Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Samstag, 28. Februar 2015

Bitte Geduld mit den Griechen!

Mein missratener Sohn Gianni Dona schlüpft immer wieder gern in historische Kostüme. Mal ist er diese mickrige Kaiser der Franzosen, mal dieser komische argentinische Ex-Fußballer, für dessen Wiedergeburt er sich hält. Diesmal hat er sich was Antikes angezogen und er macht auf alter Grieche: Aristoteles, Demosthenes, Sokrates. Irgendwas in dieser Richtung. Wahrscheinlich Sokrates. Der war ja auch Fußballer. Aber meines Wissens nach Brasilianer.

Ja, die Griechen! Griechenland war ja sozusagen das Silicon Valley der Antike. Mathematiker, Philosophen und Politiker waren da zugange. Der alte Demokrit sprach von Atomen, Eratosthenes berechnete den Erdumfang, Diogenes faulte in seiner Tonne herum und Archimedes bastelte an Strahlenwaffen. Der geheimnisvolle Mechanismus von Antikythera zeigt, dass die Hellenen sogar begnadete Feinmechaniker waren.

Und heute? Oh wow. So richtig viel ist nicht geblieben, wenn man nach den Schlagzeilen der Tagespresse geht. Da wird ja auf die Griechen eingehauen, dass es einem Angst und bange wird. Onkelchen und Tante Dilein waren vor etwas mehr als 10 Jahren in Griechenland, kurz vor den Olympischen Spielen in Athen. Damals gerieten sie unter anderem in einen Omnibusfahrerstreik. Zwei Mitreisende aus der Schweiz beschwerten sich damals lautstark, bei ihnen würde nie gestreikt. In den Augen der beiden Schweizer waren die Griechen allesamt schmierige Levantiner, die nur darauf aus waren, arglose Touristen abzuzocken. Und das Studiosus-typische Reisepublikum stimmte ihnen darin bei.

Onkelchen und Tante Dilein waren nicht dieser Meinung. Was sie sehr deutlich merkten, war, dass die Griechen allesamt sehr stolz auf ihr Land und ihre Geschichte waren und sind. Immerhin: Als die Athener ihre Akropolis errichteten, gruben die Römer gerade an ihrer Cloaca Maxima. Und die Deutschen? Die gab's noch nicht. Die traten erst ein paar hundert Jahre später ins Licht der Weltgeschichte und erzeugten Angst und Schrecken, was ja auch im weiteren Lauf der Zeit ihre Kernkompetenz blieb.

Was uns allen ein bisschen verloren gegangen ist, ist die Fähigkeit zur Geduld und zur Toleranz. Die Griechen haben einfach ihren τρόπος ζωής, was man in etwa als "way of life" übersetzen kann. Wenn man so viel Sonne und Meer hat wie in Hellas, dann treibt es die Leute einfach nicht in Stahlwerke oder Automobilfabriken, das muss man einfach einsehen. Dann nimmt man es vielleicht auch mit Zahlungsfristen nicht so genau. Wir Deutschen haben auch erst vor ein paar Jahren die letzten Reparationen für den ersten Weltkrieg abbezahlt. Also bitte Geduld!

Samstag, 7. Februar 2015

Hinter Klostermauern

 
Nun ist Onkelchen endgültig hinter Klostermauern angekommen. Bei einer geschäftlichen Reise, die ihn ins südliche Allgäu führte, stieg er kürzlich nicht in einem gutbürgerlichen Gasthof ab, sondern mietete sich in einem erzkatholischen Pilgerheim ein – auch um seinen Vorgesetzten zu demonstrieren, wie sehr man Reise- und Übernachtungskosten drücken kann, wenn man es denn nur will. 

Dass dieser betreffende Pilgerort wegen des sehr speziellen Publikums, das dort Rat und göttliche Hilfe sucht, ziemlich berüchtigt ist, ficht ihn nicht an. Welches spezielle Publikum da ein- und ausgeht, lässt sich am besten an einigen Produkten ersehen, die im dortigen Pilgerladen erhältlich sind. Klar, es gibt dort die üblichen Devotionalien wie Rosenkränze, Pilgermedaillons, Bibeln, Kommunionkerzen und allerhand Traktätchen zu kaufen – aber es werden zum Beispiel auch (und keineswegs als Bückware) die Memoiren des langjährigen vatikanischen Ober-Exorzisten feilgeboten. 

Gerüchteweise wurden die dort verzeichneten Techniken an jenem Pilgerort bis vor ein paar Jahren ganz gerne mal auch praktisch angewendet. Ein paar Häuser neben dem Pilgerzentrum hat zudem eine ganz erzkatholische Bruderschaft ihren Sitz, die es sich nicht nehmen lässt, den Gottesdienst nach dem tridentinischen Ritus zu feiern, also auf Latein. Onkelchen hat da nix gegen. Zum einen ist er schon seit seiner ersten Begegnung mit Asterix ein echter Römer- und Latein-Freak und zum anderen meint er, dass es manchmal ganz gut ist, wenn man nicht so genau versteht, was der Pfarrer da so murmelt. 

Das gilt vor allem für die evangelische Pfarrerin, die seit neuestem für Onkelchens Heimatort zuständig ist. Nun ja, die Dame kann ja nun nichts für ihre quäkige Stimme, aber ihre Grundtechnik, bei ihrer Predigt ein Thema eigentlich schon abgeschlossen zu haben und nach einer Kunstpause dann doch wieder neu anzufangen, ohne jetzt aber einen fundamental neuen Aspekt an das theologische Gebäude hinzuzufügen, das nervt Onkelchen doch ganz beträchtlich. 

Manchmal denkt er sich, die evangelische Form des Exorzismus bestehe im Großen und Ganzen darin, den zu entfernenden Dämon solange zuzutexten, bis er das Weite sucht. Onkelchen hat schon oft versucht, die sehr pietistisch und damit protestantisch geprägte Tante Dilein zum Katholizismus zu bekehren, aber damit biss er bisher auf Granit. Dafür rollt er ganz vernehmlich mit den Augen, wenn er aus Höflichkeit zu Tante Dilein ausnahmsweise mal in einen evangelischen Gottesdienst geht und die Pfarrerin mal wieder über Luther spricht. 

Denn Luther war aus Onkelchens Sicht kein Heiliger. Er hatte zwar mit einigen seiner 95 Thesen ganz recht, und auch die Bibelübersetzung ins Deutsche war eine gute Leistung, aber danach ging’s mit dem Herrn aus Wittenberg doch ganz erheblich bergab. 

Dass Luther beispielsweise während des Bauernkrieges mit der Obrigkeit paktierte, war definitiv kein Ruhmesblatt. Und außerdem meint Onkelchen, habe die Una Sancta während des tridentinischen Konzils die gröbsten Probleme repariert, die ihr Luther ins Stammbuch geschrieben hatte. Wenn Onkelchen damit anfängt, beginnt Tante Dilein ihrerseits ganz vernehmlich mit den Augen zu rollen. Eine Änderung dieses Zustandes ist vorerst nicht zu erwarten.  

Manchmal hat Tante Dilein auch Lektorendienst. Dann bereitet sie sich ganz sorgfältig auf die zu lesende Bibelstelle vor. Sie sucht am Vorabend in verschiedenen Übersetzungen nach der sprachlich ansprechendsten Version und druckt sich die Stelle dann auch noch extra aus, damit sie den Text im Großdruck vor sich stehen hat und die Betonungen und Pausen eintragen kann.

Neulich, als Tante Dilein mal wieder Lektorendienst hatte und am Sonntagmorgen ein bisschen länger im Bade verweilte, schnappte sich Onkelchen den am Vorabend vorbereiteten Zettel und tauschte ihn gegen eine ganz spezielle, nach seiner Art präparierte Variante aus. Dort, wo im Original das Wort "Gott" stand, setzte er per Copy & Paste die Wendung "DER GROSSE PALFI" ein. Damit wollte er mir wohl schmeicheln. Der Zettel, den er seiner Frau unterschob, sah nunmehr so aus:
 Als Tante Dilein aus dem Bad kam, ahnte sie nichts Böses. Sie hätte wohl ein bisschen misstrauisch werden sollen, da ihr Onkelchen sogar in den Mantel half! Glücklicherweise warf sie vor der Abfahrt noch einen Blick auf den Zettel und merkte dann, was Onkelchen ihr da untergeschoben hatte. Aber er hatte das Original natürlich noch greifbar. Sonst hätten die Evangelen über eine sehr ungewöhnliche Bibelstelle gestaunt!


 

Freitag, 9. Januar 2015

Dienstag, 30. Dezember 2014

Der etwas andere Jahresrückblick

2014 ist schon fast wieder Geschichte. Onkelchen hat ja leider am Jahresende die Angewohnheit, sehr sentimental zu werden und den Moralischen zu kriegen. Dafür gibt es ja eigentlich keinen Grund! Und die dräuenden Krisen von 2015 - nun, die lassen wir einfach noch mal außen vor. Darum kümmern wir uns an einem anderen Tag. Aber es ist eine gute Gelegenheit, noch einmal ein paar Augenblicke des alten Jahres Revue passieren zu lassen. Vorhang auf dafür!


Ob das noch jugendfrei ist? Während Onkelchens Nichte im Mai dieses Jahres zur Konfirmation schritt, trieben es diese beiden Marienkäfer vor der Kirche wie die Karnickel! Sapperlot! Sodom und Gomorrha!  



Für die Künste, insbesondere die Poesie, hat Onkelchen immer etwas übrig. Auch wenn diese Gedichtzeile des bedeutenden Dichters Lothar Frohwein am Münchner Bahnhof Leuchtenbergring am Bahnsteig prangt.


Dieser Schnappschuss gelang Onkelchen auf dem Rückflug seines diesjährigen Taiwan-Trips. Damals nahm Onkelchen es sehr beruhigt zur Kenntnis, dass das Flugzeug der Cathay Pacific das ukrainische Krisengebiet weiträumig umflog.


Wie an anderer Stelle beiläufig erwähnt, verbrachten Onkelchen und Tante Dilein ihren Sommerurlaub in einem Ferienhaus im Süden Irlands. Im Gegensatz zu den üblichen Irland-Klischees genossen beide während fast der gesamten Zeit bombiges sonniges Wetter. Dort machten sie auch ihre ersten Erfahrungen mit dem in Irland immer noch gepflegten Linksverkehr. Dafür stand ihnen der hier abgebildete Schwedenpanzer zur Verfügung. Onkelchen gelang es, ihn ohne einen Kratzer über die mitunter doch recht engen und oft durch Hecken und Mauern abgegrenzten irischen Straßen zu bugsieren. Tante Dilein genoss indes die Rolle der Beifahrerin und Navigatorin. "Links fahren!" war eine außerordentlich oft gehörte Warnung. Und auch das scharfe Einziehen der Luft, wenn Onkelchen mal wieder zu weit links zu fahren drohte.


Einmal in Irland angekommen, ließen sich die beiden es sich nicht nehmen, die Schönheiten der Landschaft - und des Landlebens - eingehend zu studieren. Dazu besuchten sie eine Landwirtschaftsausstellung mit angeschlossener Milchviehprämierung. Im Allgäu sagt man ja manchmal, dort seien die Kühe schöner als die Mädchen. Dieses Bild zeigt deutlich: In Irland herrscht da eher Gleichstand - hübsche Kuh, hübsches Girl!

 
Wie in allen geraden Jahren waren auch wieder die Römertage Pflichtprogramm. Hier sehen wir eine Patrouille, die auf dem Festgelände nach dem Rechten sieht. Unmittelbar bevor Onkelchen in seinen beinahe schon traditionellen Ruf ausbrach: "Römer! Ganz frische Römer! Lasst sie mir!"


Der diesjährige Sommer war dagegen insgesamt eher mau. Aber mit einem Spaghetti-Eis ließen sich auch trübe Tage ganz gut ertragen.


Bei einem Besuch in Erfurt kamen Onkelchen und Tante Dilein an einem sehr interessanten Gasthof vorbei. Leider war die Kneipe zu dieser Tageszeit noch nicht offen. Ich hätte zu gerne einen roten Elefanten kennengelernt.


Apropos Elefant - bei diesem merkwürdigen Gemälde, das in der Aachener Domschatzkammer aufbewahrt wird, ist im Hintergrund eindeutig ein Elefant zu erkennen. Was mag sich der Künstler gedacht haben, dieses Werk, auf dem der Schmerzensmann der Muttergottes begegnet, mit einem Elefanten auszustatten? Guten Geschmack hat er damit jedenfalls bewiesen, finde ich. In Aachen besuchten Onkelchen und Tante Dilein zusammen mit ihrer Freundin Luzie einige Ausstellungen über Karl den Großen, der heuer seinen 1200. Todestag begehen konnte. Für Onkelchen und Tante Dilein wurde es eine ganz besondere Reise in die Vergangenheit, denn sie trafen dort einige ihrer ehemaligen Lehrer, die sich justament zur selben Zeit dort aufhielten. Onkelchen kriegte da wieder ein ganz schlechtes Gewissen ob der vielen Streiche, die er den Paukern damals gespielt hatte. Über das Wiedersehen mit Tante Dilein freuten sich die Pauker dagegen ausnahmslos. An ihren ehemaligen Englischlehrer pirschte sich Tante Dilein sogar ganz nahe ran. Als der sich umdrehte, rief er ganz verdutzt Tante Dileins Namen aus und umarmte sie. Und das alles im Aachener Dom! Onkelchen ließ es sich dagegen nicht nehmen, in der Aachener Domschatzkammer zu fragen, wo denn die Bundeslade sei. "Nicht hier", bekam er zur Antwort. "Vielleicht suchen Sie im Keller noch mal nach", gab er der verwunderten Museumsdame zurück. Zudem traute er sich in einen antiken Kran und hob damit so mir nichts dir nichts einen Gesteinsbrocken von 200 Kilo Gewicht in die Höhe. Leider existiert davon kein Foto. Tante Dilein war zu verdutzt, um auf den Auslöser zu drücken.

 
Auf der Fahrt nach Aachen kamen beide in Koblenz an diesem Schaufenster vorbei. Für Katzen-Fan Tante Dilein ist jedoch von vornherein klar: Die Katze hat immer recht.


Immerhin fiel der Herbst sehr bunt aus und entschädigte für den trotz WM-Euphorie doch eher trüben Sommer. Es gab endlich wieder Steinpilze (nicht im Bild) und riesengroße Walnüsse.


Und fast schon traditionell ließen die beiden den Vorweihnachtsstress links liegen und verbrachten zehn Tage in ihrem Lieblingshotel in Teneriffa. Welch ein Kontrast zum Winter, der kurz nach Weihnachten Einzug hielt!

In diesem Sinne: Einen guten Rutsch ins neue Jahr 2015! Kommt gut rein und rutscht nicht aus!

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Lern deine Flugzeugtypen, Tante Dilein!

Hallo zusammen und fröhliche Weihnacht! Es ist ja schon einige Zeit her, seitdem ich mich zu Wort gemeldet habe. Warum es so lange still um uns gewesen ist?

Ganz einfach: Onkelchen hat den WM-Sieg der deutschen Nationalelf nicht verkraftet. Nachdem er ja sogar mit mathematischen Mitteln argumentiert hat, dass die Deutschen gar nicht gewinnen können, drehten sie ihm eine lange Nase. Und als dann letzten Endes Mario Götze das erlösende Tor schoss, kriegte sich Onkelchen gar nicht mehr ein. Er sprang auf, hüpfte im Zimmer auf und ab und schrie "Götzäääh! Götzäääh! Jaaaah!" Tante Dilein, die neben ihm saß und zeitweilig Händchen halten musste, war zwar auch erfreut, verfiel aber, da ganz Dame, nicht in das Delirium, in den Götzes Treffer mein Onkelchen entrückte. Leider gab es auch Kollateralschäden. Die Katze "Mohrle", die während des Finales friedlich auf dem Sofa pofte, erschrak ob dieses plötzlich hereinbrechenden Pandämoniums so sehr, dass sie nur noch Fluchtgedanken im Kopf hatte. Sie wollte nur noch weg! Leider kriegte sie aber wegen des glatten Laminatbodens keinen Grip unter die Krallen und krachte gegen die Schrankwand. Insofern war es zumindest für die Katzen-Mitbewohnerin Mohrle kein ausschließlich freudiges Ereignis.

In den folgenden Tagen versank Onkelchen in eine Art Delirium.  Deutschlands Titelgewinn schien ihm der endgültige Beweis zu sein, dass wir in ein Paralleluniversum abgedriftet sind - diese These hatten wir ja schon in einem früheren Beitrag vorgestellt. Und Onkelchen versuchte daraufhin dieses empirisch festgestellte Abdriften auch mathematisch zu begründen. Das Ganze muss man sich in etwa so vorstellen:


Onkelchen war also wirklich in keinster Weise mehr zurechnungsfähig. Er schlich zwar zwischenzeitlich immer mal wieder ins Büro, wo es ihm offenbar auch gelang, seine Kollegen  davon zu überzeugen, dass er irgendwas Produktives getan haben könnte. Aber in Wirklichkeit versuchte er nur, seinen Geist um diese Paralleluniversum-Kiste zu wickeln.

Tante Dilein war darob sehr besorgt und wollte ihm was Gutes tun. Also buchte sie Urlaub auf Teneriffa. Onkelchen wollte da natürlich nicht hin, Tante Dilein überzeugte Onkelchen allerdings mit dem Argument, dass es dort ein tolles Sonnenobservatorium gebe. Also willigte er ein, nicht allerdings, ohne noch im Flug komische Formeln vor sich hin zu murmeln. Screcklich, was so ein WM-Sieg mit einem anrichten kann!

Der Urlaub war dann ganz schön. Tante Dilein stellte unser Onkelchen mit einer regelmäßigen Cocktail-Zufuhr ruhig, und so ganz langsam schälte sich wieder sein normales Ich heraus. Tante Dilein und auch ich hatten also im Prinzip allen Grund dazu, wieder optimistisch in die Zukunft sehen zu können.

Wenn da nicht eine Sache gewesen wäre: Als beide auf dem Flugplatz von Teneriffa auf den Rückflug warteten, warf Tante Dilein ein, dass sie vielleicht mit dem Bus übers Vorfeld fahren müssten, um den Flieger zu erreichen.

"Wieso", meinte Onkelchen. "Der hat doch da vorne am Flugsteig gerade angedockt".
Tante Dilein merkte aber an, dass gerade eine andere Maschine derselben Gesellschaft gelandet sei und auf eine Parkposition auf dem Vorfeld zusteiuerte.

Onkelchen brach daraufhin in eine furchtbare Tirade aus. "Das ist ein Airbus A320 und unser Flugzeug ist eine Boeing 757-300. Lern mal endlich deine Flugzeugtypen!"

Tante Dilein grinste. Onkelchen war wieder der alte. Und dass er kurz nach dem Einsteigen noch die Erlaubnis bekam, sich im Cockpit etwas umzusehen, dürfte seine Heilung ebenfalls unterstützt haben.

Gut, Peter Neururer wird wahrscheinlich nicht mehr Bundestrainer. Aber man kann ja auch nicht alles haben.

Sonntag, 13. Juli 2014

WM-Blog: Die hohe Kunst des Durchwurschtelns

Nach dem Ende fast jedes großen Fußballturniers - WM oder EM - wägen weise Medienmenschen ab, ob der frischgebackene Titelträger denn auch ein würdiger Welt- oder Europameister sei. Da wird dann mehr oder weniger objektiv betrachtet, wie konstant die Mannschaftsleistung ausfiel und ob das System des Titelträgers allen Anforderungen an das, was man modernen Fußball nennt, denn auch standhält. Fast immer kommen die Experten dann aber doch zu dem Schluss, dass die siegreiche Mannschaft XY letztlich doch ein "würdiger" Welt- oder Europameister sei und den Titel verdient errungen habe.

Es gibt aber Ausnahmen. Noch heute gilt der Europameisterschaftssieg der Griechen im Jahr 2004 als Betriebsunfall - wenn man die einschlägigen Fachmedien studiert. Denn die Griechen erdreisteten sich bekanntermaßen, mit einer defensiv ausgerichteten Taktik und einem Libero (Unerhört!) ins Turnier zu gehen und auch zu gewinnen. Vor allem Fans der berühmten "Goldenen Generation" Portugals sind auf die Hellenen nicht gut zu sprechen, da sie den Mannen um Luis Figo und den jungen Cristiano Ronaldo eine lange Nase drehten - und zwar gleich zweimal, denn sowohl im Eröffnungsspiel als auch im Finale siegten die Griechen.

Vor allem im Vorfend eines WM-Finales greift immer wieder die Angst um sich, es könne eine Mannschaft gewinnen, die sich - Gott behüte - bis dahin durchs Turnier gewurschtelt hat. Vor allem die deutsche Mannschaft gilt als Spezialist in dieser Disziplin. 2002 etwa fand das damals von Rudi Völler gecoachte Team nach der Gruppenphase über die Stationen Paraguay, USA und Südkorea den Weg ins Endspiel und gewann dabei jeweils mit einem schmucklosen 1-0. Dabei sorgte vor allem Oliver Kahn dafür sorgte, dass der Kasten hinten sauber blieb. Nach dem verlorenen Finale schrieb so mancher Journalist, für den Weltfußball sei es wohl besser, dass Brasilien gewonnen habe. Denn der Stil der deutschen Mannschaft, die damals den Ruf einer soliden Handwerkertruppe hatte, galt nach Meinung der Meinung machenden Fußball- Feingeister als keineswegs nachahmenswert.

Nur: Hätte Deutschland damals das Finale tatsächlich gewonnen (was trotz der Sperre gegen Michael Ballack durchaus im Bereich des Möglichen lag), dann wäre die Völler-Elf ein genauso legitimer Weltmeister gewesen wie 1998 die Franzosen und 1994 die Brasilianer. Denn bei den Franzosen 1998 war auch nicht alles Gold, was glänzte: Zidane handelte sich in der Vorrunde einen Platzverweis ein, im Achtelfinale gewannen die Bleus durch Golden Goal gegen Paraguay und das Viertelfinale gegen Italien verlief sogar komplett torlos, so dass das Elfmeterschießen entscheiden musste. Fußballerischer Glanz sieht anders aus. Im Halbfinale ging Kroatien, das die Deutschen zuvor verdientermaßen rausgeworfen hatte, sogar in Führung, und Laurent Blanc handelte sich einen Platzverweis ein. Fußballerischer Glanz sieht anders aus. Immerhin gelang den Franzosen dann aber ein überzeugender Endspielsieg über die Brasilianer. Die wiederum holten 1994 den Titel vor allem aufgrund ihres Elfmeterglücks über die Italiener. Die hingegen hatten 2006 dasselbe Glück auf ihrer Seite.

Was heißt das für das heutige Endspiel? Es ist vollkommen egal, wie eine Mannschaft ins Finale gekommen ist. Sobald das Endspiel angepfiffen wird, sind die Karten neu gemischt. Niemand kann sich für die Viertel- oder Halbfinalergebnisse etwas kaufen. Auch eine Mannschaft, die wie Argentinien 1990 ihren Finaleinzug vor allem ihrem Elfmetertöter Sergio Goycoechea zu verdanken hat, ist ein legitimer Titelkandidat (Argentinien hatte die Vorrundengruppe nur als Dritter beendet - im 24er-Feld war auch den vier besten Gruppendritten ein Weiterkommen möglich - und musste sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale ins Elfmeterschießen gehen).

Wer also Argentinien aufgrund der eher unspektakulären Auftritte in den Zwischenrunden unterschätzt, der könnte heute sein blaues Wunder erleben.

Freitag, 11. Juli 2014

WM-Blog: Onkelchen beginnt zu hoffen!

Argentinien hat zwei Trümpfe: Papst Franziskus und meinen missratenen Sohn Gianni Dona.

Die Tatsache, dass wir schon seit einigen Tagen nichts von uns hören ließen, hat damit zu tun, dass Onkelchen in einer Bude an einer irischen Steilküste festsitzt, wo es weder Strom noch Zentralheizung geben soll. Internet gibt es dort selbstredend auch nicht, und so erhielt er von den letzten Heldentaten der deutschen Elf in Brasilien nur das Fernsehen in den irischen Pubs Kenntnis. Nun muss man sich die irische TV-Berichterstattung über die WM ganz anders als in Deutschland vorstellen. Da gibt es kein stundenlanges Vorgeplänkel, bei dem die Formkurve der Nationalelf und des jeweiligen Gegners in fetzigen Filmberichten erörtert wird, da sieht man auch keine ZDF-Reporterinnen, die zusammen mit einem deutschen Spieler die Füße in den Pool hängen, sondern ein in Ehren ergrauter Moderator sitzt drei irischen Altinternationalen gegenüber (die Betonung liegt auf "Alt"), und die Gesprächsrunde gibt vor dem Spiel, in der Pause und nach der Partie ihre Erwartungen und Eindrücke ab. Das Ganze hat was von Waldorf & Stettler aus der Muppet-Show, weil alle drei Altinternationalen keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um ex cathedra zu erklären, wie grauenvoll doch das ganze Spiel sei und dass früher alles viel, viel, viel besser war.

Onkelchen haut ja gelegentlich in dieselbe Kerbe. Allerdings hat er sich seit dem Achtelfinale nicht mehr zu Wort gemeldet. "Was ist bloß mit ihm los?", dachten wir uns. Hat er vor lauter Guinness und irischem Whiskey seine Lästerzunge verschluckt? Nein, die Antwort ist viel simpler. "Du beginnst zu hoffen", sagte Tante Dilein nach dem Viertelfinale gegen Frankreich zu ihm. Zu hoffen, dass Deutschland eventuell doch wieder mal den ganz großen Wurf landen kann. Und wenn das nun unter der Ägide des von Onkelchen viel geschmähten Jogi Löw passieren sollte, ist das auch egal - Hauptsache, die Jungs bringen den Cup aus Brasilien mit.  

Leider muss dafür aber noch das Finale gespielt werden. Und der Gegner ist ausgerechnet Argentinien, also das Land, zu dem mein missratener Sohn Gianni Dona hält. An Argentinien knüpfen sich für Onkelchen ganz unterschiedliche Erinnerungen - so zum Beispiel das WM-Finale 1986, in dem Deutschland einen Zwei-Tore-Rückstand aufholte, um dann trotzdem zu verlieren, oder das Endspiel von Rom vier Jahre später, in dem die Südamerikaner von Anfang an darauf bedacht waren, sich ins Elfmeterschießen durchzuwurschteln. Ironischerweise war es ein Strafstoß, der diesem Treiben ein Ende setzte - aber der von Andreas Brehme kernig ins linke untere Eck gesetzte Schuss fiel eben noch in der regulären Spielzeit. Scheinbar haben die Argies es den Deutschen nie verziehen, dass der Elfer eine - seien wir höflich - Konzessionsentscheidung des mexikanischen Schiedsrichters Edgardo Codesal Mendez war. Codesal hatte der fröhlichen Treterei der Argentinier lange zu- und dabei ein elfmeterreifes Foul übersehen und dann kurz vor Schluss eine Schwalbe - meiner Erinnerung nach von Völler - mit einem Elfer belohnt. Vielleicht wollte der Schiri einfach zeitig nach Hause. Aber viele Argentinier sind wegen dieser Schwalbe eben bis heute sauer auf die Deutschen. Dabei war es ja der Mexikaner, der den Elfmeter pfiff. Aber im nationalen Überschwang geht die Sicht auf die Details einfach manchmal verloren.

Auch bei Onkelchen war vier Jahre zuvor die scharfe Sicht auf die Details nach dem verlorenen Finale etwas verloren gegangen. Er befand sich damals auf einer humanistischen Klassenfahrt in der alten Kaiserstadt Trier und hatte das Endspiel mit seinen Freunden in einer dubiosen Spelunke geguckt. Die Bildröhre des Fernsehers in der Spelunke hatte einen kapitalen Rotstich, so dass es aussah, als werde das Azteken-Stadion in Mexico City nicht nur von der heißen Sonne, sondern von einem überdimensionalen medizinischen Infrarotstrahler illuminiert. Nach der Niederlage wollten Onkelchen und seine Kollegen in einem argentinischen Steakhaus in der Trierer Innenstadt noch ihren Frust rauslassen und etwas randalieren. Sie taten es dann aber doch nicht. Vielleicht war das auch ganz gut so. Denn einer der damals Beteiligten ist heute katholischer Priester, und der Papst wäre über diese Episode mit ziemlicher Sicherheit not amused.
   
Doch wie stehen denn nun die Chancen der deutschen Mannschaft im Finale? Gut, Argentinien hat Messi. Aber was ist schon ein Messi gegen Deutschlands gut geölte Pass- und Ballkontrollmaschine, deren Torhunger selbst Gastgeber Brasilien nicht widerstehen konnte? Vieles scheint im Vorfeld des Endspiels tatsächlich auf die deutsche Mannschaft hinzudeuten. So etwa die Tatsache, dass Argentinien einen tag weniger Erholungszeit hatte und sich im Halbfinale noch durch eine Verlängerung und ein Elfmeterschießen schleppen musste. Aber solche Äußerlichkeiten können täuschen. Wirklich unanfechtbar ist nur die Mathematik. Und da sieht es gerade für die deutsche Mannschaft traurig aus.

Denn die bisherigen WM-Endspiele, in denen die deutsche Elf siegreich blieb, wurden alle mit einem Tor Differenz gewonnen. Es ergibt sich folgende Folge:

3-2 (1954 in Bern)
2-1 (1974 in München)
1-0 (1990 in Rom)

Seht ihr das Problem? Deutschland kann nicht mehr gewinnen, da es in jedem erfolgreichen Endspiel jeweils ein Tor weniger erzielt hat als zuvor. Deutschland müsste 0 zu -1 spielen, damit die Folge aufrecht erhalten werden kann. Damit Deutschland gewinnen kann, müssen wir also eine ganz neue Art der Fußballmathematik erfinden.

Und dazu haben wir nur bis Sonntag Zeit. Die Mathematiker sollten sich besser mal ranhalten.