Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Mittwoch, 21. April 2021

Better call Palfi!

 Da ist Onkelchen wieder mal ganz schön in Schwierigkeiten. Mein missratener Sohn Gianni hat wieder irgendetwas gefunden, womit er ihm am Zeug flicken kann. Er faselt städnig davon, Onkelchen in ein "Supermax-Gefängnis" stecken zu wollen. Keine Ahnung, was das ist! Klingt auf jeden Fall nicht gut! Aber ich bin da! Ich eile, ich fliege! Ich werde Onkelchen da wieder rausboxen. Denn es gilt: Better call Palfi!

 

(Habt ihr übrigens gesehen, wie dreckig und abgerissen Gianni mittlerweile aussieht? Da muss man sich ja fast schämen!)
 

Sonntag, 8. November 2020

Wahlbetrug – eine Spezialität der Demokraten?

Das Ergebnis der US-Wahl steht jetzt ja fest. Joe Biden wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden. Aber erst mit großer Verspätung – es war doch eine engere Kiste, als viele erwartet haben. Also lagst du mit deiner Vermutung doch ganz richtig. Allerdings scheint der derzeitige Amtsinhaber das Ergebnis nicht anerkennen zu wollen. Er wittert allerorten Wahlbetrug und droht deshalb mit Klagen. Ziemlich schlechter Stil, nicht wahr?

In der Tat macht Trump nicht das, was man von einem fairen Sportsmann erwarten würde – akzeptiere die Niederlage, räume das Feld und get over it. Das war wahrscheinlich auch nicht zu erwarten. Trump ist nicht cool, er kann es nicht ertragen, zu verlieren oder Zweiter zu sein. Das hat man spätestens bei seiner Amtseinführung gemerkt, als man die Luftbilder von Obamas Angelobung, wie die Österreicher sagen würden, mit denen von Trumps Vereidigung verglich. Bei Obama erstreckten sich die Menschenmassen bis zum Horizont, bei Trump waren bedeutend weniger Leute gekommen. Trump beharrte darauf, dass seine Amtseinführung trotzdem besser besucht gewesen sei als die von Obama und schwadronierte von "alternativen Fakten". Trump hätte er es auf das Wetter schieben können. Denn bei Obamas Vereidigung schien die Sonne - es war ein klarer, aber frostiger Tag - , während bei Trump nasskaltes Nieselwetter herrschte. Trump hätte einfach sagen können: Ach komm, die Leute sollen sich meinetwegen nicht erkälten. Aber er war nicht cool.

Also ist Trump einfach nur ein schlechter Verlierer?

Könnte man meinen. Ich bin nicht in der Lage zu sagen, ob an seinen Wahlbetrugs-Vorwürfen irgendetwas dran ist. Mich erinnert die ganze Sache sehr an die Urheberrechtsklage der US-Softwarefirma SCO in den frühen 2000ern. SCO war der Meinung, das freie Betriebssystem Linux sei ein unrechtmäßiges Derivat von Unix. Da sich SCO vereinfacht gesprochen als rechtmäßiger Eigentümer des Unix-Quellcodes sah, verklagte sie alle möglichen Firmen, die Linux einsetzten, allen voran IBM. Aber auch private Linux-Nutzer befanden sich im Fadenkreuz dieser Firma. Interessant dabei war, dass SCO nie belegen konnte, worin denn der Code-Diebstahl bestand und wo Linux von Unix kopiert hatte. Es war alles aus meiner Sicht nur Geraune. Es gab zwar durchaus Leute in der Branche, die die SCO- Anwürfe für nachvollziehbar hielten - so um 2004 herum unterhielt ich mich mal anlässlich eines Softwarekongresses in Berlin mit Leuten von Sun Microsystems, und die meinten dann in Bezug auf SCO: "They have a case", also zu deutsch, "es gibt da schon Belege". Aber SCO verlor das Verfahren nach mehreren Jahren in Bausch und Bogen. Es stellte sich nämlich unter anderem heraus, dass sie gar keine Rechte an Unix hatten, wie sie behaupteten.

Also basieren Trumps Anklagen auf Schall und Rauch?

Das kann sein. Allerdings haben sich gerade die US-Demokraten in der Geschichte immer wieder als exzellente Spezialisten beim Thema Wahlfälschung hervorgetan. Das geht auf das 19. Jahrhundert zurück. In großen Städten wie New York, Boston, Chicago, Kansas City, Philadelphia waren die lokalen Parteibosse enorm einflussreich. Das ging zum Teil sogar soweit, dass sie Einwanderern Jobs verschaffen konnten und als Gegenleistung Loyalität für die Partei verlangten. Die sogenannte "political machine" verlangte Unterstützung und bot dafür Arbeit, Geld oder geldwerte Vorteile. In der Regel zogen Bosse die Fäden, die in der Öffentlichkeit kaum auftraten. Aber sie bestimmten, wer in politische Ämter gewählt wurde. Bestechung und Wahlbetrug waren da an der Tagesordnung – bis weit ins 20. Jahrhundert.

Waren das nur die Demokraten oder gab es das auch auf der anderen Seite?

Ich denke, auf der Seite der Demokraten war das System einfach ausgeprägter. Die Demokraten waren schon damals die Partei der großen Städte. In Kansas City gab es in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zwei rivalisierende demokratische Gruppen - die einen nannten sich die "Ziegen" und die anderen waren die "Kaninchen". Die Republikaner spielten damals keine Rolle! Der renommierte US-Historiker David McCullough schreibt in seiner Biographie über den US-Präsidenten Harry S. Truman, wie es damals bei diesen beiden Gruppierungen der Demokraten zuging: "Einschüchterungen in den Wahllokalen, Stimmenhäufung, der Diebstahl von Wahlurnen, Stimmenkauf mit Whiskey oder Bargeld, Straßenschlachten allerorten (...) wurden angewandt, um zu bestimmen, welche Seite innerhalb der Partei die Oberhand behielt." McCullough zitiert einen ungenannten Zeitgenossen: "Wahlbetrug waren zur Kunstform geworden." Und der Preis war immer Macht, Jobs, Einfluß oder Geld.

Ups. Da wurde wirklich mit harten Bandagen gekämpft.

In der Tat. Dieses System hat sich lange gehalten. Auch John F. Kennedy wäre wahrscheinlich ohne massiven Wahlbetrug nicht zum Präsidenten gewählt worden. Der Enthüllungsjournalist Seymour Hersh hat in seinem Buch The Dark Side of Camelot die Verbindungen der Kennedys zur Chicagoer Mafia beleuchtet. Der damalige Mafiaboss Sam Giancana scheint demnach wesentlich daran beteiligt gewesen zu sein, dass Kennedy in Chicago genug Stimmen bekam, damit er die Wahlmännerstimmen von Illinois für sich verbuchen konnte. Seymour Hersh schreibt, dass es damals wohl enge Verstrickungen der Gewerkschaften mit der Mafia gab. Und es war wohl Joe Kennedy, also der Vater von JFK, der sich an den Mafiaboss wandte. Zumindest offiziell scheint JFK nichts davon gewusst zu haben. Oder er zog es vor, darüber nichts wissen zu wollen.

Richard Nixon, der damalige republikanische Gegenkandidat von John F. Kennedy, wusste natürlich sehr wohl, was abging. Er sah allerdings, dass er keine Handhabe gegen JFK hatte, also unternahm er nichts und gestand seine Niederlage ein. Er wusste, dass er das Blatt mit juristischen Schritten nicht wenden konnte, also machte er gute Miene zum bösen Spiel. Ihm war sehr klar, dass es ihm in keiner Weise nützen würde, wenn er als schlechter Verlierer aus dem Rennen ging.

In gewiser Weise ließen die Kennedys hier eine Familientradition fortleben: Kennedys Großvater mütterlicherseits, John F. Fitzgerald, der unter anderem Bürgermeister von Boston gewesen war, war 1919 aus dem Repräsentantenhaus ausgeschlossen worden, weil ihm bei der Wahl 1918 Betrug in großem Stil nachgewiesen worden war. Das Wahlkomitee hatte entdeckt, dass in einer Reihe von Bostoner Wahlbezirken rund ein Drittel der Stimmen illegal abgegeben worden war. Fitzgerald musste seinen Sitz im Kongress aufgeben.

Aber die Republikaner sind doch auch keine Kinder von Traurigkeit, oder?

Nein, das hat man im Jahr 2000 bei Bush gegen Gore gesehen. Aber die Taktik der Republikaner ist eine andere. Das bevorzugte Mittel der Demokraten ist in der Geschichte das sogenannte ballot-stuffing gewesen: Im Extremfall bedeutet das, die Urnen mit möglichst vielen Stimmen für den bevorzugten Kandidaten zu füllen, egal, ob die Wahlzettel legal oder illegal abgegeben wurden. Die Taktik der Republikaner ist eher die des vote denial: Man versucht hier, schon im Vorfeld die Wählerverzeichnisse bestimmter Bezirke von Namen zu bereinigen, die möglicherweise mal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind oder aus anderen Gründen nicht wählen dürfen. Und ups- wenn da mal jemand aufgrund einer Namensgleichheit gestrichen wird - Tja, Pech gehabt. Also die Demokraten versuchen, möglichst viele Stimmen  für ihre Kandidaten zu generieren, die Republikaner suchen dagegen das Stimmpotenzial ihrer Kontrahenten zu reduzieren. Historisch gesehen haben aber beide Parteien, wenn es um das Thema Wahlbetrug geht, keine ganz weiße Weste.




Dienstag, 3. November 2020

Macht Trump es wieder?

Der Tag der Wahrheit ist da. Trump gegen Biden, der Trampel gegen den Elder Statesman. Die Vorhersagen deuten auf einen Sieg von Joe Biden, aber je näher die Entscheidung rückt, desto enger scheint es zu werden. Kann Donald Trump das Feld wieder einmal von hinten aufrollen?

Das Prognoseportal Five-Thirty-Eight sieht trotz allem Biden klar im Vorteil. Unmittelbar vor dem Wahltag schätzt es Trumps Chancen auf 10 Prozent, die seines demokratischen Kontrahenten bei knapp 90 Prozent. Kann sich Team Biden nun in Sicherheit wiegen? Die Antwort lautet nein.

OK, das ist die finale Prognose von Five-Thirty-Eight: Biden kann auf knapp 350 Wahlmännerstimmen hoffen, Trump steht dagegen bei knapp 190. Eine klare Sache? Nicht ganz.

Ich habe hier nur eine kleine Veränderung vorgenommen. Ich habe den US-Bundesstaat Arizona für Trump gewertet. Diese Entscheidung ist durchaus plausibel, denn das Meinungsforschungsinstitut Rasmussen Reports sieht Trump hier mit 48 zu 45 Prozent vorne. Schon stehen Trumps Chancen bei 28 Prozent, und er kann mit etwa 241 Wahlmännerstimmen rechnen. Diese doch recht schwerwiegende Veränderung basiert auf dem Rechenmodell von Five-Thirty-Eight, das davon ausgeht, dass eine abweichende Wahlentscheidung in einem Bundesstaat sich auch auf andere auswirkt.

Trump wäre nach diesem Szenario also nah an Biden herangerückt. Es geht aber noch weiter. Jetzt flippen wir North Carolina. Auch ein nachvollziehbares Szenario: Rasmussen Reports sieht hier einen leichten Vorteil für Trump von 48 zu 46.

Ups. Was ist passiert? Die Wahrscheinlichkeit für einen Trump-Sieg liegt mittlerweile bei 49 Prozent. Er kann in diesem Fall sogar mit einem leichten Vorteil bei den alles entscheidenden Wahlmännerstimmen rechnen. Und wir haben in beiden Fällen mit einem absolut plausiblen Szenario gearbeitet. In diesem speziellen Szenario würde es für Trump schon reichen, er käme über die notwendigen 270 Wahlmännerstimmen.

Fazit: Es kann spannend werden, und am Ende könnte wieder eine faustdicke Überraschung stehen.


Sonntag, 28. April 2019

Autorenlesung mit Helge Schneider, ca. 1997


Helge stellte damals seinen neuen Roman "Der Mörder mit der Strumpfhose!" vor. Onkelchen gelang es sogar, hinterher ein Auto(r)gramm zu ergattern. Was nicht einfach war, da Helge nach der Lesung sofort verschwunden war. Kurz darauf tauchte er aber gut gelaunt und grinsend unter einer Straßenlaterne wieder auf.

Wenn Onkelchen bei der "New York Times" wäre, dann wäre das hier Notre Dame

Tja. Der Kölner Dom ist aber auch schön.

Montag, 18. Juni 2018

Ein Lebenszeichen aus der Todesgruppe

Jetzt ist es also passiert, wovor Onkelchen so eindringlich gewarnt hatte. Das deutsche Team hat die Auftaktpartie vergeigt und der Russlandfeldzug des Jogi Löw droht schon nach der ersten Etappe zu scheitern. Anzeichen gab es ja genug: Österreich. Saudi-Arabien. All das war ja nicht zuletzt von den Mainstream-Medien als normal vor einem Turnier und nicht sonderlich besorgniserregend eingeschätzt. Doch jetzt hat sich eben gezeigt: Was die deutsche Mannschaft gegen Österreich und die Saudis gezeigt hat, ist nicht einem vorübergehenden Formtief geschuldet. Mehr haben die Jungs des Herrn Löw momentan einfach nicht anzubieten. Und der Schönspielertrainer hat nun in der laufenden Woche - das nächste Spiel ist ja erst am Samstag - genug Anlass, sich durch das Nivea-gestylte Haar zu fahren.

So schnell kann es also gehen! Wer nach der Auslosung von einem Freifahrtschein ins Actelfinale ausging, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Onkelchen konnte seine Sorge nicht verhehlen. Beim Tipp-Wettbewerb unter Kollegen trug er deshalb mit Leichenbittermiene ein 0-1 in den Tippschein ein und hoffte, mit seiner Prognose nicht Recht zu behalten. Doch genau das ist nun passiert. Denn auch der Dialog mit dem leitenden Sportredakteur der Regionalzeitung, in der Onkelchen momentan ein paar Stunden pro Woche hospitiert ("... ja, die kommen ins Finale, ganz sicher!"), konnte ihn nicht überzeugen. Es lautet nämlich eine alte Regel im Fußball: Amtierende Weltmeister liefern im nächsten WM-Turnier häufig eher schwache und enttäuchende Darbietungen.  Und dass ausgerechnet Deutschland 2018 dagegen gefeit sein sollte, war ein zu schöner Glaube, als dass er hätte wahr sein können.

Möglicherweise hat sich gerade der Sieg beim Confederations-Cup im vergangenen Jahr wie ein süßes Gift in den Körper des DFB-Teams gestreut. Denn der Glaube war ja nun, dass sich zu den verbliebenen Weltmeistern des Jahres 2014 nun eine neue, ebenso gute Spielergeneration gesellen würde, die den Erfolg fortschreiben könne. Zu dumm nur, dass es eine ausgesprochen schwierige Aufgabe ist, zwei erfolgreiche Mannschaften miteinander zu verschweißen. Ein Sepp Herberger war bekanntlich daran gescheitert, nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich die Mannschaften aus "Altreich", darunter die legendäre Breslau-Elf von 1937, und das österreichische "Wunderteam" miteinander zu verschmelzen (Herberger war kein Fan der Verschmelzung beider Teams, es war ihm aber von der sportpolitischen Leitung vorgegeben worden). Es klappte nicht, das Erstrunden-Aus bei der WM 1938 in Frankreich war die Folge. Und der Sieg im Confed-Cup hob zudem die Erwartungen der Fans ins Unermeßliche, denen das Team beim besten Willen nicht gerecht werden konnte. 

Ein bisschen Schadenfreude können jedoch weder Onkelchen noch meine Wenigkeit verhehlen. Denn der Bundestrainer schien ja in letzter Zeit häufiger bei der Bundeskanzlerin ein und aus zu gehen statt sich taktische Varianten zu überlegen. Das 4-2-3-1 war ja schon vorab als Erfolgskombination festgeschrieben, welche erneut den Panzerschrank öffnen sollte, in dem sich der Goldpokal verbirgt. Sich auf die Eigenheiten der Gegner einzustellen, war offenbar unter der Würde des Schwarzwälders. Ein gewisser Herr Derwall hatte 1982 denselben Fehler gemacht, ein blamables 1-2 gegen Algerien und letztlich auch die Arbeitsverweigerung von Gijon waren die Folgen. Aber man war ja - damals wie heute - Fußballweltmeister im Losen, das Glück hatte es gut gemeint mit den Deutschen und dem Team eine, wie man so schön sagt, machbare Erstrundengruppe beschert.

Nun ist also diese wunderbar flockig-leichte Vorrundengruppe über Nacht zur Todesgruppe mutiert. Interessant übrigens, dass dieser Ausdruck erstmals bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko (!) auftauchte, als es Deutschland in der Gruppe E mit Uruguay, Schottland und Dänemark zu tun bekam. Allenthalben war diese Gruppe zur "grupo de muerte", zur Todesgruppe, deklariert worden, weil die Leistungsdichte hier so groß war wie in keiner der anderen Vorrundenkonstellationen. Die Deutschen mogelten sich irgendwie durch, holten zum Auftakt gegen Uruguay ein 1-1, schlugen Schottland mit 2-1 und verloren dann gegen die Dänen mit 0-2. Nicht inspirierend, aber es reichte gerade so.  Teamchef Beckenbauer überlegte damals laut, was er dem mexikanischen Journalisten Miguel Hirsch antun wollte, der angeblich (!) Indiskretionen über die nächtlichen Eskapaden der deutschen Spieler an die Öffentlichkeit durchsickern ließ. Auch wenn's sportlich nicht immer stimmte - es war Leben in der Bude.


Ob das in den Einzelzimmern im deutschen Quartier Watutinki ebenso der Fall ist, mag bezweifelt werden. Unser Vorschlag steht jedenfalls: Wenn die Spanier ihren Coach rauswerfen können, dann sollten wir das auch tun. Tschüß, Jogi, es war schön mit dir, aber wir brauchen jetzt jemanden, der sich mit solchen Alles-oder-Nichts-Situationen auskennt. Ein Schrat vom alten Schlag. Peter Neururer, übernehmen Sie!

Dienstag, 15. Mai 2018

Argentinien 1978: Ein Festival des Mangels und der Entbehrung

Tja, die Sache mit dem Fußball! Es sind ja nur noch enige Wochen bis zum Start der Weltmeisterschaft in Russland. Und da lohnt es sich doch, einmal zurückzuschauen und die vergangenen Turniere Paroli laufen Revue passieren zu lassen. Das bietet sich deshalb an, weil das erste Turnier, das Onkelchen und ich bewusst erlebt haben, die WM 1978 in Agentinien war.

Die damalige WM ist nicht allerorten in bester Erinnerung geblieben. Dafür gibt es vielerlei Gründe: Die argentinische Militärregierung nutzte das Turnier als Propaganda-Veranstaltung, die Endspiel-Teilnahme der gastgebenden Argentinier kam unter höchst merkwürdigen Umständen zustande (die Gastgeber erreichten mit einem 6:0 gegen Peru genau das passende Ergebnis, nachdem die Brasilianer zuvor 3:1 gegen Polen gewonnen hatten. Zudem fanden in der Argentinien-Gruppe die beiden abschließenden Spiele nicht parallel statt, obwohl dies von der Turnierplanung zuvor so vorgesehen gewesen war).
Darüber hinaus endete die erfolgreiche Ära von Bundestrainer Helmut Schön in Argentinien recht unrühmlich mit der Niederlage gegen Österreich:


Onkelchen kann sich noch gut erinnern, dass er angesichts des nervenzerfetzenden Verlaufs des Österreich-Spieles zusammen mit seinem Bruder und ein paar Kumpels kicken gegangen war und erst, als er wieder nachhause kam, von dem epochalen Debakel erfuhr. Dass Deutschland trotz einer insgesamt enttäuschenden Turnierleistung gegen den Nachbarn aus der Alpenrepublik verlieren könnte, hätte er damals eigentlich nicht für möglich gehalten - sonst hätte er wahrscheinlich weiter am Fernsehen ausgeharrt und den Mannen um Berti Vogts die Daumen gedrückt.

Zunächst nahm er die Nachricht von der Niederlage noch gelassen auf - als dann aber das "Heute-Journal" die entscheidende Spielszene mit dem österreichischen Originalton von Edi Finger unterlegte, wurde ihm aber doch recht eigenartig zumute. Das "Tooaaaaa, Toaaaa, Toaaaa, i wer narrisch" hätte Onkelchens beginnendes Fußballinteresse fast abgewürgt.

Dabei hatte sich Onkelchen auf die WM 1978 akribisch vorbereitet. Seine Eltern hatten ihm aus dem örtlichen Eduscho-Laden ein Heft gekauft, in dem die teilnehmenden Mannschaften vorgestellt sowie der Austragungsmodus aufs Genaueste beschrieben wurden. Geradezu pedantisch füllte er die Ergebnisse in die dafür vorgesehenen Kästchen ein und behielt so jederzeit den Überblick über das sportliche Geschehen. Auch die Geographie Argentiniens ist ihm seither vertraut. Deswegen konnte er seinerzeit fachkundig vermelden, dass der zweite Platz, den die Deutschen nach der Vorrunde belegten, eigentlich gar nicht so schlecht sei, denn dadurch konnte die Mannschaft in ihrem vermeintlich so tollen Quartier in Ascochinga bei Cordoba bleiben; im Falle eines Gruppensieges hätte ein Umzug in das weit entfernte Mendoza angestanden. Leider traute Onkelchen damas noch den Berichten der offiziellen Medien. Die priesen nämlich den tristen Luftwaffen-Offiziersclub in Ascochinga selbst dann noch als bestmögliche Unterkunft für das deutsche Team, als sich dort schon der Lagerkoller breitgemacht hatte.

Leider verfügte Onkelchen zu diesem Zeitpunkt noch nicht über Fremdsprachenkenntnisse, sonst hätte er sich zusammenreimen können, dass der Name Ascochinga zu Deutsch "Toter Hund" bedeutete. Hier lag also im wahrsten Sinne des Wortes der Hund begraben.

Was ließ sich denn noch über die WM in Argentinien sagen? Experten stufen das Niveau des Turniers im Rückblick eher als mäßig ein. Die großen Stars der voraufgegangenen WM, Beckenbauer, Müller und Cruyff, waren nicht mehr angetreten. Die kommenden Branchengrößen wie Platini, Zico und Rummenigge waren noch nicht so weit, um dem Turnier ihren Stempel aufdrücken zu können. Diego Maradona war noch nicht im Kader der Argentinier, die immerhin als einige der wenigen Mannschaften der WM die Vorsicht vergessen ließen und ihr Heil im Angriff suchten.  Ein Festival des Mangels und der Entbehrung eben.

Schade ist auch, dass der Kölner Heinz Flohe, einer der begabtesten deutschen Fußballer aller Zeiten, bei diesem Turnier kaum Glanzlichter setzen konnte. Im Zwischenrundenspiel gegen Italien wurde er dann auch ziemlich rüde von einem der Azzurri abgeräumt und fiel für den Rest der WM aus. Ersetzt wurde er in den letzten beiden Spielen von dem Berliner Erich Beer, der wegen seiner hohen Stirn mitunter etwas großväterlich wirkte (von Onkelchens Papa ist die Frage überliefert: "Was hat denn der Opa da auf dem Platz zu suchen?").
   
Aus diesen Gründen wird die Argentinien-WM in den Geschichtsbüchern des Fußballs gerne mal überblättert. Immerhin hatten die Österreicher ihren Spaß, denn die hatten in ihrem letzten Spiel nichts mehr zu verlieren und schickten die Deutschen nach Hause (die selbst im Fall eines Unentschiedens noch Chancen auf das Spiel um Platz drei gehabt hätten). Insofern bildete Argentinien das Ende einer Ära. Auf die goldenen Siebziger Jahre folgten die silbernen Achtziger, in denen die deutsche Nationalmannschaft eher mit Attributen wie Kampfkraft und Willensstärke in Verbindung gebracht wurde denn mit Technik und Spielkultur. Aber auch in den Achtzigern war nicht alles schlecht.