Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Samstag, 13. Juni 2015

Ein kanadischer Moment - Begegnung mit einem Bären


Es ist kaum zu glauben: Viermal waren Tante Dilein und Onkelchen zusammen in Kanada. Wildtiere haben sie da reichlich gesehen: Wapitihirsche, Schneeziegen, ab und an auch einen Kojoten. Aber einen Bären haben sie bisher nicht zu Gesicht bekommen.

Bis gestern. Da schipperten sie mit dem Frachtschiff MV Frances Barkley durch de Inselgruppe, die Vancouver Island vorgelagert ist, und als das Schiff bei einer dieser Inseln anlegte, ließ sich plötzlich ein Schwarzbär blicken - unweit eines Gästehauses, das vor allem bei Schöffel-Funktionskleidung tragenden Touristen sehr beliebt zu sein scheint. Onkelchen zückte sein Smartphone und hielt das atemberaubende Geschehen für die Nachwelt fest. Der Bär ist zunächst nur ein dunkler Fleck in der Bildmitte. Ab etwa 0:11 beginnt er sich zu bewegen und haut ab. Dabei scheucht er noch eine Krähe auf.

Freitag, 12. Juni 2015

Wind und Sand - Long Beach im Pacific Rim Nationalpark


Wenn man in Kanada unterwegs ist, dann ist manchmal der Weg das Ziel. Mit einer anderen Einstellung lassen sich die zum Teil aberwitzig weiten Entfernungen in diesem Land auch gar nicht bewältigen. Es sind die Eindrücke am Wegesrand, ein überraschender Blick auf einen klaren Bergsee zum Beispiel, oder ein majestätischer Gipfel, der plötzlich vor einem auftaucht, nachdem man mehrere Kilometer praktisch nur Schritttempo gefahren ist, weil der Straßenbelag an einem Highway ausgebessert werden muss. Diese Aufnahme entstand am Long Beach im Pacific Rim National Park. Hier ist das Land zu Ende, hier beginnt der Pazifik. Hier haben Wind, Sand und Wasser das Regiment übernommen, und wenn man hier einige Momente lang still wird, beginnt man zu ahnen, was Ewigkeit bedeutet.

Dienstag, 9. Juni 2015

Rollator-Rock in Nanaimo!

Die "Oak Ridge Boys" haben nichts mit Atomforschung zu tun -
wohl aber mit guter Country-Musik!

Es war eine unruhige Nacht, die Onkelchen und Tante Dilein in Vancouvers asiatischer Enklave verbrachten. Immerhin war es schon Tag, als beide wieder erwachten. Und so machten sie sich frohen Mutes auf, ihre nächste Etappe im Rahmen des "Missionswerks Schwäbischer Frohsinn" anzugehen.

Diese sollte die beiden nach Nanaimo auf der Insel Vancouver Island führen. Der Fahrt ging ein kleiner Disput voraus, welchen Fährhafen man denn anzusteuern gedenke, um auf die Insel überzusetzen. Onkelchen sprach sich für Horseshoe Bay im Norden von Vancouver aus, nachdem er gecheckt hatte, dass dort am Vormittag noch Plätze auf dem Schiff frei wahren. Tante Dilein hielt Onkels Planung dagegen für waghalsig und unrealistisch, denn um nach Horseshoe Bay zu kommen, muss man direkt durch Vancouver durchfahren - und das zur Hauptverkehrszeit. Tante Dilein hielt deshalb Tsawwassen im Süden der Stadt für die bessere Lösung, weil näher. Dort aber wäre eine Überfahrt erst am frühen Nachmittag möglich gewesen.

Da sich Onkelchen ans Lenkrad setzte, war der Disput schnell entschieden. Horseshoe Bay sollte es also sein. Da sein auf dem Handy installiertes Navigationssystem Sperenzchen machte, verzichtete er darauf, es zu benutzen und entschloss sich, nach den Verkehrsschildern zu fahren. Onkelchen hält sich für einen der letzten Autofahrer in Mitteleuropa, der diese Kunst noch beherrscht. Tante Dilein fügte sich ins Unvermeidliche, und es ging los.

Wider Erwarten kamen unsere Frohsinns-Missionare gut voran und bald erhoben sich die Glastürme von Vancouver vor den beiden. Krönender Abschluss war die Fahrt über die Lions Gate Bridge, Vancouvers Pendant zur Golden Gate Bridge in San Francisco. "Die Lions Gate Bridge ist halt grün, die Golden Gate Bridge rot. Das ist der einzige Unterschied", dozierte Onkelchen, und dann ging es in halsbrecherischem Tempo über den False Creek.

Für die Überfahrt nach Nanaimo hatten beide einen wunderbaren Tag erwischt: Sonne satt mit viel Wind. In der Ferne tauchte der mächtige Mount Rainier auf, ein mächtiger, über 4000 Meter hoher schneebedeckter schlafender Vulkan, der sich bereits auf dem Territorium der USA befindet. Leider bekamen sie nicht mit, wie einem anderen Fährpassagier der Klappstuhl von Bord geweht wurde. Diese Episode sollte später noch wichtig werden.

In Nanaimo angekommen - Nanaimo ist ein hübsches Städtchen, in dessen Hafenbecken sich Seeotter, Fischerboote und Wasserflugzeuge tummeln - fuhren sie eine Zeitlang hinter einem Bus mit der auffälligen Aufschrift "Oak Ridge Boys" hinterher. Onkelchen dachte natürlich gleich an Atomforschung, schließlich war Oak Ridge eines der Laboratorien, in denen die Amis während des Zweiten Weltkrieges an der Atombombe gebastelt hatten. Dafür war aber der Schriftzug auf dem Bus zu verschnörkelt. Tante Dileins Vermutung, dass es sich um den Tourbus einer Band handeln müsse, klang da noch am plausibelsten.

Schließlich stellte sich heraus, dass es sich bei den Oak Ridge Boys um eine Country-Band handelte, die schon seit rund 40 Jahren im Geschäft ist und zwar nicht mehr die ganz großen Hallen füllt, aber für die amerikanische und kanadische Provinz reicht es immer noch. Derart neugierig gemacht und weil es der einzige Spaß in der Stadt war, kauften sich beide die Karten.

Das stellte sich als die richtige Entscheidung heraus. Die Herren waren zwar keine Boys im strengen Sinne mehr, sie boten aber im Vorprogramm immerhin ein Country-Gewächs direkt aus Nanaimo auf, was ihnen die Sympathien der lokalen Besucherschar einbrachte. Die Herren waren gut drauf - besonders ein Sänger stach ins Auge, der dank seines schlohweißen Haupthaares und Bartes so aussah, als hätte sich Gandalf ein paar ausgebleichte Jeans, einen Stetsonhut und eine Sonnenbrille geschnappt. Ein anderer der vier Country-Rocker, die von einer gut aufgelegten Band begleitet wurden, hatte sich seine Frisur ganz offenbar von Rumpelstilzchen Robert Carlyle aus der ABC-Serie "Once upon a Time" ausgeborgt. Sein sonorer Baß drang zudem in Tiefen vor, die man kaum beschreiben kann. Man muss es hören.

Was soll man sagen? Die vier boten nicht nur Country-Folk, sondern vor allem gegen Ende des Programms Rollator-Rock vom Feinsten. Auch der Keyboarder hielt kräftig mit, obwohl es sein heißgeliebter Klappstuhl gewesen war, den der Wind am Vormittag von der Fähre ins Meer gefegt hatte. "Wahrscheinlich sitzt jetzt ein Wal drauf", witzelte der Frontmann. "Wisst ihr, was die Fährbetriebe von BC Ferries für die Überfahrt mit unserem Bus verlangt hatten?" Er verriet es nicht, aber das Missgeschick mit dem Klappstuhl wurde an jenem Abend noch ein paarmal eifrig aufgewärmt.

Das Fazit? Es kommt einfach darauf an, zur rechten Zeit zum richtigen Fährhafen zu kommen. Dann fährt man hinter dem richtigen Tourbus hinterher, hat einen tollen Abend, pennt hoffentlich gut und hat sich dann an den hiesigen Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnt. Wir wollen es zumindest hoffen...

Hello Nanaimo!

Diesmal melden wir uns nur kurz - mit einem Blick über den Hafen von Nanaimo.


Bis bald! Euer Palfi.

Montag, 8. Juni 2015

Oh Canada - welcome to Asia!

Onkelchen und Tante Dilein haben sich einen langgehegten Traum erfüllt und sind diesen Sommer zu einer Rundreise durch Westkanada aufgebrochen. In dem Moment, in dem ich dies schreibe, sitzen sie in einem Hotel in Richmond/British Columbia und schlagen sich die Nacht um die Ohren - was ziemlich wörtlich zu nehmen ist, da die beiden erst angekommen sind und der Jetlag ziemlich zugeschlagen hat. Da das Flugzeug, eine betagte Boeing 767, die beiden um 14.30 Ortszeit auf kanadischem Boden ausgespuckt hat, galt es zumindest bis zum Abend tapfer durchzuhalten und wach zu bleiben, um den Organismus an den hiesigen Rhythmus zu gewöhnen. Beide schliefen tief und fest, allerdings nur vier Stunden, und jetzt liegen beide wach und ihnen fällt die Decke auf den Kopf. Glücklicherweise gibt es Fernsehen, und Tante Dilein genießt es, ihre Lieblingsserien wie "Castle" oder "Navy CIS" im Original gucken zu können. Onkelchen bemerkte daraufhin, dass die wirklich toll aussehende weibliche Hauptdarstellerin in "Castle" im Original eine ziemlich langweilige Stimme hat. Onkelchen sagt: Wenn sich Tante Dilein wirklich anstrengt, klingt sie viel erotischer! Dazu muss sie sich gar nicht anstrengen, sage ich!

Das Hotel, in dem die beiden nächtigen, liegt im Einzugsbereich des internationalen Flughafens von Vancouver. Das stört im Augenblick nicht, denn nachts gibt es kaum Flugbetrieb, und es war eine völlig richtige Entscheidung, am Ankunftstag, wo man wegen des langen Fluges (der aber toll war, völlig ruhig und mit tollen Aussichten auf die Rocky Mountains und die Küstenberge von British Columbia) sowieso total durch den Wind ist, keine allzu weite Autofahrt mehr zu wagen. Der gigantische Dodge-SUV, den die beiden bei der Autovermietung kriegten, musste daher nicht mal rülpsen, bis die beiden am Hotel waren. Onkelchens sechster Orientierungssinn schlug wieder zu, so dass die beiden nach kürzester Zeit beim Hotel waren, und nur eine kleine Extrarunde um den Block später, weil Onkelchen den Parkplatz nicht im ersten Anlauf getroffen hatte, befanden sich beide an ihrem ersten Bestimmungsort.

Um ein paar Sachen einzukaufen, gingen beide noch kurz in das gegenüberliegende Einkaufszentrum und erlebten dort einen Kulturschock - na ja, Onkelchen nicht so sehr, aber Tante Dilein schon. Alle Läden waren fest in asiatischer Hand, die Speisekarten der Restaurants waren in chinesischer oder koranischer Schrift gehalten und überall wuselten mandeläugige Menschen. Onkelchens Erklärung, dass es im Raum Vancouver sehr viele asiatische Einwanderer gebe, leuchtete ein. Im Food Court der Shopping Mall wurden deswegen keine Burger dargeboten, sondern Fried Noodles, Dumplings, Fried  Chicken with Rice, kantonesische und koreanische Köstlichkeiten und dergleichen. Onkelchens  Taiwan-gestählter Magen stürzte sich ins Abenteuer, und auch Tante Dilein probierte die von Onkelchen herangeschleppten vegetarischen Dumplings. Sie befand, dass sie (die Dumplings) mit reichlich Sojasoße ganz essbar waren.

Glücklicherweise war das (angebliche) kantonesische Nationalgericht Drache-Tiger-Phoenix nirgendwo zu finden (das Gericht besteht aus Schlange, Katze und Huhn), dafür wurden nebenan in einem Supermarkt lebendige Riesenkrabben und Garnelen feilgeboten. Und in einem anderen Laden,, der sich nicht nur auf Lebensmittel, sondern offenbar auch auf chinesische Medizin spezialisiert hatte, gab es in riesigen Körben geheimnisvolle Pilze und Schwämme, eingelegte Algen und anderes Zeug in Gläsern, die man sich besser nicht allzu genau ansah.  

All das hätte sich Onkelchen schon bei der Einreise denken können. Denn schon bei der Passkontrolle waren sie von einem mandeläugigen Persönchen namens Officer Wan in Empfang genommen worden. Als sie Onkelchens Pass begutachtete, bemerkte sie: "You travel a lot to Taiwan." Onkelchen nickte: "Yes, because of business", sagte er, grammatikalisch vielleicht nicht ganz korrekt.  Als er das Dokument zurückbekam, bedankte er sich mit "Si Sieh", was  auf Chinesisch "Danke" bedeutet. Tante Dilein glaubte daraufhin ein Lächeln in Officer Wans Gesicht entdeckt zu haben. Was lernen wir daraus? Manche Aspekte Kanadas lassen sich am Besten über Umwege verstehen.  


Freitag, 5. Juni 2015

Im Reich der "Weissen Eule"

Ich werde gelegentlich gefragt, ob ich etwas mit einem namhaften Hersteller von Kränen und Hebebühnen zu tun habe, mit dem so etwas wie eine flüchtige Namensähnlichkeit besteht. Und ich mache es gerne offiziell: Es bestehen keinerlei Berührungspunkte, keine Verwandtschaft oder Ähnliches. Es wäre auch völlig unlogisch. Wo ich bin, braucht man keine Hebebühnen oder Kräne. Ein 7,5 Tonnen schwerer asiatischer Elefantenbulle reicht für derartige Zwecke meist vollkommen aus. Wo ein Palfi ist, braucht man also keinen Palf...inger. Wie auch immer.

Genauso wenig wie ich etwas mit einem Hersteller von Hebebühnen zu tun habe, war Onkelchen jemals im Krieg oder in Kampfhandlungen verwickelt. Seine militärischen Meriten sammelte er während seines Wehrdienstes in einer Fernmeldeeinheit, die man sich so ungefähr wie die abgewrackten Legionäre des Lagers Kleinbonum vorstellen muss, wenn sie auf die Ablösung warten - Asterix-Fans wissen wieder einmal mehr! Trotzdem wird Onkelchen nicht müde, in einem Dialekt, den man bereits im Nachbardorf nicht mehr versteht (das vielgeschmähte Schwäbisch ist dagegen eine veritable Hochsprache!), über eingebildete Kriegserlebnisse zu bruddeln. 
Nein, Onkelchen war "Anno vieradreißgavierzg" weder vor Kursk noch "Anno siebnasechzg" vor Bir Gifgafa stationiert. Das ist vielmehr eine perfide Methode, die er entwickelt hat, um seine Mitmenschen zum Nervenzusammenbruch zu treiben.

Als Onkelchen noch so frisch war wie ein Elefantenjunges, wurde er gelegentlich in Wirtshäuser verschleppt - zum Beispiel wenn man eine Hochzeit oder Beerdigung zu beehren hatte. Diese Wirtshäuser waren alle auf ihre Weise gleich - schwere Butzenscheiben in den Fenstern, Hirschgeweihe an den Wänden, vergilbte Tapeten und Gardinen. Breiiges Stimmengewirr. Nicht der Muff von tausend Jahren, aber doch wenigstens der von 1957. Hier herrschte noch Adenauer. Wer hier verkehrte, wählte Filbinger. Keine Experimente, schon gar keine kulinarischen.

Dort saßen dicke alte Männer und rauchten, dass einem das Sehen verging. Und wenn sie nicht gerade Skat spielten, erzählten sie einander von ihren vermeintlichen Heldentaten. Der stinkende Zigarrenstumpen der Marke "Weisse Eule" verblieb dabei im Mundwinkel, der wegen der in den Dörfern damals herrschenden monatelangen Inzucht weiter herunterhing, als dies allgemein als gesund eingeschätzt wird. Man darf sich nicht wundern, dass die ohnehin reichlich dialektal geprägte Aussprache dadurch noch breiiger ausfiel.

Im Laufe der Zeit gab es immer weniger dieser dicken alten Männer, und auch die stinkenden Stumpen der Marke "Weisse Eule" waren immer schwieriger zu bekommen. Onkelchen bemerkte, dass damit wichtige Säulen der Gesellschaft wegbrachen. Mit ihren nicht enden wollenden Ausführungen über die schlechten Zeiten, die kalten Winter, das Artilleriefeuer in der russischen Steppe und nicht zuletzt den Totschlag-Argumenten "Mir hend ja nix g'het domols" und "Ihr hend ja no koin Kriag erläbt" (zu Deutsch: Wir hatten ja nix damals und Ihr habt ja noch keinen Krieg erlebt) vermochten sie jedem die Luft aus den Segeln zu nehmen, der in seinem Leben etwas erleben oder mehr sehen wollte als das Kaff, von dem man seinerseits den Podex der Welt ganz gut erblicken konnte. Diese dicken, stets in Zigarrenrauch gehüllten Männer sorgten letztlich dafür, dass die örtliche Gemeinschaft nicht vor die Hunde ging. Das meinten sie zumindest. Sie hielten sich für so etwas wie die personifizierte Moral des Dorfes. Dabei rächten sie sich nur an der nächsten Generation, weil ein komischer Typ mit Schnauzbart ihre Jugend ruiniert und ihnen alle Illusionen geraubt hatte.

Diese alten Männer hatten durchaus auch Kinder und Enkelkinder. Aber wenn diese die Alten mal um ein Taschengeld oder ein bisschen Geld für eine Kinokarte baten, dann kam auch wieder so ein Spruch der "Ihr habt ja noch keinen Krieg erlebt"-Kategorie. Auf diese Weise wurde die nachwachsende Jugend zu Sittsamkeit und Sparsamkeit angehalten. Und weil die Alten ständig nach "Weisse Eule" stanken, hatten die Jüngeren keine Lust, die ekligen Stumpen auch nur anzufassen.

Da es niemanden mehr gibt, der diese Funktion ausübt, bricht alles auseinander. Werte verfallen, keiner geht mehr in die Kirche (oder zumindest in das daneben stehende Wirtshaus). Junge Menschen geben sinnlos Geld für irgendwelchen Plunder aus, anstatt es für den Acker nebenan zu sparen. Kurz gesagt: Die Spaßgesellschaft breitet sich aus. Deshalb sich hat Onkelchen in jahrelanger Arbeit das Idiom der alten Männer angeeignet und ihre Kriegsgeschichten bewahrt, ja mehr noch: sich neue ausgedacht. (Onkelchen ist sich durchaus darüber klar, dass die besagten Herrn die meisten ihrer war stories dem Landserheft entnommen hatten!) Denn irgendjemand muss er heutigen Jugend doch aufzeigen, dass es noch etwas anderes gibt als Elektroplunder und Markenklamotten!

"Irgendwann kommt wieder ein Krieg", pflegten die Alten zu sagen, "und was mach'sch du dann mit deinem Glomp?" Weise Worte. Nur eines wird sich Onkelchen nicht angewöhnen, nämlich Stumpen der Marke "Weisse Eule" zu paffen. Die gibt es nämlich wirklich nicht mehr.

Sonntag, 10. Mai 2015

Wie Tante Dilein ein ganzes Pfarrer-Ehepaar vertrat

So, ihr Lieben! Ihr habt je schon lange nichts mehr von mir gehört, aber das soll sich nun ändern. Vieles ist in den letzten Wochen geschehen, was berichtet werden muss. Aber Gemach und eins nach dem anderen.

Dass Onkelchen und Tante Dilein glaubenstechnisch gelegentlich über Kreuz liegen (höhö), ist ja leidlich bekannt. Unbestritten ist allerdings, dass es ein Vorteil der Evangelischen ist, dass die Pfarrer in Elternzeit oder Mutterschutz gehen können, wenn es denn not tut. Bei den Katholiken hört man so was eher selten, zumindest nicht offiziell.

Nun begab es sich also, dass das Pfarrer-Ehepaar, das für Tante Dileins Sprengel zuständig ist, unlängst gemeinsam in Elternzeit ging. Das sorgte zwar für allgemeines Schütteln des Kopfes, denn wenn man schon ein Ehepaar an der Spitze der Gemeinde hat, von denen beide ordiniert sind, dann kann ja der Herr Pfarrer die Stelle der Frau Pfarrerin übernehmen, wenn sie denn in Serie geht.

Dies geschah aber nicht, und die bevorstehende Niederkunft der Frau Pfarrerin wurde für eine gemeinsame Auszeit genutzt. Inzwischen ist ja auch das Söhnchen auf der Welt. Die merkwürdige Namensgebung für das Kind ("Benedikt Pio", alle Wetter!) löste allerdings unter den Pietisten ein weiteres Kopfesschütteln aus, denn es schien ein zusätzlicher Beweis dafür zu sein, dass sich der erst vor ein paar Monaten ordinierte Herr Pfarrer zu den Kryptokatholiken zählt.

Egal. Beide standen halt nicht zur Verfügung, als es darum ging, einen ökumenischen Gottesdienst aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Sanitäter-Ortsverbandes in einem kleinen Teilort abzuhalten. In jenem kleinen Teilort ist noch alles in bester Ordnung, wie man so schön sagt: Die Rindviecher sind gesund, die Weiden sind grün, die Familienstammbäume sind kreisförmig und die Kirche ist einem merkwürdigen Heiligen namens St. Gangolf geweiht, der von seinem ungetreuen Weibe meuchlings ermordet wurde, weil jene ein Verhältnis mit einem Priester hatte. Das grausige Geschehen ist im Altarraum in drastischen Farben dargestellt. Onkelchen fragte sich allerdings, als er die dort gemalten Fresken sah, was denn aus dem ungetreuen Weibe geworden war, denn das berichtete die Geschichte nicht.

Da nun halt die evangelische Geistlichkeit für den Gottesdienst nicht zur Verfügung stand (wie erwähnt), musste nun irgendjemand gefunden werden, der im Geiste der Ökumene die Fahne der wackeren Lutheraner hochhielt. Zwar wohnt im Nachbarort eine Pfarrerin im Unruhestand namens Godlind B., die zwischenzeitlich, so hört man, die Evangelische Akademie in Bad Boll geleitet haben soll. Leider ist der Katholikenhass der Dame ebenso sprichwörtlich wie ihre Glaubensstärke, so dass man von dieser Lösung Abstand nehmen musste. Unter den Sanitätern sind ja auch ein paar Katholiken, nicht zuletzt der katholische Pfarrer des Ortes.

Deshalb ward Tante Dilein zur Pfarrvertreterin erkoren. Die suchte sich zwar ein Loch, in welchem sie sich verkriechen konnte, fand aber keins. Und so rückte der Tag näher, an dem sie im Gottesdienst die Sanitöter aus nah und fern offiziell zu begrüßen hatte. Onkelchen, der noch an Ostern ein Opfer des Katholikenhasses der Pfarrerin B. geworden war, gab seine Boykotthaltung auf, als er hörte, dass sich an die geistliche Feier noch ein Scheunenfest mit Freibier anschließen würde.

Nun geschah es also. Tante Dilein warf sich in Schale und sah äußerst präsentabel aus und hielt (na ja, ein bisschen hatte Onkelchen sie gecoacht) eine sehr gelungene Eröffnungsansprache. Und nach dem Gottesdienst zogen sie mit den Sanitätern in die Festhalle, wo sie am Ehrentisch zusammen mit der frisch gewählten jungen Bürgermeisterin des Ortes Platz nehmen durften. Leider gelang es Onkelchen nicht, mit der künftigen Bürgermeisterin zu füßeln, denn ihm gegenüber machte sich der noch amtierende Amtsinhaber breit. Die Liedvorträge des Gesangvereins  entschädigten ihn allerdings für diese entgangene Chance.

So wurde es spät am Abend, Onkelchen nuckelte Freibier um Freibier leer, während der baldige Altbürgermeister einige Schnurren aus der bereits im 14. Jahrhundert eingestellten Bergbau-Vergangenheit des Ortes zum Besten gab. Der Gesangverein sang, der langjährige Sanitäter-Vorstand fügte der ohnehin schon überladenen Vereinsfahne einen Wimpel von der Größe eines Bettvorlegers an. Die Frauen, die die Bierkrüge schleppten, wurden in seinen Augen immer schöner (was Tante Dilein nicht registrierte, da sie tatsächlich daran interessiert war, Konversation zu machen). Und Onkelchen vergaß, dass er am nächsten Tag zu einem wichtigen geschäftlichen Termin nach Boston/USA fliegen musste.

Gelebte Ökumene ist doch wunderbar, oder?