Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Montag, 8. Juni 2015

Oh Canada - welcome to Asia!

Onkelchen und Tante Dilein haben sich einen langgehegten Traum erfüllt und sind diesen Sommer zu einer Rundreise durch Westkanada aufgebrochen. In dem Moment, in dem ich dies schreibe, sitzen sie in einem Hotel in Richmond/British Columbia und schlagen sich die Nacht um die Ohren - was ziemlich wörtlich zu nehmen ist, da die beiden erst angekommen sind und der Jetlag ziemlich zugeschlagen hat. Da das Flugzeug, eine betagte Boeing 767, die beiden um 14.30 Ortszeit auf kanadischem Boden ausgespuckt hat, galt es zumindest bis zum Abend tapfer durchzuhalten und wach zu bleiben, um den Organismus an den hiesigen Rhythmus zu gewöhnen. Beide schliefen tief und fest, allerdings nur vier Stunden, und jetzt liegen beide wach und ihnen fällt die Decke auf den Kopf. Glücklicherweise gibt es Fernsehen, und Tante Dilein genießt es, ihre Lieblingsserien wie "Castle" oder "Navy CIS" im Original gucken zu können. Onkelchen bemerkte daraufhin, dass die wirklich toll aussehende weibliche Hauptdarstellerin in "Castle" im Original eine ziemlich langweilige Stimme hat. Onkelchen sagt: Wenn sich Tante Dilein wirklich anstrengt, klingt sie viel erotischer! Dazu muss sie sich gar nicht anstrengen, sage ich!

Das Hotel, in dem die beiden nächtigen, liegt im Einzugsbereich des internationalen Flughafens von Vancouver. Das stört im Augenblick nicht, denn nachts gibt es kaum Flugbetrieb, und es war eine völlig richtige Entscheidung, am Ankunftstag, wo man wegen des langen Fluges (der aber toll war, völlig ruhig und mit tollen Aussichten auf die Rocky Mountains und die Küstenberge von British Columbia) sowieso total durch den Wind ist, keine allzu weite Autofahrt mehr zu wagen. Der gigantische Dodge-SUV, den die beiden bei der Autovermietung kriegten, musste daher nicht mal rülpsen, bis die beiden am Hotel waren. Onkelchens sechster Orientierungssinn schlug wieder zu, so dass die beiden nach kürzester Zeit beim Hotel waren, und nur eine kleine Extrarunde um den Block später, weil Onkelchen den Parkplatz nicht im ersten Anlauf getroffen hatte, befanden sich beide an ihrem ersten Bestimmungsort.

Um ein paar Sachen einzukaufen, gingen beide noch kurz in das gegenüberliegende Einkaufszentrum und erlebten dort einen Kulturschock - na ja, Onkelchen nicht so sehr, aber Tante Dilein schon. Alle Läden waren fest in asiatischer Hand, die Speisekarten der Restaurants waren in chinesischer oder koranischer Schrift gehalten und überall wuselten mandeläugige Menschen. Onkelchens Erklärung, dass es im Raum Vancouver sehr viele asiatische Einwanderer gebe, leuchtete ein. Im Food Court der Shopping Mall wurden deswegen keine Burger dargeboten, sondern Fried Noodles, Dumplings, Fried  Chicken with Rice, kantonesische und koreanische Köstlichkeiten und dergleichen. Onkelchens  Taiwan-gestählter Magen stürzte sich ins Abenteuer, und auch Tante Dilein probierte die von Onkelchen herangeschleppten vegetarischen Dumplings. Sie befand, dass sie (die Dumplings) mit reichlich Sojasoße ganz essbar waren.

Glücklicherweise war das (angebliche) kantonesische Nationalgericht Drache-Tiger-Phoenix nirgendwo zu finden (das Gericht besteht aus Schlange, Katze und Huhn), dafür wurden nebenan in einem Supermarkt lebendige Riesenkrabben und Garnelen feilgeboten. Und in einem anderen Laden,, der sich nicht nur auf Lebensmittel, sondern offenbar auch auf chinesische Medizin spezialisiert hatte, gab es in riesigen Körben geheimnisvolle Pilze und Schwämme, eingelegte Algen und anderes Zeug in Gläsern, die man sich besser nicht allzu genau ansah.  

All das hätte sich Onkelchen schon bei der Einreise denken können. Denn schon bei der Passkontrolle waren sie von einem mandeläugigen Persönchen namens Officer Wan in Empfang genommen worden. Als sie Onkelchens Pass begutachtete, bemerkte sie: "You travel a lot to Taiwan." Onkelchen nickte: "Yes, because of business", sagte er, grammatikalisch vielleicht nicht ganz korrekt.  Als er das Dokument zurückbekam, bedankte er sich mit "Si Sieh", was  auf Chinesisch "Danke" bedeutet. Tante Dilein glaubte daraufhin ein Lächeln in Officer Wans Gesicht entdeckt zu haben. Was lernen wir daraus? Manche Aspekte Kanadas lassen sich am Besten über Umwege verstehen.  


Freitag, 5. Juni 2015

Im Reich der "Weissen Eule"

Ich werde gelegentlich gefragt, ob ich etwas mit einem namhaften Hersteller von Kränen und Hebebühnen zu tun habe, mit dem so etwas wie eine flüchtige Namensähnlichkeit besteht. Und ich mache es gerne offiziell: Es bestehen keinerlei Berührungspunkte, keine Verwandtschaft oder Ähnliches. Es wäre auch völlig unlogisch. Wo ich bin, braucht man keine Hebebühnen oder Kräne. Ein 7,5 Tonnen schwerer asiatischer Elefantenbulle reicht für derartige Zwecke meist vollkommen aus. Wo ein Palfi ist, braucht man also keinen Palf...inger. Wie auch immer.

Genauso wenig wie ich etwas mit einem Hersteller von Hebebühnen zu tun habe, war Onkelchen jemals im Krieg oder in Kampfhandlungen verwickelt. Seine militärischen Meriten sammelte er während seines Wehrdienstes in einer Fernmeldeeinheit, die man sich so ungefähr wie die abgewrackten Legionäre des Lagers Kleinbonum vorstellen muss, wenn sie auf die Ablösung warten - Asterix-Fans wissen wieder einmal mehr! Trotzdem wird Onkelchen nicht müde, in einem Dialekt, den man bereits im Nachbardorf nicht mehr versteht (das vielgeschmähte Schwäbisch ist dagegen eine veritable Hochsprache!), über eingebildete Kriegserlebnisse zu bruddeln. 
Nein, Onkelchen war "Anno vieradreißgavierzg" weder vor Kursk noch "Anno siebnasechzg" vor Bir Gifgafa stationiert. Das ist vielmehr eine perfide Methode, die er entwickelt hat, um seine Mitmenschen zum Nervenzusammenbruch zu treiben.

Als Onkelchen noch so frisch war wie ein Elefantenjunges, wurde er gelegentlich in Wirtshäuser verschleppt - zum Beispiel wenn man eine Hochzeit oder Beerdigung zu beehren hatte. Diese Wirtshäuser waren alle auf ihre Weise gleich - schwere Butzenscheiben in den Fenstern, Hirschgeweihe an den Wänden, vergilbte Tapeten und Gardinen. Breiiges Stimmengewirr. Nicht der Muff von tausend Jahren, aber doch wenigstens der von 1957. Hier herrschte noch Adenauer. Wer hier verkehrte, wählte Filbinger. Keine Experimente, schon gar keine kulinarischen.

Dort saßen dicke alte Männer und rauchten, dass einem das Sehen verging. Und wenn sie nicht gerade Skat spielten, erzählten sie einander von ihren vermeintlichen Heldentaten. Der stinkende Zigarrenstumpen der Marke "Weisse Eule" verblieb dabei im Mundwinkel, der wegen der in den Dörfern damals herrschenden monatelangen Inzucht weiter herunterhing, als dies allgemein als gesund eingeschätzt wird. Man darf sich nicht wundern, dass die ohnehin reichlich dialektal geprägte Aussprache dadurch noch breiiger ausfiel.

Im Laufe der Zeit gab es immer weniger dieser dicken alten Männer, und auch die stinkenden Stumpen der Marke "Weisse Eule" waren immer schwieriger zu bekommen. Onkelchen bemerkte, dass damit wichtige Säulen der Gesellschaft wegbrachen. Mit ihren nicht enden wollenden Ausführungen über die schlechten Zeiten, die kalten Winter, das Artilleriefeuer in der russischen Steppe und nicht zuletzt den Totschlag-Argumenten "Mir hend ja nix g'het domols" und "Ihr hend ja no koin Kriag erläbt" (zu Deutsch: Wir hatten ja nix damals und Ihr habt ja noch keinen Krieg erlebt) vermochten sie jedem die Luft aus den Segeln zu nehmen, der in seinem Leben etwas erleben oder mehr sehen wollte als das Kaff, von dem man seinerseits den Podex der Welt ganz gut erblicken konnte. Diese dicken, stets in Zigarrenrauch gehüllten Männer sorgten letztlich dafür, dass die örtliche Gemeinschaft nicht vor die Hunde ging. Das meinten sie zumindest. Sie hielten sich für so etwas wie die personifizierte Moral des Dorfes. Dabei rächten sie sich nur an der nächsten Generation, weil ein komischer Typ mit Schnauzbart ihre Jugend ruiniert und ihnen alle Illusionen geraubt hatte.

Diese alten Männer hatten durchaus auch Kinder und Enkelkinder. Aber wenn diese die Alten mal um ein Taschengeld oder ein bisschen Geld für eine Kinokarte baten, dann kam auch wieder so ein Spruch der "Ihr habt ja noch keinen Krieg erlebt"-Kategorie. Auf diese Weise wurde die nachwachsende Jugend zu Sittsamkeit und Sparsamkeit angehalten. Und weil die Alten ständig nach "Weisse Eule" stanken, hatten die Jüngeren keine Lust, die ekligen Stumpen auch nur anzufassen.

Da es niemanden mehr gibt, der diese Funktion ausübt, bricht alles auseinander. Werte verfallen, keiner geht mehr in die Kirche (oder zumindest in das daneben stehende Wirtshaus). Junge Menschen geben sinnlos Geld für irgendwelchen Plunder aus, anstatt es für den Acker nebenan zu sparen. Kurz gesagt: Die Spaßgesellschaft breitet sich aus. Deshalb sich hat Onkelchen in jahrelanger Arbeit das Idiom der alten Männer angeeignet und ihre Kriegsgeschichten bewahrt, ja mehr noch: sich neue ausgedacht. (Onkelchen ist sich durchaus darüber klar, dass die besagten Herrn die meisten ihrer war stories dem Landserheft entnommen hatten!) Denn irgendjemand muss er heutigen Jugend doch aufzeigen, dass es noch etwas anderes gibt als Elektroplunder und Markenklamotten!

"Irgendwann kommt wieder ein Krieg", pflegten die Alten zu sagen, "und was mach'sch du dann mit deinem Glomp?" Weise Worte. Nur eines wird sich Onkelchen nicht angewöhnen, nämlich Stumpen der Marke "Weisse Eule" zu paffen. Die gibt es nämlich wirklich nicht mehr.

Sonntag, 10. Mai 2015

Wie Tante Dilein ein ganzes Pfarrer-Ehepaar vertrat

So, ihr Lieben! Ihr habt je schon lange nichts mehr von mir gehört, aber das soll sich nun ändern. Vieles ist in den letzten Wochen geschehen, was berichtet werden muss. Aber Gemach und eins nach dem anderen.

Dass Onkelchen und Tante Dilein glaubenstechnisch gelegentlich über Kreuz liegen (höhö), ist ja leidlich bekannt. Unbestritten ist allerdings, dass es ein Vorteil der Evangelischen ist, dass die Pfarrer in Elternzeit oder Mutterschutz gehen können, wenn es denn not tut. Bei den Katholiken hört man so was eher selten, zumindest nicht offiziell.

Nun begab es sich also, dass das Pfarrer-Ehepaar, das für Tante Dileins Sprengel zuständig ist, unlängst gemeinsam in Elternzeit ging. Das sorgte zwar für allgemeines Schütteln des Kopfes, denn wenn man schon ein Ehepaar an der Spitze der Gemeinde hat, von denen beide ordiniert sind, dann kann ja der Herr Pfarrer die Stelle der Frau Pfarrerin übernehmen, wenn sie denn in Serie geht.

Dies geschah aber nicht, und die bevorstehende Niederkunft der Frau Pfarrerin wurde für eine gemeinsame Auszeit genutzt. Inzwischen ist ja auch das Söhnchen auf der Welt. Die merkwürdige Namensgebung für das Kind ("Benedikt Pio", alle Wetter!) löste allerdings unter den Pietisten ein weiteres Kopfesschütteln aus, denn es schien ein zusätzlicher Beweis dafür zu sein, dass sich der erst vor ein paar Monaten ordinierte Herr Pfarrer zu den Kryptokatholiken zählt.

Egal. Beide standen halt nicht zur Verfügung, als es darum ging, einen ökumenischen Gottesdienst aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Sanitäter-Ortsverbandes in einem kleinen Teilort abzuhalten. In jenem kleinen Teilort ist noch alles in bester Ordnung, wie man so schön sagt: Die Rindviecher sind gesund, die Weiden sind grün, die Familienstammbäume sind kreisförmig und die Kirche ist einem merkwürdigen Heiligen namens St. Gangolf geweiht, der von seinem ungetreuen Weibe meuchlings ermordet wurde, weil jene ein Verhältnis mit einem Priester hatte. Das grausige Geschehen ist im Altarraum in drastischen Farben dargestellt. Onkelchen fragte sich allerdings, als er die dort gemalten Fresken sah, was denn aus dem ungetreuen Weibe geworden war, denn das berichtete die Geschichte nicht.

Da nun halt die evangelische Geistlichkeit für den Gottesdienst nicht zur Verfügung stand (wie erwähnt), musste nun irgendjemand gefunden werden, der im Geiste der Ökumene die Fahne der wackeren Lutheraner hochhielt. Zwar wohnt im Nachbarort eine Pfarrerin im Unruhestand namens Godlind B., die zwischenzeitlich, so hört man, die Evangelische Akademie in Bad Boll geleitet haben soll. Leider ist der Katholikenhass der Dame ebenso sprichwörtlich wie ihre Glaubensstärke, so dass man von dieser Lösung Abstand nehmen musste. Unter den Sanitätern sind ja auch ein paar Katholiken, nicht zuletzt der katholische Pfarrer des Ortes.

Deshalb ward Tante Dilein zur Pfarrvertreterin erkoren. Die suchte sich zwar ein Loch, in welchem sie sich verkriechen konnte, fand aber keins. Und so rückte der Tag näher, an dem sie im Gottesdienst die Sanitöter aus nah und fern offiziell zu begrüßen hatte. Onkelchen, der noch an Ostern ein Opfer des Katholikenhasses der Pfarrerin B. geworden war, gab seine Boykotthaltung auf, als er hörte, dass sich an die geistliche Feier noch ein Scheunenfest mit Freibier anschließen würde.

Nun geschah es also. Tante Dilein warf sich in Schale und sah äußerst präsentabel aus und hielt (na ja, ein bisschen hatte Onkelchen sie gecoacht) eine sehr gelungene Eröffnungsansprache. Und nach dem Gottesdienst zogen sie mit den Sanitätern in die Festhalle, wo sie am Ehrentisch zusammen mit der frisch gewählten jungen Bürgermeisterin des Ortes Platz nehmen durften. Leider gelang es Onkelchen nicht, mit der künftigen Bürgermeisterin zu füßeln, denn ihm gegenüber machte sich der noch amtierende Amtsinhaber breit. Die Liedvorträge des Gesangvereins  entschädigten ihn allerdings für diese entgangene Chance.

So wurde es spät am Abend, Onkelchen nuckelte Freibier um Freibier leer, während der baldige Altbürgermeister einige Schnurren aus der bereits im 14. Jahrhundert eingestellten Bergbau-Vergangenheit des Ortes zum Besten gab. Der Gesangverein sang, der langjährige Sanitäter-Vorstand fügte der ohnehin schon überladenen Vereinsfahne einen Wimpel von der Größe eines Bettvorlegers an. Die Frauen, die die Bierkrüge schleppten, wurden in seinen Augen immer schöner (was Tante Dilein nicht registrierte, da sie tatsächlich daran interessiert war, Konversation zu machen). Und Onkelchen vergaß, dass er am nächsten Tag zu einem wichtigen geschäftlichen Termin nach Boston/USA fliegen musste.

Gelebte Ökumene ist doch wunderbar, oder?

    

Samstag, 7. März 2015

Als Sokrates den ESC gewann (zumindest die Vorentscheidung)

Onkelchen wird alt.

Früher hätte er sich die deutsche ESC-Vorentscheidung um keinen Preis entgehen lassen. Dieses Jahr guckte er dagegen auf N24 eine Dokumentationssendung zum Russlandfeldzug 1941 (wahrscheinlich, um die Jugenderinnerungen von sein' Oppa aufzufrischen: "Erinnert ihr euch an damals, an den Kessel von Wjasma und Briansk? Hach, das waren Zeiten, als wir noch jung waren!").

Deshalb entging ihm auch der größte Aufreger der deutschen Eurovisionsgeschichte, nämlich die Saga des Andreas Kümmert, der ein bisschen aussah wie ein rothaariger und -bärtiger Sokrates (und, geben wir's ruhig zu, auch ein bisschen wie Onkelchen, höhö). Der Sokrates aus dem Frankenland sang mit seiner Röhre den Rest des Feldes buchstäblich an die Wand, trat dann aber im Augenblick des Sieges zurück und reichte den Siegeskranz an eine ebenso überraschte wie blasse Dame weiter, an der noch nicht einmal der Name echt wirkte, da sie ihn von einer zu Recht berühmten Geigerin ausgeborgt zu haben schien. Drama pur!

Wie gesagt, Onkelchen hat dieses Ereignis nicht live gesehen, aber es gibt ja genügend Fotos und Videoaufzeichnungen. Schon als Barbara Schöneberger den Andreas Kümmert zum Sieger erklärte, wirkte er in seinem Kapuzenpullover gegenüber den anderen wohlgestylten Figuren wie ein Fremdkörper, ganz so, als hätte sich Gollum in eine Elbenparty geschlichen. Es ist nun einmal die große Ausnahme, dass jemand, der eben nicht nach Lipgloss und Pilates aussieht, eine so gewaltige Fernsehshow gewinnt. Dem Vernehmen nach war zuvor sogar noch eine Sangesgruppe auf Ergometern angetreten. Auch diese stromlinienförmigen Damen hatte Kümmert locker hinter sich gelassen.

Bei unserem fränkischen Sokrates regierte einzig und allein die Stimme, und wie künstlich nahm sich dagegen die Zweitplatzierte aus, die laut "Süddeutscher Zeitung" Tochter eines Bankers ist (und, mit Verlaub, auch ein bisschen so aussieht).

Die von der wie so oft ahnungslosen Presse geäußerten Vergleiche der stellvertretenden Siegerin mit Lena Meyer-Landrut greifen zu kurz. Denn LML schlich sich in die Herzen des Publikums, indem sie 2010 in Oslo auf ihre ganz eigene süße Weise verpeilt und auf eine verpeilte Weise süß wirkte. Das funktionierte allerdings nur einmal. Beim ESC 2011 in Düsseldorf, als sie den Titel verteidigen sollte, war ihre Magie bereits verflogen. Mittlerweile bespricht das Bahnmagazin "mobil", das im ICE ausliegt, ihre Platten. Das Blatt bemerkte angelegentlich ihres vorletzten Albums, es sei "ein schönes Stück Pop" geworden. Kann es eine schlimmere Strafe geben?

Die stellvertretende Siegerin von Hannover entwickelte dagegen maximal den Charme einer BWL-Praktikantin, die sich für die Betriebsweihnachtsfeier ganz besonders aufgebretzelt hat, um sich an den Juniorchef ranzuschmeißen.

Und: Es ist absolut in Ordnung, wenn jemand, dem etwas Großes gelungen ist, in sich zurückzieht und von der Bühne abtritt. Damit trotzte Andreas Kümmert der medialen Logik, die Berühmtheiten durch Shows wie DSDS und "The Voice" erst züchtet und danach im Dschungelcamp wieder auf den Komposthaufen der Vergänglichkeit wirft. Für einen Abend regierten seine Stimme und seine Musik. Wer dann sagt: Mehr geht nicht, mehr kann ich nicht, mehr tut mir nicht gut, der hat vollen Respekt verdient. Man muss sich nicht durch jede Manege ziehen lassen und sich den Gesetzen der Medien unterwerfen. Andreas Kümmert blieb authentisch. Bravo!

Die Bankerstochter darf dann in Wien den 24. Platz holen.

Ob Onkelchen dann wieder guckt? Das hängt davon ab, was auf N24 läuft.



    

Samstag, 28. Februar 2015

Bitte Geduld mit den Griechen!

Mein missratener Sohn Gianni Dona schlüpft immer wieder gern in historische Kostüme. Mal ist er diese mickrige Kaiser der Franzosen, mal dieser komische argentinische Ex-Fußballer, für dessen Wiedergeburt er sich hält. Diesmal hat er sich was Antikes angezogen und er macht auf alter Grieche: Aristoteles, Demosthenes, Sokrates. Irgendwas in dieser Richtung. Wahrscheinlich Sokrates. Der war ja auch Fußballer. Aber meines Wissens nach Brasilianer.

Ja, die Griechen! Griechenland war ja sozusagen das Silicon Valley der Antike. Mathematiker, Philosophen und Politiker waren da zugange. Der alte Demokrit sprach von Atomen, Eratosthenes berechnete den Erdumfang, Diogenes faulte in seiner Tonne herum und Archimedes bastelte an Strahlenwaffen. Der geheimnisvolle Mechanismus von Antikythera zeigt, dass die Hellenen sogar begnadete Feinmechaniker waren.

Und heute? Oh wow. So richtig viel ist nicht geblieben, wenn man nach den Schlagzeilen der Tagespresse geht. Da wird ja auf die Griechen eingehauen, dass es einem Angst und bange wird. Onkelchen und Tante Dilein waren vor etwas mehr als 10 Jahren in Griechenland, kurz vor den Olympischen Spielen in Athen. Damals gerieten sie unter anderem in einen Omnibusfahrerstreik. Zwei Mitreisende aus der Schweiz beschwerten sich damals lautstark, bei ihnen würde nie gestreikt. In den Augen der beiden Schweizer waren die Griechen allesamt schmierige Levantiner, die nur darauf aus waren, arglose Touristen abzuzocken. Und das Studiosus-typische Reisepublikum stimmte ihnen darin bei.

Onkelchen und Tante Dilein waren nicht dieser Meinung. Was sie sehr deutlich merkten, war, dass die Griechen allesamt sehr stolz auf ihr Land und ihre Geschichte waren und sind. Immerhin: Als die Athener ihre Akropolis errichteten, gruben die Römer gerade an ihrer Cloaca Maxima. Und die Deutschen? Die gab's noch nicht. Die traten erst ein paar hundert Jahre später ins Licht der Weltgeschichte und erzeugten Angst und Schrecken, was ja auch im weiteren Lauf der Zeit ihre Kernkompetenz blieb.

Was uns allen ein bisschen verloren gegangen ist, ist die Fähigkeit zur Geduld und zur Toleranz. Die Griechen haben einfach ihren τρόπος ζωής, was man in etwa als "way of life" übersetzen kann. Wenn man so viel Sonne und Meer hat wie in Hellas, dann treibt es die Leute einfach nicht in Stahlwerke oder Automobilfabriken, das muss man einfach einsehen. Dann nimmt man es vielleicht auch mit Zahlungsfristen nicht so genau. Wir Deutschen haben auch erst vor ein paar Jahren die letzten Reparationen für den ersten Weltkrieg abbezahlt. Also bitte Geduld!

Samstag, 7. Februar 2015

Hinter Klostermauern

 
Nun ist Onkelchen endgültig hinter Klostermauern angekommen. Bei einer geschäftlichen Reise, die ihn ins südliche Allgäu führte, stieg er kürzlich nicht in einem gutbürgerlichen Gasthof ab, sondern mietete sich in einem erzkatholischen Pilgerheim ein – auch um seinen Vorgesetzten zu demonstrieren, wie sehr man Reise- und Übernachtungskosten drücken kann, wenn man es denn nur will. 

Dass dieser betreffende Pilgerort wegen des sehr speziellen Publikums, das dort Rat und göttliche Hilfe sucht, ziemlich berüchtigt ist, ficht ihn nicht an. Welches spezielle Publikum da ein- und ausgeht, lässt sich am besten an einigen Produkten ersehen, die im dortigen Pilgerladen erhältlich sind. Klar, es gibt dort die üblichen Devotionalien wie Rosenkränze, Pilgermedaillons, Bibeln, Kommunionkerzen und allerhand Traktätchen zu kaufen – aber es werden zum Beispiel auch (und keineswegs als Bückware) die Memoiren des langjährigen vatikanischen Ober-Exorzisten feilgeboten. 

Gerüchteweise wurden die dort verzeichneten Techniken an jenem Pilgerort bis vor ein paar Jahren ganz gerne mal auch praktisch angewendet. Ein paar Häuser neben dem Pilgerzentrum hat zudem eine ganz erzkatholische Bruderschaft ihren Sitz, die es sich nicht nehmen lässt, den Gottesdienst nach dem tridentinischen Ritus zu feiern, also auf Latein. Onkelchen hat da nix gegen. Zum einen ist er schon seit seiner ersten Begegnung mit Asterix ein echter Römer- und Latein-Freak und zum anderen meint er, dass es manchmal ganz gut ist, wenn man nicht so genau versteht, was der Pfarrer da so murmelt. 

Das gilt vor allem für die evangelische Pfarrerin, die seit neuestem für Onkelchens Heimatort zuständig ist. Nun ja, die Dame kann ja nun nichts für ihre quäkige Stimme, aber ihre Grundtechnik, bei ihrer Predigt ein Thema eigentlich schon abgeschlossen zu haben und nach einer Kunstpause dann doch wieder neu anzufangen, ohne jetzt aber einen fundamental neuen Aspekt an das theologische Gebäude hinzuzufügen, das nervt Onkelchen doch ganz beträchtlich. 

Manchmal denkt er sich, die evangelische Form des Exorzismus bestehe im Großen und Ganzen darin, den zu entfernenden Dämon solange zuzutexten, bis er das Weite sucht. Onkelchen hat schon oft versucht, die sehr pietistisch und damit protestantisch geprägte Tante Dilein zum Katholizismus zu bekehren, aber damit biss er bisher auf Granit. Dafür rollt er ganz vernehmlich mit den Augen, wenn er aus Höflichkeit zu Tante Dilein ausnahmsweise mal in einen evangelischen Gottesdienst geht und die Pfarrerin mal wieder über Luther spricht. 

Denn Luther war aus Onkelchens Sicht kein Heiliger. Er hatte zwar mit einigen seiner 95 Thesen ganz recht, und auch die Bibelübersetzung ins Deutsche war eine gute Leistung, aber danach ging’s mit dem Herrn aus Wittenberg doch ganz erheblich bergab. 

Dass Luther beispielsweise während des Bauernkrieges mit der Obrigkeit paktierte, war definitiv kein Ruhmesblatt. Und außerdem meint Onkelchen, habe die Una Sancta während des tridentinischen Konzils die gröbsten Probleme repariert, die ihr Luther ins Stammbuch geschrieben hatte. Wenn Onkelchen damit anfängt, beginnt Tante Dilein ihrerseits ganz vernehmlich mit den Augen zu rollen. Eine Änderung dieses Zustandes ist vorerst nicht zu erwarten.  

Manchmal hat Tante Dilein auch Lektorendienst. Dann bereitet sie sich ganz sorgfältig auf die zu lesende Bibelstelle vor. Sie sucht am Vorabend in verschiedenen Übersetzungen nach der sprachlich ansprechendsten Version und druckt sich die Stelle dann auch noch extra aus, damit sie den Text im Großdruck vor sich stehen hat und die Betonungen und Pausen eintragen kann.

Neulich, als Tante Dilein mal wieder Lektorendienst hatte und am Sonntagmorgen ein bisschen länger im Bade verweilte, schnappte sich Onkelchen den am Vorabend vorbereiteten Zettel und tauschte ihn gegen eine ganz spezielle, nach seiner Art präparierte Variante aus. Dort, wo im Original das Wort "Gott" stand, setzte er per Copy & Paste die Wendung "DER GROSSE PALFI" ein. Damit wollte er mir wohl schmeicheln. Der Zettel, den er seiner Frau unterschob, sah nunmehr so aus:
 Als Tante Dilein aus dem Bad kam, ahnte sie nichts Böses. Sie hätte wohl ein bisschen misstrauisch werden sollen, da ihr Onkelchen sogar in den Mantel half! Glücklicherweise warf sie vor der Abfahrt noch einen Blick auf den Zettel und merkte dann, was Onkelchen ihr da untergeschoben hatte. Aber er hatte das Original natürlich noch greifbar. Sonst hätten die Evangelen über eine sehr ungewöhnliche Bibelstelle gestaunt!


 

Freitag, 9. Januar 2015