe aus zermahlenen Tannennadeln zu bestehen schien. Immer öfter erschien auch Herr Schlachter selbst in den Zeitschriften für jenes Publikum, das sich hauptsächlich für Klatsch über Prominente, Kreuzworträtsel und Gesundheitstipps interessiert. 

Irgendwann lief der Vertrag der Agentur mit der Wundersalben-Firma aus. Es schien aber sicher zu sein, dass die Firma "im nächsten Jahr oder so" wieder auf eine große Redaktionstour gehen würde. Weitere Gelage bei bester Küche schienen garantiert. Und dann würde vielleicht auch Onkelchen, der zu ahnen begann, dass es mit einer Karriere beim WDR nichts werden würde und deshalb seine Zeit mehr oder weniger mit dem Schreiben von Bewerbungen an obskure Computerzeitungen verbrachte, mit dabei sein dürfen.  

Schließlich schien der Tag gekommen. Herr Schlachter kündigte für den Frühling eine europaweite, nein, weltweite Marketing-Offensive an. Den Anfang sollte ein Presse-Essen im besten Restaurant des Kölner Umlandes machen, in einem Drei-Sterne-Lokal in einem echten Schlosshotel. Onkelchen wurde angewiesen, die Presseeinladung zu verfassen. Mit wohlkingenden Adjektiven gespickt, glitt das Einladungsschreiben aus dem firmeneigenen Drucker (Onkelchens PR-Erfolge waren zwar mehr als überschaubar, aber immerhin hatte er sich insofern unersetzlich gemacht, als er die wacklige IT und die Drucker der Agentur am Laufen hielt, und das war ja auch etwas). 

Die Chefs befanden das Schreiben für gut, und bald sollte die gesamte Journaille zwischen Koblenz und Düsseldorf zu einem Presse-Essen eingeladen werden, das niemand jemals vergessen würde. Als es daran ging, die Einladungen zu verschicken, bemerkte einer der Agentur-Chefs, dass er die Datei nicht finden könne und unter welchem Namen Onkelchen sie denn wohl abgespeichert habe. Onkelchen erwiderte, na, das sei doch wohl völlig klar. Der Dokumentenname lautete "MAMPF.DOC",1 selbstverständlicher könne es doch nicht sein. Onkelchen wusste schon damals, dass es wichtig war, zum Wesentlichen vorzustoßen.

Als nun das Schreiben mit dem Namen "MAMPF.DOC" verschickt wurde, hielt sich die Begeisterung zwischen Koblenz und Düsseldorf in Grenzen. Nur eine Handvoll Presseleute meldeten sich an. Die Agentur war etwas ratlos. So gut konnten die Betriebskantinen der Zeitungsverlage im Rheinland denn nun doch wirklich nicht sein, dass man ein solches Drei-Sterne-Gelage verschmähen würde? Man telefonierte mit der Cellulite-Wunderfirma, und es stellte sich heraus, dass man dort schon seit einiger Zeit nichts mehr von Herrn Schlachter gehört hatte. Er war wie vom Erdboden verschluckt und hatte wohl einen guten Teil der Barschaft mitgehen lassen. Schlimmer noch: Herr Schlachter hieß wohl gar nicht Herr Schlachter, sondern irgendwie anders. 

Also musste das große Presse-Gelage abgesagt werden. Alle, die sich angemeldet hatten, bekamen ein wesentlich knapperes und mit deutlich weniger Adjektiven gespicktes Schreiben.  Dass sich ein paar Tage später dann doch eine Journalistin in das Schlosshotel verirrte, in dem das Gelage stattfinden sollte, gab der kleinen Agentur den Rest. Onkelchen zog von dannen und machte zuerst ein obskures Münchner Privatradio und danach eine noch obskurere Computerzeitschrift unsicher. Ob Herr Schlachter jemals wieder auftauchte, hat Onkelchen nie erfahren.



1 Damals benutzte man noch "Windows 3.11 for Workgroups".

Sonntag, 5. September 2021

Krass! "The Wheel of Time" startet im November!

Wir hatten eigentlich schon nicht mehr damit gerechnet. Aber plötzlich landete dieser Trailer auf Youtube und gab uns nicht nur Hoffnung, sondern auch ein Startdatum. Augenscheinlich sind es nur noch wenige Wochen, bis "The Wheel of Time", Robert Jordans großes Fantasy-Epos das Licht der Streaming-Welt erblickt:


 Dazu muss man wissen, dass Onkelchen einst ein großer Fan der "Wheel of Time"-Buchreihe war. Zwischen den Jahren 2000 und 2004, als er berufsbedingt täglich im Zug nach Stuttgart pendelte, hatte er immer Lesestoff dabei, und eine Zeitlang waren eben auch die "Wheel of Time"-Bücher seine treuen Begleiter. Allerdings vermeinte er, einen deutlichen Spannungsabfall zu konstatieren, je weiter die Geschichte voranschritt. Waren die ersten drei (oder vier) Bände noch packend geschrieben, so verlangsamte sich in den späteren Büchern das Erzähltempo immer mehr. Ereignisse, die in den früheren Bänden in einem Kapitel abgehandelt worden wären, wurden später in einem ganzen Buch ausgewalzt.

Als Onkelchen später in einen obskuren Fachverlag arbeitete, verstand er durchaus, welches Ziel der Verlag damit verfolgte: Die erfolgreiche Reihe sollte möglichst lange gemolken werden, und deswegen wurde das Finale der Serie immer weiter hinausgeschoben. So weit, bis schließlich Robert Jordan, der Originalautor der Serie, starb. Zu diesem Zeitpunkt waren wohl um die neun Bände erschienen (oder waren es zehn?). Trotz seiner schweren Krankheit hatte Robert Jordan aber wohl deutlich skizziert, wie die Geschichte ausgehen sollte. Der Nachfolgeautor Brandon Sanderson, ebenfalls ein Schwergewicht unter den amerikanischen Fantays-Schriftstellern, brachte das Epos zu einem Abschluss - wenngleich das Abschlussbuch ob seines Umfangs in drei Bänden mit jeweils knapp 1000 Seiten veröffentlicht werden musste.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Onkelchen das Interesse an der Buchreihe jedoch verloren. Es würde einfach zu viel Zeit kosten, zunächst die ersten neun (oder zehn?) Bände wieder durchzulesen, um dann schließlich die Abschluss-Trilogie lesen und verstehen zu können. Er hoffte einfach auf die Verfilmung. Und die kommt jetzt dank Amazon Prime ins Fernsehen und dürfte mehr als geeignet sein, die Fantasy-Fans bei der Stange zu halten, bevor kommendes Jahr die "Herr der Ringe"-Serie bei Amazon Premiere hat.

Gute Frage: worum geht's? Tja, ein bisschen Hintergrundwissen ist vonnöten: in der Fantasy-Welt, in der das Epos spielt, ist es vor Tausenden von Jahren zu einem kataklysmischen (tolles Fremdwort, gell?) Kampf zwischen den Mächten des Guten, vertreten durch den Kriegerkönig Lews Therin Telamon genannt "der Drache", und den Mächten des Bösen, an deren Spitze "the Dark One", gekommen. Lews Therin, der die Magie der "Einen Macht" zu nutzen imstande war, gelang es, das Böse niederzuwerfen und den Dämonenfürsten im Inneren der Erde einzuschließen. Darob wurde "der Drache" jedoch wahnsinnig, was  zu furchtbaren Verwüstungen sowie zum Tod seiner ganzen Familie führte. Lews Therin Telamon beging in einem kurzen Moment der Klarheit Selbstmord, und die Welt hatte eine Weile Ruhe.

Tausende Jahre gingen also hin, die Welt erholte sich, abgesehen von einem großen Landstrich im Norden, der auf immer verwüstet blieb. Königreiche wuchsen, blühten und starben, und die Aes Sedai, eine Art Orden von Magierinnen, wachte über die Ordnung. Sie allein sind in der Lage, die Magie gefahrlos zu nutzen, denn der männliche Aspekt der Einen Macht war vom "Dark One" befleckt worden. Mit dem Ergebnis, dass jeder Mann, der die Magie zu nutzen versucht, früher oder später wahnsinnig wird und furchtbare Verwüstungen anrichtet. Ein Teil der Aes Sedai ist deshalb damit betraut, magiebegabte Männer aufzuspüren und in ihnen den Funken der Magie zum Erlöschen zu bringen.

Nun wohnen aber in dem kleinen Dorf Emond's Field drei Freunde namens Rand al'Thor, Perrin Aybara und Matrim Cauthon, die eines Tages Besuch von einer Aes Sedai namens Moiraine bekommen. Einer der drei ist nämlich der Auserwählte, dem es bestimmt ist, in einem epischen Showdown dem "Dark One" die Stirn zu bieten, denn die Siegel, die den Bösen im Inneren der Erde halten, bröckeln zusehends. Trollocks (das Äquivalent der Orks im Tolkien-Universum) durchstreifen das Land. Und einer der drei Jungs muss sich damit auseinandersetzen, dass er als "Dragon Reborn" magiebegabt ist und über kurz oder lang wahnsinnig werden wird. 

Dazu kommt, dass sich die Aes Sedai untereinander nicht einig sind, es gibt unter den Magierinnen verschiedene Fraktionen mit jeweils eigenen Zielen - einige unterstützen sogar heimlich das Böse, das sich wieder inkarnieren will. Es gibt epische Schlachten, jede Menge Herzschmerz, eine ganze Menge magischer Amulette (wer erklären kann, was der Unterschied zwischen einem angreal, einem sa'angreal und einem ter'angreal ist, darf sich schon jetzt als Chefdurchblicker:in feiern lassen), ein Volk von Wüstenkriegern mit einem ganz eigenen Ehrenkodex, und die engsten Diener des Bösen, die sogenannten Vergessenen, die unsere Freunde mit Tücke zu vernichten suchen. Wer also immer noch mit dem vergurkten Ende von "Game of Thrones" hadert, findet hier ganz bestimmt neues Fantasy-Futter.

Samstag, 26. Juni 2021

Toll! Jogi Löw kriegt ein Abschiedsspiel in Wembley!

Nach dem (nicht nur wegen der schwarzen Trikots) in weiten Teilen lichtschluckenden Auftritt der deutschen Nationalmannschaft im letzten EM-Gruppenspiel ist nun Rätselraten angesagt. Denn im Münchner Stadion herrschte zuweilen reine Konfusion. Auch wenn einzelne Beteiligte nun kundtun, dass es am Dienstag gegen England in der Fußballkathedrale Wembley sicher besser werden würde, weil die "Three Lions" doch sicher nicht so defensiv-destruktiv spielen würden wie die Ungarn, scheint eines festzustehen: Jogi Löw wird wohl in Wembley sein Abschiedsspiel bekommen. Ein schöneres "Farewell" kann kein Trainer bekommen. Es sei denn, es geht wieder ins Elfmeterschießen. Aber selbst da haben die Engländer noch ein paar Rechnungen zu begleichen. Onkelchen erinnert sich noch gut daran.

 


Nicht wahr, Onkelchen?

Ja, es war eine magische Nacht, ein Spiel, das eigentlich von Anfang an auf die Engländer zugelaufen war. Ich hätte damals eigentlich auf meine Abschlussprüfung lernen müssen, aber ich konnte mich der Faszination nicht entziehen. Die Engländer, die damals diese komischen, aber irgendwie doch schicken grauen T-Shirts trugen (das war ein Zugeständnis an den Kommerz, man glaubte, die T-Shirts würden als Fanartikel gut zu ausgewaschenen Jeanshosen passen), gingen relativ schnell durch Alan Shearer in Führung, und schon allein wegen der langen Verletztenliste im deutschen Team hatte man so das Gefühl: Ja, OK, Halbfinale, das ist schon in Ordnung, und wenn der Weg gegen die Engländer zu Ende sein soll, dann ist das auch keine Schande. Aber dann machte Stefan Kuntz relativ schnell den Ausgleich, und es entwickelte sich ein Drama, das diesem ehrwürdigen Schauplatz - es war ja noch das alte Wembley-Stadion - durchaus angemessen war. In der Verlängerung machten beide Teams (glaube ich) jeweils ein Tor, was ja damals als Golden Goal zum sofortigen Spielabbruch geführt hätte, aber der Schiedsrichter erkannte beide nicht an, wobei das deutsche ganz klar regelgerecht erzielt worden war. Aber was soll's? Mich hat aber sehr beeindruckt, wie die beiden Teams miteinander umgegangen sind. Trotz der zum Teil recht martialischen Schlagzeilen, mit denen die britischen Boulevardzeitungen das Duell begleitet haben, sind die Mannschaften sehr fair miteinander umgegangen. Hart, aber mit offenem Visier. Und ich würde mich freuen, wenn es diesmal auch wieder so sein würde.

Du sagst, das Spiel sei von Anfang an auf die Engländer zugelaufen. Warum?

Nun, die deutsche Mannschaft war in zweierlei Hinsicht im Nachteil. Zum einen hatten die Engländer Heimrecht, und zum anderen hatten die Deutschen eine ellenlange Verletztenliste. Mannschaftskapitän Klinsmann hatte sich schon im zweiten Gruppenspiel übel verletzt, und es bestand kaum Hoffnung, dass er im Lauf des Turniers wieder eingesetzt werden könnte. Steffen Freund, Fredi Bobic, Jürgen Kohler, fielen aus - und "Thomas Helmer hatte ständig Kühlpacks auf dem Knie", wie sich Fredi Bobic erinnert.

Und wie sieht es diesmal aus?

Tja, wie sieht's aus: Ich denke, selbst die Beteiligten würden zugeben, dass das Spiel gegen Ungarn zzu den konfusesten Auftritten einer deutschen Nationalelf in einem Turnier gehört. Ich kann mir jetzt alles Mögliche vorstellen. Das ist ja das Merkwürdig-Wunderbare an einer KO-Runde. Bei jedem Spiel geht alles wieder von vorne los, das Ergebnis der letzten Partie fällt nicht mehr ins Gewicht. Ich denke zudem, dass Ungarn gegen die deutsche Mannschaft bis in die Haarspitzen motiviert war. Ich kann mir gut vorstellen, dass jeder der ungarischen Spieler irgendwie schon als Kind erzählt bekommen hat, dass das "Wunder von Bern" 1954 nur möglich war, weil sich die deutsche  Spieler noch mit Pervitin (heute besser bekannt als Crystal Meth) hochgepuscht haben, das noch aus Wehrmachtsbeständen übrigggeblieben war. Und da galt es natürlich, diese historische Ungerechtigkeit auszuwetzen. Beinahe hätte es ja geklappt.

Aber Onkelchen wäre ja nicht Onkelchen, wenn er das Spiel gegen England nicht schon bis ins Detail auf seinem Computer simuliert hätte. Wie lautet also dein Tipp?

4:4 nach Verlängerung. Und dann geht's ins Elfmeterschießen. 

Danke dir. Wir sind gespannt.