So, wir haben eine Nacht über die Halbfinal-Niederlage der deutschen Mannschaft geschlafen. Das Ergebnis ist genauso unerfreulich wie vorher, aber man sieht doch ein bisschen klarer. Landauf, landab verweisen die Gazetten darauf, dass dieser deutschen Mannschaft die Zukunft gehöre und dass die Zeit für sie arbeite. Mag sein, dass die Generation der Neuers, der Müllers, der Özils, der Khediras, der Kroos, der Marins zusammen mit den ebenfalls noch sehr jungen Leadern Lahm und Schweinsteiger noch nicht an ihrem Zenit angekommen ist. Doch das nagende Gefühl lässt sich nicht abschütteln: Jetzt (genauer gesagt, gestern) war die Chance da, es allen zu zeigen, und am Ende stand - wie schon im EM-Finale 2008 - ein ernüchterndes 0-1.
Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft und der Trainerstab - und genauso die Fans - noch einige Zeit an diesem Halbfinale gegen Spanien zu kauen haben. Denn die unangenehme Frage lautet: Wo war die Unbekümmertheit, mit der das junge deutsche Team Gegner wie England und Argentinien niederspielte? Lag es nur daran, dass Müller gesperrt war (eine Parallele zum gesperrten Frings im WM-Halbfinale 2006)? Und, daran anschließend: Mit welchen Mitteln kann eine deutsche Mannschaft überhaupt gegen einen Gegner bestehen, der über ein herausragendes Positionsspiel verfügt, pass- und ballsicher ist und - wie im EM-Finale 2008 - ein unsichtbares Netz über den Platz spannt, in dem sich die deutsche Vorwärtsbewegung nur allzuoft verheddert?
Seit der EM 2008 ist Spanien der Goldstandard im internationalen Fußball. Das müssen wir anerkennen, und Spanien ist dieser Favoritenrolle trotz der Auftaktniederlage gegen die Schweiz gerecht geworden. Wenn der deutsche Fußball wieder Titel erringen will - und die Parole vom 4. Stern für Deutschland klingt uns ja immer noch in den Ohren - dann muss man sich überlegen, wie man so eine Mannschaft knacken kann. Denn früher oder später wird es wieder zu einem Aufeinandertreffen kommen, falls Spanien seine Ausnahmestellung bestätigen sollte. Und dann sind Lösungen gefragt, die überzeugender sind als die, die wir gestern gesehen haben.
Es war gestern oft von Hemmungen die Rede, vom mangelnden Mut, vom Respekt gegenüber der Übermannschaft Spanien. Ich kenne so was auch aus meinem eigenen Job: Die Angst vor dem Scheitern lähmt oft die eigene Initiative. Ich habe also insofern vollstes Verständnis für die Jungs. Ich habe aber nicht den Anspruch, Weltmeister zu sein oder werden zu wollen.
Wer also vom "4. Stern" spricht, der muss diese Hemmungen irgendwie ausblenden können, sonst bleibt am Ende immer die Trostrunde übrig, die Partie um den 3. Platz, oder wie die Autoren von "11Freunde" so richtig formulierten, das Pfannenset der WM.
Und gerade da muss ich wieder auf die deutsche Mannschaft zurückkommen, die 1986 in Mexiko Zweiter wurde - es war die Mannschaft und die WM, die mir am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben ist. Sie war mit einem grottigen 1-0 gegen Marokko im Achtelfinale und über Elfmeterschießen gegen Mexiko im Viertelfinale ins Halbfinale eingezogen. Der Gegner hieß Frankreich, ebenfalls zwei Jahre zuvor Europameister geworden und mit dem Traum-Mittelfeld um Platini, Giresse, Tigana und Fernandez der Goldstandard im internationalen Fußball. Zugegeben, Frankreich hatte auch echte Schwächen - der Torwart Joel Bats gehörte dazu, der schon in der neunten Minute einen Brehme-Freistoß unter dem Bauch hindurchkullern ließ (beim Spanier Casillas kann ich mir das nicht so recht vorstellen), aber in den Augen vieler damaliger Experten waren die Deutschen chancenlos. Die 86er glaubten trotzdem an ihre Chance.
Der Fußball dieser Zeit - der damalige Teamchef Beckenbauer brachte es fertig, zeitweise mit zwei Liberos zu spielen, einer vor, einer hinter der Abwehr - ist heute ja als "Rumpelfußball" verpönt. Allerdings habe ich mir mehr als einmal bei der Südafrika-WM gewünscht, unsere Jungs hätten die Nervenstärke und Entschlossenheit dieser 86er-Truppe. Bei denen gab es einigen Zoff hinter den Kulissen - die Münchner und Kölner waren einander nicht grün, und dann gab es noch die "Suppenkasper-Affäre" um Uli Stein, aber sie waren außerordentlich schwer zu schlagen, was selbst die Argentinier um Maradona im Finale erfahren mussten.
Bei allen Fußball-Reformen, die Klinsmann und Löw ab 2004 positiv umgesetzt haben, ist aus meiner Sicht diese sehr typische deutsche Eigenschaft etwas verloren gegangen. 1986 war es für alle schwer, gegen Deutschland zu spielen: Die Mannschaft konnte auch nach einem Rückstand zurückkommen. Heute ist es dagegen sehr oft so, dass das Schicksal der deutschen Mannschaft mehr oder weniger besiegelt ist, wenn sie einmal in Rückstand geraten ist.
Ein bisschen schräg finde ich auch, dass sowohl Löw als auch sein Vorgänger Klinsmann 2006 und 2010 im wesentlichen an ein und derselben Formation festhielten und nur dann umstellten, wenn Verletzungen oder Sperren einzelner Spieler dies erforderten (mit einer Ausnahme: Boateng für Badstuber nach dem verlorenen Serbien-Spiel). 1990 baute Beckenbauer sein Team dagegen gleich zweimal grundlegend um, obwohl die Ergebnisse dies nicht erfordert hätten: Einmal fürs Achtelfinale gegen die Niederlande (da fiel Uwe Bein heraus und Jürgen Kohler wurde als Feuerwehrmann gegen van Basten gebraucht) und das zweite Mal vor dem Halbfinale gegen England (da kamen Olaf Thon und Thomas Häßler in die Mannschaft, weil Beckenbauer gegen die kopfballstarken Briten die Bälle flach halten wollte).
Ich verstehe daher nicht, warum weder Löw vor dem Spiel gegen Spanien noch Klinsmann vor dem Spiel gegen Italien versucht hat, die Mannschaft stärker umzustellen. Klar, insbesondere Löw wäre nach den beiden Vier-Tore-Erfolgen gegen England und Argentinien in starke Erklärungsnöte geraten. Aber warum er Jansen und Kroos nicht von Anfang an spielen ließ, das erschließt sich mir nicht - schließlich wurden beide recht früh in der zweiten Hälfte eingewechselt. Mir scheint, dass er diese Lösung schon vor dem Spiel erwogen hatte, aber vielleicht hatte er sie als zu radikal verworfen und erst darauf zurückgegriffen, als sein Team in der ersten Halbzeit nicht den nötigen Druck erzeugen konnte.
Vielleicht ist es aber auch Schicksal, dass es erst 2014 soweit sein soll. Vielleicht war 1990 einfach einmal außer der Reihe und wir sind erst wieder dran, wenn die Jahreszahl die Ziffer 4 enthält (wie 1954 und 1974).
Bis dahin würde ich, wenn ich der DFB wäre, mindestens einmal im Jahr ein Testspiel gegen die Spanier ansetzen. Und wer weiß, vielleicht findet Löw (oder wer auch immer) irgendwann das Erfolgsrezept.
Ich und die Meinen
Herzlich willkommen!
So, das bin ich! Ich bin Kurt Palfi. Ich habe mir gedacht, jetzt muss mal ein neues Foto her. Leider hat Onkelchen ein Nacktfoto von mir hochgeladen. Aber ich sehe doch noch recht proper aus!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!
Wir (das sind ich, mein missratener Sohn Gianni Dona und Onkelchen, der alles für uns tippt) lästern in diesem Blog über alles, was gerade anfällt: Fußball, Politik, Film und Fernsehen, alles Mögliche. Viel Spaß!
Donnerstag, 8. Juli 2010
Mittwoch, 7. Juli 2010
WM-Blog: Geschichte wiederholt sich doch...
... vor vier Jahren war es Italien, jetzt erwies sich zum zweiten Mal nach der EM 2008 Spanien als unüberwindlicher Stolperstein für das deutsche Team. Und wieder bleibt den deutschen Recken nur das undankbare Spiel um Platz drei. Vielleicht war mehr drin, aber Spanien zeigte seine Klasse, und das muss man als Fußballfreund einfach anerkennen.
Trotzdem: Ein großartiges Turnier der deutschen Mannschaft, die vor allem mit ihren Spielen gegen England und Argentinien unglaublich viel Sympathie und Anerkennung gewonnen hat. Vielleicht war gerade in der ersten Hälfte der Respekt vor dem Europameister zu groß, aber darüber zu sprechen ist müßig. Das mag jetzt ein schwacher Trost sein, aber vielleicht - oder vielmehr ganz sicher - wird das Team an der Niederlage wachsen, daraus Lehren ziehen und noch besser werden.
In diesem Sinne: Auf ein Neues!
Trotzdem: Ein großartiges Turnier der deutschen Mannschaft, die vor allem mit ihren Spielen gegen England und Argentinien unglaublich viel Sympathie und Anerkennung gewonnen hat. Vielleicht war gerade in der ersten Hälfte der Respekt vor dem Europameister zu groß, aber darüber zu sprechen ist müßig. Das mag jetzt ein schwacher Trost sein, aber vielleicht - oder vielmehr ganz sicher - wird das Team an der Niederlage wachsen, daraus Lehren ziehen und noch besser werden.
In diesem Sinne: Auf ein Neues!
WM-Blog: Serrano-Schinken zum Frühstück
Wer diesen Blog von Beginn der WM an gelesen hat, könnte möglicherweise der Meinung sein, dass wir (die Verfasser) der deutschen Nationalmannschaft den immerhin noch möglichen vierten Stern nicht gönnen beziehungsweise sie und ihre Chancen herunterschreiben, wo es nur geht. Nichts liegt uns ferner! Natürlich wäre ein Vorrunden-Aus tatsächlich eine geeignete Startrampe gewesen, um Nivea-Jogi Löws Kopf zu fordern und sich für einen Trainer-Schrat wie Peter Neururer (Onkelchen sagt, er hat eine Schwäche für schratige Trainer) stark zu machen.
Den Begriff "schratiger Trainer" zu definieren, ist nicht ganz leicht. Vielleicht kann eine Analogie hier helfen: Ein schratiger Trainer sollte bestenfalls als Werbe-Ikone für Bier geeignet sein, keinesfalls für Körperpflege-Produkte oder Investmentfonds. Ein Trainer vom alten Schlag halt, kauzig, vielleicht auch wortkarg, aber ein Philosoph des grünen Rasens. Einer, der ohne einen Stab von Medienberatern auskommt. Einer, bei dem die Vorstellung nicht völlig abwegig ist, dass er in der Vereinsgaststätte mit den Treuesten der Treuen eine Rund Skat klopft.
Manche schratigen Trainer sind leider Alkoholiker und Kettenraucher gewesen, gottseidank nicht alle (Legendär ist zum Beispiel Happels Ausspruch "Burschen, sauft's weiter", als bei einer seiner Trainerstationen ein Team der Trinker ein Trainingsspiel gegen die Abstinenzler gewann). Zwingend erforderlich für einen schratigen Trainer ist allerdings, dass er in der Vereinsgaststätte nicht wie ein Fremdkörper wirkt (und ich meine Vereinsgaststätten, wie man sie noch in den achtziger Jahren kannte). Ein schratiger Trainer kann daher kein Totalabstinenzler sein.
Dazu kommt ein gewisser Hang zur Konditionsbolzerei, was aber nicht heißt, dass der schratige Trainer den feineren Aspekten des Fußballspiels gänzlich abhold sein muss. Bereitschaft zur Improvisation und auch zu ungewöhnlichen Taktiken ("Mach et, Otze!") sowie eine gewisse Medienresistenz und die Fähigkeit zu knackigen One-Linern (wie sagte Peter Neururer, als er - glaube ich - Schalke trainierte, die damals das Image einer Fahrstuhlmannschaft hatten: "Gegen den FC Bayern werden wir nicht hoch gewinnen") machen den Trainer-Schrat perfekt.
Der bereits genannte Peter Neururer wäre wie gesagt eine aktuelle Idealbesetzung für dieses Profil, alternativ fallen mir aus der Geschichte noch Namen wie Fiffi Kronsbein, Branko Zebec, Aleksandar Ristic, Rolf Schafstall, Kuno Klötzer, Klaus Toppmöller oder auch Ernst Happel ein (wobei Ernst Happel eher dem Weine und nicht dem Biere zugeneigt war). Man möge mir verzeihen, dass diese Liste leicht HSV-nostalgielastig ist, aber auch der späte Lattek und ganz gewiss auch Christoph Daum, eventuell auch Daums zeitweiliger Vertreter Erich Rutemöller erfüllen zumindest in Teilen das Anforderungsprofil. Früher fand man schratige Trainer in allen Bereichen der Bundesliga, heute leider eher in den unteren Regionen.
Jogi Löw ist leider kein Trainer-Schrat, er ist ein vorbildlicher Übungsleiter, dem ich - und das möchte ich hier betonen - den WM-Titel gönne. So wie dem ganzen Team. Es ist nur der reine Aberglaube, der mich dazu zwingt, das deutsche Team und dessen Chancen so weit in den Keller zu schreiben, wie es nur geht.
Es ist eine Erfahrung aus meinem beruflichen Leben: Wenn man glaubt, man säße fest im Sattel, man hätte seine Position gefunden, es könne einen nichts mehr überraschen, dann schickt einem plötzlich das Leben eine Grätsche, und man küsst die Grasnarbe. Und insofern möchte ich selbst den Mahner geben, der mit seinen Kassandrarufen den Turnier-GAU herbeiunkt, um dann um so mehr überrascht zu sein ob der überzeugenden Auftritte des deutschen Teams.
Bei aller Freude über das bisherige Turnier ist das spanische Team vermutlich doch der härteste Brocken, den es bei dieser WM gibt, und Schweinsteiger, Löw & Co. werden hoffentlich ganz genau wissen, wie sie die rote Flut stoppen können. Denn keine andere Mannschaft versteht es so gut, durch das Kurzpassspiel im Mittelfeld (es gibt Leute, die das Ganze ehrfurchtsvoll Tiki-Taka nennen, aber ich nenne es Ballgeschiebe) das Spiel zu verschleppen, bis sich dann entweder aufgrund der Langeweile, die sich auf seiten des Gegners einstellt, oder aufgrund eines Geistesblitzes von Villa oder Torres dann doch eine gefährliche Situation ergibt. Unsere Jungs haben das im EM-Finale 2008 erlebt: Aufgrund der Ballsicherheit der Spanier ist es sehr schwer für den Gegner, gegen die Furia Roja ins Spiel zu finden. Es wird also ein hartes Stück Arbeit. Sie haben aber auch Schwächen. Diego Maradona sagte nach der Auftaktniederlage der Spanier gegen die Schweiz sinngemäß: "Wenn die Tore an den Seitenlinien stünden, hätten sie 10-1 gewonnen!" Das heißt übersetzt: Ballbesitz allein ist kein Erfolgsgarant.
Um unsere Jungs zu unterstützen, habe ich deshalb heute morgen spanischen Serrano-Schinken verdrückt (lecker) und ich werde das Ritual einhalten, das ich bisher vor jedem der KO-Spiele des deutschen Teams eingehalten habe. Am Nachmittag gibt es mindestens eine Folge "Fawlty Towers" von der DVD (das habe ich vor dem England-Spiel gemacht, weil ich so ein schlechtes Gefühl hatte und dringend Lachmuskeltraining brauchte) und dann schaue ich mir das Spiel im Trikot des GEGNERS an. Das hat folgenden Sinn: Ich will meine eigenen negativen Emotionen auf den Gegner übertragen. Bis jetzt hat es gut funktioniert. Ich muss mir heute also unbedingt noch ein Spanien-Trikot besorgen. Das ist auch der Grund, warum ich mich des Public-Viewing-Unsinns enthalte. Man stelle sich vor, ich wäre im Argentinien-Trikot zum Gruppenguck gelatscht - das hätte Prügel gegeben! Also in diesem Sinne: Ich wünsche uns allen heute abend ein gutes Spiel und seid nicht zu enttäuscht, falls es nicht klappen sollte!
In diesem Fall dürfen wir nämlich im Spiel um Platz 3 den alten Klassiker Deutschland - Uruguay (das war schon 1970 das "kleine Finale") wieder aufwärmen. Das ging damals 1-0 für die unsern aus, Torschütze war damals der kölsche Jung Overath. Vielleicht trifft ja diesmal Poldi (auch ein Kölner).
Den Begriff "schratiger Trainer" zu definieren, ist nicht ganz leicht. Vielleicht kann eine Analogie hier helfen: Ein schratiger Trainer sollte bestenfalls als Werbe-Ikone für Bier geeignet sein, keinesfalls für Körperpflege-Produkte oder Investmentfonds. Ein Trainer vom alten Schlag halt, kauzig, vielleicht auch wortkarg, aber ein Philosoph des grünen Rasens. Einer, der ohne einen Stab von Medienberatern auskommt. Einer, bei dem die Vorstellung nicht völlig abwegig ist, dass er in der Vereinsgaststätte mit den Treuesten der Treuen eine Rund Skat klopft.
Manche schratigen Trainer sind leider Alkoholiker und Kettenraucher gewesen, gottseidank nicht alle (Legendär ist zum Beispiel Happels Ausspruch "Burschen, sauft's weiter", als bei einer seiner Trainerstationen ein Team der Trinker ein Trainingsspiel gegen die Abstinenzler gewann). Zwingend erforderlich für einen schratigen Trainer ist allerdings, dass er in der Vereinsgaststätte nicht wie ein Fremdkörper wirkt (und ich meine Vereinsgaststätten, wie man sie noch in den achtziger Jahren kannte). Ein schratiger Trainer kann daher kein Totalabstinenzler sein.
Dazu kommt ein gewisser Hang zur Konditionsbolzerei, was aber nicht heißt, dass der schratige Trainer den feineren Aspekten des Fußballspiels gänzlich abhold sein muss. Bereitschaft zur Improvisation und auch zu ungewöhnlichen Taktiken ("Mach et, Otze!") sowie eine gewisse Medienresistenz und die Fähigkeit zu knackigen One-Linern (wie sagte Peter Neururer, als er - glaube ich - Schalke trainierte, die damals das Image einer Fahrstuhlmannschaft hatten: "Gegen den FC Bayern werden wir nicht hoch gewinnen") machen den Trainer-Schrat perfekt.
Der bereits genannte Peter Neururer wäre wie gesagt eine aktuelle Idealbesetzung für dieses Profil, alternativ fallen mir aus der Geschichte noch Namen wie Fiffi Kronsbein, Branko Zebec, Aleksandar Ristic, Rolf Schafstall, Kuno Klötzer, Klaus Toppmöller oder auch Ernst Happel ein (wobei Ernst Happel eher dem Weine und nicht dem Biere zugeneigt war). Man möge mir verzeihen, dass diese Liste leicht HSV-nostalgielastig ist, aber auch der späte Lattek und ganz gewiss auch Christoph Daum, eventuell auch Daums zeitweiliger Vertreter Erich Rutemöller erfüllen zumindest in Teilen das Anforderungsprofil. Früher fand man schratige Trainer in allen Bereichen der Bundesliga, heute leider eher in den unteren Regionen.
Jogi Löw ist leider kein Trainer-Schrat, er ist ein vorbildlicher Übungsleiter, dem ich - und das möchte ich hier betonen - den WM-Titel gönne. So wie dem ganzen Team. Es ist nur der reine Aberglaube, der mich dazu zwingt, das deutsche Team und dessen Chancen so weit in den Keller zu schreiben, wie es nur geht.
Es ist eine Erfahrung aus meinem beruflichen Leben: Wenn man glaubt, man säße fest im Sattel, man hätte seine Position gefunden, es könne einen nichts mehr überraschen, dann schickt einem plötzlich das Leben eine Grätsche, und man küsst die Grasnarbe. Und insofern möchte ich selbst den Mahner geben, der mit seinen Kassandrarufen den Turnier-GAU herbeiunkt, um dann um so mehr überrascht zu sein ob der überzeugenden Auftritte des deutschen Teams.
Bei aller Freude über das bisherige Turnier ist das spanische Team vermutlich doch der härteste Brocken, den es bei dieser WM gibt, und Schweinsteiger, Löw & Co. werden hoffentlich ganz genau wissen, wie sie die rote Flut stoppen können. Denn keine andere Mannschaft versteht es so gut, durch das Kurzpassspiel im Mittelfeld (es gibt Leute, die das Ganze ehrfurchtsvoll Tiki-Taka nennen, aber ich nenne es Ballgeschiebe) das Spiel zu verschleppen, bis sich dann entweder aufgrund der Langeweile, die sich auf seiten des Gegners einstellt, oder aufgrund eines Geistesblitzes von Villa oder Torres dann doch eine gefährliche Situation ergibt. Unsere Jungs haben das im EM-Finale 2008 erlebt: Aufgrund der Ballsicherheit der Spanier ist es sehr schwer für den Gegner, gegen die Furia Roja ins Spiel zu finden. Es wird also ein hartes Stück Arbeit. Sie haben aber auch Schwächen. Diego Maradona sagte nach der Auftaktniederlage der Spanier gegen die Schweiz sinngemäß: "Wenn die Tore an den Seitenlinien stünden, hätten sie 10-1 gewonnen!" Das heißt übersetzt: Ballbesitz allein ist kein Erfolgsgarant.
Um unsere Jungs zu unterstützen, habe ich deshalb heute morgen spanischen Serrano-Schinken verdrückt (lecker) und ich werde das Ritual einhalten, das ich bisher vor jedem der KO-Spiele des deutschen Teams eingehalten habe. Am Nachmittag gibt es mindestens eine Folge "Fawlty Towers" von der DVD (das habe ich vor dem England-Spiel gemacht, weil ich so ein schlechtes Gefühl hatte und dringend Lachmuskeltraining brauchte) und dann schaue ich mir das Spiel im Trikot des GEGNERS an. Das hat folgenden Sinn: Ich will meine eigenen negativen Emotionen auf den Gegner übertragen. Bis jetzt hat es gut funktioniert. Ich muss mir heute also unbedingt noch ein Spanien-Trikot besorgen. Das ist auch der Grund, warum ich mich des Public-Viewing-Unsinns enthalte. Man stelle sich vor, ich wäre im Argentinien-Trikot zum Gruppenguck gelatscht - das hätte Prügel gegeben! Also in diesem Sinne: Ich wünsche uns allen heute abend ein gutes Spiel und seid nicht zu enttäuscht, falls es nicht klappen sollte!
In diesem Fall dürfen wir nämlich im Spiel um Platz 3 den alten Klassiker Deutschland - Uruguay (das war schon 1970 das "kleine Finale") wieder aufwärmen. Das ging damals 1-0 für die unsern aus, Torschütze war damals der kölsche Jung Overath. Vielleicht trifft ja diesmal Poldi (auch ein Kölner).
Dienstag, 6. Juli 2010
WM-Blog: Spanien ist endgültig Endstation!
Tja, auch bei unserer letzten Prognose lagen wir daneben. Deutschland hat das Halbfinale bei der Fußball-WM erreicht, und das noch mit einem grandiosen 4-0 gegen den vormaligen Mitfavoriten Argentinien. Mein missratener Sohn Gianni Dona, der sich ja für die Wiedergeburt von Diego Maradona hält (ungeachtet der Tatsache, dass Maradona noch lebt), ist seitdem nicht mehr ansprechbar und hat sich in sein Kinderzimmer zurückgezogen (wahrscheinlich säuft er die ganze Zeit diesen entsetzlichen Mate-Tee, aber genau weiß ich's nicht) und hört die ganze Zeit Volksmusik.
Wir hatten unseren Tipp für Argentinien ja auf der Vermutung aufgebaut, dass sich die Argies im Vergleich zu den vorherigen Spielen noch steigern würden. Das haben die Deutschen sehr effektiv verhindert, was zu dem bekannten 4-0 führte.
Nun also gegen Spanien. Das wird ein schweres Spiel; wahrscheinlich ist nämlich Spanien der kompletteste und schwerste Gegner, den man bei dieser WM haben kann. Im Gegensatz zu Argentinien ist Spanien nämlich nicht so sehr von der Kreativität eines einzelnen Spielers abhängig. Schwer wiegt auch, dass Spanien in der Defensive keine nennenswerten Schwächen aufweist. Vor zwei Jahren im EM-Finale 2008 hat Spanien den Deutschen ja die Grenzen aufgezeigt, das Zusammenspiel der Deutschen wurde von den Iberern damals sehr effektiv unterbunden, die Aktionen der DFB-Elf verhedderten sich Mal um Mal in dem unsichtbaren Netz, das die Spanier über das Feld gespannt hatten.
Ganz so schlimm sollte es diesmal nicht kommen, aber wer von einem Erfolg in ähnlicher Höhe wie gegen England oder Argentinien träumt, sollte seine Erwartungen dringend herunterschrauben. Sonst ist ein bitteres Erwachen programmiert.
Wir geben heute keinen Tipp ab - Onkelchen meint, dass das Elfmeterschießen-Risiko beim Spiel gegen Spanien extrem hoch sein könnte und traut sich nicht, einen Tipp abzugeben. Ich persönlich übergebe hier das Wort an den Kraken Paul, den Weisesten der Weisen im Oberhausener Aquarium. Er hatte mit seinen Prognosen bisher immer recht und diesmal tippt er auf einen Erfolg für SPANIEN! Guckst du:
Ganz schwer wird es für die deutsche Mannschaft auch deshalb, weil Goalgetter Thomas Müller wegen einer gelben Karte gesperrt ist. Aber Hoffnung naht! Als Ersatz wird ja unter anderem Pjotr Trochowski gehandelt. Onkelchen hat ja schon mal vorgespielt - und hier gibt Trochowski die Flanke zum Führungstor (Kopfball Podolski! Sieht man auch nicht alle Tage!!).
Es wird aber vermutlich nicht reichen, unken wir, und deshalb wird Spanien wohl die Endstation der deutschen WM-Ambitionen werden.
Wir hatten unseren Tipp für Argentinien ja auf der Vermutung aufgebaut, dass sich die Argies im Vergleich zu den vorherigen Spielen noch steigern würden. Das haben die Deutschen sehr effektiv verhindert, was zu dem bekannten 4-0 führte.
Nun also gegen Spanien. Das wird ein schweres Spiel; wahrscheinlich ist nämlich Spanien der kompletteste und schwerste Gegner, den man bei dieser WM haben kann. Im Gegensatz zu Argentinien ist Spanien nämlich nicht so sehr von der Kreativität eines einzelnen Spielers abhängig. Schwer wiegt auch, dass Spanien in der Defensive keine nennenswerten Schwächen aufweist. Vor zwei Jahren im EM-Finale 2008 hat Spanien den Deutschen ja die Grenzen aufgezeigt, das Zusammenspiel der Deutschen wurde von den Iberern damals sehr effektiv unterbunden, die Aktionen der DFB-Elf verhedderten sich Mal um Mal in dem unsichtbaren Netz, das die Spanier über das Feld gespannt hatten.
Ganz so schlimm sollte es diesmal nicht kommen, aber wer von einem Erfolg in ähnlicher Höhe wie gegen England oder Argentinien träumt, sollte seine Erwartungen dringend herunterschrauben. Sonst ist ein bitteres Erwachen programmiert.
Wir geben heute keinen Tipp ab - Onkelchen meint, dass das Elfmeterschießen-Risiko beim Spiel gegen Spanien extrem hoch sein könnte und traut sich nicht, einen Tipp abzugeben. Ich persönlich übergebe hier das Wort an den Kraken Paul, den Weisesten der Weisen im Oberhausener Aquarium. Er hatte mit seinen Prognosen bisher immer recht und diesmal tippt er auf einen Erfolg für SPANIEN! Guckst du:
Ganz schwer wird es für die deutsche Mannschaft auch deshalb, weil Goalgetter Thomas Müller wegen einer gelben Karte gesperrt ist. Aber Hoffnung naht! Als Ersatz wird ja unter anderem Pjotr Trochowski gehandelt. Onkelchen hat ja schon mal vorgespielt - und hier gibt Trochowski die Flanke zum Führungstor (Kopfball Podolski! Sieht man auch nicht alle Tage!!).
Es wird aber vermutlich nicht reichen, unken wir, und deshalb wird Spanien wohl die Endstation der deutschen WM-Ambitionen werden.
Samstag, 3. Juli 2010
WM-Blog: Deutschland hat die Chance eines Schneeballs in der Hölle!
Deutliche Worte hat hier mein missratener Sohn Gianni Dona über die Aussichten der deutschen Nationalmannschaft im heute anstehenden Viertelfinalkrimi gegen Argentinien gefunden. Seiner Ansicht nach wird das WM-Turnier mit einer Neuauflage des allerersten WM-Finals von 1930 enden, nämlich mit dem Nachbarschaftsduell Argentinien-Uruguay.
Die Urus haben sich gestern gegen Ghana als hervorragende Taschenspieler präsentiert, nämlich indem sie gezeigt haben, dass ein Handspiel auf der Torlinie in der allerletzten Sekunde der Verlängerung doch noch spielentscheidend sein kann. Denn: Hätte der Uru Luis Suarez nicht im Stile eines Volleyballers den Ball von der Linie gepritscht und damit einen Elfmeter und die rote Karte in Kauf genommen, dann wäre der Ball drin und Ghana weiter gewesen. So aber verschoss Asamoah Gyan den fälligen Strafstoß, das Elfmeterschießen folgte, das Uruguay für sich entschied. Die Uruguayer erwiesen sich somit als Zocker erster Güte, Luis Suarez muss sich leider in Zukunft als "Taschendieb von Johannesburg" betiteln lassen. Er wird's verkraften.
Über die Chancen der deutschen Mannschaft brauchen wir kein Wort zu verlieren, die individuelle Klasse der Argentinier ist so hoch, dass sich niemand heute nachmittag dem gesundheitlichen Risiko aussetzen muss, in praller Hitze vor einer Riesenleinwand stehen und gleichzeitig einen Hitzschlag (fast hätte ich Hitzfeld gesagt)und einen Herzinfarkt zu erleiden, wenn Higuain, Tevez, Messi und Co. die deutsche Hintermannschaft in einen Schweizer Käse verwandeln. Nicht falsch verstehen: Die Jungs von Jogi Löw haben sich gut präsentiert, ihnen gehört die Zukunft, aber gegen die Argies reicht's einfach noch nicht. Sagt auch mein Sohn Gianni Dona, den wir hier in voller Aktion sehen:

Wir melden uns dann wieder zum Halbfinale Argentinien - Spanien (oder Paraguay).
Die Urus haben sich gestern gegen Ghana als hervorragende Taschenspieler präsentiert, nämlich indem sie gezeigt haben, dass ein Handspiel auf der Torlinie in der allerletzten Sekunde der Verlängerung doch noch spielentscheidend sein kann. Denn: Hätte der Uru Luis Suarez nicht im Stile eines Volleyballers den Ball von der Linie gepritscht und damit einen Elfmeter und die rote Karte in Kauf genommen, dann wäre der Ball drin und Ghana weiter gewesen. So aber verschoss Asamoah Gyan den fälligen Strafstoß, das Elfmeterschießen folgte, das Uruguay für sich entschied. Die Uruguayer erwiesen sich somit als Zocker erster Güte, Luis Suarez muss sich leider in Zukunft als "Taschendieb von Johannesburg" betiteln lassen. Er wird's verkraften.
Über die Chancen der deutschen Mannschaft brauchen wir kein Wort zu verlieren, die individuelle Klasse der Argentinier ist so hoch, dass sich niemand heute nachmittag dem gesundheitlichen Risiko aussetzen muss, in praller Hitze vor einer Riesenleinwand stehen und gleichzeitig einen Hitzschlag (fast hätte ich Hitzfeld gesagt)und einen Herzinfarkt zu erleiden, wenn Higuain, Tevez, Messi und Co. die deutsche Hintermannschaft in einen Schweizer Käse verwandeln. Nicht falsch verstehen: Die Jungs von Jogi Löw haben sich gut präsentiert, ihnen gehört die Zukunft, aber gegen die Argies reicht's einfach noch nicht. Sagt auch mein Sohn Gianni Dona, den wir hier in voller Aktion sehen:

Wir melden uns dann wieder zum Halbfinale Argentinien - Spanien (oder Paraguay).
Freitag, 2. Juli 2010
WM-Blog: Diplomatische Verwicklungen...
...hat ja der Versuch von Bastian Schweinsteiger ausgelöst, die Mentalität des Argentiniers an sich zu erklären. Dem Vernehmen nach wurde sogar der deutsche Geschäftsträger in Buenos Aires zum Rapport einbestellt.
Klasse hat, wie ich finde, Diego Maradona darauf reagiert. Er ließ Basti lediglich ausrichten: "Was ist los, bist du nervös?" Bastian mag zwar mit seinen Anmerkungen über die zum Teil recht unsportlichen Allüren argentinischer Fußballer recht haben, zu einem Urteil über den Argentinier an sich befähigt dies nicht.
Allerdings sind die Argies als Volk im Rest Lateinamerikas nicht unbedingt beliebt. Das haben sie mit den Deutschen in Europa gemeinsam...
Klasse hat, wie ich finde, Diego Maradona darauf reagiert. Er ließ Basti lediglich ausrichten: "Was ist los, bist du nervös?" Bastian mag zwar mit seinen Anmerkungen über die zum Teil recht unsportlichen Allüren argentinischer Fußballer recht haben, zu einem Urteil über den Argentinier an sich befähigt dies nicht.
Allerdings sind die Argies als Volk im Rest Lateinamerikas nicht unbedingt beliebt. Das haben sie mit den Deutschen in Europa gemeinsam...
Donnerstag, 1. Juli 2010
WM-Blog: Warum Deutschland gegen Argentinien gewinnt - oder auch nicht. Ein Streitgespräch der anderen Art.
Tja – wir haben ein paar Tage nichts von uns hören lassen, weil wir noch so geplättet vom letzten Spiel der deutschen Mannschaft waren. Das hat unsere Prognosen total über den Haufen geworfen. Onkelchens Geburtstag, der 27. Juni, bleibt also auf ewig mit einem historischen Debakel verbunden – allerdings auf der englischen Seite. Mann, das war ein Spiel, das wirklich alles hatte inklusive eines glasklaren Tores für die Engländer, das nicht gegeben wurde. Damit ist unsere allzu durchsichtige Absicht, ein Vorrunden- beziehungsweise Achtelfinal-Aus der deutschen Mannschaft herbeizuschreiben, um dann durch öffentlichen Druck Peter Neururer als Bundestrainer zu installieren, so was von in die Hose gegangen, und wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass sich die deutsche Mannschaft – sofern sie Argentinien schlagen sollte – zu einem echten Titelfavoriten mausert. Was sagt ihr dazu?
Gianni Dona: Argentinien wird gewinnen und schließlich den Weltmeistertitel holen. Diego macht das schon. Ich spüre das.
Argentinien und Deutschland trafen vor vier Jahren schon einmal im WM-Viertelfinale aufeinander, damals gab es ein 1:1 und anschließend Elfmeterschießen, das Deutschland für dich entschied. Wird es diesmal ähnlich laufen?
Onkelchen: Naja, diese WM hat ja schon so viele Prognosen Lügen gestraft – zum Beispiel war ich nach den ersten zwei Unentschieden immer noch felsenfest davon überzeugt, das Italien ein Topfavorit auf den Titel sei. Falsch gedacht. Wenn wir uns dieser Frage nähern, dann möchte ich hier einen ketzerischen Gedanken loswerden. Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland vor vier Jahren nur dank des Heimvorteils und dank einer unglücklichen Auswechslung des argentinischen Trainers Pekerman, der Riquelme herausgenommen hat, weitergekommen ist.
Gianni Dona: Das sehe ich auch so.
Onkelchen: Maradona ist als Trainer zwar eher als Dilettant einzustufen, aber diesen Fehler wird er nicht machen. Er wird zum Beispiel Messi nicht vom Feld nehmen, solange die Partie nicht wirklich entschieden ist – es sei denn, Messi verletzt sich.
Gianni Dona: Einspruch: Diego ist der größte Trainer aller Zeiten!
Onkelchen: Danke für diesen Einwurf. Bleiben wir doch sachlich – Deutschland hat diesmal keinen Heimvorteil und selbst der Trainer-Anfänger Diego wird diesen eklatanten Fehler seines Vor-Vorgängers Pekerman nicht machen. Dennoch hat Deutschland Chancen, denn ich denke, Argentinien steht unter einem größeren Druck als die Deutschen – und die Deutschen sind besser als vor vier Jahren, vor allem spielerisch. Argentinien dagegen hat ohne Zweifel die beste Offensive aller WM-Teilnehmer, aber die Hintermannschaft ist wacklig.
Gianni Dona: Das trifft auch auf die deutsche Mannschaft zu. Wenn man sich ansieht, welche Schnitzer sich Per Mertesacker geleistet hat…
Onkelchen: Kein Widerspruch – aber Demichelis war auch nicht immer so sattelfest, wie man es sich bei einem WM-Aspiranten wünscht. Vor vier Jahren war das Verhältnis Abwehr zu Angriff bei den Argentiniern ausgeglichener. Meine ich zumindest. In den bisherigen vier Spielen wurden die Argentinier hinten nicht unbedingt so stark gefordert, weil die Gegner nicht so sehr stark waren und weil sie ohnehin ihr Heil im Angriff gesucht haben. Die deutschen Gegner waren schwerer – das sieht man schon daran, dass beide Mannschaften, die aus der Gruppe D ins Achtelfinale aufgestiegen sind, sich noch im Wettbewerb befinden. Deutschland und Ghana sind noch dabei.
Gianni Dona: Das mag stimmen, aber sagt über das Spiel der Deutschen gegen die Argentinier wenig aus.
Onkelchen: Klar, jedes Spiel hat seine eigenen Gesetze – fünf Euro fürs Phrasenschwein – aber was ich sagen will, ist, dass Deutschland mit der Empfehlung kommt, schon einen ganz großen Namen des Weltfußballs weggehauen zu haben. Klar und simpel weggehauen. 4-1, OK, zählen wir das nicht gegebene Tor, dann ist es ein 4-2. Ich denke, das hat die Argentinier und Diego schon ein bisschen zum Grübeln gebracht. Für mich ist Deutschland leichter Außenseiter, wenn ich die Chancen der Mannschaft beziffern wollte, würde ich sagen: 45 zu 55, aber Deutschland ist beileibe nicht chancenlos. Damit Deutschland gewinnen kann, muss natürlich eine Menge passieren. Man muss sich eine Lösung einfallen lassen, wie man die Kreise von Messi auf möglichst faire Weise stören kann. Und Argentinien ist ja auch nicht nur Messi, die Stürmer wie Higuain, Tevez und Milito sind international erste Sahne. Es könnte passieren, dass Deutschland in Rückstand gerät, aber die deutsche Mannschaft ist damit auch schon im Serbien-Spiel sehr gut umgegangen. Andererseits hatte Mexiko im Achtelfinale gegen Argentinien durchaus Chancen, bis dann eben das irreguläre Tor fiel. Es ist den Mexikanern nicht gelungen, Profit aus den vorhandenen Chancen zu schlagen. Das muss die deutsche Mannschaft besser machen, dann hat sie eine reelle Chance.
Gianni Dona: Diese Rumpeltruppe?
Onkelchen: Naja, selbst Du als Wiedergeburt des argentinischen Fußballgenies, das aber noch lebt und derzeit die argentinische Nationalmannschaft trainiert, musst zugeben, dass 95 Prozent aller Spiele Rumpelfußball sind – ich bevorzuge den Ausdruck Gebolze. Irgendjemand haut den Ball nach vorne, in der Hoffnung, dass jemand ihn erläuft. Argentinien wird einige Fehler nicht machen, die den Engländern passiert sind, man muss sich da das 1-0 durch Klose anschauen, das war wirklich zum Piepen. Aber andererseits: Wenn Klose körperlich und mental fit ist, kann er einer der tödlichsten Stürmer sein, die es auf dem Globus gibt. Bastian Schweinsteiger ist wirklich in eine Führungsrolle hineingewachsen, die man dem einstigen Bruder Leichtfuß noch vor einem Jahr nicht zugetraut hätte. Mesut Özil ist ein echter Spielmacher – er ist kein Messi, dazu fehlt ihm international oft (noch!) die Torgefährlichkeit. Und Thomas Müller trägt seinen Namen und die 13 völlig zu Recht. Diese Leute sind in dieser WM so extrem mit ihren Aufgaben gewachsen, wie man sich es überhaupt nicht erhoffen konnte. Deshalb bin ich mir sicher, dass sie auch gegen Argentinien bestehen können und eine Chance haben. Einen Tipp traue ich mir nicht abzugeben – Argentinien ist aus meiner Sicht Favorit, aber die Deutschen werden auch ihre Chance haben. Ach was, jetzt tippe ich doch. 2-1 für Deutschland. Und wenn Deutschland weiterkommt, dann kommen sie auch ins Finale.
Gianni Dona: Ich sage 3-1 für Argentinien. Diego „D10s“ wird Weltmeister!
Gianni Dona: Argentinien wird gewinnen und schließlich den Weltmeistertitel holen. Diego macht das schon. Ich spüre das.
Argentinien und Deutschland trafen vor vier Jahren schon einmal im WM-Viertelfinale aufeinander, damals gab es ein 1:1 und anschließend Elfmeterschießen, das Deutschland für dich entschied. Wird es diesmal ähnlich laufen?
Onkelchen: Naja, diese WM hat ja schon so viele Prognosen Lügen gestraft – zum Beispiel war ich nach den ersten zwei Unentschieden immer noch felsenfest davon überzeugt, das Italien ein Topfavorit auf den Titel sei. Falsch gedacht. Wenn wir uns dieser Frage nähern, dann möchte ich hier einen ketzerischen Gedanken loswerden. Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland vor vier Jahren nur dank des Heimvorteils und dank einer unglücklichen Auswechslung des argentinischen Trainers Pekerman, der Riquelme herausgenommen hat, weitergekommen ist.
Gianni Dona: Das sehe ich auch so.
Onkelchen: Maradona ist als Trainer zwar eher als Dilettant einzustufen, aber diesen Fehler wird er nicht machen. Er wird zum Beispiel Messi nicht vom Feld nehmen, solange die Partie nicht wirklich entschieden ist – es sei denn, Messi verletzt sich.
Gianni Dona: Einspruch: Diego ist der größte Trainer aller Zeiten!
Onkelchen: Danke für diesen Einwurf. Bleiben wir doch sachlich – Deutschland hat diesmal keinen Heimvorteil und selbst der Trainer-Anfänger Diego wird diesen eklatanten Fehler seines Vor-Vorgängers Pekerman nicht machen. Dennoch hat Deutschland Chancen, denn ich denke, Argentinien steht unter einem größeren Druck als die Deutschen – und die Deutschen sind besser als vor vier Jahren, vor allem spielerisch. Argentinien dagegen hat ohne Zweifel die beste Offensive aller WM-Teilnehmer, aber die Hintermannschaft ist wacklig.
Gianni Dona: Das trifft auch auf die deutsche Mannschaft zu. Wenn man sich ansieht, welche Schnitzer sich Per Mertesacker geleistet hat…
Onkelchen: Kein Widerspruch – aber Demichelis war auch nicht immer so sattelfest, wie man es sich bei einem WM-Aspiranten wünscht. Vor vier Jahren war das Verhältnis Abwehr zu Angriff bei den Argentiniern ausgeglichener. Meine ich zumindest. In den bisherigen vier Spielen wurden die Argentinier hinten nicht unbedingt so stark gefordert, weil die Gegner nicht so sehr stark waren und weil sie ohnehin ihr Heil im Angriff gesucht haben. Die deutschen Gegner waren schwerer – das sieht man schon daran, dass beide Mannschaften, die aus der Gruppe D ins Achtelfinale aufgestiegen sind, sich noch im Wettbewerb befinden. Deutschland und Ghana sind noch dabei.
Gianni Dona: Das mag stimmen, aber sagt über das Spiel der Deutschen gegen die Argentinier wenig aus.
Onkelchen: Klar, jedes Spiel hat seine eigenen Gesetze – fünf Euro fürs Phrasenschwein – aber was ich sagen will, ist, dass Deutschland mit der Empfehlung kommt, schon einen ganz großen Namen des Weltfußballs weggehauen zu haben. Klar und simpel weggehauen. 4-1, OK, zählen wir das nicht gegebene Tor, dann ist es ein 4-2. Ich denke, das hat die Argentinier und Diego schon ein bisschen zum Grübeln gebracht. Für mich ist Deutschland leichter Außenseiter, wenn ich die Chancen der Mannschaft beziffern wollte, würde ich sagen: 45 zu 55, aber Deutschland ist beileibe nicht chancenlos. Damit Deutschland gewinnen kann, muss natürlich eine Menge passieren. Man muss sich eine Lösung einfallen lassen, wie man die Kreise von Messi auf möglichst faire Weise stören kann. Und Argentinien ist ja auch nicht nur Messi, die Stürmer wie Higuain, Tevez und Milito sind international erste Sahne. Es könnte passieren, dass Deutschland in Rückstand gerät, aber die deutsche Mannschaft ist damit auch schon im Serbien-Spiel sehr gut umgegangen. Andererseits hatte Mexiko im Achtelfinale gegen Argentinien durchaus Chancen, bis dann eben das irreguläre Tor fiel. Es ist den Mexikanern nicht gelungen, Profit aus den vorhandenen Chancen zu schlagen. Das muss die deutsche Mannschaft besser machen, dann hat sie eine reelle Chance.
Gianni Dona: Diese Rumpeltruppe?
Onkelchen: Naja, selbst Du als Wiedergeburt des argentinischen Fußballgenies, das aber noch lebt und derzeit die argentinische Nationalmannschaft trainiert, musst zugeben, dass 95 Prozent aller Spiele Rumpelfußball sind – ich bevorzuge den Ausdruck Gebolze. Irgendjemand haut den Ball nach vorne, in der Hoffnung, dass jemand ihn erläuft. Argentinien wird einige Fehler nicht machen, die den Engländern passiert sind, man muss sich da das 1-0 durch Klose anschauen, das war wirklich zum Piepen. Aber andererseits: Wenn Klose körperlich und mental fit ist, kann er einer der tödlichsten Stürmer sein, die es auf dem Globus gibt. Bastian Schweinsteiger ist wirklich in eine Führungsrolle hineingewachsen, die man dem einstigen Bruder Leichtfuß noch vor einem Jahr nicht zugetraut hätte. Mesut Özil ist ein echter Spielmacher – er ist kein Messi, dazu fehlt ihm international oft (noch!) die Torgefährlichkeit. Und Thomas Müller trägt seinen Namen und die 13 völlig zu Recht. Diese Leute sind in dieser WM so extrem mit ihren Aufgaben gewachsen, wie man sich es überhaupt nicht erhoffen konnte. Deshalb bin ich mir sicher, dass sie auch gegen Argentinien bestehen können und eine Chance haben. Einen Tipp traue ich mir nicht abzugeben – Argentinien ist aus meiner Sicht Favorit, aber die Deutschen werden auch ihre Chance haben. Ach was, jetzt tippe ich doch. 2-1 für Deutschland. Und wenn Deutschland weiterkommt, dann kommen sie auch ins Finale.
Gianni Dona: Ich sage 3-1 für Argentinien. Diego „D10s“ wird Weltmeister!
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