Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Samstag, 17. Juli 2010

In memoriam: Kater Maunz


Heute muss ich leider eine traurige Mitteilung machen. Kater Maunz, der kleine Liebling von Onkelchen und Tante Dilein, musste eingeschläfert werden. Maunz war so ein lieber und hübscher Kater, hatte aber wohl von Geburt an die tückische FIV-Krankheit, landläufig auch als "Katzen-Aids" bekannt.

Dadurch nahmen die Abwehrkräfte unseres kleinen Katers immer mehr ab, zuletzt war jeder Atemzug eine Qual.

Lieber Maunz, ich hoffe, dass Du jetzt an einem besseren Ort bist!

Wir werden Dich vermissen!

Die Elefanten-WG Kurt Palfi, Gianni Dona und Paco Alvalade.

Freitag, 16. Juli 2010

28 Jahre hat Onkelchen danach gesucht...

... die englisch-jiddische Version von "Codo!"
Einmal hat er es auf (damals) SDR 3 gehört, seitdem nie wieder. Und hier ist sie! Youtube sei Dank!!

Sonntag, 11. Juli 2010

WM-Blog: Das verflixte Spiel Nr. 63

Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag schon gestern vormittag schreiben, aber da war es mir zu heiß! Heute ist es leider noch heißer als gestern, aber da ich - wie die deutsche Nationalmannschaft - das Bedürfnis habe, diesen WM-Blog zu einem versöhnlichen Ende zu bringen, muss eben geschrieben werden.

Schon klar: Das Spiel um den dritten Platz ist ein Fremdkörper im WM-Spielplan. Bei der Europameisterschaft gibt es dieses Platzierungspiel seit 1984 nicht mehr, und niemand vermisst es. In anderen Sportarten haben solche Spiele durchaus eine gewisse Bedeutung, zum Beispiel im Handball, weil man sich mit dem dritten oder fünften Platz eventuell die Direktqualifikation für das nächste Turnier oder die Olympischen Spiele sichern kann. Bei Fußball-Welt- und Europameisterschaften war dies jedoch nie der Fall, es ging von vornherein immer nur darum, wer die Bronzemedaillen kriegt und wer mit einem feuchten Händedruck vom Platz geht.

Interessanterweise war Deutschland im Jahr 1934 der erste WM-Dritte (bei der Premiere im Jahr 1930 gab es kein Spiel um Platz drei), und mit vier dritten Plätzen (1934, 1970, 2006, 2010) ist Deutschland bei insgesamt fünf Teilnahmen die erfolgreichste Nation im kleinen Finale. Lediglich 1958 ging Deutschland gegen Frankreich im kleinen Finale mit 3-6 unter, ansonsten waren die Männer mit dem Adler in der ungeliebten Platzierungspartie immer siegreich. Es gibt also durchaus eine gewisse Beziehung zwischen Deutschland und diesem seltsamen Spiel, das zur WM dazugehört, aber auch irgendwie nicht, denn es findet gewissermaßen außerhalb des Wettbewerbes statt. Beide Teilnehmer sind aus dem Rennen um den Cup ausgeschieden, müssen aber trotzdem noch mal ran. Ein bisschen erinnert das Ganze an Apollo 13: Das ganz große Ziel ist in weite Ferne gerückt, aber bevor man nach Hause kommen kann, muss man noch mal eine Ehrenrunde um den Mond drehen. Und hinterher verkauft man das Ganze dem staunenden Publikum als Erfolg.

Überraschenderweise ist diese Partie eigentlich spätestens seit 1982 ein Garant für unterhaltsame Spiele. Zuvor gab es eine Reihe von müden 1-0-Kicks, bei denen die beteiligten Spieler jeweils nach dem Führungstreffer fast alle Aktionen einstellten. Mitunter waren die Spiele um Platz drei sogar besser als die eigentlichen Endspiele, so etwa 1994 (ein 4-0 von Schweden gegen Bulgarien, während die Italiener und die Brasilianer sich im Finale neutralisierten und das Elfmeterschießen entscheiden musste) und 2006 (als die deutsche Ersatzelf die Portugiesen um Cristiano Ronaldo und Figo mit 3-1 besiegten, während Italiener und Franzosen im Finale lediglich ein 1-1 zustande brachten und auch hier die Strafstöße entschieden). Denn das Paradoxon des Spiels um Platz drei ist: Es geht eigentlich um nichts mehr, deshalb legen die beteiligten Mannschaften häufig die taktischen Zwänge ab. Die Defensive steht nicht mehr so sehr im Vordergrund, deswegen fallen im kleinen Finale oft mehr Tore als im eigentlichen Endspiel.

Das schönste "Spiel 63" der Geschichte lieferten sich aber 2002 die Türkei und Südkorea. Die Türkei gewann 3-2, aber nach wie vor unvergessen sind die Bilder nach dem Spiel, als sich beide Teams miteinander verbrüderten und sich Arm in Arm auf dem Rasen bei ihren Fans bedankten (im folgenden Video ab 6:48).



In diese ehrenvolle Ahnenreihe hat sich auch gestern die Partie zwischen Deutschland und Uruguay eingereiht. Natürlich war vor allem den Deutschen die Enttäuschung über das verpasste Finale sehr stark anzumerken. Aber: Sie zogen sich glänzend aus der Affäre und gewannen 3-2. Und wer war der Sieger? Der Fußball.

Freitag, 9. Juli 2010

WM-Blog: Manndeckung gegen Spanien!

Die deutsche Nationalmannschaft konnte es nicht - nun steht Holland vor der schwierigen Aufgabe, die momentan wieder scheinbar unbezwingbaren Iberer zu besiegen. Das Kraken-Orakel ist sich zwar sicher, dass Deutschland den dritten Platz holt und Spanien den Cup erringt. (Sogar die spanische Presse nimmt davon Notiz! In Spanien wurde das Endspiel-Orakel sogar live übertragen und die spanischen Beobachter sangen "Campeones, Campeones", als sei das Finale schon gespielt!)

Damit scheint alles geklärt. Aber soll man wirklich einem glitschigen Kopffüßer die Entscheidung darüber überlassen, wer die Weltmeisterschaft gewinnt? Auch wenn der Oberhauser Krake während der WM 2010 mit seinen Tipps immer richtig lag - wenn man die ganze Sache mit dem Kraken-Orakel zu ernst nimmt, braucht man zum Spiel gar nicht mehr anzutreten. Das würde zunächst einmal sehr viel Geld sparen. Man braucht keine Stadien mehr, auch keine Verkehrsinfrastruktur: Es reicht einfach, sich alle vier Jahre vor dem Aquarium des Oberhauser Kraken zu versammeln - auch wenn es in vier Jahren nicht mehr Paul sein wird, denn Kraken haben nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von drei Jahren.

Vielleicht hat ja das deutsche Team vor zwei Tagen die Vorhersage des Kopffüßers zu ernst genommen, denn manche Prophezeiungen tendieren einfach dazu, sich selbst zu erfüllen. Gerade wenn das Selbstbewusstsein vor einem Duell mit einem Gegner, der keine offensichtlichen Schwächen aufzeigt, nicht allzu ausgeprägt ist, wischt manch einer die "Vorhersage" nicht einfach beiseite, sondern das Omen frisst sich im Hinterkopf möglicherweise fest und nagt. Ich hoffe, dass es den Holländern übermorgen am Sonntag nicht so ergeht!

Aber wie soll man die Spanier knacken? Der Schlüssel zum Erfolg der Spanier ist neben der guten Balltechnik vor allem das herausragende Positionsspiel. Es macht die Räume für den Gegner eng und schafft Anspielstationen für Pässe. Das als Tiki-Taka gelobte Kurzpassspiel halte ich persönlich eher für faulen Zauber, weil es eigentlich kaum Raumgewinn schafft.
Es hat allerdings den Zweck, den Gegner zu ermüden und den Ballbesitz zu erhalten. Ist der Gegner erst einmal müde gespielt, erwachsen für die Spanier schließlich Chancen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, dieser Taktik entgegenzutreten: Die eine lautet, einen Bus vor das Tor zu stellen. Das heißt: Alle Mann verteidigen, wenn es sein muss, alle auf der Torlinie. Das hat mehr oder weniger die Schweiz getan.

Die zweite Option wäre aus meiner Sicht die konsequente Manndeckung im Mittelfeld. Dass die Spanier dort gut besetzt sind, muss gar nicht mehr erwähnt werden. Das ist Allgemeingut. Aber diese Variante ist offenbar nicht mehr salonfähig. Das deutsche Team, das die Manndeckung länger als jede andere Mannschaft praktizierte (vielleicht mit Ausnahme der Griechen), griff gegen Spanien jedenfalls nicht zu diesem Mittel. Warum eigentlich?

Die Manndeckung ist eines von mehreren Werkzeugen, die sich im taktischen Instrumentarium von Fußballtrainern befinden. Sie wird von Spitzenmannschaften vor allem deswegen kaum mehr praktiziert, weil die Manndeckung das Umschalten von Abwehr auf Angriff erschwert. Nehmen wir an, ein rechter Verteidiger wird einem bestimmten Stürmer zugeordnet, der normalerweise auf dem linken Flügel seiner Mannschaft agiert. Um seinem direkten Gegenspieler zu entgehen, weicht der genannte Flügelstürmer in die Mitte oder auf seinen rechten Flügel aus (unser rechter Verteidiger wird somit gezwungen, seinem Gegenspieler zu folgen und ist nun auf "seinem" linken Flügel zu finden). Erobert nun die bisher verteidigende Mannschaft den Ball, dann findet der ballführende Spieler seinen Kameraden nicht mehr dort, wo er ihn erwartet, denn er ist ja seinem Gegenüber auf jenen Flügel gefolgt, auf den er gar nicht hingehört.

Dieser Nachteil der Manndeckung ist leicht einzusehen. Wenn es aber darum geht (und das muss gegen eine Mannschaft wie Spanien absolute Priorität haben), sie nicht zu ihrem Kurzpassspiel kommen zu lassen, dann gibt es kaum eine Alternative, als jedem spanischen Spieler auf den Füßen zu stehen. Auf diese Weise entfallen für die ballführenden Spieler der Spanier die möglichen Anspielstationen, sie müssen weitere Wege gehen und die Ordnung im Mittelfeld könnte dadurch aufgebrochen werden. In das Spiel kommt mehr Bewegung. Verfügt man vielleicht noch über schnelle Flügelspieler, dann sind durchaus auch Torchancen möglich.

Ich weiß nicht, ob diese Vorgehensweise jemals in der Praxis erwogen wurde. Fußball-Feingeister wie die Autoren der "Süddeutschen Zeitung" werden sich hier vermutlich schütteln, aber die verurteilen ja jede Aktion sofort als mittelalterlich oder als Gerumpel, wenn es um die Defensive geht. Da heißt es dann schon mal, Podolski habe "als mittelalterlicher Libero" gegen Ramos gerettet. Soll er es denn gar nicht tun, soll er lieber das Gegentor zulassen? Die Manndeckung hat gerade dann ihre Berechtigung, wenn man gegen ein Team antritt, das spielerisch-technisch als überlegen gilt. Auf dieses Werkzeug von vornherein zu verzichten, ja, es komplett aus dem taktischen Werkzeugkasten zu verbannen, ist ein bisschen arrogant. Wenn man eine absolute Dominanz der Spanier verhindern will, könnte sie durchaus ein wertvolles Mittel zum Zweck sein.

Mal sehen, ob die Holländer da weniger dogmatisch sind als Jogi Löw. Sie bezeichnen ihren Stil laut Nigel de Jong ja inzwischen als "deutscher als die Deutschen". Das kann zu Hoffnung Anlass geben...

Nachtrag: Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Siehe diesen Spiegel-Forenbeitrag: Guckst du!

WM-Blog: Hoffen auf Holland

Holland ist - noch vor England - der Lieblingsfeind deutscher Fußballfans. Ein Verhältnis, das auf Gegenseitigkeit beruht. 2002 sangen deutsche Fans schadenfroh "Ohne Holland fahr'n wir zur WM", als die niederländische Elftal in der Qualifikation scheiterte. Und die Holländer sind die ersten, die fröhlich das alte Lied "Schade Deutschland, alles ist vorbei" anstimmen, wenn die Deutschen vorzeitig ausscheiden. Interessant ist dabei, dass beide Spottlieder auf dieselbe Melodie gesungen werden. Es gibt also neben der herzlichen Abneigung wohl auch viele Gemeinsamkeiten.

Wahr ist ja, dass es zwischen beiden Ländern viele hochemotionale Fußballschlachten gab - allen voran das WM-Endspiel 1974, in dem die Krönung des "Totalen Fußballs" niederländischer Prägung stattfinden sollte und das schließlich die Deutschen - nicht zuletzt wegen des Heimvorteils und wegen Gerd Müller - gewannen. Dem stand das Hamburger EM-Halbfinale 1988 in nichts nach, in dem die holländischen Fans in der Überzahl waren. Unvergessen die Szene, in der sich Ronald Koeman mit dem Trikot von Olaf Thon den Hintern abwischte. Dann kamen die engen Duelle in der WM-Qualifikation 1990 und schließlich das Haß-Spiel im Achtelfinale der WM 1990, in dem es für Frank Rijkaard und Rudi Völler die rote Karte gab und in dem Jürgen Klinsmann das Spiel seines Lebens machte. 1992 trafen beide Teams in der Gruppenphase der EM wieder aufeinander, Holland gewann 3-1, aber da beide Mannschaften weiterkamen, fiel die deutsche Niederlage nicht so sehr ins Gewicht. 2004 gab es in Portugal bei der EM ein 1-1, aber die Rivalität war zum diesen Zeitpunkt schon ziemlich abgekühlt.

Holland trug den Deutschen einerseits das verlorene WM-Halbfinale von 1974 nach, andererseits überlagerte die Erinnerung an die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkrieges lange die Duelle mit dem Nachbarn. Man war froh, wenn es gelang, dem scheinbar übermächtigen Nachbarn auf dem grünen Rasen ein Bein zu stellen.

Dazu kam - und das ist nicht zu vernachlässigen -, dass mit Holland und Deutschland auch zwei unterschiedliche Fußball-Philosophien aufeinandertrafen, nämlich auf der einen Seite der häufig nüchtern-ergebnisorientierte Zweckfußball deutscher Prägung und auf der anderen Seite der angriffsorientierte "Totale Fußball" von Johan Cruyff und seinen Epigonen - mit einer gewissen Neigung, in Schönheit zu sterben. Holland gewann dadurch die Fans für sich, Deutschland viele Titel.

Bei dieser WM 2010 hat sich das Bild in gewisser Weise gewendet: Deutschland hat gegen Australien, England und Argentinien herzerfrischenden Angriffsfußball gezeigt, Holland dagegen eher nüchtern und zweckgebunden gespielt. Verkehrte Welt! Die deutsche Truppe präsentiert sich als multikulturelles, fußballtechnisch fein ziseliertes Team, während Holland Fußball arbeitet - wenngleich sie mit Sneijder und Robben auch einige exquisite Künstler in ihren Reihen haben. Es ist kein Zufall, dass mit van Bommel, Robben, Mathijsen und Bouhlarouz vier zentrale Akteure der Niederländer in der Bundesliga spielen, Trainer Bert van Marwijk Bundesliga-Erfahrung hat und auch Bayern-Coach van Gaal aus Holland kommt. Die beiden Erzrivalen befruchten sich momentan gegenseitig mehr, als man es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hatte. Deutschland lernt von den Holländern Spielwitz, die Niederländer übernehmen die deutsche Disziplin. Und nicht zuletzt: Es ist einfach schön zu sehen, dass sich Leute wie van Bommel und Robben und viele andere holländische Profis in Deutschland wohl fühlen, so dass man die leidige Vergangenheit vielleicht doch irgendwann einmal ad acta legen kann.

Insofern halte ich im Finale zu den Niederländern (seit dem Halbfinal-Aus der Deutschen trage ich konsequent orange T-Shirts) und hoffe, dass sie eine Lücke bei den Spaniern sehen, die Jogi Löw und seine Mannen nicht gefunden haben. Ich war ja schon 2006 in Nürnberg bei der "Schlacht von Nürnberg" zwischen Holland und Portugal dabei und hielt damals zum ersten Mal in meinem Leben zu den Niederländern, denn die Portugiesen spielten damals einfach dreckig. Schwalbenkönig Cristiano Ronaldo tauchte so oft weg, dass man meinen konnte, er sei mit einem Schnorchel auf den grünen Rasen unterwegs.

In diesem Sinne: Hup, Holland, hup! Diesmal seid ihr die besseren Deutschen!
Haut die Spanier weg!

Donnerstag, 8. Juli 2010

WM-Blog: Weltmeister zu sein, ist kein Spaß:

Ich weiß, es ist ein schwacher Trost, aber: Sollte Spanien tatsächlich Weltmeister werden, dann - so zeigt die Erfahrung - werden sie in vier Jahren denselben uninspirierten Fußball zeigen wie alle Titelverteidiger und im Niemandsland, das zwischen Vorrunde und Viertelfinale liegt, ausscheiden.
Hier die Ergebnisse der Titelverteidiger der letzten 12 WMs:

1966 (Brasilien): Vorrunde
1970 (England): Viertelfinale
1974 (Brasilien): Zwischenrunde
1978 (Deutschland): Zwischenrunde
1982 (Argentinien): Zwischenrunde
1986 (Italien): Achtelfinale
1990 (Argentinien): Finale
1994 (Deutschland): Viertelfinale
1998 (Brasilien): Finale
2002 (Frankreich): Vorrunde
2006 (Brasilien): Viertelfinale
2010 (Italien): Vorrunde

- Nur zweimal (Italien 1938 und Brasilien 1962) konnte der Fußball-Weltmeister (der Herren, wohlgemerkt) seinen Titel erfolgreich verteidigen.

- Seit der letzten erfolgreichen Titelverteidigung 1962 konnten sich lediglich zwei amtierende Weltmeister unter den letzten Vier platzieren (Argentinien 1990 und Brasilien 1998).

- 1990 erreichte Titelträger Argentinien zwar das Finale, kam aber in der Vorrunde nur deshalb weiter, weil im 24er-Teilnehmerfeld auch die vier besten Gruppendritten weiterkommen konnten. Im Viertelfinale (gegen Jugoslawien) und Halbfinale (gegen Italien) kam Argentinien nur per Elfmeterschießen weiter.

- 1998 erreichte Brasilien zwar das Finale, unterlag aber im Endspiel deutlich mit 3:0 dem Gastgeber Frankreich.

- 2002 schied der Titelträger Frankreich in der Vorrunde aus, ohne ein einziges Tor erzielt zu haben.

- 2010 erzielte der Titelträger Italien gerade mal zwei Unentschieden in der Vorrunde und flog durch eine Niederlage gegen den WM-Neuling Slowakei aus dem Wettbewerb.

Die Fakten lügen nicht: Wer auch immer in Johannesburg den Titel holt, muss sich auf quälende Fußball-Niederungen einstellen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent (legt man die Ergebnisse seit 1966 zugrunde) ist spätestens im Viertelfinale Schluss. Freut euch, solange ihr könnt, liebe Spanier (oder Niederländer): Ab dem Zeitpunkt, zu dem ihr am Sonntag den Pokal in die Höhe stemmt, geht's bergab.

WM-Blog: Lasst Hrubesch ran!

Noch ist Joachim Löw ja Trainer der deutschen Fußball-Auswahl. Seine Zukunft ist aber seit dem Vertragsdebakel vom Frühjahr ungewiss. Ich kann mir zwar vorstellen, dass er vom DFB nach der WM ein Angebot bekommt, das er nicht ablehnen kann. Dennoch halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass er die Brocken trotzdem hinschmeißt und seinen Vertrag nicht verlängert. Er wäre dann zusammen mit Michael Ballack einer der großen Unvollendeten im DFB.

Was dann? Que faire? Matthias Sammer wird für diesen Fall als der große Unvermeidliche genannt. Als Sportdirektor des DFB hätte er vermutlich den ersten Zugriff auf das Amt des Bundestrainers. Als jüngster Meistertrainer der Bundesliga wäre er ohne Zweifel qualifiziert, zudem weiß er als Mitglied der Europameistermannschaft von 1996, wie man ein Turnier gewinnt. Allerdings gibt es Stimmen, die Sammer als menschlich nicht ganz einfach einschätzen. Wie er mit der jungen deutschen Nationalmannschaft klarkäme, bleibt daher eine offene Frage.

Als Alternative bietet sich Hotte Hrubesch an. Seit 2000 in Diensten des DFB, hat er maßgeblich zu den Erfolgen der DFB-Jugendmannschaften beigetragen. Auch er besitzt das Sieger-Gen, 1980 gewann die DFB-Auswahl dank seiner Tore die Europameisterschaft in Rom. Die Erfolge der Jugendmannschaften belegen, dass er einen guten Draht zu den jungen Spielern hat (Neuer, Beck, J. Boateng, Höwedes, Hummels, Aogo, Khedira und Özil errangen unter seiner Leitung den U-21-Titel) und diesen auch in der Nationalmannschaft einsetzen könnte.

Für Hrubesch spräche nicht zuletzt, dass er den Jungs wieder beibringen könnte, wie man aus einer Ecke ein Tor macht. Schließlich köpfte er die deutsche Elf 1980 nach einer Ecke von Rummenigge zum Europameistertitel. Dieses Wissen scheint inzwischen in Deutschland verlorengegangen zu sein, während man in Spanien noch weiß, wie das geht (fragen Sie mal Herrn Carles Puyol).

Als Assistenztrainer schlage ich Manni Kaltz vor, den besten rechten Verteidiger, den wir je hatten (sorry, Philipp Lahm). Das Erfolgsduo "Manni Bananenflanke, ich Tor" könnte somit das deutsche Team wieder auf Titelkurs bringen...

Wenn Löw tatsächlich nicht weitermachen sollte, wäre also keine "Trainerfindungskommission" notwendig - ein kompetenter Nachfolger ist im eigenen Haus vorhanden.