Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Samstag, 3. Oktober 2015

Im Schatten des Oettinger-Lastzugs

Es ist Onkelchens Schicksal, dass er immer wieder auf die Nase fällt. Das hat dazu geführt, dass er sich in seiner eigenen, ganz privaten Sitcom mit der Rolle des sympathischen Losers von nebenan besetzt hat. So ein bisschen wie Homer Simpson oder der Typ aus Family Guy oder der Typ mit den wenigen Haaren in Seinfeld. Mister Ochmonek, der Nachbar der Familie Tanner in Alf. Ihr wisst, was ich für einen Typ meine. Aus diesem Grund hat er ein gesundes Misstrauen entwickelt. Wenn es irgendwann mal wider Erwarten eine Zeitlang gut laufen sollte, vermutet er, dass das Schicksal hinter der nächsten Kurve des Lebensweges eine Betonwand bereit hält, auf die man frontal draufkracht.

Als er letztes Jahr seinen geliebten abgeschrammelten Siebziger-Jahre-Daimler, den er elf Jahre gefahren hatte, nach über 250.000 Kilometern (Benziner!) beim TÜV lassen musste (ausgerechnet bei der Hauptuntersuchung war die Bremsleitung hinten gerissen), überkam ihn aber aus irgendeiner Ecke seines Ichs, die sich noch nicht hundertprozentig mit dem Loser-Dasein abgefunden hatte, dass er nun doch mal angreifen wollte. Er wollte auf der Autobahn auch mal die Überholspur belegen, anstatt immer dem Lastzug von Oettinger-Bier hinterher schleichen zu müssen. Und nach welcher Automarke drängt es die Aufsteiger, all jene jungdynamischen Berater und Vertreter, die die Welt aus den Angeln heben wollen und die die linke Spur für sich gepachtet haben?

Ich will jetzt einen Namen mit vier Buchstaben hören. (Hat da jemand "Opel" gesagt?) Und richtig, Onkelchen wollte auch eines dieser monströsen Autos mit den vier Ringen haben. Das Schicksal schien ihn diesmal allerdings vor einer Dummheit bewahren zu wollen, denn als er mit Tante Dilein bei einem offiziellen Audi-Händler vorbeischaute, wurde er nur ausgelacht. Na ja, reinsetzen durfte er sich schon mal in ein Fahrzeug, aber das war das Äußerste, was ihm der Verkäufer zugestand. Als Onkelchen schüchtern versuchte, bei der Preisdiskussion seine eigenen Vorstellungen anzudeuten, brach der Verkäufer in schallendes Gelächter aus, von dem er sich bis zum Abend nicht mehr erholt haben dürfte.

Trotzig entschloss sich Onkelchen, seinen aus dem automobilen Neolithikum stammenden Daimler, dessen Bremsleitung mittlerweile notdürftig geflickt war, bis ans Ende seiner Tage weiterzufahren. Doch ach, dieser Beschluss war nicht von Dauer, denn ein Autoschieber vom Balkan bot ihm einen gebrauchten A4 mit einem mächtigen TDI-Dieselmotor an. Der Levantiner hob zu einer veritablen Litanei an: "Junger Gebrauchter! Turbo-Direkteinspritzung! Automatik mit Multitronik! Bluetooth!"

Beim Wort "Bluetooth" wurde Onkelchen schwach, denn er wusste ja aus der "Big Bang Theory": Alles ist besser mit Bluetooth. Da ihm der Autoschieber sogar einen günstigen Preis machte, ließ sich Onkelchen auf den Deal ein, sagte seinem Schwabenpfeil Lebewohl und wurde zu einem Herrn der Ringe.

Endlich wähnte sich Onkelchen auf der Sonnenseite des Lebens. Selbst die Bemerkungen seines Papas (86 Jahre, aber geistig noch sehr rege) nach dem Motto, wer einen Mercedes - und sei er noch so alt - gegen einen Audi eintausche, dem sei nicht mehr zu helfen, konnten ihn nicht beeindrucken. Endlich mal konnte er an dem Oettinger-Bierlaster vorbeiziehen und an einigen anderen Lastern auch. Er hatte Spaß.

Dann kam der VW-Abgasskandal.

Eine Internetsuche brachte Onkelchen die Gewissheit, dass sein Audi zu den Modellen gehörte, die den Prüfern mit getrickster Software einen niedrigeren Abgaswert vorgaukelten. Und noch schlimmer: Seinem Turbo droht die Kastration durch ein Update der Schummel-Software, denn die seriöse Tageszeitung "Die Welt" schrieb am 28.9.: "Wer seinen VW nicht drosselt, gefährdet Zulassung". Damit sind natürlich auch die betroffenen Audis gemeint. Im Artikel heißt es: "Denn mit einer Software, die den Schadstoffausstoß begrenzt, verliert das Auto auch an Power. Die Besitzer der Fahrzeuge können sich auf den Standpunkt stellen, einen Pkw mit einer dann geringeren Motorenleistung nicht haben zu wollen."

Jetzt wusste Onkelchen, warum der Autoschieber vom Balkan ihm ein so gutes Angebot gemacht hatte. Der Levantiner musste gewusst haben, dass was im Busch war. Statt Gas geben zu können, würde Onkelchen wieder zu einem Dasein im Schatten des Oettinger-Lasters verdammt sein. Gut, ein absolutes First-World-Problem, aber trotzdem doof. Und sehr enttäuschend, denn zum Schleichen auf der Autobahn kauft man sich alles Mögliche, aber sicher keinen Audi.

Jetzt kann Onkelchen nur noch hoffen, dass die gute Fee Panagiota ihm als Ersatz für seinen Audi eine Reisschüssel aus Japan anschleppt. In seinen feuchten Träumen stellt er es sich schon vor: "Schau mal, das ist dein Traumauto. Honda Civic, Baujahr 2003. Nur 186.000 Kilometer. Ist doch besser als deine alte Rostlaube. Garantiert ohne Schummel-Software." Und Onkelchen würde Panagiota um den Hals fallen und sich einmal im Leben als echter Sieger fühlen.

Mittwoch, 12. August 2015

Ein dringender Appell zum Welt-Elefantentag



Heute melde ich mich mal in eigener Sache. Denn heute ist der Welt-Elefantentag! Das ist mir ein großes und wichtiges Anliegen. Bitte lasst nicht zu, dass wir Elefanten noch weiter gejagt und gewildert werden und unsere Lebensräume weiter eingeschränkt werden! Kauft bitte keine Gegenstände aus Elfenbein, und seien sie auch noch so hübsch. Sorgt dafür, dass wir alle auf diesem Planeten in Einklang mit der Natur leben können. Wir Elefanten und ihr Menschen! Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Es grüßt euch herzlich

Euer Palfi.

Freitag, 7. August 2015

Texas - Onkelchen hält die Welt in Atem!

Texas ist ja einer der Landstriche auf dem Globus, von dem jeder seine ganz speziellen Vorstellungen hat: Cowboyhüte und Cowboystiefel aus Schlangenleder, einsame und verlassene Wüstenstraßen, durch die der heiße Wind die Tumbleweeds treibt. Dallas und Dschei Ahr Ewing! Onkelchen hat seinerseits lange gebraucht, um sich das meckernde Lachen von J.R. anzugewöhnen, und wenn er es heute vorführt, weiß eigentlich keiner mehr so richtig, wer gemeint ist. Glücklicherweise hat sich Onkelchen die anderen Charaktereigenschaften von J.R. nicht angewöhnt, der war ja schon ein ziemlich mieser oder - wie man heute sagen würde - komplexer Typ.

Leider konnte Onkelchen auf seinem Trip nach Austin seine sonst übliche Gewohnheit nicht in die Tat umsetzen, einfach mal trotz aller drängenden Termine in der Stadt herumzustromern. Das liegt daran, dass er einfach zu sehr wie ein Software-Nerd aussieht und ihn die anderen Software-Nerds auf der Konferenz als einen der ihren ansehen. So kam er zum Beispiel mit ein paar Finnen ins Gespräch, die irgend etwas Abgedrehtes im sogenannten Internet of Things entwickeln. Dass er mit denen so einfach in Kontakt kam, muss am vergleichbaren Bauchumfang gelegen haben und an Onkelchens abgeschrammelten Nokia-Lumia-Smartphone liegen, das er ständig mit sich rumschleppt. Vielleicht hatten die Finnen deswegen ja Mitleid mit ihm.

Von den Sehenswürdigkeiten Austins hat Onkelchen also nicht viel mitgekriegt. Gut, die berüchtigten Fledermäuse hat er schwärmen sehen, aber das war nun nicht gerade ein abendfüllendes Programm.


Immerhin war es ihm möglich, zumindest einen Blick auf das Texas State Capitol zu werfen, das bei Nacht feierlich illuminiert war. Den schlauen Texanern ist es damit gelungen, auf ihr Kapitolsgebäude eine Kuppel zu setzen, die die des Kapitols in Washington DC um ein paar Meter überragt. In Texas muss halt alles immer ein bisschen größer sein als im Rest der USA. Dass die Texaner hierfür möglicherweise ein bisschen bei der Kuppel des Pantheons in Paris kopiert haben (wer will, mag auch eine Ähnlichkeit zu den Kuppeln des Berliner Gendarmenmarktes erkennen), wollen wir ihnen hier nicht allzu sehr nachtragen. Kuppeln sehen sich eben immer irgendwie ähnlich. Muss an der Form liegen.


Durchweg erfreulich war das Einkehren in eine Pizzeria, in der es nicht den üblichen Pizza-Hut-Einheitsmampf gab, sondern eine echte gute Pizza mit Ruccola drauf, die auch der zu Unrecht unberühmten Pizzeria "Piazzetta" in Poing bei München zur Ehre gereicht hätte.

Beim Dessert wäre er aber dann beinahe in Schwierigkeiten gekommen, da er der Kellnerin mit den großen Brillengläsern zu erklären versuchte, dass "Tiramisu" zu deutsch "Zieh mich hoch" bedeute, auf Englisch "Pull me up". Dass dies nicht zu Verwicklungen führte, ist vermutlich der Tatsache zu verdanken, dass die Kellnerin nicht so richtig zuhörte, weil sie bald Feierabend machen wollte. So hat Onkelchen zumindest für diesmal gar nicht so viel von Texas mitgekriegt. Macht aber nix. Die schönste Hommage an Texas stammt immer noch von Helge Schneider, und diese wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Dienstag, 4. August 2015

Caramba, Karacho in Texas!

Ein Wolkenkratzer in Austin/Texas. Bei Nacht.

Es ist doch zum Mäusemelken. Kaum haben wir den epischen Urlaub von Onkelchen und Tante Dilein in aller Breite abgehandelt, ist Onkelchen schon wieder irgendwo. Diesmal hat es ihn nach Texas verschlagen, und zwar in die Hauptstadt des Lone-Star-States, nämlich nach Austin. Irgendjemand hat ihn da wieder eingeladen, und pflichtschuldigst hat sich Onkelchen denn auch wieder mal ins Flugzeug gezwängt.

Austin ist nicht nur die Hauptstadt von Texas, sondern auch und insbesondere die Hauptstadt der Live-Musik. Schätzungen zufolge gibt es hier über 250 Bars und Kneipen, in denen, wenn schon nicht täglich, dann doch wenigstens in regelmäßiger Folge Live-Bands auftreten - angeblich vor allem solche, die in Nashville/Tennessee, der Hauptstadt der Country-Musik, inzwischen Auftrittsverbot haben. Aber das ist bestimmt nur ein Gerücht! Onkelchen hat vorhin an der Rezeption auch gefragt, ob es in der  Nähe des Hotels eine Karaoke-Bar gäbe. Karaoke ist nach Onkelchens Definition ja auch eine Form der Live-Musik.

Augenscheinlich hat er sich in den Kopf gesetzt, die völkerverbindende Kraft der Musik einzusetzen, um die Amerikaner mit dem meilenweit unterschätzten Werk des teutonischen Barden Heino zu konfrontieren. Zu diesem Zwecke hat er das schöne Stück "Caramba, Karacho, ein Whisky" einstudiert, weil das seiner Meinung nach so wunderbar nach Texas passt:


Warum das Lied ausgerechnet nach Texas passen soll, wenn in der ersten Strophe eindeutig gesagt wird, dass das Setting eine klitzekleine Hafenbar in - Achtung, jetzt kommt's - Rio de Janeiro ist, konnte mir Onkelchen bisher noch nicht so ganz verklickern. Aber auch sonst gibt es in dem Lied einige Ungereimtheiten. Warum zum Beispiel ist in dem Lied von einem braungebrannten Gaucho die Rede? Die sind ja nun eher typisch für das benachbarte Argentinien. Und welche Bedeutung in der ominösen Liedzeile "und alles ist wieder hin" stecken soll, die den Refrain beschließt, weiß wohl auch nur Heino selbst.

Onkelchen hat dieses Lied in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder geübt. Tante Dilein wusste schon gar nicht mehr, was sie dagegen machen sollte. Wahrscheinlich war es ihr deshalb ganz recht, dass er wieder über den Teich geflogen ist. Soll er doch die Amis mit der ollen Kamelle ärgern.

Die zweite Besonderheit, für die Austin - neben der Sache mit der Live-Musik - bekannt ist, sind die Fledermäuse. Die Stadt liegt an einem Fluss, über den eine Brücke führt, und unter dieser Brücke nisten die Fledermäuse. Manche behaupten, die Zahl gehe in die Millionen.Und jeden Tag im Sommer  brechen die Viecher um acht Uhr abends auf, um Happa-Happa zu suchen. Bei diesem Spektakel gucken jede Menge Leute zu. Vielleicht ist Onkelchen ja diese Woche auch dabei und begleitet das Ganze mit seiner ganz ureigenen Version von Meat Loafs "Bat Out Of Hell". Das kann Onkelchen nämlich auch.Und eine Fledermaus kommt auch drin vor.

Mittwoch, 1. Juli 2015

Kanada-Reisen: Erfahrungen und Tipps



Blick auf das Bergpanorama in Whistler (British Columbia).

Hallo, Onkelchen! Ich freue mich, dass ihr beide wieder gesund und wohlbehalten in Deutschland gelandet seid. Ich nehme mal an, dass Dich der Jetlag noch ein bisschen in den Klauen hat. Aber das legt sich ja erfahrungsgemäß. Aber trotzdem möchte ich die Frage loswerden: Das war ja jetzt eure fünfte gemeinsame Reise nach Kanada. Was macht Kanada immer wieder aufs Neue so faszinierend?

Ich glaube, dass da viele Dinge zusammenkommen. Da ist zum einen die großartige Natur, da ist das Zusammenspiel von Landschaft und Weite, das sind aber auch sehr freundliche und offene Menschen. Gerade im Westen Kanadas ist die Einstellung zu den Dingen des Lebens doch etwas gelassener als bei uns, und das färbt ab. Hoffe ich zumindest.

War es denn schön?

Ich denke, es war die schönste Kanada-Reise, die wir beide miteinander unternommen haben. Die anderen waren auch sehr schön, keine Frage. Aber die drei Wochen im Juni 2015 haben alles getoppt, nicht zuletzt wegen des fast durchgehend sonnigen Wetters, das wir hatten.

Ihr wart bisher eher im Spätsommer und im frühen Herbst in Kanada unterwegs. Jetzt wart ihr im Juni dort. War das eine gute Entscheidung?

Ja, ohne Frage. Der Juni ist eine gute Reisezeit, vor allem, weil die touristischen Zentren noch nicht überlaufen sind. Die Kanadier selbst brechen eher im Juli in den Urlaub auf. Mich hat überrascht, dass es im Juni dieses Jahr zum Teil schon ziemlich heiß war. Wir hatten eher frühlingshafte Temperaturen erwartet und uns sogar auf den einen oder anderen Frost eingestellt. Die dicken Jacken konnten somit im Koffer bleiben. Die Kanadier sagten uns, dass dieser Juni ungewöhnlich warm und sonnig gewesen sei. Das hat auch negative Folgen: die Waldbrandgefahr ist sehr hoch, und der ausbleibende Regen ist natürlich für die Landwirtschaft dort ein großes Problem.

Was muss man denn beachten, wenn man nach Kanada reist?

Vor allem sollte man Zeit mitbringen. Und man muss sich auf die Weite des Raumes einlassen. Ich geb Dir mal ein Beispiel: In den drei Wochen, in denen wir in Kanada waren, sind wir mit dem Auto ungefähr 3.300 Kilometer weit gefahren. Wenn Du in Deutschland 3.300 Kilometer fährst, hast Du mit hoher Wahrscheinlichkeit die komplette Bundesrepublik bereist und Berlin, Hamburg, Köln, München und noch einige weitere bedeutende Städte besucht. Wir dagegen haben uns eigentlich „nur“ im südlichen Drittel der westlichsten Provinz British Columbia bewegt. Das gibt so ein bisschen einen Eindruck von der Fläche, denke ich.

Was würdest du jemandem raten, der zum ersten Mal nach Kanada reist?

Wie gesagt: Zeit mitbringen. Das hat nicht nur mit den Entfernungen zu tun. Sondern auch damit, dass man auf den kanadischen Straßen nicht so schnell vorwärts kommt wie auf einer deutschen Autobahn. Ein kanadischer Highway ist keine Autobahn. Die Highways sind oft nur zweispurig ausgebaut, dann sind 90 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit das Maximum. Sie verlaufen gerade in British Columbia oft auch kurviger, so dass man an einigen engen Stellen bis auf 30 oder gar 20 Stundenkilometer herunter bremsen muss. Wenn man also eine Route plant – und der Reiz einer Kanada-Reise ist ja gerade das Unterwegs-Sein – dann muss man eine gute Vorstellung davon haben, wie viel Zeit diese Route in Anspruch nimmt. 

Mein Rat ist daher, sich vor der Reise die größte Straßenkarte zu kaufen, die man finden kann, und sobald man im Land ist, sollte man sich noch eine größere Karte kaufen. Einfach um ein Gefühl für die Entfernungen zu bekommen und zu sehen, welche Tagesetappen realistisch sind. Das ist nicht zuletzt dann wichtig, wenn man mit Familie reist. Man sollte die Touren schon so planen, dass man Zeitreserven hat, dass man Pausen für ein Picknick oder auch ein interessantes Zwischenziel hat. Auch wenn das Autofahren in Kanada wegen der geringeren Geschwindigkeiten auf den Straßen entspannter ist als in Deutschland: Wenn man nur Kilometer herunterreißt, weil man eine Etappe zu sportlich geplant hat, geht der Erholungseffekt leider flöten.    

Ihr wart zuletzt 2005 in Kanada, also vor zehn Jahren. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Zum Glück nicht viel (lacht). Die großartige Landschaft und die Natur sind natürlich immer noch vorhanden. Aber einige Details sind uns schon aufgefallen. Als wir vor zehn Jahren in Kanada waren, sind wir ab und an in ein Internet-Café gegangen, um Grüße nach Hause zu schicken. Mittlerweile ist ein in der Regel kostenfreier WiFi-Zugang in den allermeisten Hotels, Motels und auch in zahlreichen B&Bs Standard - und das sogar in relativ kleinen Ortschaften. Auch die Mobilfunkversorgung hat sich seit zehn Jahren wahnsinnig verbessert. Vor zehn Jahren konnte man mit Geräten nach europäischem Standard fast nur in den großen Städten Calgary, Edmonton und Vancouver beziehungsweise entlang des Korridors Calgary-Banff telefonieren. Heute ist das Netz dagegen viel besser ausgebaut. Natürlich - je weiter man in dünn besiedelte Gebiete vorstößt, desto geringer sind die Chancen. Aber in den Städten und den einschlägigen Touristengebieten hatten wir mit unseren europäischen Smartphones eigentlich immer die Möglichkeit zu telefonieren. Zudem hatten wir heuer oft sogar die Wahl zwischen diversen Roaming-Anbietern, nämlich Bell, Telus und Rogers Telecom. Vor zehn, zwölf Jahren war man auf einen einzigen Mobilfunkanbieter namens Microcell angewiesen, wenn man mit GSM-Geräten nach europäischem Standard telefonieren wollte. Damals haben wir uns meistens mit sogenannten Prepaid-Calling-Cards beholfen, die man am Flughafen und in den Supermärkten kaufen konnte. Man ging an ein öffentliches Telefon und musste die ellenlange Nummernkombination wählen, die auf der Karte aufgedruckt war. Das war zunächst die Netzeinwahlnummer, dann die Kartennummer und dann die PIN, die man freirubbeln musste. Und schließlich noch die Nummer, die man eigentlich wählen wollte.

Das ist ja schon eine recht lange Liste! Fallen dir noch irgendwelche Unterschiede gegenüber früher ein?

Ja, allerdings! Wir haben festgestellt, dass die Bed & Breakfasts (kurz B&Bs, also quasi Frühstückspensionen) inzwischen sehr viel professioneller geworden sind als damals. Früher konnte man sagen: Hotels sind teurer, B&Bs sind dagegen preiswerter, aber persönlicher. Die B&Bs waren nicht zuletzt deswegen preiswerter, weil man in der Regel den Übernachtungspreis pro Zimmer bezahlte, und dann war es eigentlich egal, ob man in dem Zimmer allein oder zu zweit übernachtete. Bei Hotels wurde der Preis pro Person berechnet. Zudem waren die B&Bs persönlicher, weil man die Betreiberfamilie ein bisschen kennenlernen konnte - das waren oft Ruheständler, die sich mit dem B&B ein bisschen ihre Rente aufbesserten und sich damit andererseits auch die Welt in ihre gute Stube holten.

Heute haben sich die Preise für Hotels und B&Bs praktisch aneinander angeglichen. Zudem kann man viele B&Bs in Kanada inzwischen auch über die einschlägigen Buchungsportale buchen. Das ist ganz hilfreich, weil man ohne Zeitverlust erfahren kann, ob das Zimmer in dem gewünschten Zeitraum auch verfügbar ist. Zudem kann man seine Reservierung ganz einfach durch Eingabe der Kreditkartennummer fixieren. Früher musste man die B&B-Betreiber erst per Mail anschreiben und dann abwarten, ob und wann sie dann antworteten.

Das ist heute - zumindest bei den Top-B&Bs - sehr viel angenehmer und einfacher. Auch beim Service sind viele B&Bs sehr professionell geworden, dabei ist allerdings manchmal das Persönliche ein wenig auf der Strecke geblieben. Bei einem B&B zum Beispiel haben wir unsere Vermieter nie getroffen, wir bekamen nur angegeben, wo wir den Schlüssel abholen und die Rechnung bezahlen sollten. Das geschah bei einer Firma, die Kanu-Exkursionen organisierte und nebenbei noch die allfällige Verwaltung für das B&B erledigte. Bei einem anderen B&B waren die Hauseltern sogar so profimäßig drauf, dass uns so ein bisschen das Persönliche abging. Es war einfach alles ein bisschen zu geleckt!

Hättest Du noch einen Tipp?

Einen? Viele! (lacht) Aber ich denke, wenn man unterwegs ist, sollte man unbedingt in der Tourist Information des jeweiligen Ortes vorbeischauen und sich erkundigen, welche interessanten Dinge es in der Umgebung zu sehen und zu erleben gibt. Selbst der beste Reiseführer kann nicht so aktuell und informativ sein wie die Infos, die man sich dort holen kann. Auch B&B-Betreiber wissen häufig sehr gut über ihren Ort und ihre Umgebung Bescheid, so dass man sich gute Tipps holen kann. Unsere Gastgeber in Port Alberni gaben uns zum Beispiel den Tipp, nach Errington zu fahren. Das ist nur ein paar Autominuten von dem berühmt-berüchtigten Coombs entfernt, wo Ziegen auf dem Dach eines merkwürdigen New-Age-Supermarkts weiden (ich lüge nicht!) In Errington gibt es das North Island Wildlife Recovery Centre, in dem verletzte Tiere wie zum Beispiel Weißkopfseeadler so weit gesund gepflegt werden, dass sie wieder ausgesetzt werden können. Das sollte man schon gesehen haben. Nur die Spinnensammlung im Eingangsbereich sollte man sich nicht zu genau ansehen...


Samstag, 27. Juni 2015

Neue Hoffnung für ein Nest namens Hope

Onkelchen hat vor kurzem zu Tante Dilein gesagt: Unser Urlaub hängt durch. Na ja, irgendwann hängen einem die Naturschönheiten von British Columbia zum Halse heraus. Und irgendwann geht einem dieses endlose "How are you, oh fantastic, oh so nice" der ausgesprochen netten Kanadier auch auf den Zeiger. Abwechslung ist gefragt! Und da traf es sich gut, dass Onkelchen und Tante Dilein gestern abend einfach mal durch das Dorf stromerten, in dem sie die letzte Etappe vor dem Heimflug verbringen, nämlich in einem Nest namens Hope. 

Hope besteht aus Eisenbahnschienen, ein paar Tankstellen und Motels sowie einer Hauptstraße mit ein paar Geschäften und Kneipen, der Wallace Street. Dort befindet sich auch das Kino des Ortes. Eigentlich suchten die beiden nur nach einer preiswerten Gelegenheit zum Einkehren, da fiel Onkelchen in einem der eingestaubten Schaufenster ein Plakat auf. Der Movie-Club von Hope lud zu einer Vorführung der (historisch) ersten Star-Wars-Episode von 1977, die im Kanon inzwischen als Folge vier eingereiht ist und den Eingeweihte unter dem Titel "A New Hope" (zu Deutsch: Neue Hoffnung) kennen.

Tante Dilein konnte gar nicht so schnell schauen, wie Onkelchen in dem Kino verschwunden war. Er ist nämlich eingefleischter Star-Wars-Fan, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Heuler wie der Wookiee Chewbacca loslässt (so auch jetzt). Schnell besorgte er die Karten, nachdem er eruiert hatte, dass auch Noch-Nicht-Mitglieder des Movie-Clubs den Film ansehen durften. Tante Dilein, die sich schon auf ein gut gegrilltes Steak oder zumindest auf einen Hamburger gefreut hatte, musste sich halt nun mit salzigem Popcorn zufrieden geben.

Der Filmvorführung ging eine Kostümprämierung voraus (richtig, einige Fans hatten sich als Charaktere aus der Star Wars Saga verkleidet). Eine schon etwas angejahrte Dame, die sich mittels angeklebter Papierohren als Jedi-Meister Yoda kostümiert hatte (im leicht unterbelichteten Foto ist sie in der Mitte zu sehen), gewann den Hauptpreis. Aber auch Tante Dilein ging nicht leer aus und gewann bei der ebenfalls stattfindenden Tombola ein Trinkglas mit dem Motiv des originalen Star-Wars-Filmplakats von 1977.



Onkelchen konnte seinerseits sein Fachwissen in Sachen Star Wars unter Beweis stellen und lieferte in einer Trivia-Fragerunde zweimal die richtige Antwort auf ausgesprochen knifflige Fragen (Wo wurden die Außenaufnahmen für den Wüstenplaneten Tattooine gedreht? Richtig, in Matmata in Tunesien. Welche Firma vertrieb die originalen Star-Wars-Actionfiguren? Richtig, Kenner Toys!).

Der Film war für Onkelchen natürlich ein Fest, er hatte ihn zwar schon unzählige Male gesehen, aber bis dato eben nie in der englischen Originalfassung auf der Leinwand. Tante Dilein konnte hingegen die Hingabe studieren, mit der echte Fans den Film verfolgen und wie sie in jeder Szene mitgehen. Bei der Zerstörung des Todessterns brach zum Beispiel das gesamte Publikum in Szenenapplaus aus. Insofern keimte ausgerechnet in einem Nest namens Hope neue Hoffnung für den zu Ende gehenden Urlaub der beiden auf. 

Donnerstag, 25. Juni 2015

Ganz geheime Geschichten

Irgendjemand hat mal gesagt, Kanada sei ein Land mit einem Zuwenig an Geschichte aber mit viel zuviel Geografie. Nun gut, die Ureinwohner dürften das ein bisschen anders sehen, aber aus Sicht der Europäer lassen wir das Zitat einfach mal so stehen. Dieser Mangel an Geschichte ist auch das Einzige, was Onkelchen ein bisschen nervt. Er liebt es zwar, mit Tante Dilein durch die Weiten der kanadischen Wildnis zu fahren, aber - hach, so eine Burgruine oder ein kleines barockes Wallfahrtskirchlein, das über dem Tale thront, das wäre doch was! Es gibt nicht viel Schöneres, als durch Kanada zu cruisen, während Country-Musik aus dem Radio perlt, aber ihr hättet Onkelchen vor elf Jahren sehen sollen, als er die Gelegenheit hatte, über die Akropolis zu streunern! Oder vor zwei Jahren über das Forum Romanum! Derartige Stätten sind nun mal in Kanada eher dünn gesät.

Gestern nun verschlug es Onkelchen und Tante Dilein in das kleine Dorf Keremeos. Der Name des Dorfes klingt zwar irgendwie griechisch (unser Altsprachler wollte gleich wieder Parallelen zum "Kerameikos" in Athen herstellen), ist aber wohl indianischen Ursprungs und bedeutet laut Wikpedia "der Ort, an dem sich die Winde treffen". Die beiden sind wirklich total zufällig an dem Treffpunkt der Winde aufcgeschlagen. Zunächst wollte Onkelchen unbedingt eine (na ja, nicht ganz so) geheime kanadische Forschungseinrichtung besuchen. Die ist so geheim, dass man dort unbedingt das Handy ausschalten muss, da sonst die empfindlichen Forschungsgeräte gestört werden. Deswegen konnte Onkelchen keine Bilder von der (na ja, nicht so ganz) geheimen Einrichtung schießen. Deswegen gibt es vorerst nur das folgende, ziemlich magere Fotodokument (glücklicherweise hatte Tante Dilein auch noch ihren altmodischen analogen Fotoapparat dabei und konnte Insider-Bilder der Einrichtung machen, aber die müssen erst noch entwickelt werden.)


Nach der Besichtigung der Forschungseinrichtung schlug Tante Dilein vor, einfach der Straße weiter zu folgen. Das tat Onkelchen folgsam, er fand sogar eine verlassene Tankstelle, weil das Benzin knapp zu werden drohte, und fuhr dann weiter an ein paar einsamen Seen vorbei, bis er zu dem Dorf Keremeos kan. Ein einsamer Flecken in einer entlegenen Gegend. Onkelchen hätte sich kaum gewundert, wenn Winnetou um die Ecke gebogen wäre und ihm die Blutsbruderschaft angeboten hätte. Tatsächlich gibt es dort noch viel Indianerland. Schließlich gelangten sie zum modernsten Gebäude des Dorfes.


Diese alte Mühle wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem verschrobenen Engländer errichtet, der nach British Columbia ausgewandert war. Er soll zwei Indianermädchen geheiratet haben (die Geschichte schweigt sich aus, ob das nacheinander oder parallel der Fall war) und die Gegend mit Mehl versorgt haben. Leider gab es bald leistungsfähigere Mühlen in der Gegend, und der besagte verschrobene Engländer kehrte wieder in die Heimat zurück. Die Wassermühle steht indes immer noch und ist inzwischen ein kleiner Anzeihungspunkt für Mühlenfreunde. In dem kleinen General Store, den der Engländer außerdem betrieb, ist eine Teestube eingerichtet, in der man kleine Mahlzeiten gereicht bekommt (Tante Dilein wollte von der Köchin sofort das Rezept für die Salatsoße haben, diese ließ sich aber nur entlocken, dass die Vinaigrette Bestandteile von Erdbeeren und Thymian enthielt). An der Kasse stand ein wohlgeformtes blondes Mädel, das deutsche Vorfahren hatte. Sie sagte, einige ihrer Ahnen seien aus Bielefeld gekommen. Onkelchen hätte ihr darauf gerne gesagt, dass ihm das sofort klar gewesen sei, denn Bielefeld gebe es bekanntlich gar nicht, und deswegen könne das blonde Mädel nicht von dieser Welt sein. Dafür reichte aber sein Englisch nicht aus. Er lächelte halt. War wohl besser so.

Zum Mühlengelände gehört ein Garten, und wie es der Zufall so wollte, gastierte dort just an diesem Nachmittag ein gemischtes Folk-Musikduo mit dem Namen "Vazzy", das aus einer leicht gealterten frankokanadischen Elfe und einem Herren bestand, der wie ein Amish mit Hawaiihemd aussah. Beide hatten es sich zum Ziele gesetzt, dem überschaubaren Publikum (das auf Decken und Campingstühlen Platz nahm) die Weisen der französischen Ureinwanderer zu Gehör zu bringen. Onkelchens Schulfranzösisch reichte leider nicht aus, die schlüpfrigeren Details der zum Teil recht deftigen Lieder zu verstehen. Glücklicherweise erklärte das Duo vor den einzelnen Stücken zumindest umrisshaft, worum es ging. Dadurch zog sich das Konzert zwar etwas in die Länge, aber Platz unter der großen alten Kastanie war so schön und schattig, dass man sich gut in eine andere Zeit und Realität wegträumen konnte. Die Notwendigkeit, sich mit anderen kanadischen Freizeitbeschäftigungen abzugeben (wie etwa den Penticton-Kanal in alten Reifen herunterzufahren), war somit nicht mehr gegeben. 
 
 

In der Nähe des heutigen Dörfchens Keremeos soll sich übrigens noch so etwas wie ein Schatz befinden, der sogenannte "Spanish Mound". Dabei soll es sich um den Grabhügel eines Trupps von spanischen Soldaten handeln, der irgendwann im 18. Jahrhundert von  den Indianern massakriert worden war. Die Indianer hatten sich damit nur revanchiert, da die Spanier im Jahr zuvor einige der Eingeborenen gefangengenommen hatten, als sie schon mal durch die Gegend gezogen waren. Als sie umkehren mussten und wieder durch das Tal von Keremeos kamen, wurden die Senores bis auf den letzten Mann niedergemacht. Wo dieser geheimnisvolle Grabhügel liegen soll, weiß niemand  genau. Es ist aber wohl Tatsache, dass bei Tauschgeschäften der hiesigen Indianer immer wieder mal spanische Relikte aus jener Zeit gehandelt wurden. Ob es das Grab der spanischen Soldaten aber tatsächlich gibt oder es sich nur eine Sage handelt, weiß niemand genau. Vielleicht muss Onkelchen "Indiana Jones" da noch mal herkommen.