Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser dieses Blogs ja noch an ein Modegetränk, das vor ein oder zwei Jahren vor allem unter Teenagern richtig hip war: Nämlich der sogenannte Bubble-Tea. Dabei handelte es sich um ein nur entfernt mit richtigem Tee verwandtes Getränk, das in allen Neonfarben erhältlich war und das geleeartige Kugeln ("Bubbles") enthielt, die man über ein überbreites Röhrchen ansaugen konnte und die nochmal für eine Geschmackssensation im Mund sorgen sollten.
Vor diesem Getränk wurde ja seinerzeit allenthalben gewarnt: Zuviele Kalorien seien darin enthalten und außerdem sei es noch schlecht für die Zähne. Die Kids ließen sich davon nicht abschrecken, irgendwann aber legte sich die Welle mit dem Modegetränk und nachdem Bubble Tea zwischenzeitlich sogar bei McDonald erhältlich war, kräht heute kaum ein Hahn mehr danach.
Warum ich das erzähle? Nun, Onkelchen hat mal wieder eine Expedition in das Herkunftsland des Bubble Teas unternommen und ist nach Taiwan gefahren. Wichtigster Gegenstand seiner Untersuchungen ist zwar der Zustand der dortigen Elektronikindustrie, aber da er heute nach der Ankunft in Taipei noch Zeit hatte, ließ er sich von einem ortsansässigen Taiwaner in einige geografische und kulinarische Besonderheiten einweihen.
Im Schatten des alles überragenden Wolkenkratzers Taipei 101 liegt nämlich ein hübscher Park, der erst vor ein paar Jahren angelegt wurde. Früher befand sich dort eine Zigarettenfabrik. Diese stand einige Jahre leer und verlassen herum, bis man sich entschloss, aus dem Gelände einen Kunst- und Kulturpark zu machen.
Der Effekt ist durchaus interessant: Obwohl mitten in der Großstadt gelegen, nimmt man den Verkehrslärm auf dem Parkgelände gar nicht mehr wahr. In den noch stehenden Gebäuden wurden Ausstellungsflächen für zeitgenössische taiwanische Künstler eingerichtet, darüber hinaus gibt es Cafés. Ironisch ist, dass heute auf dem ganzen Parkgelände Rauchen streng verboten ist, obwohl dort früher Zigaretten hergestellt wurden. So ändern sich die Zeiten.
In einem Einkaufszentrum am Rande des Gerländes ist vor allem Kunsthandwerkliches zu erstehen, so zum Beispiel handgeschöpftes Papier, handgemachte Seifen, Geschnitztes - und dort gibt es auch ein Lokal, in dem man den echten Bubble Tea erleben kann.
Der ist ziemlich anders, als man ihn aus Deutschland so kennt. Zum einen stehen viel mehr Geschmacksrichtungen zur Wahl uind zum anderen sind die Bubbles, die man in den Tee einrührt, wesentlich kleiner. Haben sie in Deutschland ungefähr die Größe einer Murmel, so erinnern die in Taiwan erhältlichen Bubbles von der Größe her eher an Froschlaich. Ist beim ersten Anblick etwas gewöhnungsbedürftig. Außerdem wird der Tee mit viel zerstoßenem Eis serviert.
Onkelchen empfand diese kulinarische Erfahrung zwar als interessant, allerdings nun nicht unbedingt als Erleuchtung. Als er dann mit dem taiwanischen Geschäftspartner in ein anderes Lokal ging und dort die taiwanische Variante des Fondues kennenlernte, war das schon eher eindrucksvoll. Da wird ein Kessel Suppe auf den Tisch gestellt, in den eine Heizplatte eingebaut ist. Sobald die Suppe, die es in mehreren Schärfegraden gibt, kocht, schmeißt man alle möglichen Sachen rein - Fleisch, Weißkohlblätter, Salatblätter, Wurststückchen, Pilze, Mark- und Eierklößchen sowie Nudeln - und fischt die dann wieder raus, um sie zu verzehern. Nachdem sich Onkelchen vor ein paar Jahren bei einem Partyfondue an Silvester ganz übel den Magen verdorben und den ganzen Neujahrstag aufm Klosett verbracht hatte, war natürlich Vorsicht angesagt. Aber bisher ist alles drinnengeblieben, Toi, toi, toi!
Als Nachtisch gab es dort noch eine Mangopyramide, eine auf Pyramidenform zugeschnittene Portion Mangosorbet. Das war ebenfalls sehr gut, Onkelchen versuchte sogar, einen Geheimgang in die Pyramide zu graben, um zu gucken, ob da nicht auch ein Mangopharao bestattet sei. Leider krachte die Pyramide dann irgendwann zusammen. Auf unserem Bild könnt ihr sie aber noch in ganzer Schönheit sehen. Das kleine Schnapsglas daneben enthält übrigens keinen Eierlikör, sondern die dazu passende Sahnesoße.
Ich und die Meinen
Herzlich willkommen!
So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!
Montag, 7. Oktober 2013
Sonntag, 22. September 2013
Schafft die Zweitstimme ab!
Gerade eben sind Onkelchen und Tante Dilein vom Gang ins Wahllokal zurückgekehrt. Onkelchen war etwas enttäuscht, dass es dort nix zu essen und auch nichts zu trinken gab - das Wort "Lokal" impliziert ja nun mal, dass man dort nicht einfach nur einen Zettel zum Ankreuzen in die Hand gedrückt bekommt. Außerdem hatte die Bild-Zeitung tags zuvor in ihrer kostenlos an alle Haushalte verteilten Wahl-Sonderausgabe noch getitelt: Prost Wahlzeit - Ab ins (Wahl)Lokal! Da kann man ja schon auf den Gedanken kommen, dass es möglicherweise nicht nur einen trockenen Wahlschein, sondern auch noch etwas Flüssiges geben könnte. Als Onkelchen 1987 mit seiner Abiturklasse nach Rom fuhr, wurde in Italien ebenfalls gewählt. Und als der Zug mit Onkelchen und seinen Kameraden in Rom auf einem Vorstadtbahnhof ankam, wurden sie dort von einer Abordnung der Kommunistischen Partei Italiens begrüßt und - noch wichtiger - mit Freigetränken versorgt.
Onkelchen hatte heute richtigen Durst - schließlich hatte er heute im Kirchenchor beim abschließenden "Großer Gott, wir loben dich" mit der Orgel um die Wette gesungen, sich nur ganz knapp geschlagen gegeben und einen entsprechenden Brand mitgebracht. Zudem war heute sogenanntes Patrozinium - das heißt, es war das Fest des Heiligen Mauritius, dem die Kirche geweiht ist. Und da ist es der Brauch, dass der Kirchenchor nach Abschluss des Gottesdienstes noch ein paar freundliche Weisen auf dem Kirchplatz singt. Das Wetter war wunderbar, sonnig, aber nicht zu heiß, doch je mehr man singt, desto trockener wird die Kehle.
Und so wackelten Onkelchen und Tante Dilein gemeinsam ins Wahllokal. In dem kleinen schwäbischen Dörflein, in dem Onkelchen registriert ist, ist es üblich, zur Wahl im besten Sonntagsstaat zu erscheinen. Tante Dilein hatte sich einen schicken schwarz-grünen Hosenanzug übergeworfen, über den Onkelchen lästerte, Tante Dilein habe sich schon mal vorsorglich als schwarzgrüne Koalition verkleidet. Onkelchen selbst ging als blaue Partei.
Blau, das heißt blau gedruckt, ist ja auch die sogenannte Zweitstimme auf dem Wahlzettel. Diese Zweitstimme bei der Bundestagswahl bringt Onkelchen regelmäßig in Rage. Die Zweitstimme ist nämlich ein Etikettenschwindel erster Güte. Obwohl sie "Zweitstimme" heißt - aber das braucht man dem politisch gebildeten Publikum ja kaum zu sagen - ist es das eigentlich entscheidende Votum. Von dieser Zweitstimme hängt nämlich die Sitzverteilung der Parteien im Bundestag ab.
Deswegen kommt es ja auch immer zu solchen Zweitstimmenkampagnen, für die ja gerade die FDP immer berühmt und berüchtigt ist. Mit dem Unterton "naja, gib uns doch wenigstens deine Zweitstimme, du hast ja eh eine über" wird regelmäßig um dieses eigentlich maßgebliche Votum gebettelt. Und schwupps, landen die Liberalen wieder im Parlament. Ob es heute auch klappt, werden wir sehen.
Diesem Etikettenschwindel würde Onkelchen gerne ein Ende machen. Er wünscht sich ein simples Mehrheitswahlrecht, bei dem einfach der jeweilige Wahlkreiskandidat mit den meisten Stimmen gewählt ist. Auf diese Weise könnte man das Parlament auch elegant halbieren. Und da die kleinen Parteien da eh unter den Tisch fallen, braucht man auch keine wochenlangen Verhandlungen über Koalitionen zu führen.
Natürlich gibt es immer wieder Leute, die dann sagen, dadurch würde der Wählerwille doch sehr verzerrt. Mag sein, aber das ist beim augenblicklichen Wahlrecht mit seiner Fünfprozentklausel ja leider auch der Fall. Es kann heuer durchaus passieren, dass gleich drei Parteien knapp unter fünf Prozent bleiben und damit dann nicht in den Bundestag kommen. Dann würden knappe fünfzehn Prozent der Wählerstimmen bei der Sitzverteilung im Bundestag auch nicht berücksichtigt, Onkelchens favorisiertes System sorgt da wenigstens für klare Verhältnisse.
Onkelchen hatte heute richtigen Durst - schließlich hatte er heute im Kirchenchor beim abschließenden "Großer Gott, wir loben dich" mit der Orgel um die Wette gesungen, sich nur ganz knapp geschlagen gegeben und einen entsprechenden Brand mitgebracht. Zudem war heute sogenanntes Patrozinium - das heißt, es war das Fest des Heiligen Mauritius, dem die Kirche geweiht ist. Und da ist es der Brauch, dass der Kirchenchor nach Abschluss des Gottesdienstes noch ein paar freundliche Weisen auf dem Kirchplatz singt. Das Wetter war wunderbar, sonnig, aber nicht zu heiß, doch je mehr man singt, desto trockener wird die Kehle.
Und so wackelten Onkelchen und Tante Dilein gemeinsam ins Wahllokal. In dem kleinen schwäbischen Dörflein, in dem Onkelchen registriert ist, ist es üblich, zur Wahl im besten Sonntagsstaat zu erscheinen. Tante Dilein hatte sich einen schicken schwarz-grünen Hosenanzug übergeworfen, über den Onkelchen lästerte, Tante Dilein habe sich schon mal vorsorglich als schwarzgrüne Koalition verkleidet. Onkelchen selbst ging als blaue Partei.
Blau, das heißt blau gedruckt, ist ja auch die sogenannte Zweitstimme auf dem Wahlzettel. Diese Zweitstimme bei der Bundestagswahl bringt Onkelchen regelmäßig in Rage. Die Zweitstimme ist nämlich ein Etikettenschwindel erster Güte. Obwohl sie "Zweitstimme" heißt - aber das braucht man dem politisch gebildeten Publikum ja kaum zu sagen - ist es das eigentlich entscheidende Votum. Von dieser Zweitstimme hängt nämlich die Sitzverteilung der Parteien im Bundestag ab.
Deswegen kommt es ja auch immer zu solchen Zweitstimmenkampagnen, für die ja gerade die FDP immer berühmt und berüchtigt ist. Mit dem Unterton "naja, gib uns doch wenigstens deine Zweitstimme, du hast ja eh eine über" wird regelmäßig um dieses eigentlich maßgebliche Votum gebettelt. Und schwupps, landen die Liberalen wieder im Parlament. Ob es heute auch klappt, werden wir sehen.
Diesem Etikettenschwindel würde Onkelchen gerne ein Ende machen. Er wünscht sich ein simples Mehrheitswahlrecht, bei dem einfach der jeweilige Wahlkreiskandidat mit den meisten Stimmen gewählt ist. Auf diese Weise könnte man das Parlament auch elegant halbieren. Und da die kleinen Parteien da eh unter den Tisch fallen, braucht man auch keine wochenlangen Verhandlungen über Koalitionen zu führen.
Natürlich gibt es immer wieder Leute, die dann sagen, dadurch würde der Wählerwille doch sehr verzerrt. Mag sein, aber das ist beim augenblicklichen Wahlrecht mit seiner Fünfprozentklausel ja leider auch der Fall. Es kann heuer durchaus passieren, dass gleich drei Parteien knapp unter fünf Prozent bleiben und damit dann nicht in den Bundestag kommen. Dann würden knappe fünfzehn Prozent der Wählerstimmen bei der Sitzverteilung im Bundestag auch nicht berücksichtigt, Onkelchens favorisiertes System sorgt da wenigstens für klare Verhältnisse.
Samstag, 21. September 2013
Warum Onkelchen "BüSo" wählt (genau weiß ich's aber nicht)
Wahltage sollten eigentlich Feiertage sein. Sagt Onkelchen. Gut, bei uns legt man ja Wahlen in der Regel auf einen Sonntag, also muss man zumindest - anders als in Großbritannien oder den USA - nicht extra freinehmen, wenn man von seinem demokratischen Recht Gebrauch machen will. Aber er meint, dass Demokratie und freie und gleiche Wahlen so hohe Güter und Errungenschaften sind, dass man das schon mal mit einer Parade vor dem Brandenburger Tor feiern könnte. "Ich will Fahnen sehn!" meinte ja auch seinerzeit Harald Schmidt, als das Kanzleramt eingeweiht wurde. Und Onkelchen hätte das bestimmt auch unterschrieben.
Nein, Wahltage sind zu Recht Feiertage. Es sind die Tage, an denen der eigentliche Souverän der Bundesrepublik, also das Volk, sozusagen über seine Repräsentanten zu Gericht sitzt. Dürfen sie weitermachen wie bisher? Oder ist eine Korrektur angebracht? Darum geht es auch bei der morgigen Bundestagswahl. Das ist etwas Erhebendes, und genauso sollte es auch begangen werden, meint Onkelchen.
Nun hört man aber auch immer wieder diejenigen, die jammern: "Ach, die da oben machen eh, was sie wollen." Oder: "Wenn Wahlen wirklich was ändern würden, dann würde man sie verbieten." Natürlich sind auch Onkelchen solche Gefühle nicht fremd. Aber bis jetzt hat er sich immer aufgerafft und ist wählen gegangen. Manchmal, das gibt er selber zu, hat er auch schräge Sachen gewählt. Aber die Tatsache, dass er wählen kann und dabei noch zwischen mehreren Parteien die Wahl hat (worin ja der eigentliche Charakter einer Wahl besteht), das hat er immer als Privileg empfunden.
Allerdings - und Onkelchen wird nie müde, das zu betonen - haben Wahlen auch ein dreckiges kleines Geheimnis. Wahlen sind immer ein Deal zwischen dem Wähler und dem Kandidaten. Es ist so etwas wie ein impliziter Vertrag. Der Kandidat möchte in ein öffentliches Amt gewählt werden und sagt quasi: "Wenn du mich wählst, dann tu ich was für dich". Und der Wähler sagt: "Hör zu, ich wähle dich, aber dann musst du auch was für mich tun."Und wenn der Kandidat, so er einmal gewählt wurde, seinen Teil des Deals nicht einhält, dann wählt man ihn einfach nicht mehr. So einfach ist das.
Es war schon im alten Rom nicht anders. Ein ehrgeiziger Jungpolitiker, der sich zu Höherem berufen fühlte, musste zwar nicht wie heute Klinken putzen (wir warten schon, ob nicht die nette SPD-Kandidatin bei uns hereinschneit), aber er musste seine Klienten vor Gericht vertreten, ihnen Geld leihen, bei Geschäften beratend zur Seite stehen und so weiter. Und er musste die potenziellen Wähler mit Namen ansprechen können. Reiche Patrizier hatten dafür sogar eigens abgestellte Sklaven, sogenannte nomenclatores, die ihnen die Namen ihrer Klienten einflüsterten. Das waren lebende Datenbanken, die nicht nur die Namen der Einwohner in einem bestimmten Stadtviertel kannten, sondern auch ihre Lebensumstände - wer mit wem, warum und unter welchen Begleitumständen.
Und solchermaßen konnte der Politiker dann ganz handfest die Interessen seiner Klientel vertreten. Tat er es nicht, probierte man halt einen anderen Kandidaten aus. Angeblich soll Julius Caesar, der zu Beginn seiner politischen Karriere stets hochverschuldet und klamm war, auf einen solchen nomenclator verzichtet haben, da solche Sklaven horrend teuer waren. Er besaß dagegen ein glänzendes Gedächtnis, mit dem er seine Klienten und Bittsteller beeindruckte. Nicht zuletzt deshalb ist Caesar, obwohl er aus einer hochadeligen (wenn auch verarmten) Familie stammte, gerade beim römischen Volk so beliebt geworden (und wegen der aufwendigen Gladiatorenspiele, die er veranstaltete, was ihn fast in den finanziellen Ruin trieb).
Wahltage sind demzufolge eine wunderbare Gelegenheit, um klarzumachen: Der Staat, das sind wir. Und ihr in Berlin seid unsere Vertreter. Macht was draus!
Tja, und was will Onkelchen denn wählen? Mir hat er es bis zuletzt nicht gesagt. Tendenziell war er ja eigentlich immer dem linken Lager zuzuordnen. Unter anderem war er in den neunziger Jahren Mitbegründer der Juso-Hochschulgruppe an der einzigen katholischen Universität Deutschlands. Den Jusos wurde er allerdings später untreu, weil er seine Mitgenossen des Revisionismus und des Abweichlertums bezichtigte. Eine künstleröse Genossin wollte beispielsweise eine Initiative zur Rettung der historischen Innenstadt von Halberstadt starten. Was für ein profanes Ansinnen! Onkelchen ging es dagegen immer ums große Ganze: Er wollte nichts Geringeres, als die damals (1990!) etwas aus der Mode geratene Lehre von Karl Marx zu modernisieren. Deshalb bastelte er an einem bahnbrechenden ideologischen Theoriegebäude, das Marx und den damals unter Linken unglaublich populären Politologen Johan Galtung unter einen Hut bringen sollte. Das Ziel wäre der ÖOGS (Ökologisch orientierte Global-Sozialismus nach Marx und Galtung) gewesen. Diesen ideologisch-politischen Geniestreich vermochten die Juso-Genossen leider nie angemessen zu würdigen. Außerdem rauchten sie für Onkelchens Geschmack zu viel.
Daran kann man sehen: Onkelchen hat ein Herz für schräge Politikansätze. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass er diesmal der "Bürgerrechtsbewegung Solidarität" (BüSo) seine Stimme gibt. Die BüSo nimmt immerhin für sich in Anspruch, die große Finanzkrise schon seit etwa 2001 vorausgesehen zu haben. Schneidet die BüSo also deshalb so miserabel bei Wahlen ab, weil sie einfach ihrer Zeit voraus ist? Heute zeichnet sie sich beispielsweise dadurch aus, dass sie die These von der Klimaerwärmung ablehnt und neue Kernkraftwerke fordert. So ganz unplausibel ist das nicht, denn auch der Physiknobelpreisträger Robert Laughlin (USA) äußert in seinem Buch Der Letzte macht das Licht aus sinngemäß die Meinung, dass die Kernenergie spätestens dann ein Comeback erleben wird, wenn sich all die erneuerbaren Energieformen als zu unzuverlässig und zu teuer erwiesen haben werden.
Heute wäre Onkelchen übrigens bei der von ihm seinerzeit mitbegründeten Juso-Hochschulgruppe gar nicht mehr willkommen - denn bei manchen Veranstaltungen der GenossInnen heißt es ganz eindeutig: Männer müssen draußen bleiben. Hier der Beweis:
Nein, Wahltage sind zu Recht Feiertage. Es sind die Tage, an denen der eigentliche Souverän der Bundesrepublik, also das Volk, sozusagen über seine Repräsentanten zu Gericht sitzt. Dürfen sie weitermachen wie bisher? Oder ist eine Korrektur angebracht? Darum geht es auch bei der morgigen Bundestagswahl. Das ist etwas Erhebendes, und genauso sollte es auch begangen werden, meint Onkelchen.
Nun hört man aber auch immer wieder diejenigen, die jammern: "Ach, die da oben machen eh, was sie wollen." Oder: "Wenn Wahlen wirklich was ändern würden, dann würde man sie verbieten." Natürlich sind auch Onkelchen solche Gefühle nicht fremd. Aber bis jetzt hat er sich immer aufgerafft und ist wählen gegangen. Manchmal, das gibt er selber zu, hat er auch schräge Sachen gewählt. Aber die Tatsache, dass er wählen kann und dabei noch zwischen mehreren Parteien die Wahl hat (worin ja der eigentliche Charakter einer Wahl besteht), das hat er immer als Privileg empfunden.
Allerdings - und Onkelchen wird nie müde, das zu betonen - haben Wahlen auch ein dreckiges kleines Geheimnis. Wahlen sind immer ein Deal zwischen dem Wähler und dem Kandidaten. Es ist so etwas wie ein impliziter Vertrag. Der Kandidat möchte in ein öffentliches Amt gewählt werden und sagt quasi: "Wenn du mich wählst, dann tu ich was für dich". Und der Wähler sagt: "Hör zu, ich wähle dich, aber dann musst du auch was für mich tun."Und wenn der Kandidat, so er einmal gewählt wurde, seinen Teil des Deals nicht einhält, dann wählt man ihn einfach nicht mehr. So einfach ist das.
Es war schon im alten Rom nicht anders. Ein ehrgeiziger Jungpolitiker, der sich zu Höherem berufen fühlte, musste zwar nicht wie heute Klinken putzen (wir warten schon, ob nicht die nette SPD-Kandidatin bei uns hereinschneit), aber er musste seine Klienten vor Gericht vertreten, ihnen Geld leihen, bei Geschäften beratend zur Seite stehen und so weiter. Und er musste die potenziellen Wähler mit Namen ansprechen können. Reiche Patrizier hatten dafür sogar eigens abgestellte Sklaven, sogenannte nomenclatores, die ihnen die Namen ihrer Klienten einflüsterten. Das waren lebende Datenbanken, die nicht nur die Namen der Einwohner in einem bestimmten Stadtviertel kannten, sondern auch ihre Lebensumstände - wer mit wem, warum und unter welchen Begleitumständen.
Und solchermaßen konnte der Politiker dann ganz handfest die Interessen seiner Klientel vertreten. Tat er es nicht, probierte man halt einen anderen Kandidaten aus. Angeblich soll Julius Caesar, der zu Beginn seiner politischen Karriere stets hochverschuldet und klamm war, auf einen solchen nomenclator verzichtet haben, da solche Sklaven horrend teuer waren. Er besaß dagegen ein glänzendes Gedächtnis, mit dem er seine Klienten und Bittsteller beeindruckte. Nicht zuletzt deshalb ist Caesar, obwohl er aus einer hochadeligen (wenn auch verarmten) Familie stammte, gerade beim römischen Volk so beliebt geworden (und wegen der aufwendigen Gladiatorenspiele, die er veranstaltete, was ihn fast in den finanziellen Ruin trieb).
Wahltage sind demzufolge eine wunderbare Gelegenheit, um klarzumachen: Der Staat, das sind wir. Und ihr in Berlin seid unsere Vertreter. Macht was draus!
Tja, und was will Onkelchen denn wählen? Mir hat er es bis zuletzt nicht gesagt. Tendenziell war er ja eigentlich immer dem linken Lager zuzuordnen. Unter anderem war er in den neunziger Jahren Mitbegründer der Juso-Hochschulgruppe an der einzigen katholischen Universität Deutschlands. Den Jusos wurde er allerdings später untreu, weil er seine Mitgenossen des Revisionismus und des Abweichlertums bezichtigte. Eine künstleröse Genossin wollte beispielsweise eine Initiative zur Rettung der historischen Innenstadt von Halberstadt starten. Was für ein profanes Ansinnen! Onkelchen ging es dagegen immer ums große Ganze: Er wollte nichts Geringeres, als die damals (1990!) etwas aus der Mode geratene Lehre von Karl Marx zu modernisieren. Deshalb bastelte er an einem bahnbrechenden ideologischen Theoriegebäude, das Marx und den damals unter Linken unglaublich populären Politologen Johan Galtung unter einen Hut bringen sollte. Das Ziel wäre der ÖOGS (Ökologisch orientierte Global-Sozialismus nach Marx und Galtung) gewesen. Diesen ideologisch-politischen Geniestreich vermochten die Juso-Genossen leider nie angemessen zu würdigen. Außerdem rauchten sie für Onkelchens Geschmack zu viel.
Daran kann man sehen: Onkelchen hat ein Herz für schräge Politikansätze. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass er diesmal der "Bürgerrechtsbewegung Solidarität" (BüSo) seine Stimme gibt. Die BüSo nimmt immerhin für sich in Anspruch, die große Finanzkrise schon seit etwa 2001 vorausgesehen zu haben. Schneidet die BüSo also deshalb so miserabel bei Wahlen ab, weil sie einfach ihrer Zeit voraus ist? Heute zeichnet sie sich beispielsweise dadurch aus, dass sie die These von der Klimaerwärmung ablehnt und neue Kernkraftwerke fordert. So ganz unplausibel ist das nicht, denn auch der Physiknobelpreisträger Robert Laughlin (USA) äußert in seinem Buch Der Letzte macht das Licht aus sinngemäß die Meinung, dass die Kernenergie spätestens dann ein Comeback erleben wird, wenn sich all die erneuerbaren Energieformen als zu unzuverlässig und zu teuer erwiesen haben werden.
Heute wäre Onkelchen übrigens bei der von ihm seinerzeit mitbegründeten Juso-Hochschulgruppe gar nicht mehr willkommen - denn bei manchen Veranstaltungen der GenossInnen heißt es ganz eindeutig: Männer müssen draußen bleiben. Hier der Beweis:
Das machte Onkelchen tatsächlich ein bisschen traurig. Denn als damals die Juso-Hochschulgruppe gebildet wurde, wollte man wirklich ein Forum für alle bieten. So schrieb man's damals auch in den Zeitungsartikel, mit dem seinerzeit die Gründung der Hochschulgruppe angezeigt wurde. Und heute wird man als Mann ausgesperrt, wenn ein Diskussionsabend über Sexismus angesetzt wird. Das, findet Onkelchen, ist irgendwie auch eine Form von Sexismus.
Sonntag, 1. September 2013
Nur noch eineinhalb Stunden bis zum Kanzlerduell!
Ach so, vor lauter Irland haben wir ganz vergessen, dass wir bald Bundestagswahl haben. In weniger als zwei Stunden werden sich die Kanzlerin und ihr wichtigster Herausforderer (wie hieß der nochmal?) im TV gegenüber stehen und sich den Fragen von Stefan Raab und noch drein weiteren Fernsehpersönlichkeiten stellen. Onkelchen und Tante Dilein werden einer alten Familientradition folgend die Diskussion nicht verfolgen, sondern eine DVD einlegen (dem Vernehmen nach könnte "Jagd auf Roter Oktober" ein ganz heißer Kandidat für die Kanzlerduell-Vermeidungs-DVD sein).
Kritisiert wird ja das Dahindümpeln dies Wahlkampfes. Is' ja nix los, klagen die Journalisten. Alles soo langweilig! Ja meine Güte! Wollen die Szenen wie im Parlament von Taiwan sehen?
Angemerkt wird auch, dass die Wahlkampf-Slogans der Parteien heuer so beliebig sind. Das zumindest ist wahr. Die CDU setzt auf "Gemeinsam erfolgreich" und bedient sich dabei beim Würzburger Vogel-Verlag, der sich schon seit einiger Zeit das Motto "Miteinander erfolgreich" auf die Fahnen geschrieben hat. Die SPD hofft auf den Wahlspruch "Das Wir entscheidet", was sehr nach dem Slogan "Das Wir gewinnt" der Aktion Mensch klingt.
Zumindest im Hinblick auf die CDU kann man Abhilfe schaffen und bei der Zeitschrift "Titanic" Slogans für CDU-Wahlplakate generieren. Onkelchen hat das gemacht und dabei ist folgendes Plakat herausgekommen. Irgendwie erinnert mich der Slogan aber an irgendwas, ich weiß bloß nicht an was...
Kritisiert wird ja das Dahindümpeln dies Wahlkampfes. Is' ja nix los, klagen die Journalisten. Alles soo langweilig! Ja meine Güte! Wollen die Szenen wie im Parlament von Taiwan sehen?
Angemerkt wird auch, dass die Wahlkampf-Slogans der Parteien heuer so beliebig sind. Das zumindest ist wahr. Die CDU setzt auf "Gemeinsam erfolgreich" und bedient sich dabei beim Würzburger Vogel-Verlag, der sich schon seit einiger Zeit das Motto "Miteinander erfolgreich" auf die Fahnen geschrieben hat. Die SPD hofft auf den Wahlspruch "Das Wir entscheidet", was sehr nach dem Slogan "Das Wir gewinnt" der Aktion Mensch klingt.
Zumindest im Hinblick auf die CDU kann man Abhilfe schaffen und bei der Zeitschrift "Titanic" Slogans für CDU-Wahlplakate generieren. Onkelchen hat das gemacht und dabei ist folgendes Plakat herausgekommen. Irgendwie erinnert mich der Slogan aber an irgendwas, ich weiß bloß nicht an was...
Bilder aus Nordirland
Als Onkelchen und Tante Dilein in Irland unterwegs waren, besuchten sie auch Nordirland, also gerade die Region, in der sich die Katholiken und Protestanten lange Jahre heftig bekriegten - so stand das zumindest immer in den Zeitungen zu lesen oder wurde das dem Fernsehzuschauer während der Nachrichten aufs Abendbrot geschmiert. Wie Reiseleiter Kurt D. allerdings in wohltuender Klarheit darlegte, hat der Nordirlandkonflikt zunächst einmal gar nichts mit den verschiedenen Konfessionen zu tun (jawoll, liebe Journalisten und Pressetanten!). Man ist ja nicht mehr im Mittelalter.
Der Konflikt in Nordirland bricht nämlich dann immer auf, wenn die Arbeitslosigkeit in der Region überhand nimmt und die Menschen Zuflucht zu scheinbar einfachen ideologischen Lösungen suchen. So ist es zum Beispiel kein Zufall, dass die sogenannten Troubles in den siebziger und achtziger Jahren in Belfast auf einen traurigen Höhepunkt zusteuerten, justament als die Großwerft Harland & Wolff (die seinerzeit auch die Titanic erbaut hatte) als größter Arbeitgeber der Region in die Krise geriet und viele Arbeiter entlassen musste. Die Leute hatten mit einem Mal wenig Geld, aber viel Zeit, redeten sich in den Pubs die Köpfe heiß, und dazu kam noch britisches Militär, das in der Region die Ordnung aufrecht erhalten sollte und dabei jämmerlich versagte. So kam es 1972 in Londonderry (die republikanischen Iren sagen Derry) zum sogenannten Blutsonntag, bei dem britische Soldaten wahllos auf Demonstranten schossen und 13 Menschen töteten. Damit war die Lunte in Brand gesteckt, das Pulverfass explodierte und zweieinhalb Jahrzehnte lang kam die Region nicht zur Ruhe.
Die Bruchlinien des Konflikts gehen dabei weit zurück: Schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts verlangte Irland, das damals unter britischer Herrschaft stand, nach Unabhängigkeit und Selbstverwaltung. Während die überwiegende Mehrheit der Iren (die katholisch waren) sich im Lauf der Zeit für diese Idee der sogenannten "Home Rule" begeisterten, blieb man im Norden der Insel (wo sich im Zuge der Industrialisierung viele Briten und auch Schotten angesiedelt hatten, weil dort nicht zuletzt mit Harland & Wolff Industriearbeitsplätze entstanden waren) dem britischen Königshaus treu. Es bildeten sich also Bruchlinien zwischen Republikanern (die ein freies Irland wollten) und Unionisten (die die Union zwischen Irland und Großbritannien/England beibehalten wollten).
Wir überspringen jetzt mal den Osteraufstand von 1916 (der an sich ein Desaster war, aber indirekt die Begeisterung der Iren für die Unabhängigkeit wieder anfachte, weil die Briten die Rädelsführer des Aufstandes brutal hinrichteten). Als schließlich 1921/22 Irland im anglo-irischen Vertrag zumindest eine gewisse Unabhängigkeit von London erreichte, bekamen die nordirischen, mehrheitlich königstreuen und zufällig auch protestantischen Provinzen das Recht, sich für den Verbleib bei Großbritannien zu entscheiden. Natürlich passte das der republikanischen Minderheit, die es in Nordirland eben auch gab, gar nicht. Aber das gerade unabhängig gewordene Irland verzehrte sich in einem mörderischen Bürgerkrieg, bei dem irische Republikaner gegenseitig um den "richtigen" Weg kämpften.
Spulen wir wieder vor in der Zeit: In Nordirland gab und gibt es eine haardünne Mehrheit, die sich für den Verbleib bei Großbritannien ausspricht und eine Minderheit, die die Vereinigung mit der Republik Irland anstrebt. Die erstere Gruppe ist zufällig protestantisch und die letztere zufällig katholisch. Dazu kommt allerdings, dass die Katholiken in Irland unter britischer Herrschaft im 19. Jahrhundert die Unterklasse bildeten, keinen Zugang zu höherer Bildung hatten und nicht selten in bitterer Armut leben mussten. Der Konflikt wird so noch durch die Ressentiments der Iren geschürt, die durch die Benachteiligung unter britischer Herrschaft gewachsen sind. Und diese Ressentiments befeuerte natürlich auch den Konflikt in Nordirland.
Bei einer Stadtrundfahrt durch Belfast konnte man viele Wandbilder sehen, an denen man klar erkennen kann, welcher politischen Richtung sich ein Viertel zugehörig fühlt. Dieses Bild aus einem republikanisch-katholischen Viertel zeigt Bobby Sands, einen Aktivisten der Irisch-Republikanischen Armee, der 1981 im Gefängnis an den Folgen eines Hungerstreiks starb und damit zum Märtyrer der irischen Nationalisten wurde:
Dieses Bild verlangt Freiheit für Marian Price, ebenfalls eine IRA-Aktivistin. Price war ebenfalls in den achtziger Jahren im Gefängnis in den Hungerstreik getreten, überlebte aber, weil sie gewaltsam zwangsernährt wurde. Sie widersetzte sich dem sogenannten Karfreitagsabkommen von 1998, das die Region befrieden sollte und wurde deshalb immer wieder verhaftet.
Das rechte Bild (ging leider nicht ganz drauf) feiert die IRA-Häftlinge als Märtyrer, die in den achtziger Jahren in den Hungerstreik traten und starben. Das linke (kurios und ein bisschen makaber) wirbt für Taxi-Rundfahrten, die zu den bedeutendsten Brandherden des Nordirland-Konflikts führen.
Bleibt zu hoffen, dass sich der Konflikt trotz seiner langen und blutigen Geschichte langfristig und nachhaltig und vor allem friedlich lösen lässt.
(Alle Bilder hat Tante Dilein übrigens aus dem Bus heraus aufgenommen. An ihr ist eine echte Fotoreporterin verlorengegangen, findet euer Kurt!)
PS: Natürlich kann dieser Beitrag den Nordirland-Konflikt nicht vollständig nachzeichnen. Wer mehr wissen will, findet unter Wikipedia und ähnlichen Quellen noch viel mehr Informationen.
Der Konflikt in Nordirland bricht nämlich dann immer auf, wenn die Arbeitslosigkeit in der Region überhand nimmt und die Menschen Zuflucht zu scheinbar einfachen ideologischen Lösungen suchen. So ist es zum Beispiel kein Zufall, dass die sogenannten Troubles in den siebziger und achtziger Jahren in Belfast auf einen traurigen Höhepunkt zusteuerten, justament als die Großwerft Harland & Wolff (die seinerzeit auch die Titanic erbaut hatte) als größter Arbeitgeber der Region in die Krise geriet und viele Arbeiter entlassen musste. Die Leute hatten mit einem Mal wenig Geld, aber viel Zeit, redeten sich in den Pubs die Köpfe heiß, und dazu kam noch britisches Militär, das in der Region die Ordnung aufrecht erhalten sollte und dabei jämmerlich versagte. So kam es 1972 in Londonderry (die republikanischen Iren sagen Derry) zum sogenannten Blutsonntag, bei dem britische Soldaten wahllos auf Demonstranten schossen und 13 Menschen töteten. Damit war die Lunte in Brand gesteckt, das Pulverfass explodierte und zweieinhalb Jahrzehnte lang kam die Region nicht zur Ruhe.
Die Bruchlinien des Konflikts gehen dabei weit zurück: Schon Ende des neunzehnten Jahrhunderts verlangte Irland, das damals unter britischer Herrschaft stand, nach Unabhängigkeit und Selbstverwaltung. Während die überwiegende Mehrheit der Iren (die katholisch waren) sich im Lauf der Zeit für diese Idee der sogenannten "Home Rule" begeisterten, blieb man im Norden der Insel (wo sich im Zuge der Industrialisierung viele Briten und auch Schotten angesiedelt hatten, weil dort nicht zuletzt mit Harland & Wolff Industriearbeitsplätze entstanden waren) dem britischen Königshaus treu. Es bildeten sich also Bruchlinien zwischen Republikanern (die ein freies Irland wollten) und Unionisten (die die Union zwischen Irland und Großbritannien/England beibehalten wollten).
Wir überspringen jetzt mal den Osteraufstand von 1916 (der an sich ein Desaster war, aber indirekt die Begeisterung der Iren für die Unabhängigkeit wieder anfachte, weil die Briten die Rädelsführer des Aufstandes brutal hinrichteten). Als schließlich 1921/22 Irland im anglo-irischen Vertrag zumindest eine gewisse Unabhängigkeit von London erreichte, bekamen die nordirischen, mehrheitlich königstreuen und zufällig auch protestantischen Provinzen das Recht, sich für den Verbleib bei Großbritannien zu entscheiden. Natürlich passte das der republikanischen Minderheit, die es in Nordirland eben auch gab, gar nicht. Aber das gerade unabhängig gewordene Irland verzehrte sich in einem mörderischen Bürgerkrieg, bei dem irische Republikaner gegenseitig um den "richtigen" Weg kämpften.
Spulen wir wieder vor in der Zeit: In Nordirland gab und gibt es eine haardünne Mehrheit, die sich für den Verbleib bei Großbritannien ausspricht und eine Minderheit, die die Vereinigung mit der Republik Irland anstrebt. Die erstere Gruppe ist zufällig protestantisch und die letztere zufällig katholisch. Dazu kommt allerdings, dass die Katholiken in Irland unter britischer Herrschaft im 19. Jahrhundert die Unterklasse bildeten, keinen Zugang zu höherer Bildung hatten und nicht selten in bitterer Armut leben mussten. Der Konflikt wird so noch durch die Ressentiments der Iren geschürt, die durch die Benachteiligung unter britischer Herrschaft gewachsen sind. Und diese Ressentiments befeuerte natürlich auch den Konflikt in Nordirland.
Bei einer Stadtrundfahrt durch Belfast konnte man viele Wandbilder sehen, an denen man klar erkennen kann, welcher politischen Richtung sich ein Viertel zugehörig fühlt. Dieses Bild aus einem republikanisch-katholischen Viertel zeigt Bobby Sands, einen Aktivisten der Irisch-Republikanischen Armee, der 1981 im Gefängnis an den Folgen eines Hungerstreiks starb und damit zum Märtyrer der irischen Nationalisten wurde:
Dieses Bild verlangt Freiheit für Marian Price, ebenfalls eine IRA-Aktivistin. Price war ebenfalls in den achtziger Jahren im Gefängnis in den Hungerstreik getreten, überlebte aber, weil sie gewaltsam zwangsernährt wurde. Sie widersetzte sich dem sogenannten Karfreitagsabkommen von 1998, das die Region befrieden sollte und wurde deshalb immer wieder verhaftet.
Das rechte Bild (ging leider nicht ganz drauf) feiert die IRA-Häftlinge als Märtyrer, die in den achtziger Jahren in den Hungerstreik traten und starben. Das linke (kurios und ein bisschen makaber) wirbt für Taxi-Rundfahrten, die zu den bedeutendsten Brandherden des Nordirland-Konflikts führen.
Dieses Bild feiert wiederum Bobby Sands und seine Mithäftlinge, die ebenfalls aufgrund ihres Hungerstreiks starben, als Märtyrer:
Und dieses Bild fordert das Ende der Internierung aller irischen republikanischen Aktivisten:
Bleibt zu hoffen, dass sich der Konflikt trotz seiner langen und blutigen Geschichte langfristig und nachhaltig und vor allem friedlich lösen lässt.
(Alle Bilder hat Tante Dilein übrigens aus dem Bus heraus aufgenommen. An ihr ist eine echte Fotoreporterin verlorengegangen, findet euer Kurt!)
PS: Natürlich kann dieser Beitrag den Nordirland-Konflikt nicht vollständig nachzeichnen. Wer mehr wissen will, findet unter Wikipedia und ähnlichen Quellen noch viel mehr Informationen.
Mittwoch, 28. August 2013
Paige aus Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch und noch ein paar andere Sachen
Hallo, Onkelchen. Es ist mal wieder Zeit für ein Interview.
Ach du meine Güte. Was willst du denn diesmal wissen?
Ach, da gibt es so einiges. Zum Beispiel, was die
Irland-Reise von Dir und Tante Dilein betrifft. Da gibt es noch ein paar
ungeklärte Fragen.
Welche denn?
Naja, lass uns mal mit deinem ersten Eintrag in dein
Reisetagebuch beginnen. Dort heißt es: „In der Cafeteria des James Pringle
Weaver Shops von Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch arbeitet ein hübsches junges Mädchen
namens Paige.“
Na und? Ich dachte, das könnte ein guter Romananfang sein.
Dieser Satz ergibt keinen Sinn. Warst du high?
Ganz und gar nicht. Es ist alles so, wie es da steht. In Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch (das ist ein Ort in Wales, den es wirklich gibt, siehe hier - wir haben auf dem Weg nach Irland dort Station gemacht) gibt es einen James Pringle Weavers Shop. Das ist so eine
Touristenfalle, wie es sie an manchen touristisch interessanten Punkten
Großbritanniens gibt. Man kann dort vor allem Wollklamotten, Strickpullover und
Socken kaufen, aber auch alle möglichen Arten von Reiseandenken. Sogar
Golfausrüstungen. Und dieser Shop hat eine Cafeteria, wo man zum Beispiel ganz
leckere Scones erstehen und Tee trinken kann. Und dort sah ich ein hübsches
Mädel, auf deren Namensschild der Name „Paige“ eingraviert war. Sie räumte
gerade die Tische ab und hatte ein nettes Lächeln.
Ooooh. Blond oder dunkel?
Dunkel. Ich nehme aber an, dass es eine Schülerin oder
Studentin war, die sich mit dem Job über die Ferienzeit ein bisschen Geld
hinzuverdiente. Deswegen kann es sein, dass du sie nicht triffst, wenn du
zufällig in Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch vorbeischauen solltest.
Aha. Abgesehen davon war deine Irland-Reise also nicht sehr
erfreulich?
Warum das denn?
Weil das der einzige Eintrag in dein Reisetagebuch war.
Wahrscheinlich war ich nur zu faul, weitere Einträge zu
machen. Kennst mich doch.
In der Tat. Du hast mir relativ eindeutige Sachen über
andere Unannehmlichkeiten in Irland erzählt. Hohe Preise, mangelnder
Service – und wie war das mit dem Auftritt, den du da in Irland hattest? Tante
Dilein hatte sich darüber ausgelassen.
Oh, jetzt wird’s kompliziert.
Ich höre.
Zunächst mal glaube ich, dass diese Art der Reise – eine Gruppenreise
im Bus – vielleicht doch nicht ganz das Richtige für uns beide war: Wenn man
eigentlich Land und Leute kennenlernen will, ist es vielleicht nicht ganz das
Richtige, in Gegenden rumzukurven, in denen lauter Busse unterwegs sind, die
ebenfalls voller Deutscher sind. In so einer Gruppe muss man sich leider auch anpassen.
Und das ist für einen Menschen nicht ganz einfach, der einen 7,5 Tonnen schweren
asiatischen Elefantenbullen zum Freund hat. Aber einige Sachen stimmen
tatsächlich: An einigen touristischen Orten sind die Preise für ein Bier oder
für ein ganz simples Essen in einem ganz ordinären Pub wirklich absurd hoch. Und
irgendwann siehst du nur noch grün, als hätte man Dir einen Grünfilter vors
Gesicht geschoben. Last but not least stellt sich dann der Effekt ein, dass im
Reiseführer lauter Orte beschrieben sind, die um Längen interessanter sind als
das, was der Reiseleiter gerade erklärt. Die gesamte Reise litt an einem Zuviel
an grüner Landschaft und einem Zuwenig an interessanten Bauwerken und
archäologischen Stätten. Irland verhält sich in dieser Beziehung also genau
umgekehrt proportional zu Rom. Zumindest was unsere Reiseoute betraf.
Aha. Aber da gab es auch noch diesen Auftritt…
Ich rede nicht so gern darüber.
Ach bitte!
Na gut. Unser Reiseleiter Kurt D. hat mir da einen Streich
gespielt. Es war am dritten Tag nach unserer Ankunft in Irland, wir hatten
gerade den Giant’s Causeway hinter uns gebracht und zockelten an der
nordirischen Küste entlang in Richtung Londonderry. Der Reiseleiter hatte eine
CD mit irischen Folkballaden eingelegt. Das dritte Lied erkannte ich sofort, es
war „Fields of Athenry“. Und ich sang mit. Genauso wie ich im Auto immer singe.
Ja, ich weiß. Da zerspringt immer dein Autofenster.
Korrekt. Kurz darauf machten wir einen Toilettenstop, und
der Reiseleiter fragte mich, ob ich nicht vorher schon mal in Irland gewesen
sei. Was ich verneinte.
Ach was!
Auf jeden Fall fuhren wir dann nach Londonderry und dann
weiter nach Stranorlar in der Grafschaft Donegal, wo unser Hotel war. Ein
wirklich tolles Hotel namens „Kee’s“ übrigens. Die Zimmer waren zwar klein,
aber das Haus hatte Atmosphäre und die Leute dort waren wirklich nett. Nach dem
Abendessen hatte ich schon ein Bier intus und wir wackelten rüber an die Hotelbar,
wo für den Abend Irish Folk and Dance angekündigt war. Wir waren gespannt. Da
waren junge Mädels, die im Stil von Riverdance tanzten und ein Folk-Barde, der
auf der Gitarre irische Weisen sang. Alles wirklich ganz nett. Dann aber
unterbrach der besagte Folk-Barde seinen Vortrag und sagte sinngemäß, im Raum
befinde sich ein junger Freund aus Deutschland, der den Anwesenden doch
sicherlich das schöne Lied „Fields of Athenry“ vortragen würde.
Und dabei
zeigte er auf mich.
Ach du … ! Woher wusste er das denn?
Wie gesagt, der Reiseleiter hat mir da einen Streich
gespielt. Er hatte es dem Hotelbesitzer gesteckt. Ich weiß gar nicht mehr
genau, was ich in diesem Moment dachte. Ich muss total rot angelaufen sein. Und
natürlich kam ich aus dieser Nummer nicht mehr raus. Ich schlich also rüber,
dorthin, wo der weißhaarige Barde sein Mikro und seine Anlage aufgebaut hatte.
Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich überhaupt eine Liedzeile rauskriegen
würde. Aber irgendwie hielt ich mich am Mikrofon fest, der Barde begleitete
mich auf der Klampfe, und meine Knie zitterten.
Faszinierend.
Du darfst nicht vergessen, dass es für mich das erste Mal
war, dass ich überhaupt solo vor Publikum in ein Mikro sang. Bei der ersten
Strophe musste ich textlich noch ein bisschen schummeln, beim Refrain war ich
mir dagegen schon sicherer, da sangen schon alle mit! Und die zweite und dritte
Strophe kamen dann einfach Zeile für Zeile. Und am Ende muss es wohl ziemlich
gut gewesen sein. Die Dame an der Bar brachte mir hinterher sogar einen sehr
gut eingeschenkten Whisky von Leo (dem Hotelbesitzer) und sagte, es sei „very
good“ gewesen. Der Hotelbesitzer fragte mich am folgenden Abend, ob ich nicht
nochmal singen wollte.
Und hast du?
Nein. Weil – irgendwie war es schon toll, aber es wäre nicht
dasselbe gewesen.
Dir scheint aber dieser Irish Folk irgendwann mal etwas über
geworden zu sein.
Ja, das hat auch ein bisschen damit zu tun, dass man an fast
allen Touristenorten damit beschallt wird. Und auch wenn man Irish Folk generell
mag, gibt es halt Lieder, die einem besser und solche, die einem weniger gut
gefallen. Das ist bei jeder Art von Musik so.
Klar. Aber du bist mit Tante Dilein am letzten Abend in eine
Musikkneipe gezogen.
Ja, das war toll. Wir waren am letzten Tag noch einmal in
Dublin und obwohl wir wussten, dass wir am nächsten Morgen früh raus müssen,
sind Tante Dilein und ich mit dem Doppeldeckerbus in die Stadt gefahren. Das
Hotel lag ziemlich außerhalb, und da mussten wir erst mal nachfragen, wo wir
eine Bushaltestelle finden. Wir haben also das Abendessen ausgelassen und sind
reingefahren. Wir landeten im Temple Bar-Bezirk, dem Künstlerviertel von
Dublin, und Tante Dilein schleppte mich dann in eine Kneipe, aus der Musik kam,
die ihr gefiel. Es war ausgerechnet die Temple Bar, also der Laden, der dem
ganzen Viertel den Namen gegeben hatte. Und da waren also drei Jungs zugange,
die so klassische Popsongs drauf hatten. American Pie, Country Roads und solche
Sachen. Alles aber ein bisschen roh, mit zwei Gitarren und einer Geige. Und in
den Liedern, in denen keine Geige vorgesehen war, kümmerte sich der Geigenmann
um die Percussion, indem er auf die Kiste klopfte, auf der er saß!
Die Bude war voll, wir schoben uns Stückchen für Stückchen weiter rein, ich holte mir ein Kilkenny, Dilein trank ein Cider Shanty (auf Deutsch würde man wohl Apfelmost-Schorle sagen). Später orderten wir noch exzellente Thunfisch-Sandwiches. Als die Jungs aufgehört hatten zu spielen, gingen wir dann. Wir holten uns aber noch ein paar gefüllte Brötchen bei einem Argentinier, bevor wir zum Bus gingen und wieder zum Hotel rausfuhren.
Die Bude war voll, wir schoben uns Stückchen für Stückchen weiter rein, ich holte mir ein Kilkenny, Dilein trank ein Cider Shanty (auf Deutsch würde man wohl Apfelmost-Schorle sagen). Später orderten wir noch exzellente Thunfisch-Sandwiches. Als die Jungs aufgehört hatten zu spielen, gingen wir dann. Wir holten uns aber noch ein paar gefüllte Brötchen bei einem Argentinier, bevor wir zum Bus gingen und wieder zum Hotel rausfuhren.
Woher wusstest du, dass der Typ Argentinier war?
(grinst) Ich hab ihn gefragt. Ich hatte aber auch einen
Anhaltspunkt: Über seinen Kühlschrank hing unübersehbar eine argentinische
Flagge. Und auf der Flagge klebte ein Bild von „D10s“ Maradona. Das war also
nicht schwer zu raten.
Warum habe ich nur das Gefühl, dass es bei Dir immer um
Fußball geht?
Ja, warum nur?
Sonntag, 25. August 2013
Die Rose von Tralalalee
Unser letzter Blogbeitrag hat für viel Aufregung gesorgt. Unsere Telefonleitung ist beinahe zusammengebrochen, weil sich diverse hochrangige Vertreter des irischen Touristikbüros über den Text beschwert hatten. Der Tenor war: Das kann ja nun doch nicht alles so gewesen sein, wie Sie das schreiben. Das mit den hohen Preisen, nun ja, das uns auch bekannt, darauf haben wir natürlich keinen Einfluss, verstehen Sie, aber das ist doch nun unfair, wenn Sie das so sagen. Weitere Leser wollten wissen, mit welchem slowakischen Supermodel wir unterwegs gewesen seien und ob wir eine Telefonnummer wüssten. Auf die letzte Antwort können wir leider nur mit Nein antworten, da wir die Privatsphäre aller Mitreisenden selbstverständlich wahren. Und Eva Herzigova ist Tschechin! Allein deshalb kann sie es nicht gewesen sein.
Aber die Schlagzeile "Ireland: Overpriced, overcrowded, overrated" ist nun einmal in der Welt, und obwohl wir davon nichts zurücknehmen, wollen wir hier nun versuchen, ein wenig gnädiger mit der in letzter Zeit doch etwas gebeutelten grünen Insel umzugehen. Den unvermeidlichen enthusiastischen Studentinnen, die nach nur einem folk-geschwängerten Abend in der Dubliner Temple Bar für immer und ewig in Irland bleiben wollen, würden wir aber trotzdem raten, sich einmal mit dem profunden Landeskenner Kurt D. zusammenzusetzen und sich von ihm zum Beispiel das eine oder andere über das Gesundheitssystem der Insel verklickern zu lassen. Vielleicht ebbt der Enthusiasmus der erwähnten Studentinnen ja dann auch ein bisschen ab.
Tja, wo fangen wir an mit der Ehrenrettung der Kerrygold-Nation? Ein Problem der Reise, von der Onkelchen und Tante Dilein wieder glücklich nach Hause zurückgekehrt sind, war sicherlich, dass die Inhalte nicht sehr günstig gegeneinander abgewogen waren. Es gab kurz gesagt ein Zuviel an Naturschönheiten und Gartenanlagen, aber ein bisschen wenig alte Burgen und Archäologisches zu bestaunen. Besonders Onkelchen begann da schwer zu murren. Aus seiner Sicht wurde ein ganzer Vormittag an den - sicherlich eindrucksvollen - Cliffs of Moher verdaddelt, während man an einer Reihe interessanter Burgen und verfallener Abteien mehr oder weniger kommentarlos vorbeifuhr. Bei den Cliffs of Moher hätte es Onkelchen definitiv gereicht, aus dem Busfenster zu gucken. Dann hätte er gesagt: "Oh, Klippen!", und damit wäre er zufrieden gewesen. Zwei Stunden Aufenthalt an der windumtosten Steilküste waren aber für ihn der totale Overkill. Als Reiseleiter Kurt D. ein paar Tage zuvor aus Zeitmangel den angekündigten Besuch bei einem keltischen Ringfort einfach cancelte, war Onkelchen ganz nah dran, eine Revolution anzuzetteln, zusammen mit einem älteren Mitreisenden, der ein wenig dem Next-Generation-Enterprise-Kapitän Jean-Luc Picard ähnelte. Star-Trek-Fans scheinen also auch abgesehen vom Weltraum gemeinsame Interessen zu haben. Onkelchen stichelte aber noch nach Tagen wegen des abgesagten Besuchs bei dem Ringfort.
Darüber hinaus wurden dreimal irgendwelche Herrenhäuser besucht, die englische Magnaten im 19. Jahrhundert angelegt hatten und die vor allem wegen ihrer Gartenanlagen berühmt sind. Onkelchen hatte es schon seit jeher nicht so sehr mit der Botanik. Die einzige Pflanzensorte, die er zweifelsfrei identifizieren kann, sind Brennesseln, und das auch nur, wenn er sie angefasst hat. Ich als Pflanzenfresser sehe solche Gärten natürlich mit anderen Augen, aber ich wurde das eine oder andere Mal auch aus Parks entfernt, weil ich die Pflänzchen halt gelegentlich schon mal anknabbere. Da kann ich halt nicht aus meiner Elefantenhaut. Fazit: Ein solches Herrenhaus mit Garten hätte absolut gereicht. Drei waren auch hier der totale Overkill.
Und dann noch das irische Fernsehen! Irgendwie macht es sich heute noch bemerkbar, dass die Iren siebenmal den Eurovision Song Contest gewonnen haben und die Fernsehanstalt RTE darob sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Interessante Filme oder Dokus waren Fehlanzeige: Während der ganzen Zeit, in der Onkelchen und Tante Dilein auf der Insel waren, gab es nur ein Thema, und zwar die Wahl der Rose von Tralee. Onkelchen machte daraus natürlich gleich "Tralalalee", und so falsch war das gar nicht. Denn Tralee ist ein nettes Städtchen im Südwesten von Irland, das unter anderem durch ein Lied - eben über die Rose von Tralee - bekannt geworden ist.
Seit mehreren Jahrzehnten wird dort die "Rose von Tralee" gewählt. Das wäre in Deutschland im weitesten Sinne mit der Wahl einer Weinkönigin vergleichbar. Mit dem Unterschied, dass sich Frauen aus ganz Irland und auch Damen irischer Herkunft aus dem Ausland um den Titel bewerben können und sich dann nach einer Vorauswahl in Tralee zur Finalrunde einfinden. Mit dem Effekt, dass alle Hotelzimmer im Südwesten Irlands um diese Zeit ratzeputz ausgebucht sind und Onkelchen in einem Hotel in Killarney einem Bett schlafen musste, an dessen Matratze ganz offenbar noch Spuren eines Mordes zu finden waren. Forensikerin Abby Sciuto aus NCIS hätte sicher ihre helle Freude an den Spuren gehabt.
Auch beim Aufhängen der Vorhänge im Zimmer von Onkelchen und Tante Dilein in Killarney ließ man offensichtlich jedes Augenmaß vermissen. Und auch die Spuren auf dem Teppichboden weisen auf eine greuliche Beziehungstat hin, die in diesem Hotelzimmer stattgefunden haben muss.
Aber es gibt doch nichts, was sich nicht durch ein schönes Glas Whiskey vergessen machen lässt. In diesem Sinne: Sláinte! (zu Deutsch: Nastrowje!)
Aber die Schlagzeile "Ireland: Overpriced, overcrowded, overrated" ist nun einmal in der Welt, und obwohl wir davon nichts zurücknehmen, wollen wir hier nun versuchen, ein wenig gnädiger mit der in letzter Zeit doch etwas gebeutelten grünen Insel umzugehen. Den unvermeidlichen enthusiastischen Studentinnen, die nach nur einem folk-geschwängerten Abend in der Dubliner Temple Bar für immer und ewig in Irland bleiben wollen, würden wir aber trotzdem raten, sich einmal mit dem profunden Landeskenner Kurt D. zusammenzusetzen und sich von ihm zum Beispiel das eine oder andere über das Gesundheitssystem der Insel verklickern zu lassen. Vielleicht ebbt der Enthusiasmus der erwähnten Studentinnen ja dann auch ein bisschen ab.
Tja, wo fangen wir an mit der Ehrenrettung der Kerrygold-Nation? Ein Problem der Reise, von der Onkelchen und Tante Dilein wieder glücklich nach Hause zurückgekehrt sind, war sicherlich, dass die Inhalte nicht sehr günstig gegeneinander abgewogen waren. Es gab kurz gesagt ein Zuviel an Naturschönheiten und Gartenanlagen, aber ein bisschen wenig alte Burgen und Archäologisches zu bestaunen. Besonders Onkelchen begann da schwer zu murren. Aus seiner Sicht wurde ein ganzer Vormittag an den - sicherlich eindrucksvollen - Cliffs of Moher verdaddelt, während man an einer Reihe interessanter Burgen und verfallener Abteien mehr oder weniger kommentarlos vorbeifuhr. Bei den Cliffs of Moher hätte es Onkelchen definitiv gereicht, aus dem Busfenster zu gucken. Dann hätte er gesagt: "Oh, Klippen!", und damit wäre er zufrieden gewesen. Zwei Stunden Aufenthalt an der windumtosten Steilküste waren aber für ihn der totale Overkill. Als Reiseleiter Kurt D. ein paar Tage zuvor aus Zeitmangel den angekündigten Besuch bei einem keltischen Ringfort einfach cancelte, war Onkelchen ganz nah dran, eine Revolution anzuzetteln, zusammen mit einem älteren Mitreisenden, der ein wenig dem Next-Generation-Enterprise-Kapitän Jean-Luc Picard ähnelte. Star-Trek-Fans scheinen also auch abgesehen vom Weltraum gemeinsame Interessen zu haben. Onkelchen stichelte aber noch nach Tagen wegen des abgesagten Besuchs bei dem Ringfort.
Darüber hinaus wurden dreimal irgendwelche Herrenhäuser besucht, die englische Magnaten im 19. Jahrhundert angelegt hatten und die vor allem wegen ihrer Gartenanlagen berühmt sind. Onkelchen hatte es schon seit jeher nicht so sehr mit der Botanik. Die einzige Pflanzensorte, die er zweifelsfrei identifizieren kann, sind Brennesseln, und das auch nur, wenn er sie angefasst hat. Ich als Pflanzenfresser sehe solche Gärten natürlich mit anderen Augen, aber ich wurde das eine oder andere Mal auch aus Parks entfernt, weil ich die Pflänzchen halt gelegentlich schon mal anknabbere. Da kann ich halt nicht aus meiner Elefantenhaut. Fazit: Ein solches Herrenhaus mit Garten hätte absolut gereicht. Drei waren auch hier der totale Overkill.
Und dann noch das irische Fernsehen! Irgendwie macht es sich heute noch bemerkbar, dass die Iren siebenmal den Eurovision Song Contest gewonnen haben und die Fernsehanstalt RTE darob sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Interessante Filme oder Dokus waren Fehlanzeige: Während der ganzen Zeit, in der Onkelchen und Tante Dilein auf der Insel waren, gab es nur ein Thema, und zwar die Wahl der Rose von Tralee. Onkelchen machte daraus natürlich gleich "Tralalalee", und so falsch war das gar nicht. Denn Tralee ist ein nettes Städtchen im Südwesten von Irland, das unter anderem durch ein Lied - eben über die Rose von Tralee - bekannt geworden ist.
Seit mehreren Jahrzehnten wird dort die "Rose von Tralee" gewählt. Das wäre in Deutschland im weitesten Sinne mit der Wahl einer Weinkönigin vergleichbar. Mit dem Unterschied, dass sich Frauen aus ganz Irland und auch Damen irischer Herkunft aus dem Ausland um den Titel bewerben können und sich dann nach einer Vorauswahl in Tralee zur Finalrunde einfinden. Mit dem Effekt, dass alle Hotelzimmer im Südwesten Irlands um diese Zeit ratzeputz ausgebucht sind und Onkelchen in einem Hotel in Killarney einem Bett schlafen musste, an dessen Matratze ganz offenbar noch Spuren eines Mordes zu finden waren. Forensikerin Abby Sciuto aus NCIS hätte sicher ihre helle Freude an den Spuren gehabt.
Auch beim Aufhängen der Vorhänge im Zimmer von Onkelchen und Tante Dilein in Killarney ließ man offensichtlich jedes Augenmaß vermissen. Und auch die Spuren auf dem Teppichboden weisen auf eine greuliche Beziehungstat hin, die in diesem Hotelzimmer stattgefunden haben muss.
Aber es gibt doch nichts, was sich nicht durch ein schönes Glas Whiskey vergessen machen lässt. In diesem Sinne: Sláinte! (zu Deutsch: Nastrowje!)
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