Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Montag, 17. September 2012

Das Geheimnis des Klistalldlachens

OK, Onkelchen hat es also wieder in den Fernen Osten verschlagen. Wie vor knapp einem Jahr versucht er, ganz Taipei davon zu überzeugen, dass er der einzig wahre Fachjournalist für alles ist, was auch nur im entferntesten mit Computer, Software, Smartphones etcetera zu tun hat - mit vorhersehbar geringem Erfolg, wie wir uns natürlich alle schon gedacht haben. Immerhin hat er sich diesmal Hilfe von Einheimischen geholt, und so steht zu hoffen, dass unser liebes Onkelchen nicht in allzu viele und zu große interkulturelle Fettnäpfchen tritt. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, der in der Chemie- Arzneimittelbranche reüssiert hat und deshalb aus Prinzip Business fliegen darf, musste Onkelchen die Reise nach Taiwan in der Holzklasse der Cathay Pacific antreten. 

Prinzipiell hatte er dagegen auch nichts einzuwenden, denn die Cathay Pacific ist ja durchaus eine seriöse Fluglinie und ihr Bordunterhaltungsprogramm sucht in der Economy-Class ihresgleichen. Wo sonst könnte man sich die Zeit mit fast allen Folgen der fünften Staffel der "Big Bang Theory" vertrödeln oder die brandaktuelle zweite Staffel von "Game of Thrones" angucken, gewürzt mit aktuellen Kinoknallern wie "Snow White and the Huntsman", "Merida" und "The Hunger Games"? Und wo könnte man auch die komplizierten romantischen Verwicklungen einer Hong Konger Beziehungskiste nachvollziehen, bei der es beide Beteiligten nach Peking verschlägt - all das im chinesischen O-Ton und mit englischen Untertiteln? Mach das mal nach, liebe Lufthansa, und das dann bitte auch noch so, dass nicht jeder zweite bis dritte Sitz von einer Media Equipment Box verstellt wird, so dass nur Beinamputierte auf den betreffenden Plätzen bequem sitzen können. Also wären eigentlich alle Voraussetzungen erfüllt gewesen, dass Onkelchen auf seinem Platz in dem zwar schon etwas betagten, aber immer noch Vertrauen einflößenden Boeing 747-400 Spaß hätte haben können. Aber auf dem Sitz neben ihm saß nun leider keine feingliedrige Chinesin (wie Onkelchen möglicherweise heimlich hoffte), sondern ein Bär von einem Mann, der Onkelchen sowohl hinsichtlich der Körpergröße als auch in Bezug auf den Bauchumfang wahrscheinlich um jeweils fünf bis zehn  Zentimeter übertraf. Da Onkelchen nun nicht unbedingt an näherem Körperkontakt mit diesem Koloss von Rhodos (der in diesem Fall aus der Gegend von Aachen stammte) interessiert war, wurden die zehn Stunden und zehn Minuten Flug zu einer echten Geduldsprobe. Da der Jumbo-Jet das für diesen Typ bei Rückenwind übliche eher ruppige Flugverhalten an den Tag legte, wurde auch der Darminhalt gut durchgeschüttelt. Dafür hatte Onkelchen bei seiner Ankunft im Hotel keinerlei Probleme mit Verstopfung, wie es ja nach langem Sitzen passieren kann. Insofern kuschelte er sich nach getaner Verrichtung in sein Bettchen und wachte erst vier Stunden später wieder auf, kurz bevor ihn sein Anstandswauwau in Empfang nahm, der ihn bei seinen Touren durch Taiwan begleitet und darauf achtet, dass Onkelchen nicht zuviel Unfug macht.

Heute nun war Onkelchen in Taipei unterwegs, um interessante Menschen aus der dortigen Elektronikbranche kennenzulernen. Taiwan ist ja das Elektronik-Land par excellence. Das einzige Problem, das die Elektronikindustrie in Taiwan nach wie vor hat, ist es, die Welt zu überzeugen, dass die ganz billigen Mainboards alle aus China kommen und man selbst die hochwertigen und zuverlässigen produziert. So schlug er sich tapfer und trotz Jetlag durch vier Termine und tat so, als würde er von dem ganzen Kram, über den er seine Gesprächspartner befragte, tatsächlich etwas verstehen. Heiratsanträge feingliedriger und zartgesichtiger Taiwanerinnen hat er bisher noch nicht bekommen. Ihn wundert allerdings sehr, dass es in Taipei praktisch an jeder Ecke sogenannte "Beauty Clinics" gibt, in denen die leicht(gewichtig)en Mädchen von Formosa ihre Gesichtszüge modifizieren lassen können, vermutlich damit sie mehr wie die Kindfrauen wirken, die als Werbefotos auf jedem Autobus prangen. Selbst Mütter, die schwere Kinderwagen nebst Nachwuchs vor sich her schieben, sehen hier nicht älter als vierzehn oder fünfzehn Jahre aus. 

Und an jeder Ecke gibt es Drachen zu sehen. Tempel erkennt man daran, dass sich schlangenartige Drachenleiber um die pagodenartige Dachfirste ringeln, meistens haben sie je einen pro Himmelsrichtung. Kein Wunder, denn Drachen gelten in China und damit auch in Taiwan als Glückssymbole. Ein solches hat sich ein Geschäftsmann, dessen Büro Onkelchen heute begutachten durfte, in Einzelanfertigung bei Swarovski bestellt (siehe Foto). Dieser supersüße Drachen soll langes Leben und Erfolg und selbstverständlich Gesundheit garantieren. Gut nur, dass Onkelchen dieses zerbrechliche Wunderwerk nicht berührt hat, sondern beim Fotografieren respektvollen Abstand einhielt...        



Montag, 3. September 2012

Henk, der coolste Typ der Welt

Gestern lernten Onkelchen und Tante Dilein den coolsten Typen der Welt kennen. Davon hatten sie noch keine Ahnung, als sie sich mit einer guten Bekannten, die sie beide schon aus der Schulzeit kannten, zum abendlichen Pizzaessen verabredeten. Die Bekannte (nennen wir sie zum beiderseitigen Schutz hier eben einfach Luzie) kommt aus der Landwirtschaft und hatte zuvor noch gefragt, ob sie den Betriebshelfer mitbringen könne, der zur Zeit bei ihnen auf dem Hof aushilft. Onkelchen und Tante Dilein hatten nichts dagegen, Tante Dilein ermahnte Onkelchen noch, nett zu dem Mann zu sein, denn, na ja bei Onkelchen weiß man nie, wenn er es mit Leuten zu tun hat, mit denen er nicht kann, wird er schnell bockig und unleidlich. Onkelchen versprach, nett zu sein, und trottete mit in die Pizzeria. Und dort begegneten sie Henk.

Bei Henk (dem von Luzie mitgebrachten Betriebshelfer) zeigt sich sofort, dass es sich nicht einen der üblichen unglückseligen Bauer-sucht-Frau-Typen handelte. Henk ist der geborene Kuh- und Stierflüsterer und dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auch bei einem Wettstreit mit einem Bären nicht komplett chancenlos sein. Auf jeden Fall ist er ein Typ, der sich stets und immer zu helfen weiß, diesen Eindruck vermittelte er beim ersten Ansehen. Die Berufsbezeichnung "Betriebshelfer" ist zudem völlig unzureichend. Zwar hilft der eigentlich in den Niederlanden geborene und mit 19 Jahren nach Deutschland ausgewanderte (ja, so was gibt es!) Landwirtschaftsexperte auch dann und wann mal auf einem Hof aus, aber er berät auch beim Bauen und Einrichten von Ställen sowie bei der Zusammenstellung des Futters der Rindviecher. Und das vom Niederrhein über Saudi-Arabien bis Kasachstan. Es gab sogar schon Anfragen aus Pakistan.

Onkelchen hatte schon nach kurzer Zeit heraus, dass Henk ursprünglich aus den Niederlanden kommt und so entspann sich ein interessantes Gespräch, das alle Beteiligten gleichermaßen in seinen Bann zog.   Onkelchen erfuhr, dass es nicht viel gibt, was Henk aus der Fassung bringt (mit Ausnahme eines Flugzeugs, mit dem er die Strecke von Moskau nach Sibirien zurückzulegen hatte - das Ding war mit Gepäcknetzen und Holzstühlen ausgestattet, und als Henk noch überlegte, ob er wirklich mit dieser Kiste fliegen wollte, spürte er schon die Hand eines bärenhaften Russen auf seiner Schulter, der ihm versicherte, das Ding würde auf jeden Fall und ganz bestimmt das Ziel erreichen). Dort angekommen, sah er sich mit Temperaturen von 38 Grad unter Null konfrontiert - in das Flugzeug war er mit typischen Reiseklamotten eingestiegen, und als er das Flugzeug verließ, fiel ihm als erstes der sternenklare Nachthimmel auf. Und ganz allmählich, als er noch auf das Gepäck wartete, das direkt am Flugzeug ausgegeben wurde, kroch so langsam die Kälte in ihm hoch - schneller ist nie jemand ins Terminal gelaufen. Aber einmal mit der richtigen Kleidung ausgestattet, die Henk ohnehin im Koffer hatte, war es schließlich kein Problem mehr, den Landwirten im tiefen Sibirien unter die Arme zu greifen.

Weniger abenteuerlich war ein Aufenthalt in Kasachstan, wo Henk einerseits die Freundlichkeit der Menschen und andererseits die Weite der Landschaft zu schätzen lernte. Nur dort, so sagte er, könne man es erleben, dass Himmel und Erde am Horizont ineinander übergehen und miteinander eins werden - was man ja sonst nur vom Meer kennt. Er erzählte darüber, inwieweit sich Deutsche und Russen hinsichtlich der Behandlung des Fleckviehs unterscheiden, und sogar Onkelchen, der vermutlich von der Landwirtschaft am weitesten entrückte Mensch auf Gottes Erden, hörte gebannt zu. Am Ende verabschiedeten sich alle herzlich (nachdem Henk zu Onkelchen gesagt hatte: "Du bist ein Superhirn. Das habe ich jetzt so entschieden..."). Und alle lernten etwas Wichtiges: Man muss nicht Popstar, Manager, Sportler, Pilot oder Model sein, um cool zu sein. Henk, der Küheflüsterer war es jedenfalls auch so...

    

Samstag, 25. August 2012

Ist dieser Spot sexistisch?


Tante Dilein sagt: Nein.

Samstag, 28. Juli 2012

Worin besteht die olympische Idee? Hat sie jemand gesehen?

So, seit gestern beziehungsweise heute morgen brutzelt die olympische Flamme wieder, und wer könnte besser dazu geeignet sein, das Geschehen in und um London zu kommentieren als ... Onkelchen! 

Hallo, Palfi.

Wie hat dir die Eröffnungsfeier in London gefallen?

Journalisten schreiben natürlich immer von einer bunten, farbenprächtigen Show. Das tun sie in der Regel, wenn ihnen nichts Besseres einfällt. Ich muss sagen, es war rundweg die beste Eröffnungsfeier seit Seoul 1988.

Warum gerade Seoul 1988? 

Das war die Zeremonie, die bei mir einfach den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen hat. Da gab es zu Beginn eine Schiffsparade auf dem Han-Fluss, der direkt am Olympiastadion vorbeifließt. Vieles war neu und fremdartig, die Feier hat damals viel von der koreanischen Geschichte und Kultur vermittelt. Zudem spürte man den politischen Umbruch in Korea weg von der Diktatur hin zu mehr Demokratie. Und das war großartig.

Leider wurden damals auch ein paar Tauben im olympischen Feuer gegrillt...

Ja, ich frage mich, wie das bei den Eröffnungsfeiern bis dahin gelöst wurde. Ich denke, dass bei den meisten Opening Ceremonies immer wieder das eine oder andere Täubchen geröstet wurde. Nur in Seoul hat man's leider weltweit gesehen.

Was hat dir in London besonders gut gefallen?

Die Mischung, es hat fast alles gestimmt. Und es gab wunderbare Momente. Die Filmeinspielung, in der Daniel Craig alias James Bond die Queen aus dem Buckingham-Palast abholte. Die Entzündung der Flamme, in der sich 204 kleine zu einer großen Flamme vereinigten. Und "Chariots of Fire" mit Rowan Atkinson alias Mister Bean, der gelangweilt immer die gleiche Taste auf dem Keyboard drückt. Ich habe Tränen gelacht. Es war eine sehr sympathische, unpathetische Feier mit dem richtigen Schuss Humor. Es gab zwar auch ein paar Längen, so die eine Tanznummer mit dem Pärchen, wo das Mädel das Handy verliert, war zu lang. Man muss ja auch sehen, dass der Einmarsch der Nationen dauert und dauert und dauert...

Dann hat London der olympischen Idee neues Leben eingehaucht?

Gegenfrage: Kann mir jemand mal sagen, worin die olympische Idee eigentlich besteht?

Wie bitte?

Worin besteht die olympische Idee? Das ist doch eine ganz einfache Frage. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der sie mir erklären konnte.

Naja, ist doch ganz einfach... Dabeisein ist alles... und so.

Mach dich nicht lächerlich. Bei Olympia zählt letzten Endes auch die alte Abba-Weisheit "The winner takes it all, the loser's standing small." Der Sieger wird steht im Mittelpunkt, der Verlierer wird vergessen oder gar verlacht. Über Eddie "the Eagle" Edwards haben 1988 alle gespottet, obwohl er wahrscheinlich mehr als jeder andere Schiss davor hatte, 1988 in Calgary die Schanze runterzufahren. In gewisser Weise war er aber der Normalo unter den ganzen hochgezüchteten Athletenmaschinen. Und gerade der "Dabei sein ist alles"-Blödsinn ist aus dem antiken Vorbild überhaupt nicht abzuleiten. Im antiken Olympia galt nur der Sieger etwas. Für Sieger hat man eine Bresche in die Stadtmauer gebrochen, damit er triumphal einziehen konnte. Schon die Zweitplatzierten mussten nachts und auf Umwegen nach Hause schleichen, damit sie nicht mit Kot bekübelt wurden.

Harte Sitten damals.


Das entsprach dem agonalen Denken der Griechen, die zahlreiche Bereiche des Lebens als Wettkampf betrachteten. Der andere Aspekt, den man vielleicht noch unter olympischer Idee subsummieren könnte, ist die Vorstellung der Völkerverständigung durch Sportwettkämpfe. Das ist auch Humbug. Im alten Griechenland mussten wenigstens während der Dauer der Spiele alle Kampfhandlungen ruhen. Im modernen Zeitalter hat das leider nie funktioniert. Es ist ja sogar so, dass Sport nationale Differenzen manchmal sogar noch vertieft hat. Man muss sich dazu nur mal die Schlagzeilen der britischen Presse anschauen, wenn England gegen Deutschland spielt. Da ist zum Teil ja vom "alten Feind" (old enemy) die Rede. Es gab sogar mal einen Fußballkrieg zwischen Honduras und El Salvador im Anschluss an die Qualifikationsspiele zur WM 1970. Die olympische Idee ist also nur ein Begriff ohne Inhalt. Fußball-Weltmeisterschaften sind da wenigstens ehrlich: Es geht darum, wer Weltmeister wird. Punkt. Aus. Schluss. Keine quasireligiösen Obertöne, kein Mummenschanz.

Aber die FIFA ist doch ein ziemlich korrupter Haufen?

Es gab auch bei der Vergabe von olympischen Spielen in der Vergangenheit Fälle massiver Korruption im IOC. Das IOC ist darüber hinaus feige, es hat gegenüber den Machthabern in China gekniffen und verweigert den Opfern des Terroranschlags bei den Spielen von München bis heute eine Schweigeminute im Rahmen der Spiele. Mit der FIFA und Sepp Blatter habe ich dagegen kein Problem. Wir haben 2006 die WM bekommen, obwohl Blatter damals massivst Südafrika unterstützt hat. Und das kann uns keiner mehr nehmen. Dagegen sind seit 1972 ALLE  deutschen Olympiabewerbungen gescheitert. Alle. Von daher bin ich mit der FIFA eigentlich recht zufrieden.






Sonntag, 8. Juli 2012

Eine Sanges-Karriere geht zu Ende!

Onkelchen wird heute seine "Karriere" als Chorsänger fürs erste beenden. Das Wort "Karriere" darf man hier durchaus in Anführungszeichen setzen, denn so richtig durchschlagend war sein Erfolg in diesem Bereich ja nie. Als Onkelchen vor ein paar Wochen, durchaus auch im Einverständnis mit Tante Dilein, diesen Schritt vor einigen Wochen ankündigte - denn es gebietet ja die Höflichkeit, die künstlerische Leitung des Chores davon zu unterrichten - war er einigermaßen überrascht, dass der Chorleiter in einer ungewöhnlich besorgten Art und Weise nachfragte, warum Onkelchen denn nicht mehr mitmachen wolle. Schließlich seien er und Tante Dilein ja auch ein sängerischer Gewinn für das Ensemble gewesen. Tante Dilein formulierte dann in Onkelchens Auftrag eine einigermaßen lahme Ausrede - naja, der Zeitaufwand, und die Tatsache, dass Onkelchen jede Woche berufsbedingt von der glamourösen Weltstadt Neuler-Ramsenstrut in das Provinzkaff München pendeln musste - solches Zeug eben. Lahme Ausreden, damit der Chorleiter, der ja unter anderem mit seinen Schulchören ungeahnte Erfolge feiert, zum Beispiel sang sein Schulchor vor kurzem in der Londoner Royal Albert Hall - oder war es die Saint Paul's Cathedral? - sein Gesicht wahren kann. Denn als Badewannen-Caruso ist Onkelchen gar nicht schlecht. Man muss auch ehrlicherweise sagen, dass man von ihm zu jeder Zeit eine passable Version von "You'll never walk alone" bekommen kann, selbst wenn man ihn um drei Uhr früh weckt, vorausgesetzt, er hat am Vorabend nicht zu viel Bier getrunken, was aber ohnehin nur selten vorkommt.
Nein, Onkelchens Abschied vom Chorgesang hat viel mit den oft zitierten "künstlerischen Differenzen" zu tun. Onkelchen ist hellsichtig genug, dass die Sangeskunst, die er darbietet, vermutlich am besten in Gänsefüßchen aufgehoben ist. Das Zeug, auf das der Chorleiter abfuhr, war halt immer schrecklich kompliziert. Und Onkelchen konnte mit Noten noch nie wirklich was anfangen. Das ist ungefähr so, wie wenn man dem nun schon mehrfach genannten Chorleiter ein paar Blätter voll mit Programmiercode in C vorlegen würde und ihn dann aufforderte: "So, jetzt sag' mir mal, was da rauskommt!" Genauso ist es, wenn Onkelchen Noten vor sich liegen hat. Er weiß zwar, aha, hier geht's rauf, hier geht's runter, hier muss man etwas länger aushalten - aber das ist es dann schon. Er kann sich die Verhältnisse, um wieviel höher und wieviel länger, nur dann vorstellen, wenn er das Zeug dann auch mal mehrfach vorgesungen/gespielt/gepfiffen bekommen hat. Wenn's dann aber komplizierter Stoff ist, streckt er die Waffen. Dann ist es nämlich harte Arbeit, sich mit dem Zeug auseinanderzusetzen.Und dafür hat er immer weniger Zeit, weil er ja jede Woche berufsbedingt von der glamourösen Weltmetropole Neuler-Ramsenstrut in das Provinzkaff München pendeln muss. Und manchmal muss er ja auch noch bloggen.
Dadurch, und das war natürlich eine völlig unbeabsichtigte Nebenwirkung seines Karriere-Endes, geriet die Existenz des Chores, der sich anspruchsvoller Vokalmusik verschrieben hat, ins Kippeln. Denn Männer sind heutzutage in Chören ausgesprochen selten. Ich würde sogar soweit gehen, dass Chöre noch eines der wenigen Refugien der heutigen Zeit sind, in denen Männer noch wirklich gebraucht und angemessen gewürdigt werden. Frauen sind ja heute überall auf dem Vormarsch, und Männer werden überflüssig. Eventuell unzureichende Körpergröße können die Damen mit Trittleitern ausgleichen, und für alles andere, wofür Männer früher unerlässlich waren, gibt es heute Batterien. Nur eben in Chören nicht - man kann keine vierstimmigen Motetten oder Choräle singen, wenn nicht wenigstens ein paar Tenöre oder Bässe vorhanden sind. Und deswegen stellt sich für viele Chöre, die mit Frauen zwar mehr als ausreichend bestückt sind, sofort die Existenzfrage, wenn ein Tenor oder Baß das Handtuch wirft.
In Schulchören ist das ja noch einfach. Entweder keilt der Musiklehrer die Jungs mit der Aussicht auf eine Aufwertung der Note im Fach Musik. Oder die Jungs kommen von selber, angelockt von der Möglichkeit, die kleine Blonde oder Brünette mit der glockenhellen Sopranstimme wenigstens aus der Ferne anschmachten zu können. Dann aber kommt unweigerlich der Moment, in dem die allermeisten Jungs realisieren, dass sie bei der kleinen Blonden oder Brünetten nie werden landen können, egal, wie sehr sie sich ins Zeug legen - gesanglich oder anderweitig. Und dann ist es um die Motivation meist geschehen. Und wenn diese Jungs mal erwachsen geworden sind, finden sie nie mehr den Weg zurück in einen Chor, denn die dort vorhandenen Frauen haben oftmals einen leicht verwelkten Zug an sich. Ich habe außerdem noch nie von Männern gehört, die in einen Chor gegangen sind, um Frauen anzubaggern, denn bei den anspruchsvollen (ich meine natürlich Chören) muss man erst mal vorsingen, bevor man mitmachen darf. Und außerdem sitzt man während der Chorproben ohnehin nach Stimmen getrennt und kann keine Konversation betreiben. Die sogenannte Nach-Singstunde mit viel Bier, die früher bei Männergesangvereinen der eigentliche Grund für die Teilnahme war, gibt es zudem in gemischten Chören in aller Regel nicht.
Wenn man Onkelchen wirklich halten wollte, dann müsste man mit ihm über ein etwas anderes Repertoire reden, und zwar Sachen, die er im Schlaf kann. Fußball-Songs zum Beispiel: "You'll never walk alone" wäre da ein guter Titel. Oder "Three Lions" (natürlich nur die beiden guten Versionen von '96 und '98). "Ferry 'cross the Mersey" - ebenfalls jederzeit. Da käme schon was Anständiges zusammen. Dann würde auch das Publikum wieder kommen. Und auch ein paar Männer. Wetten?

Montag, 25. Juni 2012

EM-Halbfinale: (Noch) Kein Grund zur Verzweiflung!


Wenn man sich einem Chor anschließt, dann erlebt man allerlei interessante Dinge. Mal singt man Bach auf Speed, mal performt man moderne klassische Musik, die so lächerlich kakophon ist, dass man sich manchmal wünscht, irgendjemand aus dem Publikum würde einfach mal laut „Hurz!“ rufen. Auch abgesehen davon können Chorproben sehr anregend sein. Man erfährt zum Beispiel, dass in einem kleinen Dörflein namens Bachhagel ein Mädel von geradezu lenameyerlandrutesker Grazie lebt, das auch noch mit einem glockenhellen Sopranstimmchen gesegnet ist. Wir werden sie bestimmt bald in einer der zahlreichen Casting-Shows wiedersehen, vielleicht holt die Blume aus Bachhagel ja den nächsten Titel beim Eurovision Song Contest!

Seit nun Italien als Halbfinalgegner der deutschen Elf bei der EM feststeht, ist es ausgemachte Sache, dass wir den EM-Titel erst nach dem nächsten Sieg beim Song Contest erringen werden. Denn nie hat Deutschland gegen Italien bisher bei einem großen Turnier gewonnen. Und diese EM scheint nicht das Turnier zu sein, in dem langanhaltende Serien reißen – sonst hätte England nicht schon wieder im Elfmeterschießen die Segel streichen müssen. Der erste Turniersieg gegen Italien ist deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht bei der Euro 2012 fällig.

Das ist jetzt nicht die übliche Unkerei im Stile von Onkelchens „Wir werden in der Vorrunde ausscheiden, uuuh – uuuh, das Viertelfinale ist Endstation – uuuh, uuh“. Es ist vielmehr so, dass in der Endphase wichtiger Turniere einfach gewisse Gesetzmäßigkeiten greifen. Zum Beispiel: England verliert im Elfmeterschießen, und Deutschland unterliegt gegen Italien.

Aber ist das wirklich so? Betrachten wir Deutschlands bisher nicht besonders ruhmvolle Tunierspielserie gegen Italien etwas näher, dann gibt es durchaus einige Details, die zu Hoffnung Anlass geben. Denn so häufig sind Deutschland und Italien bisher bei Turnieren nicht aufeinandergetroffen. Mitunter war es sogar so, dass Italien gerade in den Turnieren sehr früh ausschief, in denen Deutschland sehr weit gekommen ist. 1966 zum Beispiel – damals erreichte Deutschland das Finale, und Italien flog gegen Nordkorea aus der WM. Oder 1974, als Deutschland den Titel holte – damals flog Italien bereits nach der Gruppenphase raus.

Apropos Gruppenphase: Egal ob EM oder WM, wenn Deutschland und Italien in der Gruppenphase eines Turniers aufeinandertrafen, gab es immer ein Unentschieden.

WM 1962: 0-0

WM 1978: 0-0 (Die 2. Finalrunde wurde 1978 im Gruppenmodus ausgetragen)

EM 1988: 1-1

EM 1996: 0-0

Nur dreimal trafen die beiden Länder in der KO-Phase eines Turniers aufeinander, nämlich bei den Weltmeisterschaften 1970, 1982 und 2006. 1970 und 2006 war es jeweils das Halbfinale, 1982 das Finale. Bei diesen drei Partien zog jeweils Deutschland den Kürzeren, aber hier ist noch ein weiteres Detail zu betrachten. Deutschland musste in allen drei Fällen im vorherigen Spiel in die Verlängerung gehen, nämlich 1970 im WM-Viertelfinale gegen England, 1982 im Halbfinale gegen Frankreich und 2006 im Viertelfinale gegen Argentinien. 1982 und 2006 musste Deutschland sogar ins Elfmeterschießen.

Das bedeutet: Die deutsche Elf hat zwar bisher nie in einem Turnier gegen Italien gewinnen können, aber:

-          Die drei Niederlagen 1970, 1982 und 2006 ereigneten sich jeweils bei einer WM. Bei einer EM hat Italien dagegen noch nie gegen Deutschland gewinnen können (Deutschland war bei einer EM allerdings auch noch nie gegen Italien siegreich).  

-          Den Niederlagen gegen Italien ging jeweils stets ein Spiel voraus, in dem Deutschland in die Verlängerung gehen musste. Dies ist diesmal nicht der Fall.

-          Bei den Niederlagen 1982 und 2006 griff eine weitere seltene Gesetzmäßigkeit, die bis dato noch nicht intensiv erforscht wurde. 1982 und 2006 waren jeweils die ersten Weltmeisterschaften, die nach einer Papstwahl stattfanden. Bei der Papstwahl 1978 wurde ein Pole gewählt, beim Konklave 2005 ein Deutscher. Italien gewann jeweils im Halbfinale gegen das Land des amtierenden Papstes, und zwar jeweils mit 2-0 (1982 gegen Polen und 2006 gegen Deutschland). Im Finale 1982 gewann dann Italien gegen das Land des kommenden Papstes.

Keiner dieser Begleitumstände trifft bei der Partie zwischen Deutschland und Italien am Donnerstag in Warschau zu. Es gibt genug statistische Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass sich den bisherigen Pflichtspiel-Niederlagen nicht unbedingt eine weitere hinzugesellen muss. Schwer genug wird’s trotzdem.

Freitag, 22. Juni 2012

Halbfinale! Ja! Aber erkenne dich selbst!

Onkelchen hätte sich so sehr einen Sieg der Griechen gewünscht! Wie in diesem legendären Aufeinandertreffen der Deutschen und der Griechen: