Ich und die Meinen

Ich und die Meinen

Herzlich willkommen!

So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!

Sonntag, 15. Mai 2011

Die ersten Germanen waren Wirtschaftsflüchtlinge



Ein Referat vom Onkelchen zum Limestor in Rainau-Dalkingen:

Wenn wir uns das Limestor in Dalkingen betrachten, dann müssen wir uns erst einmal überlegen: Warum kamen die Römer hierher und was wollten sie?

Logischer ist ja eigentlich das Gegenteil: Wenn man in Urlaub fährt, geht’s eigentlich in den Süden, wo’s wärmer ist. Und das haben die Germanen zuerst auch gemacht.

Um das Jahr 120 vor Christus – ein paar Jahre hin oder her – ereignete sich an der Nordseeküste ein Tsunami. Den Germanen stand das Wasser bis zum Hals und als Wirtschaftsflüchtlinge suchten sie sich einen Platz, wo sie zumindest trockene Füße kriegten. Und ein bisschen wärmer sollte es auch sein. Also zogen drei germanische Stämme, die Kimbern, die Teutonen und die Ambronen nach Süden. Und damit traten die Germanen das erste Mal in die Geschichte.

So richtig war man sich aber nicht einig, wohin man ziehen wollte, und so begann der Föderalismus.

Irgendwann um das Jahr 113 vor Christus tauchte man dann in der Gegend von Österreich auf und traf dabei auf einen Haufen Römer, der sich zur selben Zeit in der gleichen Gegend herumdrückte. Bei Noreia kam es dann zu einer schicksalhaften Begegnung. Die Römer bekamen es zum ersten Mal mit dem sogenannten Furor teutonicus zu tun, der Wut der Teutonen.

Man muss sich das folgendermaßen vorstellen: Riesenhafte Weiber mit einem Kubikmeter Busen, denen Hörner aus dem Kopf wuchsen, stürzten sich auf die Römer, und sangen dabei ohrenbetäubende Wagner-Arien. Hojotoho – hojotoho. Kein Wunder, dass die Römer die Flucht ergriffen!

Dasselbe wiederholte sich ein paar Jahre später bei Arausio, dem heutigen Orange in Südfrankreich. Die germanischen Weiber waren für die Römer ein fast genau so großer Schock wie hundert Jahre zuvor die Elefanten von Hannibal. Man wusste nicht, wie man sich dagegen wehren sollte und begann schon mal zu packen.

Der römische Senat tat daraufhin etwas, was er nur sehr ungern tat. Er ließ es zu, dass ein gewisser Gaius Marius, ein Nichtadliger noch dazu, das Oberkommando über die Armee bekam. Marius tat dabei etwas sehr Entscheidendes: Er verwandelte das römische Heer in eine Berufsarmee. Er war also so etwas wie der Guttenberg im alten Rom, allerdings war er ein Mann aus dem Volk, und mit dem Lesen und Schreiben haperte es bei ihm zeitlebens, weswegen er auch nicht in den Verdacht kam, seine Doktorarbeit abgeschrieben zu haben.

Marius legte Ohrenschützer an und deshalb gelang es ihm, die Germanen in zwei entscheidenden Schlachten zu schlagen, einmal in Südfrankreich und einmal in Norditalien. Die Stämme hatten sich aufgeteilt, denn die einen wollten sich an der Cote d’Azur niederlassen und im Casino von Monaco ein bisschen Roulette spielen, die anderen waren auf dem Weg in die Toskana.

Das waren die Sozialdemokraten und Grünen.

Die Römer hatten aber ihren Schock fürs Leben weg und gerieten von nun an immer wieder ins Zittern, wenn von den Germanen die Rede war.

Deswegen hatte auch Julius Cäsar 50 Jahre später vollstes Verständnis beim Senat, als er zum Zwecke der Grenzsicherung Gallien eroberte.

Freitag, 13. Mai 2011

Gewinnt Lena wieder? Grand-Prix- äääh, ESC-Reminiszenzen

Du, Onkelchen?

Hmmm?

Bist du krank?

Wieso das denn?

In deinem letzten Blogbeitrag hast Du erwähnt, der ESC würde dich nicht mehr interessieren, seit Du die „Big Bang Theory“ kennst. Das spricht für ein ernstes Problem.

Nein, nein, Palfi, alles in Ordnung. Aber es ist halt so, dass man sich als Person weiterentwickelt. Schnödes Trallalla aus 25 Ländern ist eben nicht das Wichtigste in meinem Leben.

Blödsinn! Ausgerechnet der Grand-Prix-Experte mit dem enzyklopädischen Wissen sollte sich auf einmal nicht mehr für den ESC interessieren? Erzähl das jemand anderem.

Ist nun mal so.

Akzeptiert. Gewinnt Lena am Samstag wieder?

Hä?

Ich habe dir eine Frage gestellt. Gewinnt Lena wieder? Welchen Teil davon verstehst du nicht?

Das ist sehr schwer zu beantworten. Es wäre auf jeden Fall ein Novum, wenn die Vorjahressiegerin ihren Erfolg wiederholen kann. Das hat es bisher noch nie gegeben. Das heißt nicht, dass es ausgeschlossen ist.

Das ist eine sehr schwammige Prognose. Google hat gesagt, dass sie es wieder schafft. Und Google hatte schon die letzten beiden Male recht.

Das Prognose-Tool von Google sagt alle fünf Minuten etwas anderes. Zum Zeitpunkt, da wir dieses Interview führen, liegt Lena laut Google auf Platz zwei hinter dem irischen Duo Jedward. Zudem wurden momentan die Teilnehmer noch nicht herausgerechnet, die nach dem ersten Halbfinale ausgeschieden sind. Ich denke, dass erst nach dem zweiten Halbfinale eine stabile Prognose möglich ist. Erst dann weiß man ja, wer wirklich im Finale dabei ist. Ich vermute auf jeden Fall, dass wieder ein katalanischer Flitzer um die Arena herumschleicht, um wie letztes Jahr in den spanischen Beitrag hineinplatzen zu können. Vielleicht hat er sich diesmal aber auch Lena als Opfer rausgesucht…

Du meinst Jaume Marquet alias Jimmy Jump, den Mann, für den es keine verschlossenen Türen gibt und der beinahe sogar letztes Jahr beim WM-Finale dem Pokal eine rote Mütze aufgesetzt hätte.

Ja. Wäre doch lustig, wenn er wieder auftaucht. Er hüpfte ja auch beim Champions-League-Rückspiel von Barcelona gegen Madrid durchs Bild.

Du bist albern. Der ESC ist eine sehr ernste Sache.

Nur für die beteiligten Sendeanstalten.

Du warst doch mal als Jurymitglied dabei. Erzähl mal, wie das so war.

Stimmt, das war 1993. Damals fand der Grand Prix in dem irischen Kuhnest Millstreet statt, in dem es eine riesige Pferdeauktionshalle gab. Diese Halle war der Austragungsort. Damals gab es das Televoting noch nicht, und jedes Land vergab seine Punkte mit Hilfe einer Jury. Für den Eurovision Song Contest war damals der Mitteldeutsche Rundfunk innerhalb der ARD federführend, und deshalb traf sich die Jury im MDR-Funkhaus in Leipzig. Die Jury bestand aus 24 Mitgliedern, zwölf davon waren sogenannte Fachleute – also angeblich Musikjournalisten, Produzenten, Komponisten – und zwölf waren musikinteressierte Laien. Man versuchte innerhalb der Jury auch so ein bisschen den Proporz zwischen Männern und Frauen, den Altersaufbau der Bevölkerung und das Ost-West-Gleichgewicht abzubilden. Ich fuhr also mit meinem Ford Fiesta zum ersten Mal in die frühere DDR und war gespannt wie ein Flitzbogen, was mich da erwarten würde.

Wie kamst du zu der Jury?

Ich studierte damals in Eichstätt, und Conny, eine Mitstudentin aus den neuen Ländern, arbeitete damals schon in der Unterhaltungsredaktion des MDR. Sie fragte unter uns herum, wer Interesse hätte, bei der Grand-Prix-Jury mitzumachen, und ich sagte sofort Ja. Ich habe schließlich den Grand Prix seit 1977 ununterbrochen verfolgt. 1978 durfte ich zum ersten Mal die ganze Sendung einschließlich der Abstimmung angucken. 1977 musste ich nach den Liedern noch ins Bett!

Aha. Wer gewann damals?

1977 war das Marie Myriam für Frankreich mit dem Lied „L’oiseau et l’enfant“. 1978 gewann sensationell Israel mit dem Lied „A-Ba-Ni-Bi“ von Izhar Cohen.

Du musstest das nicht mal googeln…

Nein, sowas muss ich nicht googeln.

Und wer nahm damals für Deutschland teil?

1977 war das Silver Convention mit dem Lied „Telegram“. 1978 vertrat Ireen Sheer mit „Feuer“ die deutschen Farben. Silver Convention landete auf Platz 8, Ireen Sheer auf Platz 6.

Das war der Beginn einer interessanten Serie.

Ja, denn die deutschen Beiträge verbesserten sich damals immer um jeweils zwei Plätze. 1979 landete Dschinghis Khan dann bereits auf Platz vier und 1980 erreichte Katja Ebstein mit „Theater“ sogar den zweiten Platz. Dann dachte ich, es geht wieder runter, aber Lena Valaitis holte 1981 in Dublin erneut Platz zwei, und 1982 siegte dann Nicole in Harrogate.

Faszinierend. Aber erzähl weiter: Wie war das 1993 in Leipzig?

Das war für mich zunächst ein richtiges Abenteuer, weil ich zuvor noch nie in der Ex-DDR gewesen war. Als ich dann in Leipzig beim MDR-Studio ankam, traute ich auch meinen Augen nicht so richtig, weil es in einem ziemlich unauffälligen Gebäude untergebracht war. Ich hatte eher einen pompösen Palast erwartet! Die Leute dort aber waren alle sehr freundlich. Ich war am frühen Morgen aufgebrochen und kam am späten Vormittag an, es gab eine Vorstellungsrunde und dann Mittagessen. Und am Nachmittag wurde es schon spannend.

Warum?

Weil wir die Generalprobe aus Millstreet verfolgten. Die fand am Nachmittag statt, wurde exklusiv übertragen, und an die Generalprobe schloss sich sogar eine Probeabstimmung an.

Das heißt, ihr wusstet am Nachmittag schon, wer gewinnt?

Nein! Für die Probeabstimmung wurden bei den Jurys Stimmzettel mit vorgedruckten Punktewertungen verwendet. Das System war so ausgeklügelt, dass jedes Land am Ende der Abstimmung gleich viele Punkte bekam. Daher ließ sich daraus kein Trend ablesen. Aber bei der Generalprobe kristallisierten sich natürlich schon die Favoriten heraus. Da machte jedes Jurymitglied schon so seine Häkchen bei den Nummern, die ihm oder ihr am besten gefielen.

Das heißt, die Performances bei der Generalprobe waren schon vorentscheidend?

Ja, da trennte sich schon die Spreu vom Weizen. Bei mir zumindest war das so. Ich hatte da so meine vier, fünf Favoriten und auf die anderen guckte ich dann bei der Hauptsendung eigentlich gar nicht mehr. Man hätte sich dann noch die einzelnen Lieder auf Band anhören können. Aber das war mir zuviel. Denn man hatte eigentlich nicht viel Zeit. Nach der Generalprobe machte man noch einen Spaziergang durch Leipzig, man setzte sich in ein Café, und als man dann ins Funkhaus zurückkehrte, war es eigentlich schon fast so weit für die Hauptsendung.

Was war dein persönlicher Favorit?

Israel. Gewonnen hat dann allerdings Irland.

Beim ersten Halbfinale in Düsseldorf haben sich die Deutschen ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert, da minutenlang der Kommentar- Ton ausfiel. Gab es damals auch so ein paar Dinge, die schiefliefen?

Ich weiß noch, dass der Sprecher der maltesischen Jury bei der Generalprobe nicht zu erreichen war. Als er sich dann meldete, klang er ziemlich weggetreten. Bei der Hauptsendung am Abend gab es dann dasselbe Problem, es meldete sich zuerst niemand. Deshalb wurde Malta bei der Abstimmung am Abend übergangen und durfte erst als letztes Teilnehmerland voten. Sonst stimmten die Jurys ja immer in der Reihenfolge der Auftritte ab.

Gab es einen Gänsehaut-Moment?

Ja, als sich nämlich die bosnische Jury aus Sarajevo mit ihren Punkten meldete. Damals tobte ja noch der Bosnien-Krieg. Bei der Generalprobe hatte es da noch Tonprobleme gegeben. Aber bei der eigentlichen Show waren sie dann da!

Die Moderatorin war damals…

…Fionnuala Sweeney. Heute ist sie beim Nachrichtensender CNN, also auch eine News-Frau wie Judith Rakers. Aber die Sweeney gefällt mir nach wie vor besser, weil sie halt ein molliger Typ ist. Und wahrscheinlich auch trinkfest.

Was hast Du dir gedacht, als wieder Irland gewonnen hatte? Die hatten damals ja einen richtigen Lauf und gewannen dreimal hintereinander – 1992, 1993 und 1994. Ein Kunststück, das bisher einmalig ist.

Naja, ich fand das Lied „In your eyes“ von Niamh Kavanagh eigentlich gar nicht so gut! Ich hatte sie nicht auf der Rechnung. Es war halt aus meiner Sicht eine typische 08/15-Grand-Prix-Ballade.

Und der deutsche Beitrag?

Das war damals „Viel zu weit“ von der Münchner Freiheit. Total nichtssagend. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass er zurecht unterging. Damals empfand ich das aber noch anders. Ich war richtig enttäuscht, dass unsere Nummer nicht besser abgeschnitten hatte.

OK. Wird Lena besser abschneiden als die Münchner Freiheit damals?

Das will ich doch hoffen! Ich denke aber, dass es für einen Platz ganz vorne nicht reichen wird. Vor einem Jahr war sie einfach das freche, verpeilte Mädchen aus Hannover, zu dem der Titel „Satellite“ wie angegossen passte. Diesmal ist es anders, diesmal macht sie eher auf ein Zwischending aus Gothic und Vamp, keine Ahnung, ob sie damit ankommt. Außerdem ist „Taken by a stranger“ eher eine langsame Nummer. Das ist ja an sich nicht schlecht, langsame Balladen haben schon oft abgeräumt. Aber das ist jetzt ein Elektropop-Titel, auch noch eher düster – schwer zu sagen. Mein Favorit ist bisher der kleine Finne mit seiner Gitarre.

Welchem Lied würdest Du diesmal persönlich zwölf Punkte geben?

Schwierig. So richtig sagt mir keines zu. Letztes Jahr war aus meiner Sicht ein besseres Grand-Prix-jahr, diesmal scheint mir sehr viel über optische Effekte zu laufen, man sieht es zum Beispiel an dem irischen Duo Jedward. Die sind nicht schlecht, keine Frage. Aber ihr Song... hm.

Was wäre für Dich der ideale Grand-Prix-Song?

Keine Frage: "A Demon's Fate" von der niederländischen Symphonic-Metal-Gruppe Within Temptation. Da bebt die Halle! Oder "You can be my Yoko Ono" von den Barenaked Ladies. Das ist eine super-lustige Nummer!

Mittwoch, 11. Mai 2011

Schon wieder ESC? Bazinga!

Hach, was war es in früheren Jahren eine Freude, den Grand Prix (also known as Eurovision Song Contest) zu gucken. Merkwürdige Kleider, trashige Lieder, obskure Auftritte, aber auch – und das muss gesagt werden – das eine oder andere echte anbetungswürdige Highlight (ich erinnere nur an den Auftritt der Malteserin Ira Losco 2002 mit „7th Wonder“ oder ihrer Landsfrau Chiara mit „Angel“ in 2005) ließen die Show zu einem Pflichttermin im öden Jahreslauf werden. Blöderweise will sich dieses Gefühl dieses Jahr bei mir nicht einstellen. Liegt es nur daran, dass meine berufliche Situation derzeit sehr angespannt ist? Vermutlich nein, denn es gab ähnlich angespannte Zeiten, in denen ich gerne den Grand Prix geguckt habe, um in eine sehr künstliche Traumwelt zu entschweben.

Ich habe einen sehr konkreten Verdacht, woran es liegt: An Sheldon und seinen Freunden. Das erste Indiz dafür ist, dass mir gestern bei der Ausstrahlung des ersten ESC-Halbfinals auf Pro Sieben der Gedanke kam: „Und dafür haben die die ‚Big Bang Theory‘ aus dem Programm geschmissen?“ (Experten des unvorhersehbaren Programmschemas bei Pro Sieben wissen, dass die „Big Bang Theory“ in der Regel dienstags um 22.10 Uhr ausgestrahlt wird.) Den Fernseh-Heinis möchte ich daher zurufen: Das gestrige eher schwach besetzte erste ESC-Halbfinale konnte ein gut gesetztes „Bazinga!“ nicht ersetzen, obwohl die von mir mit Inbrunst gehasste Anke Engelke die Show gut moderiert hat. Allerdings erschloss es sich mir nicht, warum sie bei der Verkündung der letzten drei Finalisten deutlich weniger Enthusiasmus an den Tag legte als bei den ersten sieben. Dieses Rätsel muss gelöst werden. Trotzdem möchte ich festhalten: Trotz schwacher Synchronisation hat die „Big Bang Theory“ in meinem Fernseh-Zeithaushalt den ESC klar geschlagen. Das muss erst einmal einer hinkriegen. Bazinga!

Andererseits denke ich mir, könnte das eine oder andere Element aus der BBT den ESC auch aufpeppen. Ich denke an so etwas wie die ungeliebte Pflicht, die es früher beim Eiskunstlauf gab. Das war ein Wettbewerbsbestandteil, bei dem die Eisläufer praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit beweisen mussten, dass sie präzise Kringel und Achten auf dem Eis hinlegen konnten. Die Pflicht war berüchtigt dafür, dass selbst elegante und charismatische Eisprinzessinnen ihre Titelträume früh beerdigen mussten, wenn zum Beispiel in der Pflicht das links einwärts gedrehte S unsauber gelaufen wurde. Ähnliches stelle ich mir beim Grand Prix vor: Als unabdingbare Vorqualifikation muss jede/r teilnehmende Künstler/in das berühmte Schlaflied „Soft Kitty“ aus „Big Bang Theory“ fehlerfrei singen. Und zwar mit eben jenem schmalzigen Schleifen bei der Silbe „Soft“, das Jim Parsons alias Sheldon an den Tag legt. Gelingt das nicht, scheidet der Teilnehmer von vornherein aus und man kann sich diese doofen Halbfinals sparen. Leider würde auch Lena (wahrscheinlich) an dieser für ihr Stimmchen (wahrscheinlich) unüberbrückbaren Hürde scheitern. Aber: That’s Life! Bazinga!

Samstag, 26. März 2011

Mappus ist noch nicht geschlagen!

Selten war in Baden-Württemberg die demokratische Aufbruchstimmung so sehr mit Händen zu greifen wie in diesen Tagen. Denn zum ersten Mal scheint so etwas wie ein Wechsel im Landesparlament möglich. Letzten Umfragen zufolge liegt eine Mehrheit für Rot-Grün (wahrscheinlicher allerdings für Grün-Rot) im Bereich des Möglichen, aber auch die CDU kämpft bis zum letzten Augenblick um jede Wählerstimme.

Heute jedenfalls hatten die Jung-CDUler in der Ellwanger Innenstadt ihren Infostand beim Wochenmarkt schon um 7.30 Uhr besetzt, während von den anderen Parteien nichts zu sehen war. Die wissen also, worum es geht. Schön zu sehen, dass bei den jungen Konservativen noch Zucht und Ordnung herrscht. Selbst Onkelchen, unser alter Salon-Sozi, griff sich zwei orange CDU-Kugelschreiber! Stefan Mappus ist also noch längst nicht besiegt, und wer glaubt, man könne schon die Grün-Rote Republik im bisherigen schwarzgelben Stammland ausrufen, sollte sich besser den folgenden Clip ansehen. Denn Totgesagte leben lange!

Donnerstag, 24. März 2011

Auf Augenhöhe mit Dickschädel Mappus...

... ist Euer Freund Kurt Palfi angekommen! Dieser Face-to-Face-Vergleich zeigt, dass ein über 30 Jahre alter, abgeliebter Steiff-Elefant intelligenter gucken kann als der derzeitige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg auf seinem Wahlplakat. Ich darf insofern für mich in Anspruch nehmen, ein Symbol für die Werte und Qualitäten zu sein, die wir im Südwesten Deutschlandes so sehr schätzen.
Ich finde außerdem, es wäre an der Zeit, dass diese ganzen doofen Wahlplakate endlich mal verschwinden. Denn eine Augenweide sind die Kandidaten ja alle nicht. Löblich finde ich, dass der Kreisvorsitzende der Jungen Union im Ostalbkreis hier schon mal Hand angelegt hat und ein paar Plakate auf eigene Verantwortung entsorgt hat. Dumm nur, dass es samt und sonders Plakate der politischen Konkurrenz waren (SPD und Linke) und dass er seine Reinemache-Aktion ein paar Tage zu früh hat steigen lassen. Genaueres könnt ihr hier nachlesen.
Insofern darf ich Euch allen also zurufen: Wählt KURT PALFI - für mehr Intelligenz im Landesparlament!

Montag, 21. März 2011

Bach auf Speed

Wer diesen Blog in den letzten Wochen verfolgt hat, könnte zu dem irrigen Schluss kommen, dass wir nur behaupten wollten, früher sei alles besser gewesen. Mitnichten! Vieles ist heute besser als früher, zum Beispiel die Telefone (Onkelchen kann auf seinem Telefon auch Radio hören und fernsehen - klasse Erfindung!) oder die Tatsache, dass Computer heute so unerhört viel leisten und dabei eigentlich sehr preiswert sind. Ich denke, die Apollo-Astronauten wären seinerzeit sehr froh gewesen, wenn sie einfach einen heutigen Laptop mit an Bord hätten nehmen können, anstelle der lahmen Kisten, die es damals gab.



Aber ich schweife ab. Ich wollte eigentlich über Johann Sebastian Bach reden, einen der unumstritten größten Komponisten aller Zeiten. Onkelchen bezeichnet ihn manchmal spöttisch-respektvoll als den Feinmechaniker unter den Musikern, weil seine Werke aus seiner Sicht immer etwas Kleinteiliges, Detailversessenes an sich haben. Und dazu kommt, dass Onkelchen sich an Bach immer mehr gerieben hat als an jedem anderen Komponisten, und das begann schon im Schulchor.
Schuld ist die Bach-Kantate "Sie werden aus Saba alle kommen" (BWV 65), die der Schulchor einmal aufführen sollte. Der ansonsten sehr wackere Studiendirektor, der zu dieser Zeit den Chor leitete, versprach unvorsichtigerweise, diese Kantate "würde euch Spaß machen". Nie wurde ein weiser Pädagoge des Faches Musik schlimmer Lügen gestraft! Denn nie geriet das Einstudieren eines Musikstückes für Onkelchen zu schlimmerer Qual. Es lag unter anderem an der Eigenart des besagten Chorleiters, ein Stück zu Anfang nicht einfach anzusingen, sondern es "durchzudüten", bis man die Intonation vollständig im Griff habe. Durchdüten bedeutet, dass für jede Note nicht der Text, sondern die Silbe "Dü" beziehungsweise "Düt" zu singen sei. Erst später, wenn die Intonation glasklar war und man die Melodie blind konnte, sang man das Stück mit Text.
Wenn man nun wie Onkelchen zwar mit Noten ein bisschen etwas anfangen kann, aber das Notenbild eben nicht von selbst in eine Melodie umsetzen kann, ist das eine schreckliche Tortur – vor allem in jenem Bach-Stück, in dem es zahllose Koloraturen und Melodiebögen gibt. Irgendwann ging man rettungslos verloren, dütete immer nur noch geistlos und verloren vor sich hin, ohne zu wissen, wo auf der Partitur man sich befand. Das ging nicht nur Onkelchen so, sondern auch seinem besten Freund, den der Studiendirektor seinerzeit ebenfalls für den Chor gekeilt hatte. Ratlos summte man das üble Getüte mit und hoffte, bei der Aufführung nicht allzu sehr daneben zu liegen. Die Schulaufführungen waren ja eigentlich nur deshalb interessant, weil man einige der hübscheren Damen abwechslungsweise mal im Abendkleidchen sehen konnte. Als Onkelchen erkannte, dass er den Bach mit der Getüte-Methode nicht würde überqueren können, meldete er sich krankheitsbedingt ab und nahm nicht an der Schulaufführung des Marterteils teil. Tante Dilein war dagegen dabei, allerdings war damals an eine Verheiratung der beiden noch nicht im Entferntesten zu denken!

Jetzt kämpft Onkelchen wieder mit Bach, und zwar mit noch viel schwererer Kost, als es "Sie werden aus Saba alle kommen" jemals gewesen war, nämlich der Johannes-Passion (BWV 245). Diesmal muss Onkelchen nicht mehr tüten, er darf von Anfang an Text singen, er kommt mit den Noten besser klar, es müsste doch alles in Ordnung sein, oder?
Mitnichten. Diesmal hat das Übel zwei Worte: Historische Aufführungspraxis.

Die historische Aufführungspraxis versucht, alte Musik so erklingen zu lassen, wie sie (vermutlich) zu Lebzeiten ihrer Komponisten erklang. Zum Beispiel weiß man anhand alter Instrumente, dass die Intonation zu Bachs Lebzeiten in etwa einen Halbton tiefer lag als heute. Das ist eigentlich ganz in Ordnung (in der Regel säuft man beim Singen immer ein bisschen nach unten ab), aber das zweite Merkmal der historischen (Onkelchen verwendet manchmal auch das Wort hysterischen) Aufführungspraxis ist ein irrwitziges Tempo, als würde man mit 78 Umdrehungen anstatt mit 33 1/3 Umdrehungen singen. Sozusagen Bach auf Speed.

Onkelchen hat zum Beispiel eine wunderschöne Aufnahme der Johannespassion von 1976 mit dem Leipziger Gewandhausorchester und dem Thomanerchor, die von der neumodischen historischen Aufführungspraxis noch gänzlich unbeleckt ist. Alles ist bei dieser Aufnahme dort, wo es sein soll: Dramatik wo es nötig ist, getragene Feierlichkeit am rechtenh Ort. Die historische Aufführungspraxis lässt dagegen alles gefühlt doppelt so schnell ablaufen. Denn angeblich war es wohl zu Bachs Zeiten so! Da uns leider aus Bachs Zeitalter weder eine CD noch ein Tonband mit einer Live-Aufnahme auf uns gekommen ist, ist diese Speedmetal-Version von Bachs Passion wahrscheinlich doch eher ein aktuelles Hirngespinst der Musikwissenschaftler - oder seien wir höflicher: Eine Mode.
Es sei nur daran erinnert, dass der große Dirigent Hans Knappertsbusch den "Parsifal" in Bayreuth immer sehr breit, getragen und langsam dirigierte. Er empfand diese Darbietung eben als richtig. Seine 1962 entstandene Aufnahme des "Parsifal" gilt laut Wikipedia heute noch als die definitive Interpretation dieser Oper.
Als dann Anfang der Siebziger der Franzose Pierre Boulez das Dirigentenpult erklomm, war der Parsifal immer schon 45 Minuten früher zu Ende. Boulez galt als Revolutionär, er verteidigte sich dagegen, er habe nur so dirigiert, wie es die Partitur vorgab. Das Ergebnis: Für Knappertsbuch-Aufnahmen des Parsifal braucht man vier CDs, für die von Boulez dagegen drei. Was die echtere, also werktreuere Interpretation gewesen sein mag, ist letztlich Geschmackssache. Aber ob Bach auf Speed die richtige Interpretation ist, sei hier doch zumindest in Frage gestellt.

Samstag, 12. März 2011

Flirt-Faktor Flugangst

Onkelchen ist ja ein großer Fan der Sitcom "The Big Bang Theory", in der es um die lustigen Ereignisse der Nerd-WG um Leonard und Sheldon und ihre gar nicht so nerdige, aber dafür hübsche Nachbarin Penny geht. Einer der Protagonisten der Show ist der permanent not-geile Howard, der die unmöglichsten Methoden ausprobiert, um an Frauen heranzukommen, und dabei (fast) jedesmal scheitert. Wie er zum Beispiel Google Earth und waghalsige Triangulationsmethoden benutzt und noch eine unbemannte Aufklärungsdrohne der US Air Force umleitet, um die Position des Hauses herauszufinden, in dem sich die Kandidatinnen von "America's Next Topmodel" aufhalten, ist kaum zu beschreiben - man muss es gesehen haben.

Man muss nicht immer einen so hohen Aufwand betreiben. Im Film "About A Boy" besucht der von Hugh Grant gespielte Aufreißer ein Treffen alleinerziehender Mütter mit dem bezeichnenden Namen SPAT - Single Parents Alone Together. Dass das Kürzel SPAT im Englischen so etwas wie "Ausgespuckt" bedeutet, sei hier als Guttenbergsche Fußnote noch drangehängt (Eine Guttenbergsche Fußnote ist eine, deren Inhalt man eigentlich überall nachlesen kann).

Eine dritte Methode, die vom Aufwand her ungefähr zwischen den beiden genannten liegt, hat Onkelchen herausgefunden. Er hat zwar das Anbandelpotenzial nicht selbst erforscht. Er kann sich aber gut vorstellen, dass Menschen, die es "brauchen" (hihi), auf diese Weise zum Erfolg kommen könnten.
Onkelchen hat nämlichen vor mehreren Jahren an einem Flugangst-Seminar teilgenommen. Er war damals in einer sehr klapprigen Boeing 767 der Condor von Kanada nachhause geflogen und musste kurz danach geschäftlich nach Prag fliegen - in einer wahrscheinlich ebenso klapprigen Turboprop-Schüssel einer Ex-Ostblock-Airline. Kein Wunder, dass er psychologische Beratung brauchte.

Vor kurzem stieß Onkelchen beim Aufräumen auf die Mappe, die er bei dem Seminar erhalten hatte. Darin war auch die Teilnehmerliste noch enthalten (Onkelchen schmeißt nichts weg), sogar die Ticketabschnitte für den Abschlussflug waren noch drin. Dabei stieß Onkelchen auf die Tatsache, dass zwei Drittel der insgesamt ca. zwölf Teilnehmer Frauen waren (durchaus auch hübsche). Klar, Frauen gestehen sich tendenziell eher ein, dass sie Flugangst haben - Flugängstliche Männer schütten sich dagegen unmittelbar nach dem Start mit Bloody Marys zu und hoffen, den Flug zu verdösen.

Ein solches Flugangst-Seminar ist emotional eine sehr aufreibende Angelegenheit. Onkelchen fand es zwar unter anderem cool, mal auf dem Cockpitsitz eines Airbus A340 Platz nehmen zu können (der Nerd in ihm!), aber die Gesprächskreise waren sehr anstrengend. Es gibt ja alle möglichen Gründe für Flugangst - Klaustrophobie, Angst vor Kontrollverlust - und diese werden in den Gesprächsrunden nach außen gekehrt. Eine Frau in der damaligen Runde hatte zum Beispiel das Problem, dass sie sogar in Zügen Beklemmungen bekam, und Fliegen ist ja noch die Potenzierung davon. Eine brach bei der Schilderung ihrer Angstzustände sogar in hemmungsloses Schluchzen aus. Onkelchen nervte dagegen den Flugkapitän, der sehr geduldig die technischen Systeme erklärte, mit Horrorgeschichten über vergangene Flugunfälle und versuchte ihn zu überzeugen, dass Fliegen systemisch inhärent unsicher sei. Damit hat er seinen Mit-Flugängstlern zweifellos keinen großen Gefallen getan.

Wäre nun aber Onkelchen nicht der im Grunde gutherzige Nerd, der er nun mal ist, sondern ein Reißwolf mit sexuell unersättlichem Appetit, dann hätte er sich unter den Seminarteilnehmerinnen schadlos halten können. Der emotionale Stress, den die Teilnehmer bei diesem Seminar nun einmal durchlaufen, macht sie verwundbar und sehr verletztlich. Das trifft besonders auf die Zeit vor dem Abschlussflug zu, der stets den Höhepunkt des Flugangstseminars bildet. Das ist die Zeit, in der gerade die Frauen am angreifbarsten sind. Eine war ständig im Handykontakt mit ihrem Lebenspartner, und als dieser endgültig die Geduld verlor und sie anblaffte, sie möge doch endlich in diese Kiste einsteigen, war die Krise natürlich da. Wer hier Mitgefühl heuchelt und als Tröster bereitsteht (wink, wink), hat gute Chancen, bei einer landen zu können (im doppelten Sinne). Das Ganze ist nur teuer - das zweitägige Seminar bei der Lufthansa kostet laut aktuellen Preisen rund 780 Euro!!! Aber es wäre zumindest eine nette Idee für das Drehbuch einer romantischen Komödie.

Onkelchen ist dann doch nicht nach Prag geflogen, er nahm den Zug. Das war auch Mist, denn er konnte in dem engen Liegewagenabteil kein Auge zumachen (immer dieses takkada, takkada, takkada) und beim Grenzübertritt kamen auch noch die tschechischen Grenzer rein - das Schengen-Abkommen bezog Tschechien damals noch nicht mit ein. Später wünschte er sich, er wäre geflogen. Er tut es inzwischen auch gelegentlich immer mal wieder. Bewaffnet mit Schokolade und Lebkuchen. Seiner Meinung nach ist das die beste Medizin gegen Flugangst.